Nordtirol trifft Südtirol
Eindrucksvoller Besuch bei Südtirols Berufskollegen!
Der jährliche Ausflug zu Berufskollegen ist für Tirols Pinzgauer Züchter bereits Tradition und erlebte heuer einen Höhepunkt. Dem lang gehegtem Wunsch, einmal die Herkunft der vielfach eingesetzten Südtirol-Genetik zu besichtigen, wurde mit dem Besuch von sechs Spitzenzuchtbetrieben Rechnung getragen.
Um das straffe Programm an einem Tag zu schaffen, war ein frühzeitliches Aufbrechen unerlässlich. Der Weg führte uns über den Brenner, wo wir bei der Europabrücke beim Mc Donalds halt machten und manche das Frühstück nachholten. Nach der Kaffeepause ging es frisch und munter weiter über Bruneck ins Ahrntal. Unsere erste Station war am Betrieb Hofer Friedrich Johann, Rastbichlbauer. Dort wurden wir schon erwartet und konnten sehr rahmige, typvolle und leistungsbereite Kühe besichtigen. Unter ihnen die aktuelle Gesamtsiegerin der Bozner Messe, „Selina“ (V: Mokka). Den Sommer verbringen die Tiere auf der Heilig-Geist Alm im Talschluss des Ahrntals. Traditionell findet der Almabtrieb jedes Jahr erst am 31. Oktober statt.
Als Nächstes konnten wir den Betrieb der Familie Stolzlechner, Niederkofler besichtigen. Es ist ein extremer Bergbauernbetrieb mit sehr steilen Wiesen. Dort zeigte sich eine sehr ausgeglichene Herde mit mittelrahmigen, sehr leistungsbereiten und edlen Kühen mit top Euteranlagen. Einige Teststiere der letzten Jahre wie Bismark, Radon…stammen aus diesem Stall. Zurzeit stehen vier Stiere in der Aufzuchtstation bzw. auf der Besamungsstation. Besonders auffällig waren die tiefen Kuhfamilien und die Töchter der Stiere „Biston“ und „Nuton“ (die beiden Stiere stammen aus der gleichen Mutter). Jungbauer Martin konnte beim Jungzüchterevent in Lienz Ende Oktober mit einer Biston – Tochter den Typsieg erreichen.
Anschließend ging es talauswärts zum Mittagessen nach Ahornach, das uns dankenswerter Weise Martin Ebenkofler organisierte. Das Mittagessen entpuppte sich nämlich als Abenteuer und zwar ging es zur Hofschenke „Kofler zwischen den Wänden“. Dieser Name sagt schon vieles und so kamen wir zu einen der extremst gelegenen Bergbauernhöfe Südtirols. Er liegt abgeschieden auf dem Felsband zwischen Ahornach und Rein in Taufers inmitten einer faszinierenden Bergwelt. Nach einem vorzüglichen Mittagessen ging es zum Betrieb der Familie Ebenkofler, Pichler in Ahornach. Die bekannteste Kuh dieser Herde ist sicherlich die Kuh „Sira“ (V: Maltus), die bereits zweimal beim Dairy Grand Prix erfolgreich war. Besonders beeindruckt haben auch die Kühe aus der W-Linie, die sich durch Leistungsbereitschaft und Langlebigkeit auszeichnen und diese Eigenschaften auch eindrucksvoll weitervererben. Im Sommer verbringen die Jungtiere und die trockenstehenden Kühe auf der Gemeinschaftsalm Knuttenalm, unterhalb des Übergangs ins Osttiroler Deffreggental. Auch die einmalige Lage des Hofes gefiel den Exkursionsteilnehmern sehr.
Nach der interessanten Zeit am Pichlerhof ging es weiter nach Mühlwald (liegt in einem Seitental des Tauferertals) zum Betrieb der Familie Unterhofer, Großgasteiger. Betriebsführer Jakob Unterhofer stellte seinen Hof sehr eindrucksvoll vor. Trotz der Seehöhe von ca. 1200 m wird ein Teil der Wiesen 4x gemäht. Interessant für viele war auch die Warmluftheubelüftung, die mit einem Holzofen betrieben wird. Auch die Waldwirtschaft hat am Hof eine große Bedeutung und so werden ca. 40 ha Wald bewirtschaftet. Seine Herde zeichnet sich durch sehr rahmige, leistungsbereite und typvolle Tiere aus. Am Betrieb wurde auch der bekannte Stier „Biston“ gezüchtet. Er stammt aus der Kuh „Walli“, aus der noch einige Töchter am Betrieb stehen und die Vererbungskraft dieser Kuh deutlich veranschaulichen.
Besonders auffällig war die Kuh „Wachau“ (V: Sama), ebenfalls eine Walli-Tochter, die durch ihre Korrektheit und Ausgeglichenheit überzeugte. Die Schönheit von Wachau kam nicht nur als Kranzkuh zum Tragen, sie konnte zudem auch bei der Agrialp in Bozen einen Reservesieg verbuchen.
Abschließend ging es nach Pfalzen. Zuerst wurde der Betrieb der Familie Bodner, Huberhof besichtigt. Betriebsführer Peter stellte uns seine hochkarätige Herde vor. Die Kühe werden über das ganze Jahr hindurch im Stall gehalten, da durch die beengte Hoflage mitten im Dorf Pfalzen ein Weideaustrieb nicht möglich wäre. Das Jungvieh verbringt den Sommer über auf der Knuttenalm. Die Herde besticht durch ihre hohe Leistungsbereitschaft und der hohen Euterqualität. Besonders auffällig waren die kapitale Maltus – Tochter „Nadin“, sie war Gesamtsiegerin bei den Kalbinnen bei der letzten Landesausstellung und steht gerade trocken und die sehr edle Rat-Tochter „Somat“, die durch ein sehr gutes Euter überzeugen konnte. Von „Somat“ befindet sich zurzeit ein Liebher-Sohn im Testeinsatz.
Als letzte Station ging es zum Obmann der Südtiroler Pinzgauer Züchter, Gatterer Siegfried, Starkl. Dort konnten wir ebenfalls sehr leistungsbereite und langlebige Kühe bewundern. Ganz besonders interessant war die Nachzucht vom Teststier „Monky“. Dieser kam nach der Absamung auf den Hof zum Deckeinsatz. In wenigen Wochen werden schon die ersten Monky-Kalbinnen abkalben und sie zeigen sich sehr vielversprechend mit guten Euteranlagen. Zurzeit befindet sich auch der Teststier „Luzifer“ (Lotus x Melus) am Betrieb im Deckeinsatz. Nach einem gemütlichen „Stallbier“, einer guten Jause und vielen schönen Eindrücken machten wir uns wieder auf dem Heimweg.
Abschließend möchten wir uns bei den Familien für die enorme Gastfreundschaft herzlich bedanken und dass sie uns ein wenig Einblick in die Südtiroler Pinzgauerzucht gegeben haben. Wir möchten ihnen für die exzellente Zuchtarbeit anhand ihrer eindrucksvollen Herden gratulieren und wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg und Gesundheit in Haus und Hof.
16 begeisterte Teilnehmer erlebten einen Tag, bei dem der Zusammenhalt und das Gemeinsame der Tiroler Züchter im Vordergrund standen. Es wurde viel diskutiert, fachgesimpelt und gelacht und so freuen wir uns schon auf den Ausflug im kommenden Jahr.
Thomas Edenhauser




















































