Direktoriumssitzung in den USA
Pinzgauer aus aller Welt auf Tour
Etwa alle fünf Jahre findet die Direktoriumssitzung aller Pinzgauer züchtenden Länder als Vorbereitung zum Pinzgauer Kongress statt. Nach 2000 in Australien und 2006 in Brasilien wurde diese heuer Anfang September im Nordwesten der USA ausgetragen. Eine über 20-köpfige Delegation aus Österreich und Südtirol mit dem Weltpräsidenten der Pinzgauer Züchter Hans Scharfetter, ARGE-Obmann Christian Dullnigg und vielen Züchtern und Freunden des Pinzgauer Rindes machte sich auf dem Weg in die Vereinigten Staaten.
Aufgrund des Hurrikans Irene mussten wir einen Tag Pause in Frankfurt einlegen, bevor es über den Atlantik bis an die Pazifikküste der USA ging. Der Tag in Frankfurt wurde für Sightseeing genutzt, die Altstadt und das Mainufer mit einem herbstlichen Fest boten eine schöne Kulisse um ein paar Stunden zu verweilen.
Mit einem Tag Verspätung traf die Gruppe aus dem Stammzuchtgebiet auf die Kollegen aus Südafrika, der Slowakei, Australien, Kanada und den USA. Gemeinsam wurde in den nächsten Tagen ein gemischtes Programm aus landwirtschaftlichen Exkursionszielen und landschaftlichen Schönheiten absolviert. Ziele waren unter anderem die Küste Oregons mit den faszinierenden Haystack Rock, großen Felsen die aus dem Wasser nahe der Küste ragen. Hier regnet es sehr viel, teilweise über 2000 mm im Jahr und so ist dieses Gebiet prädestiniert für die Milchwirtschaft. Verarbeitet wird die Milch in der Tillamook-Käserei zu dem im ganzen Land bekannten Tillamook Cheddar, einem begehrten, gut schmeckenden und hochpreisigen Markenkäse.
Ein weiterer landschaftlicher Höhepunkt war eine Fahrt entlang des Columbia-Flusses mit seinen zahlreichen Wasserfällen. Einer der schönsten Wasserfälle ist der fast 200 Meter herabstürzende Multnomah-Fall, der von einigen auch von oben bewundert wurde. Mithilfe des Bonneville-Staudammes wird der riesige Fluss zur Stromversorgung genutzt. Dank der enormen Kraft des Wassers werden 500.000 Haushalte mit Strom versorgt. Eindrucksvoll auch die Fischtreppen, wo durch Fenster die zum Laichen flussaufwärts wandernden Lachse bewundert werden können.
Am Donnerstag standen zwei Milchvieh- und zwei Mutterkuhbetriebe im nordwestlichsten Bundesstaat Washington am Programm. Beeindruckend für viele die großen Milchviehbetriebe, einmal ein konventionell wirtschaftender Betrieb mit 900 Kühen und ein Bio-Betrieb mit 130 Kühen. Auf dem größeren wird rund um die Uhr in drei Schichten im Doppel-24er Melkstand gemolken, 10 Arbeiter aus Mexiko versorgen hier über 1000 Tiere. Die Milchleistung der Holstein Friesian-Kühe liegt bei 38 kg Tagesgemelk, gefüttert wird Silomais, Luzerneheu, Biertreber und Milchleistungsfutter. Es wird nicht mehr besamt, zum Deckeinsatz kommen genomisch getestete Natursprungstiere. Sämtliche Kalbinnen werden mit Jersey-Stiere angepaart. Die durchschnittliche Zwischenkalbezeit beträgt <400 Tage, die Nutzungsdauer etwa drei Laktation. Die Stierkälber werden zweimal in der Woche für rund 40 $ verkauft, die weiblichen Nachkommen auf einem anderen Betrieb aufgezogen.
Auf dem biologisch geführten Betrieb wird Portionsweidehaltung betrieben, zugefüttert wird im Stall nur etwas Heu und Kraftfutter. Auch hier liegt die Milchleistung bei 26 – 28 kg Milch pro Tag, im Arbeitseinsatz steht die Familie und eine Fremdarbeitskraft. Der Milchpreis liegt unter dem Niveau von Österreich, Futter wird auf beiden Betrieben sehr viel zugekauft.
Bei den Mutterkuhbetrieben wurde ein Pinzgauer Betrieb und ein Büffelbetrieb besichtigt. Der Pinzgauer Betrieb hält ca. 25 Pinzgauer Muttertiere, die ausschließlich besamt werden. Zum Einsatz kommen Pinzgauer Stiere aus ganz Amerika. Deren Stammbäume basieren allesamt auf österreichischen Stieren, die in den letzten Jahrzehnten in die USA und Kanada importiert wurden. Bei den Kalbinnen werden teilweise Angusstiere zur Gebrauchskreuzung eingesetzt, deren Nachkommen aber alle zur Schlachtung kommen. Die Tiere sind sehr gut gefüttert mit dem Nachteil teilweiser Schwergeburten. Die besondere Liebe zu den Pinzgauern kommt bei den Bauern deutlich zum Ausdruck, bei der Vorstellung ihrer Rinder geraten sie stets ins Schwärmen. Die weiblichen Absetzer werden an andere Züchter verkauft, die männlichen Kälber als Einsteller an Mastbetriebe verkauft.
Auf dem benachbarten Betrieb werden Büffel gehalten, die früher die Steppen der ganzen USA bevölkert haben. Die sehr wilden Tiere müssen mit zwei Meter hohen Elektrozäunen eingezäunt werden. Das Fleisch ist sehr begehrt und wird ab Hof vermarktet. Die Schlachttiere werden auf freiem Feld erschossen und dann gestochen. Eine Verladung zu einem Schlachthof ist nicht möglich.
Die Sitzung der Direktoren fand am Freitag auf der Farm der Amerikanischen Pinzgauer Präsidentin Donna Laney statt. Die einzelnen Länder berichteten vom Stand der Pinzgauer Zucht in ihren Regionen, wissenschaftlichen Ergebnissen im Bereich der genomischen Selektion im Fleischrinderbereich und bevorstehenden Veranstaltungen und Schauen.
Die Südafrikaner mit ihrem Präsidenten Paul Bester, stellten das Programm und ihre Ideen für den nächsten Pinzgauer Weltkongress in Südafrika, der im Frühling 2013 stattfinden soll, vor. Südafrika, wo die Pinzgauer Zucht massiv im Aufstreben ist, wird nach zwanzig Jahren wieder einen Kongress ausrichten, auf den man schon gespannt sein kann.
Der Samstag wurde für den Besuch der Oregon State Fair, einer großen landwirtschaftlichen Messe mit einem riesigen Vergnügungspark genutzt. Auf dieser Messe wurden alle landwirtschaftlichen Nutztiere gezeigt, von den Milchrindern mit den Rassen Holstein und Jersey, bis zu den verschiedenen Fleischrinder-, Schaf- und Ziegenrassen, Schweine, Geflügel und Kaninchen. Überall präsent sind auch die Jungzüchter, die mit sämtlichen Tierarten bei verschiedenen Vorführbewerben vertreten waren. Bei der ebenfalls stattfindenden Pinzgauer Schau wurden rund 25 Pinzgauer Rinder präsentiert. Gerichtet wurde von einem Preisrichter aus Arizona, der die Qualität der ausgestellten Tiere hervorhob. Die Tiere wurden in Gruppen nach ihrem Alter vorgeführt. Die Tiere präsentierten sich alle in einem sehr guten Fütterungszustand, wurden schnell und kompetent gereiht und nachvollziehbar kommentiert. Der Pinzgauer Weltpräsident Hans Scharfetter konnte jeweils dem besten männlichen und weiblichen Tier eine kleine Glocke als Präsent übergeben.
Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Hauptstadt von Oregon - Portland. Die sehr grüne Stadt mit 600.000 Einwohnern (im Großraum 2 Millionen) überrascht mit ihren tollen Aussichten von den Hügeln und einem wunderbaren Rosengarten, in dem mehrere hundert Sorten Rosen angepflanzt sind. Abgeschlossen wurde die Reise mit einer Bootsfahrt auf dem Williamette-Fluss, bei der ein wunderbares Abendessen serviert wurde.
Die Reise in die USA und vor allem der Austausch mit den Pinzgauer Züchtern aus der ganzen Welt waren sehr wertvoll. So wurden die Kontakte verstärkt und gepflegt, Ideen ausgetauscht, Möglichkeiten eines Genetik-Austausches besprochen und zudem mit viel Spaß und Heiterkeit die schöne und unverzichtbare Gemeinschaft gefeiert.
Mathias Kinberger






































































