Pinzgauer Rind Pinzgauer Rind Pinzgauer Rind Pinzgauer Rind
26.07.2011

Jungzüchter-Reise nach Südtirol

Vier unvergessliche Tage bei Kollegen und Freunden in Südtirol!

Martin Ebenkofler führte die Truppe aufs Klammljoch - die Grenze zwischen Ost- und Südtirol

Am Donnerstag frühmorgens startete eine Gruppe von 16 Jungzüchtern und Junggebliebenen mit dem Bus Richtung Südtirol. Unter uns waren unter anderem auch unser JZ-Obmann Hannes Hofer, der Salzburger Holsteinjungzüchterobmann Sepp Pichler und der Schweizer Pinzgauer Züchter Matthias Zimmermann.

Erste Station war das sonnige Pfalzen, wo uns Bodner Peter, Huber und Gatterer Siegfried, Starkl auf ihre Betriebe einluden. Im Stall von Peter stehen 18 zum Teil sehr bekannte Milchkühe, die teilweise aus der eigenen Zucht stammen und teilweise über Maishofen angekauft wurden. Hier wurde über die Kühe fachgesimpelt bis uns der Duft von Speck und vielen anderen Köstlichkeiten aus dem Stall lockte. Familie Bodner kredenzte uns eine Marende vor dem Stall, wo gemütlich gustiert, getrunken und gescherzt wurde. Pünktlich mit dem Zwölf-Uhr schlagen ging es weiter zum Betrieb von Siegried Gatterer, der nur einen Teil seiner Tiere im Stall hatte. Die anderen sind auf Sommerfrische im Ahrntal. Hier stach der Teststier Luzifer ins Auge, dessen Mutter wir noch später sehen sollten.

Nach einem guten Mittagessen im Gasthof Edy ging es taleinwärts auf den Betrieb der Familie Ebenkofler in Ahornach hoch über dem Talboden von Sand in Taufers. Keine bekanntere als die mehrmalige Dairy Grand Prix Siegerin Sira erwartete uns mit ihren Kolleginnen im Stall und brachte so manchen ins Schwärmen. Vor der üppigen Kaffeejause bei der Familie Ebenkofler vertraten wir uns noch ein wenig die Beine bei einem Spaziergang zum Nachbarn Kirchler, Meraleiter, wo die Mutter des Teststieres Luzifer steht.

Der Tag war schon etwas fortgeschritten und bereits reich an vielen Eindrücken. Das Tagesziel war die Knuttenalm in Rein in Taufers. Hier verbringen die trockenen Kühe und das Jungvieh der Familie Ebenkofler die Sommerfrische und werden dort vom Altbauern Alfons Ebenkofler mit seinen 82 Jahren bestens versorgt. Aufgrund des schönen Wetters ging es noch weiter hinauf zum Klammljoch auf 2295 Meter Seehöhe zur Grenze nach Osttirol. Von dort aus sieht man die bekannten Jagdhausalmen im Osttiroler Defereggental, die von Südtiroler Bauern bewirtschaftet werden. Zurück auf der Knuttenalm gab es köstliche Schweinshaxen und bei dem einen oder anderen Knuttengeist wurde bis spät in die Nacht mit unseren Südtiroler JZ-Kollegen Bodner Peter, Haller Siegfried und Martin Ebenkofler gefachsimpelt, bevor man müde ins gut riechende Almheu oder Stroh fiel.

Bei Sonnenschein ging es am nächsten Morgen wieder talauswärts nach Bruneck und durch das Gadertal nach Alta Badia. Ziel war das Grödner Joch und dann weiter St. Ulrich im Grödner Tal. Die Strecke mit dem Sella-Stock im Auge ist landschaftlich wunderschön und reizvoll. Am Parkplatz der Seiser Alm-Bahn wartete bereits Wanderführer Peter Stuflesser auf uns. Mit der Kabinenbahn erreichten wir das größte Almgebiet Europas mit einer Fläche von 52 km². Dieses Hochplateau wird touristisch im Sommer wie im Winter sehr stark genutzt. Auf die Frage wie viel gemäht und wie viel geweidet wird, erzählte Almbauer Raphael Kostner folgendes: Ein Fremder fragte ihn einmal: „Was tätest du wenn dir die ganze Welt gehört?“ Er darauf: „Die Hälfte mähen, die Hälfte hirten!“ Und so ist es auf der Seiser Alm. Familie Kostner lebt das ganze Jahr mit ihren 20 Pinzgauer Tieren auf der Seiser Alm und betreibt die beliebte „Sanon-Alm“. Alle Tiere werden selbst aufgezogen und so wie die anfallende Milch am Betrieb verwertet. Zurzeit steht die Heuernte an – rund 40 ha Almfläche wird von der Familie geheut. Aufgrund der guten Verkaufsstrategie unseres Obmannes kommt dabei vielleicht auch ein Heublasgerät zum Einsatz.

Nach einem gemütlichen Mittagessen mit Gulasch, Speckknödel und einem Südtiroler Roten wanderten wir in einer Wegstrecke von „20 Minuten“ weiter zur Alm von Petlinbauer Thomas Stuflesser auf 1670 Meter Seehöhe. Hier verbringen 20 Milchkühe ihre Almzeit. Untertags verbringen die Tiere die Zeit im neu erbauten Almstall, um nicht der Hitze und dem Ungeziefer ausgesetzt zu sein. 30 ha werden auch hier geheut, einerseits um den Kühen im Sommer etwas zuzufüttern, andererseits um im Winter rund 18 Stück Jungvieh zu versorgen, die auf der Seiser Alm bleiben. Hier wurde dann gemütlich vor der mehrere Jahrhunderte alten Hütte gechillt und relaxt, bevor es mit dem Almtaxi wieder hinauf zur Bergstation der Almbahn ging.

Tagesziel des Freitags war das wunderschönen Dorf Lajen am Eingang des Grödner Tales. Hier ist Matthias Ploner zuhause, der gerade dabei ist einen neuen Stall zu bauen um die Landwirtschaft wieder zu betreiben. Mitten im Dorf befindet sich auch der Hof des Moarbauern Ploner Josef, der vor zwei Wochen Gastgeber bei der ARGE-Almwanderung auf die Broglesalm war. Als Dankeschön überreichten wir ihm eine Hoftafel mit einem Bild seiner Alm, die ihm viel Freude bereitete. Nach ein paar Flaschen seines hausgemachten Roten ging es zum gemütlichen Teil des Abends über. Vor unserem Nachtquartier, der alten Scheune oberhalb der Metzgerei Ploner, wurde von Matthias und seiner Familie gegrillt. Bei besten Grillspezialitäten und vielen bekannten Gesichtern aus Südtirol war die Stimmung famos, einzig der einsetzende Regen und kühle Temperaturen gaben uns noch den Anlass, das an diesem Wochenende stattfindende Dorffest mit Ö3-Party zu besuchen. Hier wurde dann um Mitternacht auf den Geburtstag von Matthias angestoßen und noch fest getanzt und gefeiert.
Um die nächtlichen Strapazen leichter zu ertragen, nutzten ein paar Burschen die zwischenmenschlichen Beziehungen zu Lajens weiblichem Geschlecht und wurden prompt mit einer guten Spagetti-Mahlzeit verwöhnt! 

Am nächsten Morgen bestens gestärkt mit einem guten Frühstück wurde die Baustelle von Matthias Ploner besichtigt, die auch gut ein Apartmenthaus werden könnte. Nein falschgelegen, die Baustelle wird die Unterkunft für 16 Milchkühe, einen Stier und das dazugehörige Jungvieh.
Wir wünschen Matthias viel Erfolg bei seinem Projekt, bewundern seinen Enthusiasmus und freuen uns schon auf eine Stallführung im fertig gestellten Stall im Herbst!

Nachdem sich auch die letzten aus dem Heu geschält hatten, ging unsere Reise weiter in den Vintschgau. Vorbei an den schier endlosen Obstanlagen bei Bozen und Meran führte uns der Weg ins Schnalstal zum Wallfahrtsort "Unser Frau".
Das Schnalstal ist ein landschaftlich wunderschönes Seitental des Vintschgaus und Heimat vieler extremer Bergbauernhöfe, die vor allem mit Südtiroler Grauvieh bewirtschaftet werden. Beim Mittagessen stieß der Obmann der Südtiroler Grauviehjungzüchter, Andreas Tauferer zu uns, der auch seine beiden Vorstandsmitglieder Reinhard Kaserer und Wolfgang Taber mit im Gepäck hatte. Gemeinsam ging es zu zwei Grauviehbetrieben im Ort, die uns ihre Betriebe und Kühe vorstellten. Das Südtiroler Grauvieh, so erfragten wir, ist eine kleinrahmige, milchbetonte Zweinutzungsrasse mit guten Euteranlagen, die bestens an die raue Gebirgswelt angepasst sind. Davon konnten wir uns selbst überzeugen. Die kleinen, aber leistungsstarken Kühe überzeugen mit sehr viel Adel. So hat auch das Südtiroler Grauvieh einen guten Absatz an Zuchttieren in den Bergregionen von Süditalien, der Schweiz und dem Balkan. Die beiden Betriebe halten jeweils rund 15 Kühe und etwa noch einmal so viel Jungvieh. Aufgrund des guten Sommermilchpreises verbringen die Milchkühe den Sommer im Tal, und nur ein Teil der Milchkühe sowie das gesamte Jungvieh werden gealpt.
Ein herzliches Dankeschön an den Jungzüchterkollegen aus Südtirol für die interessanten Stunden und den gemeinsamen Austausch unserer Ideen!

Eine Busfahrverbotstafel schreckt uns Jungzüchter seit unserer Reise in die Schweiz nicht mehr ab, und so fuhr uns unser Busfahrer Wolfgang, dem an dieser Stelle herzlich gedankt werden muss, hoch hinauf ins Pfossental, frei nach dem Motto: „Schober Reisen bringt sie überall hin!“ Ziel unserer letzten Übernachtung war der Eishof auf 2076 Meter Seehöhe am Ende des Pfossentales. Dieser ist im Besitz von fünf Meraner Bauern, die jedoch selbst keine Tiere mehr haben. Dadurch ist der Eishof mit seinen über 1000 ha seit 15 Jahren an die Familie Laimer von den Muthöfen im Dorf Tirol verpachtet, die ihn mit rund 30 Milchkühen, 120 Stück Jungvieh und einigen hundert Ziegen und Schafe bewirtschaften. Die Milch wird vor Ort zu einem herrlichen Schnittkäse verarbeitet und in der Gastwirtschaft verkauft. Der Eishof ist in einer Stunde Fußmarsch vom letzten Parkplatz aus zu erreichen oder kann nach Möglichkeit auch mit einem Platz im Ziegenanhänger erreicht werden.

Bei Rinderbraten, Südtiroler Edelvernatsch und Nussschnaps ließ man den letzten Abend ausklingen. Unser Zuginspieler Alois ließ Stimmung aufkommen und im Witzeduell mit ein paar Südtiroler Burschen wollten wir nicht zweiter sein. Gott sei Dank hat die Hüttenwirtin Waltraud an diesem Abend die Hüttenruhe aufgehoben und so konnte noch gemütlich gefeiert werden.

Der Morgen des letzten Tages unseres Ausfluges war frostig. Bei leichtem Schneetreiben ging es wieder talauswärts und mit dem Bus heimwärts über den Brenner zurück. Im Bus wurden noch die Erlebnisse der letzten Tage besprochen, bevor wir uns das letzte Mal beim Mäci vor der Europabrücke stärkten.

Ein herzliches Dankeschön an alle unsere Südtiroler Freunde für die Gastfreundschaft auf ihren Höfen, den Mädels vom Rinderzuchtverband Martina und Tanja für die Mithilfe bei der Organisation, den Südtiroler Pinzgauer Jungzüchtern für ihre Unterstützung, unserem Busfahrer Wolfgang für den perfekten Transport und allen Mitfahrern für die tolle Gemeinschaft. Dies motiviert uns wieder für die nächste Fahrt und es würde mich freuen, wenn wir wieder so eine tolle Truppe sind.

Mathias Kinberger

 



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