Lehrfahrt nach Kärnten
Wenn Beruf zur Berufung wird... überzeugende Erfolgsrezepte der Kärntner Bauernschaft!

Die Freude am Beruf ins Gesicht gezeichnet - Gerhard Mikitsch mit keiner Unbekannten, DGP-Champion RAUSCHL

Besondere Menschen, die dem Schicksal trotzten - Johanna und Rudolf Sommeregger

Vertraut und verbunden mit den Züchterkollegen - am Hof der Familie Scherzer fühlt man sich willkommen!
Berührende Lebensgeschichten, beeindruckende Betriebsphilosophien und interessante Landschaften - 70 Pinzgauer ZüchterInnen erlebten ein schönes Wochenende in Kärnten.
Mit viel Freude und Reiselust startete die Gruppe Samstag frühmorgens los um bald das erste Ziel, den Litzlhof in Lendorf, zu erreichen. Gerhard Mikitsch, der "Hausherr" der Pinzgauer am Kärntner Schulbetrieb, erwartete die neugierige Züchterschar und stand mit gewohnt guter Laune inmitten der Kuhherde. In kompetenter Art und Weise stellte er seine "Damen" vor, z.T. ja bereits vielfach gesichtet bei den letzten Schauen wie Jungkuhchampionat, Verbandsrinderschau, Dairy Grand Prix, etc... Anschließend gings raus zur Jungviehweide, wo vielversprechende Kalbinnen den Besuchern im Obstgarten Spalier standen.
Unweit vom Litzlhof, in St. Peter bei Spittal/Drau erwartete uns der nächste Programmpunkt, ein Direktvermarktungsbetrieb mit einer besonderen Geschichte.
Der überaus herzliche Empfang von Johanna Sommeregger würde niemals die schmerzliche Familiengeschichte dieses Hofes erahnen lassen, umso berührender war die Erzählung der Betriebsführerin in der heimeligen Hofladenstube. Gatte Rudolf war gerade einmal 18 Jahre, als er aufgrund des frühen Todes seines Vaters (er starb 48-jährig an einer Krankheit) gezwungen war, den Hof zu übernehmen.
Enorm erschwert wurde die Hofübernahme durch hohe Schulden und fünf Geschwister, die alle noch inmitten ihres Studiums bzw. ihrer Schulausbilung standen. Einziger Ausweg bot sich im Verkauf eines Grundstückes für die Errichtung eines ADEG-Großmarktes und Rudolf Sommeregger bewies mit seinen 18 Jahren schon viel Weitsicht und betriebswirtschaftliches Talent. Als Grundbedingung für den Flächenverkauf forderte Sommeregger Lieferverträge aus seiner Gemüse- und Fleischproduktion und legte somit den Grundstein für eine erfolgreiche Direktvermarktung.
Mit viel Einsatz und Freude arbeitete die junge Familie (1979 wurde geheiratet und Sohn Rudolf kam zur Welt) erfolgreich an der Entwicklung ihres Direktvermarktungsbetriebes, bis 1995 das schier Unfassbare passierte - das 16-jährige, einzige Kind, verunglückte in den letzten Tagen seiner Ausbildung zum Forstfacharbeiter an der LFS Litzlhof tödlich. Gezeichnet von der Tragödie standen Johanna und Rudolf erneut am Scheideweg und entschieden sich nach einer einmonatigen "Schockstarre" zur Weiterführung ihres Betriebes. Sie stellten ihren Betrieb von Viehwirtschaft auf biologischen Ackerbau um und gründeten gemeinsam mit 4 Kollegen den Direktvermarktungsverein "Spittaler Schlossbauern". Zudem spezialisierte sich der Betrieb auf den "kompletten Service vom Korn zum Mehl", was die Anschaffung einer Getreidereinigungsmaschine und Mühle nötig machte. Johanna Sommeregger ist für die Zubereitung des köstlichen und mehrfach prämierten Brotes zuständig, welches neben vielen anderen köstlichen Erzeugnissen der Mitgliedsbauern im liebevollem Ambiente des Hofladens verkauft wird.
In einer bewundernswerten Art erzählte Johanna Sommeregger aus ihrem Leben und bestärkte die Besucherschar, trotz aller Hindernisse und Einflüsse mit Freude am Bauernstand festzuhalten.
Die besondere Lebensphilosophie von Johanna Sommeregger wurde 2009 mit der Auszeichnung zur "Österreichischen Bäuerin des Jahres" belohnt - die Bestätigung für eine Frau, die sich trotz aller Wirrnisse des Lebens die Lebensfreude und die Freude zur Landwirtschaft nicht nehmen ließ.
Den unbeschreiblichen Eindrücken folgte bereits die nächste Station - Aifersdorf/Paternion, wo das Mittagessen wartete und zugleich die Familie Scherzer, vlg. Trattnig ihre Heimat hat.
Nur einen kleinen Fußweg von der Kärntner Stub'n entfernt, stand am Trattnighof Tür und Tor bereits offen.
Mit sichtlicher Freude begrüßte Reinhard Scherzer die Gäste aus "der Nachbarschaft" und erzählte von der Entwicklung seines Betriebes, der schon Ende der 60er-Jahre auf Fleckvieh umgestellt wurde. Die Gunstlage im Mittleren Drautal zwischen Spittal und Villach ermöglicht eine höchst intensive Haltungsform, in der die Selektionszucht klar zum Vorschein kommt. Scherzer, im Nebenerwerb Lehrer an der LFS Litzlhof, betonte sehr verständlich sein Ziel, nämlich "aus der Produktion seines Betriebes zu leben". Ein wichtiger und interessanter Erwerbszweig ist die Stierzucht, jährlich verkauft er 10-15 Zuchtstiere (Preisniveau: €2.000-€2.500, vorwiegend für die Mutterkuhhaltung) sowie 8-20 Jungkühe über die Versteigerung in St. Donat. Am Hof werden ca. 95 reinrassige Fleckviehrinder gehalten, davon 32 Kühe (Stalldurchschnitt: 10.200 kg - 4,1%F - 3,6 %E), Kontingent: 252.000 kg), die Hälfte der Fläche ist zugepachtet (15 ha Eigengrund, 17 ha Pacht) und wird mit Silomais (5 ha), Wintergerste (5 ha) sowie Kleegras und Luzerne (4 ha) bestellt.
Dank des guten Bodens und des milden Klimas kann das Dauergrünland (17 ha) fünf mal abgemäht werden.
Äußerste Wirtschaftlichkeit demonstrierten auch die Stallanlagen - 2007 wurde das Wirtschaftsgebäude einfach und zwecksmäßig zum Selbstkostenpreis von € 130.000 erweitert.
Ehrlich und ungeschönt erläuterte Reinhard Scherzer sein Betriebskonzept und bot den interessierten Züchtern viel Gelegenheit zum Gedankenaustausch und Bestaunen seiner erstklassigen Fleckviehherde.
Der Zusammenhalt der Großfamilie kam auch hier deutlich zum Vorschein - während Reinhard und Tochter Edina die Kühe vorstellten, servierten Trudelinde, Judith und Jakob eine herrliche Kaffeejause und Altbauer Jakob mischte sich gesellig unter die BesucherInnen.
Wären nicht allmählich schwarze Gewitterwolken aufgezogen, hätte man das förmliche Verfliegen der gemütlichen Stunden ignoriert - so aber machten sich beide Busse schlussendlich auf den Weg nach Seeboden/Millstätter See, wo es das Quartier im Hotel Moserhof zu beziehen galt.
Hier kam man in den Genuss von Wellness, einem guten Abendessen und ein paar lustigen Stunden - war der erste Eindruck des Alleinunterhalters Andreas vielleicht nicht allzu berauschend, entpuppte sich dieser als unübertrefflicher und einzigartiger Stimmungsheber...
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen eines traditionellen Maiensonntags - am Programm stand der Besuch des Wallfahrtsortes Maria Luggau. Allein die Anfahrt über das Drau- und Gailtal ins Lesachtal ist für einen Bus eher abenteuerlich (beste Selektion für Busfahrer!), unseren beiden Chaffeuren schien die schmale und kurvenreiche Straße allerdings nichts anzuhaben.
Brigitte Lugger, ehemalige Volksschuldirektorin von Maria Luggau und zugleich Bäuerin vom Vorbeterhof, führte durch den Mühlenweg, ein Tribut an das ehemalige Tal der Mühlen. Die zunehmende Technisierung ließ über hundert Mühlen verschwinden und so gründete Familie Lugger 1973 den Mühlenverein, um die letzten 5 Wassermühlen an ihrem ursprünglichen Platz zu erhalten. Seitdem ist der Mühlenweg ein begehrtes Ausflugsziel, jährlich werden ca. 100 Führungen durch die Zeitreise vergangener Epochen gebucht.
Ihren Namen alle Ehre machte die Wallfahrtskirche "Maria Schnee" - pünktlich zur Besichtigung fielen dicke Schneeflocken vom Himmel, die angesichts der allgemeinen Trockenheit allerdings mit Wohlwollen empfunden wurden. Umrahmt von schönen Marienliedern erzählte Frau Lugger die Geschichte von Maria Luggau, wo 1513 die Bäuerin Helena einer Erscheinung zur Folge den Grundstein für die Basilika in Maria Luggau legte.
Seit ewigen Zeiten pilgern Menschen von allen Seiten nach Maria Luggau, obwohl dieser Ort als schwerst erreichbarer Wallfahrtsort im Alpenraum galt. Heute sind es jährlich rund 40.000 Menschen, die den Gnadenort im Lesachtal (die Meisten über die Straße) besuchen.
Gute Mitbringsel, schönes Handwerk, etc... gab es noch im Lesachtaler Bauernladen zu erwerben, bevor die Busse wieder in Richtung Heimat aufbrachen.
Die Grenze nach Osttirol war alsbald überwunden und am Ende des Felbertauerntunnels war auch die Heimat wieder erkennbar nahe gerückt. Vor dem endgültigen Verlassen galt es noch eine gemeinsame Kaffeepause einzunehmen und gestärkt mit vielen unvergesslichen Eindrücken verabschiedete man sich - um sich vielleicht im nächsten Jahr wieder aufzumachen, andere Menschen und Gegenden zu erkunden...
Ein ganz herzliches DANKE an alle, die mit ihrem Dabeisein für die schöne Gemeinschaft gesorgt haben - Danke aber auch jenen, die uns bereitwillig und mit viel Gastfreundschaft aufgenommen haben.
Ein besonderes Vergelt's Gott an Familie Scherzer, sie verwöhnte uns mit einer wahrlich genussvollen Kaffeejause - es bleibt die Erinnerung an ein schönes, unvergessliches Wochenende in Kärnten!
Christina Sendlhofer









































