Pinzgauer Rind Pinzgauer Rind Pinzgauer Rind Pinzgauer Rind
11.07.2011

Pinzgauer-Almwanderung auf die Broglesalm

Zu Besuch im Paradies!

Angekommen in der Schönheit der Natur - ein bewegender Gottesdienst eröffnet den Almtag

Moarbauer Josef Ploner betont in seiner Almvorstellung die gute Zusammenarbeit, die die Basis für das Funktionieren des Almbetriebes ist

Umgeben von einer herrlicher Kulisse - die prachtvollen Pinzgauer des Moarbauern

Die Geislerspitzen in der Abendsonne

Die Kehrtseite der schroffen Wände - ein wunderschönes Almgebiet und dahinter der Langkofel

"Sollte es ein Paradies geben, dann stelle ich mir's so vor", kommentierte GF Herbert Lang seine Meinung zur Broglesalm und wohl die meisten Wanderer, die unterwegs zum Ziel der diesjährigen Pinzgauer-Almwanderung waren, hätten diese ohne zu zögern, geteilt...

Schon beim Aussteigen aus der Raschötzbahn bot sich den Wanderern die Herrlichkeit der Südtiroler Dolomiten und eingebettet von den bizarren Gipfel der Geislerspitzen, der Mittagsscharte,  Panascharte, etc. präsentierte sich nach 1 1/2-stündiger gemütlicher Wanderung die Broglesalm, welche die Grenze zwischen dem Villnöss- und Grödental bildet.

Ein staunenswertes Fleckchen Erde, herrlichstes Bergwetter und eine begeisterte Wanderschar bildeten die perfekten Zutaten für einen unvergessenen Almtag, der von einem ergreifenden Gottesdienst eröffnet wurde.
Dekan Florian Kerschbaumer, der Bruder der Moarbäurin, mahnte zum demütigen Innehalten, welches in einer Zeit der ständigen Verfügbarkeit für viele zum Fremdwort geworden ist.
"Der Anblick dieser Kulisse, die seit Jahrtausenden besteht, lehrt uns, welch winziger und unbedeutender Teil wir sind. Wir glauben, so wichtig und einflussreich zu sein - Tatsache ist, dass jemand Anderer unser Leben lenkt", lehrte der Geistliche in beeindruckenden Worten.
Begleitet von einem Gitarrenspieler und schönen rhytmischen Liedern gestaltete sich die Almmesse zu einer schönen gemeinschaftlichen Feier.

Der Obmann der Pinzgauerzüchter Südtirols, Siegfried Gatterer hieß im Anschluss die gekommene Besucherschar herzlich willkommen und Almbauer Josef Ploner folgte mit der Vorstellung seiner Alm.
1741 wurde die Broglesalm erstmalig erwähnt und war damals im Besitz der Herren von Freising. Seit dieser Zeit ist auch der Name Ploner eingetragen, handelte es sich ehemals um den "Bauknecht", so ist es heute der Besitzername.
Die Hälfte des Moar-Kuhbestandes (13 Kühe, vorrangig die Herbst- und Winterlaktierenden) verbringt den Almsommer auf der ca. 100 ha Broglesalm in rund 2.045 m Seehöhe unterhalb der Geislerspitzen. 
Die Milch wird wird fast zur Gänze für die Butterzeugung verwendet, die Magermilch dürfen sich die zehn Kälber sowie die zwei Schweine teilen. Nebenbei genießen noch die Zwerghennen mit Gockel sowie Katze und Hund das wahrlich idyllische Almleben auf der Broglesalm.
In besonders lobenden Worten ging der Moarbauer, der selber kinderlos ist, auf seine fleißigen MitarbeiterInnen ein, die das Funktionieren des Almbetriebes erst möglich machen.
An erster Stelle dankte er seiner Frau Maria, die er als die "Seele von Brogles" bezeichnete. "Ohne sie ginge hier heroben gar nichts", so Josef Ploner.
Unverzichtbar ist auch die "rechte Hand" des Moarbauern, Martin Schenk, der schon den 13. Sommer unterstützend zur Hand geht sowie die Jugend (6 StudentInnen arbeiten in ihren Ferien auf der Alm), die teilweise auch schon einige "Brogles-Sommer" auf dem Buckel hat!
"Schon oft kam die Anfrage für die Abhaltung der Pinzgauer-Almwanderung und heuer haben wir gesagt, wir machen es. Wenn alle zusammenhelfen, geht es", meinte Josef Ploner und dankte besonders auch dem  Pinzgauer-Zuchtverein Lajen unter der Leitung von Matthias Ploner, der bereitwillig für die perfekte Verpflegung der Almwanderer sorgte. Ohne diesen "Verpflegungstrupp" wäre die Durchführung schlichtweg unmöglich gewesen, bevölkern doch bei Schönwetter täglich hunderte Menschen das traumhafte Wandergebiet.
Bevölkert wurde anschließend auch die Pinzgauer Kuhherde, die sich bei ihrer Mittagsruhe von der großen und interessierten Züchterschar nicht irritieren ließ. Schöne, typvolle und leistungstarke Kühe genießen den Almsommer im Naturpark, während die Kalbinnen auf der angrenzenden Gemeinschaftsalm eher karge und wasserarme Bedingungen vorfinden.

Stimmungsvolle Musik, eine gesellige und begeisterte Menschenmenge sowie beste gegrillte und gebackene Schmankerl sorgten für ein kurzweiliges und harmonisches Feiertagsgefühl, das die Zeit leider allzu schnell verstreichen ließ. Und während die große Gruppe aufbrechen musste, um mit Bussen und Autos die Heimreise anzutreten, genoss ein kleiner Teil den Sonnenuntergang in den Bergen.
Wenn schon mal im Paradies, dann sollte dieses wenigstens ein paar Stunden länger ausgekostet werden dürfen. Wer weiß, ob man es jemals wieder erreichen würde...:(

Nach der Inspektion bei der Melkarbeit kamen wir noch in den Genuss der Heuarbeit, bevor ein köstliches Abendessen und gemütliches Verweilen mit dem Almbauern am Programm stand. Fast unglaubliche Geschichten und Anekdoten aus den letzten Jahrzehnten, die das mühsame Bewirtschaften dieser Hochalm belegen, erzählte der Moarbauer und trotz aller Widrigkeiten war in keiner Weise Verbitterung oder Unzufriedenheit zu verspüren.
"Wias kimmt, so muasch'es nemmen und irgendwie geht's imma weita", lautet das Motto der Familie Ploner und diesem ist eigentlich nichts hinzuzufügen...

Frühmorgens machten wir uns auf, um die Rückseite der schroffen Spitzen zu erkunden - und es war kaum zu glauben, welch Weite sich auf der Panascharte auftat - saftigste Almwiesen, die in Kürze gemäht werden, mitten drin eine liebliche Hüttenlandschaft, schönste Wanderwege und die Bergstation der Secedabahn, die im Winter Ziel von tausenden Wintersportlern ist.

Dem wunderbaren Sonnenaufgang folgte ein gemütliches Frühstück in der Almstube, bevor es auch für uns hieß, wieder Abschied zu nehmen - von einem Ort, der uns mit Schönheit und Besonderheit gefesselt hat und hoffentlich wieder einmal Weg und Ziel sein darf...

Wir danken allen, die uns dieses unvergessliche Almwochenende auf der Broglesalm bescherten - der Familie Ploner, Moar und seiner Belegschaft, dem Südtiroler Rinderzuchtverband, dem Pinzgauer-Zuchtverein Lajen, Musikanten, Dekan, den Wanderführern Peter und Alfons (welcher zudem den Taxidienst übernahm) und all jenen, die mit Freude dabei waren - ein ganz herzliches Vergelt's Gott!

Christina Sendlhofer

Hier der Bericht mit Bilder aus Südtirol!



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