Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten
Kanada und USA faszinieren mit unendlichen Weiten - 10.000 km westlich von Europa
In Vorbereitung der Direktoriumssitzung der Pinzgauer Internationalen nächstes Jahr in den Vereinigten Staaten konnte ich heuer diese Bundesstaaten vierzehn Tage lang bereisen. Mein Kollege Bernhard Rinnhofer begleitete mich auf dieser sehr informativen Reise. Auf dem Programm standen auch sechs Pinzgauer Betriebe in Kanada und den USA.
Start der Reise war Calgary im kanadischen Bundesstaat Alberta, wo 1986 die olympischen Winterspiele ausgetragen wurden. Alberta ist ein reicher Agrarstaat mit den Schwerpunkten Weizen und Rindfleisch. Hier weiden große Mutterkuhherden und man fährt kilometerlang durch riesige Ackerflächen.
Der erste besuchte Betrieb war der der Familie Hixt. Howard und Jasmin bewirtschaften einen rund 300 ha großen Betrieb mit 70 Pinzgauer Mutterkühen. Die Tiere präsentieren sich im guten Doppelnutzungstyp mit guter Bemuskelung und guten Eutern. Der Betriebsführer arbeitet viel mit Embryotransfer und Besamung. Auf den großflächigen Weideflächen konnten wir viele hervorragende Mustang-Töchter besichtigen, die sehr gut vererben. Die meisten Tiere sind sogenannte Fullblood-Tiere, das heißt, der gesamte Stammbaum besteht aus Pinzgauer Tieren und es wurde nie was eingekreuzt. Für die Zucht nicht interessante Stierkälber werden als kleine Kälber mit einem Gummiring kastriert und mit Ätzpaste enthornt. Hornloszucht wird am Betrieb nicht betrieben. Rund 10 % der Kuhkälber werden als Remontierung aufgezogen und kalben mit rund zwei Jahren ab. Die restlichen Kälber werden als Zuchttiere vermarktet. Die Ochsenkälber wiegen mit acht bis neun Monaten rund 320 bis 350 kg und werden als Einsteller an Feed Lots um umgerechnet 450 € zur Endmast verkauft. Howard Hixt war früher viel auf Schauen unterwegs. Nur wer Tiere zeigt, macht sich einen Namen und kann Zuchttiere verkaufen.
Diamond T Cattle, so der Name unseres zweiten Pinzgauer Betriebes in Kanada. Bewirtschaftet von der Familie Smith werden hier seit 1978 Pinzgauer gehalten und erfolgreich gezüchtet. 90 Pinzgauer Mutterkühe sind die Grundlage der Pinzgauer Zucht, weitere 50 Angus-Kühe sind das zweite Standbein. Gezüchtet wird mit alten österreichischen Linien, der Betrieb lebt vom Verkauf von Zuchttieren nach Kanada und vor allem in die USA. Kalbinnen erreichen Spitzenpreise bis 7.000 €. Man nimmt auch an Schauen in den Vereinigten Staaten teil, heuer geht die Reise bis nach Texas zur amerikanischen Nationalschau. Zurzeit ist Heusaison, das Gras wird nur einmal im Jahr gemäht. Dann bleibt es sieben Tage am Feld liegen und wird dann zu Rundballen gepresst, die aufgrund der geringen Niederschläge im Freien gelagert werden. Überwintert werden die Tiere in großen Pferchen ohne Dächer, hier wird mit viel Stroh eingestreut und mit Heu gefüttert.
Durch die Rocky Mountains mit tollen Eindrücken von den endlosen Wäldern, reißenden Wildbächen, mächtigen Gletschern und der faszinierender Tierwelt ging es weiter in den Bundesstaat British Columbia zu Sepp Wadlegger in Clearwater. Sepp oder Joe, wie er in Kanada genannt wird, ist ein gebürtiger Kärntner aus Obervellach. 1959 ist er ohne ein Wort Englisch zu sprechen nach Kanada ausgewandert und hat sich im sehr waldreichen British Columbia ein neues Zuhause aufgebaut - ein kleines Sägewerk, eine Landwirtschaft mit 70 Mutterkühen und ein Holzschlägerungsunternehmen mit 30 Arbeitern, das seine beiden Söhne führen. Sein Hobby ist die Landwirtschaft. Er hält 30 Pinzgauer Mutterkühe, der Rest gehört der Rasse Hereford an. Aufgrund der wenigen Niederschläge werden alle Luzerne-Heuwiesen bewässert, die zweimal gemäht und einmal im Herbst beweidet werden. Sepp hält Pinzgauer aus Tradition und schätzt ihre Vorzüge bei den Klauen und dem Fundament und dem dunklen Kopf. Dadurch gibt es kein Problem mit der verbreiteten Augenerkrankung Red eye disease, die Tiere erblinden lässt. Sepp ist ein echtes Original, er spricht kärntnerisch, wie wenn er nie einen Tag weg gewesen wäre. Seine Sprüche sind legendär, hier eine kleine Kostprobe: „Wenn die Alte spurt, geht’s guat!“.
Auf der Reise ging es weiter bis an den Pazifik und dann Richtung Süden in die Vereinigten Staaten, nicht ohne den Städten Vancouver und Seattle einen Besuch abzustatten. In Amerika besuchten wir auch einige Pinzgauer Betriebe. Die Pinzgauer Zucht in den Staaten ist im Aufwind, rund 250 Betriebe zählt die Amerikanische Pinzgauer Vereinigung. Viele Betriebe halten ein paar Tiere aus Freude an der Landwirtschaft, andere züchten und zeigen ihre Tiere auf vielen Schauen. So werden die Tiere bekannt und sind dann auch für die große Anzahl an erwerbsmäßigen Mutterkuhhaltern interessant. Die Zucht ist vielfach auf kanadische Genetik aufgebaut und sehr fleischbetont, jedoch wird auch auf die Milchkomponente Rücksicht genommen.
Im nächsten Sommer gegen Ende August findet die Direktoriumssitzung der Pinzgauer Internationalen in und um Portland in Oregon statt. Es wird eine 8-tägige Tour für alle Interessierten angeboten, genauere Informationen folgen vor Weihnachten.
Wir würden uns freuen, wenn uns viele begleiten würden und den Wilden Westen erleben möchten.
GF Mathias Kinberger

















