9. Aktionstag "Bodenseeraum" in St. Antönien / Schweiz


Freude übers Wiedersehen nach drei Jahren!
„Was lange währt, wird endlich gut“, unter diesem Motto stand der Bodenseetag, der nach drei Jahren endlich wieder ein Zusammentreffen der "westlichen Pinzgauerzüchter" ermöglichte.
Umso größer war die Freude bei Erwin Engel, Präsident des Vereines Pinzgauerrind Schweiz, endlich in seine Heimat einladen zu dürfen. Das Bergdorf St. Antönien meinte es gut mit den PinzgauerzüchterInnen, zeigte es sich zwar winterlich, aber für jeden gut erreichbar.
Knapp 40 interessierte Besucher versammelten sich im Schulhaus von St. Antönien, das dank der perfekten Organisation von Vroni und Erwin einen optimalen Rahmen für den theoretischen Teil bot.
Thomas Sendlhofer, Zuchtberater der Pinzgauerrasse in der Rinderzucht Salzburg, erläuterte vorab die Merkmale im Besamungskatalog und stellte das aktuell verfügbare Angebot an Besamungsstieren vor.
Nach einigen statistischen Zahlen und Fakten ging Sendlhofer auf das neue Zuchtprogramm und die Herdebuchteilung ein, die mit der neuen ÖPUL-Förderperiode ab 1.1.2023 schlagend wurde. Vorgegeben vom Ministerium muss die Rassenbezeichnung ORIGINAL PINZGAUER, welche die reinrassigen Pinzgauer definiert, ident mit dem Zuchtprogramm sein, was die Trennung der Herdebücher in Original Pinzgauer (bis max. 12,5% Fremdgenanteil im Vorbuch) und Pinzgauer nötig machte.
Aufgrund der „offenen Zuchtbücher“ ist es aber möglich, innerhalb der beiden Rassen zu wechseln und je nach Ausrichtung der Zucht den jeweiligen Abteilungen zugeordnet zu sein.
Unabhängig von der Vorgabe einer Herdebuchteilung gilt in der Praxis nach wie vor, alle Pinzgauer-Züchter als eine Gruppe zu sehen - weil es sich in einem gemeinsamen Boot schneller und erfolgreicher vorankommen lässt als in verschiedenen, wo im schlimmsten Fall kein gemeinsames Ziel vorgegeben ist!
St. Antönien/Prättigau
Erwin Engel brachte seine Freude über das Zusammenkommen in seiner Heimat zum Ausdruck und stellte allererst seine Heimat, das Bergdorf St. Antönien, das 2021 zum ersten Schweizer Bergsteigerdorf ernannt wurde.
Mit der Besiedelung der Walser vor ca. 700 Jahren erfolgten großräumige Rodungen, die aufgrund der steilen Hänge zu regelmäßigen, großen Lawinenereignissen führten und dem Bergdorf dadurch immer wieder zu trauriger Bekanntheit verhalf. Abhilfe verschaffte die größte Lawinenverbauung Europas, deren Elemente im Gesamten eine Länge von 12 km messen und die größten Gefahren somit bannen.
Immer wieder betroffen von größeren und kleineren Lawinenereignissen ist auch Familie Engel, deren Hof auf 1.500 m Seehöhe eingebettet zwischen zwei Lawinenstrichen bereits Jahrhunderte überdauerte und 2018 das letzte Mal von einem riesigen Schneebett eingekesselt wurde.
Ein Leben ohne (Pinzgauer)-Kühe ist möglich, aber sinnlos! (Zitat von Erwin Engel)
Bekannt ist Familie Engel aber auch aufgrund ihrer Wirtschaftsweise - nicht nur, weil sie bereits seit 2011 Pinzgauer auf ihren Hof halten, sondern weil diese die Grundlage für ihre weitum bekannten Milchprodukte bilden. Aufgrund der abgeschiedenen Lage, die eine Milchabholung unmöglich macht, die herkömmliche Verwertung in Form der Kälbermast aber auch nicht wirklich zufriedenstellend war, versuchten sich Vroni und Erwin Engel in der Produktion von Käse, welche nicht nur auf Anhieb funktionierte, sondern aufgrund der besonderen Qualität sogleich vergriffen war.
Mittlerweile reicht die Palette der kostbaren Milchprodukte von Rohmilch, Jogurt, Topfen über Weiß- und Blauschimmelkäse, die größtenteils an die Gastronomie, Hotellerie und über diverse Dorfläden vermarktet wird. Die stetig steigende Nachfrage nützen Engels, um neben den 30.000 kg Eigenmilch weitere 10.000 kg Zukaufmilch eines Kollegen im Dorf zu verarbeiten.
Während im Sommer das meiste Vieh (außer zwei Milchkühen, die die Käseproduktion aufrechterhalten) auf der Alp Partnun verbringt, konzentriert sich die Arbeit bei Schönwetter ausschließlich auf die Heuernte von insgesamt 19 ha Grünland, das nahezu ausschließlich aus Steilhängen auf 1.300 – 1.900 m Seehöhe besteht.
Beeindruckend auch die Vie(h)lfalt, die sich am Hof Zug präsentiert – haben sich Engels mit der Zucht von Pfauenziegen und Spiegelschafen der gefährdeten Haustierrassen verschrieben und zu den Hühnern gesellen sich zudem noch zwei Esel, die laut Erwin „zwar nichts nützen, aber trotzdem da sein dürfen….“
Pinzgauerzucht Putzi
Nach dem Besuch bei Familie Engel, der bei einer gemütlichen Kaffeejause seinen Abschuss fand, führte der Weg ins Nachbardorf Pany, wo am Hof von Andrea und Christian Putzi auch schon zehn Jahre Pinzgauerrinder beheimatet sind.
Den Fokus richtet Christian Putzi ebenfalls auf eine gute Milchkuh, dienen insgesamt 18 Kühe (davon 14 Pinzgauer) als perfekte Grundlage für die Kälbermast. Idealerweise werden die Kälber im Alter von maximal 160 Tagen geschlachtet, Rinder, die aufgrund schlechterer Entwicklung oder etwaigen Lieferverzögerungen aus dem Programm fallen, werden der Direktvermarktung von hochwertigem Kalbfleisch, verschiedenen Wurstwaren und Trockenfleisch zugeführt und erfolgreich über den eigenen Hofladen auf "Putzi's Hof" vermarktet.
Dass die oberste Priorität in dieser Jahreszeit allerdings nicht dem Kuhstall, sondern der direkt neben dem Hof befindlichen Schipiste gehört, wissen alle, die Christian Putzi etwas näher kennen. Als leidenschaftlicher Pistenbully-Fahrer kann er den Start in die Schisaison jedes Jahr nur schwer erwarten und darf sich glücklich wähnen, mit Gattin Andrea und Töchtern Lea und Daria auf verlässliche Unterstützung bei der täglichen Stallarbeit zählen zu dürfen!
Es war also nur zu logisch, dass sich Christian aufgrund der fleißigen Schneekanonen vorzeitig von seinen Züchterkollegen verabschieden musste, um die Piste fit für den nächsten Schitag zu bekommen. Mehr Sitzfleisch hatten die Besucher, die von Andrea und ihrer Mutter Cilli großzügig mit einer feinen Jause und Kaffee verwöhnt wurden, um gestärkt und voller Eindrücke eines lohnenden und gemeinschaftlichen Tages wieder den Rückweg anzutreten!
Für den Großteil der Besucher handelt es sich inzwischen nicht nur mehr um ein jährliches Zusammentreffen, wo Aktuelles und Informatives über die Pinzgauerzucht ausgetauscht wird, sondern um die Pflege von wertvollen Freundschaften und Verbindungen, die im Laufe der letzten Jahre aufgrund dieser Treffen entstehen und wachsen durften.
Dazu braucht es allerdings Menschen, die nicht nur bereit sind, ihre Türen und Tore zu öffnen, sondern mit der Organisation und Vorbereitung den notwendigen Rahmen für eine derartige Veranstaltung schaffen. Diesmal waren es Erwin und Vroni Engel, die nicht nur mit größter Freude ihre Heimat und ihre tägliche Arbeit präsentierten, sondern dafür sorgten, dass es ein Zusammenkommen der besonderen Art wurde - in dem altbekannte Gesichter genauso willkommen sind wie neue und gemeinsam für eine Bereicherung und Belebung der schönen Pinzgauer-Gemeinschaft sorgen - danke dafür!
Christina Sendlhofer





































