Almabtrieb von der Kammerlingalm
Vom großen Hirschbichl heimwärts zum Kleinen...
Gottfried Fernsebner vom Örgengut in St. Martin/Lofer übermittelte uns die netten Bilder von seiner schönen zehnköpfigen Pinzgauer-Herde, die sich am letzten Septembersamstag vom Almsommer auf der Kammerlingalm verabschiedete. (Begleitet nicht vom Hund, sondern von Manuelas Ziege, die erstmalig den Sommer mit den Rindern verbringen durfte!)
Nach 32 Jahren des "Nicht-Aufkranzens" war es die angehende Jungbäuerin Manuela, die Gottfrieds langgehegten Wunsch erfüllte und ihr Können als gelernte Floristin perfekt unter Beweis stellte. Die Freude und Dankbarkeit über das gesunde Heimkommen des Viehs wurde mit einfachem, sehr schönen Kopfschmuck feierlich zum Ausdruck gebracht und wie es sich für eine passionierte "Blasmusiker-Familie" gehört, durften auch die stimmigen Weisen vor dem Abschied nicht fehlen!
Der ca. eineinhalbstündige Weg von der Kammerlingalm zum Örgengut in Wildental führt quasi über die Berge - nach Erreichen des Großen Hirschbichls, der "Mooswacht" geht es zuerst aufwärts Richtung Litzlalm und von dort über die Eiblkapelle wieder abwärts zum Kleinen Hirschbichl, wo der Örgenbauer als einer der steilsten Höfe im St. Martiner Ortsteil Wildental mühevollst und mithilfe der ganzen Familie bewirtschaftet wird.
Während der Fußmarsch für die Herde des Örgenbauern jedes Jahr im Frühsommer einmal hin und im Herbst wieder retour geht, so war es noch für Gottfrieds Mutter Anna selbstverständlich, diesen Weg mangels Auto bzw. Führerschein stets zu Fuß zu bewältigen. Und weil in diesen Zeiten bekanntlich jede Minute mit Arbeit ausgefüllt werden musste und somit die Zeit des Gehens nicht umsonst verstreichen sollte, so hat man Anni meist strickend des Weges kommen sehen....das Phänomen dabei war die Zufriedenheit, die diese Menschen (Altbauer Sepp verstarb 1989 an einem Herzinfarkt auf der Alm) trotz aller Entbehrungen und Nöte ausstrahlten und mit ihrer demütigen Haltung zum Leben und seinem Schicksal wohl unsere größten Vorbilder sein sollten!
Gottfried Fernsebner und seiner Familie dürfen wir für die Wiederbelebung des traditionellen Almabtriebes von Herzen gratulieren - in der Hoffnung, dass dieser schönen Premiere noch viele weitere folgen dürfen!
Christina Sendlhofer

