Bei den Kollegen in Osttirol!
Lohnende Ausflugsfahrt über den Felbertauern!
Alljährlich macht der Ausschuss der Tiroler Pinzgauer Züchter im Herbst einen Ausflug. In diesem Jahr führte uns der Weg nach Osttirol, wo es eine kleine, aber feine Gruppe an Pinzgauer Züchtern gibt. Aufgrund der großen Umstellungswelle in den 70-er Jahren war die Pinzgauer Rasse in Osttirol fast gänzlich verschwunden. Bis vor einigen Jahren waren es nur sehr wenige Züchter, mittlerweile ist die Mitgliederzahl wieder auf über 20 Züchter angewachsen. Und es gibt immer wieder neue Interessenten für die Pinzgauer Rasse in Osttirol.
Schon zeitig am Vormittag brachen wir Richtung Felbertauern auf. Unsere erste Station war der Betrieb der Familie Engel in Hopfgarten im Deffereggental. Erik ist der Osttiroler Vertreter im Tiroler Pinzgauer Ausschuss und bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau Carmen den extremen Bergbauernbetrieb Rosenhof auf 1400 m Seehöhe. Am Betrieb werden 5 Milchkühe und 2 bis 3 Jungtiere gehalten. Der Betrieb wird biologisch bewirtschaftet und die produzierte Milch an die Tirol Milch abgeliefert. Großes Interesse weckte auch die neue Photovoltaikanlage auf dem Dach des Stallgebäudes. Erik ist ein gebürtiger Wiener und hat den Rosenhof vor 12 Jahren gekauft. In seiner Studentenzeit kam Erik auf den Nachbarhof als Betriebshelfer und hat einige Jahre später vom Verkauf des Rosenhofs erfahren und die Chance eines eigenen Hofes sogleich ergriffen. Nach einem zweiten Frühstück bei Erik und Carmen ging es wieder talauswärts.
Das nächste Ziel war der Betrieb der Familie Jans in Kals am Großglockner. Dort werden ca. 200 Milchziegen samt Nachzucht der Rassen Saanenziegen und gämsfärbige Gebirgsziegen gehalten. Die Familie Jans hat den Betrieb ebenfalls vor ca. 5 Jahren gekauft und viel investiert. Betriebsführer Philipp hat uns sehr authentisch und auf eine sehr nette und witzige Art und Weise erklärt, wie seine Liebe zu den Ziegen entstanden ist und wie er zu diesem Hof gekommen ist. In den letzten Jahren hat die Familie große Probleme überstehen müssen, so sind in der Startphase auf Grund einer Krankheit viele Tiere verendet und auch im Milchabsatz hat es sehr große Probleme gegeben. Seit Jahresbeginn wird die Ziegenmilch an die Tirol Milch geliefert, zur großen Erleichterung des Betriebsführers wird die Milch mittlerweile direkt am Betrieb abgeholt. Ein Teil der Milch wird zu Frischkäse verarbeitet und direkt vermarktet. Gemolken werden die Ziegen in einem Melkkarussell, wo 36 Tiere Platz finden und die Melkzeit der ca. 200 Tiere in einer Stunde erledigt ist. Gefüttert werden die Tiere mit einer TMR bestehend aus Heu, Luzerne und Kraftfutter. Wir hätten noch Stunden am Betrieb verbringen können und weiter diskutieren und staunen können, aber die Zeit drängte und nach einer Verkostung der herrlichen Ziegenkäsevariationen mussten wir weiterfahren.
Als nächstes besuchten wir den Betrieb der Familie Klaunzer in Matrei. Der Unteregghof liegt hoch über Matrei auf der Sonnenseite im Goldriedgebiet. Die Familie Klaunzer erwartete uns bereits und es folgte eine nette Betriebsvorstellung. Der Seniorbauer hat uns auch ein wenig über die Geschichte der Pinzgauer Zucht in Osttirol erzählt. Am Betrieb werden 4 Milchkühe samt Nachzucht und zwei Noriker Pferde gehalten. Der Betrieb wird als Bio – Betrieb geführt und die Milch wird teilweise selber verarbeitet und der Rest an die Kälber verfüttert. Sehr interessant war auch die Pinzgauer Herde am Unteregghof. Die reinrassigen, rahmigen und sehr edlen Kühe überzeugten mit einer guten Milchleistung und besten Eutern. Hervorzuheben sind zwei Jungkühe (Väter Rat und Lust), die mit einer sehr hohen Einsatzleistung überzeugten und den Züchterkollegen aus Nordtirol sehr gefielen. Nach einer kleinen Stärkung und einer Verkostung des selbstgebrannten Schnaps ging es weiter zum Mittagessen nach Virgen.
Gestärkt ging es im Anschluss nach Zedlach zum Betrieb der Familie Mattersberger, Jösen. Der Weiler Zedlach gehört zur Gemeine Matrei und liegt ebenfalls hoch über dem Dorf am Eingang ins Virgental auf ca. 1400 m Seehöhe. Bekannt ist Zedlach auch für das Zedlacher Paradies, ein 600 Jahre alter Lärchenwald. Allen Pinzgauer-Züchtern ist der Name Mattersberger spätestens seit dem Herbststiermarkt bekannt, Pferde- und Ziegenzüchter wissen lange schon um seine Existenz. Wie uns der Betriebsführer Sepp erzählte, hat er erst vor ca. 7 Jahren die ersten Pinzgauer wieder gekauft. Anfangs hatte er nicht viel Glück, aber in den letzten Jahren hat er beste Pinzgauer Genetik erworben. Zurzeit stehen 5 Milchkühe, 2 weibliche Jungtiere und 4 männliche Jungtiere der Rasse Pinzgauer am Betrieb. Hauptsächlich werden am Betrieb Fleckviehkälber aufgezogen und als Jungkühe in Lienz versteigert. Der teuerste Zuchtstier und zudem Teststierkandidat vom Herbststiermarkt 2012, der Stier „Karner“ stammt ebenfalls vom Jösenhof. Er ist ein Kahnsohn aus einer sehr leistungsbereiten Leckitocher mit einer Höchstleistung von fast 12.000 kg Milch. Sehr beeindrucken konnte eine überaus edle, mittelrahmige Rat-Jungkuh mit einer Einsatzleistung von über 30 kg Milch und einem sehr schönen und drüsigen Euter. Auch die nächste Stiergeneration steht schon in den Startlöchern und so konnten wir vier weitere züchterisch hoch interessante Jungstiere bzw. Kälber bewundern. Die Exkursionsteilnehmer waren höchst beeindruckt von der hohen Qualität der Tiere. Neben den Rindern gibt es auch sonst noch allerhand Tierarten am Betrieb zu sehen. Neben Norikerpferden gibt es noch Tauernscheckenziegen und Bergschafe zu bewundern. Selbstverständlich alles auf höchstem züchterischen Niveau.
Am Heimweg besuchten wir noch den Betrieb des Vorstandsvorsitzenden des Rinderzuchtverbandes Salzburg, Anton Hörbiger, Stefflhof in Mittersill. Die Familie Hörbiger hat im heurigen Sommer einen neuen Laufstall für gut 70 Stück Vieh gebaut. Der Aufwand für den Stallneubau war enorm, da die Hofstelle beengt ist und der Hof auf einer steilen Hanglage liegt. Durch eine durchdachte Planung hat die Familie Hörbiger einen sehr praktischen Stall mit viel Kuhkomfort erhalten. Aufgrund der Hanglage musste auf der Talseite eine sehr lange und hohe Stützmauer errichtet werden. Die durchwegs reinen Fleckviehkühe überzeugten durch gute Euter, Leistungsbereitschaft und mit viel Typ. Bei einem Stallbier wurde noch viel diskutiert und dem Jungbauern beim Melken im „Side by side Melkstand“ zugesehen. Anschließend ging es mit vielen guten Impressionen nach Hause.
Abschließend möchten wir uns bei allen Betrieben für die nette Aufnahme und für die große Gastfreundschaft recht herzlich bedanken.
Thomas Edenhauser




