Besuch bei den bayerischen Züchterkollegen
Traditioneller Ausflug der Tiroler-Züchter führte ins schöne Grenzgebiet Bayerns!
Seit vielen Jahren ist es schon zur Tradition geworden, dass die Tiroler Pinzgauer Züchter im Herbst einen Ausflug machen und Berufskollegen in anderen Regionen besuchen. Ende Oktober war es heuer wieder soweit und es konnten bei wunderschönem Herbstwetter drei Pinzgauer Zuchtbetriebe in Bayern besucht werden. Der Treffpunkt lag auf dem Weg und zwar trafen wir uns beim Hacklhof in Kössen. Natürlich mussten wir bevor es los ging einen kurzen Blick in den Stall der Familie Reitstätter werfen und die hervorragende Herde besichtigen. Es gäbe viel zu sehen am Hacklhof, aber die Zeit drängte.
Gehmacher, Siegsdorf
Erstes Ziel war der Betrieb der Familie Gehmacher in Siegsdorf. Anton Gehmacher ist der Sprecher der Pinzgauer Züchter in Bayern. Vor einigen Jahren wurde ein neuer Boxenlaufstall für knapp 40 Kühe gebaut. Das Jungvieh ist weiterhin im alten Stallgebäude untergebracht, in dem sich noch ein uraltes Gewölbe befindet. Die Herde wurde in den letzten Jahren etwas aufgestockt, da man in der Nachbarschaft Flächen zu pachten bekommen hat. Die Kühe werden während der gesamten Vegetationszeit geweidet und das Jungvieh wird auf eine Alm des Rinderzuchtverbandes Traunstein aufgetrieben. Eine Besonderheit am Bio-Betrieb ist, dass trotz Laufstall die Kühe alle noch Hörner tragen. Durch großzügige Laufgänge und ein spezielles Fressgitter funktioniert dies recht gut. Anton Gehmacher erzählt uns auch ein wenig über die Situation der Pinzgauer Zucht in Bayern. Er berichtet, dass die Zahl der Milchbetriebe konstant ist und die Mutterkuhbetriebe etwas mehr werden. Grundsätzlich ist die Stimmung unter den Pinzgauer Züchtern in Bayern recht gut. Nach wie vor werden Kühe mit einen Fremdblutanteil von bis zu 25 % gefördert.
Mösenlechner, Teisendorf
Zum nächsten Betrieb ging es nur wenige Kilometer weiter. In Teisendorf besuchten wir den bekannten Pinzgauer Züchter Sepp Mösenlechner, vielen als treuer Käufer in Maishofen bekannt. Im malerischen gelegenen Weiler Wimmern liegt der Bio-Bauernhof auf einer kleinen Anhöhe. Der Betrieb wird relativ intensiv geführt. Im Sommer gehen die Kühe auf die Weide und im Stall wird Gras- und Maissilage zugefüttert. Maissilage und Bio-Soja werden von einem befreundeten Landwirt zugekauft. Die Jungviehaufzucht wurde an zwei Bauern ausgelagert. Mit ca. 4 bis 5 Monaten kommen die Kälber zu den Aufzuchtbetrieben und ca. ein Monat vor Abkalbung kommen die Kalbinnen wieder zurück. Die ca. 30 Pinzgauer Kühe konnten durch ihren Typ und durch ihre Leistungsbereitschaft überzeugen. Der größte Teil der Herde hat einen Fremdblutanteil unter 25 %. Neben der Landwirtschaft befindet sich am Hof auch eine genossenschaftliche Hackschnitzelheizung, welche den Weiler mit Wärme versorgt. In dieser Genossenschaft ist der leidenschaftliche Pinzgauer-Züchter für die Betreuung der Anlage zuständig.
Bichlhof, Marktschellenberg
Nach einer Stärkung im örtlichen Braugasthof ging es am Nachmittag Richtung Berchtesgaden genauer gesagt nach Marktschellenberg zum Bichlhof. Der Bergbauernbetrieb wird von Annemarie Sterzinger und ihrer Tochter Verena geführt. Hoch über Marktschellenberg gelegen, hat man vom Hof einen grandiosen Ausblick auf den Hohen Göll, Obersalzberg, Watzmann und natürlich auf ihren Hausberg den Untersberg. Neben der Landwirtschaft befindet sich auf dem Hof ein privates Heim für Kinder, die teilweise sehr schwere familiäre Schicksalsschläge hinter sich haben und dort Geborgenheit und ein neues Zuhause finden (www.bichlhof.de). Für diesen enormen Einsatz für hilfsbedürftige Kindern gebührt der Familie Sterzinger ein riesengroßes Dankeschön. Die Landwirtschaft bzw. die Pinzgauer Zucht wird mit viel Begeisterung von Tobias Schäfer geführt. Am Hof werden sieben reinrassige Milchkühe samt einem schwarzen Zuchtstier (Vollbruder von Raureif) und Nachzucht gehalten. Die sehr rahmigen, voll im Doppelnutzungstyp stehenden Tiere fanden großen Gefallen bei den Tiroler Besuchern. Tobias Schäfer kennt man auch als fleißigen Aussteller bei diversen Schauen. So war der Betrieb bei der Pinzgauer Länderschau und beim letzten Jungkuhchampionat jeweils mit einer Kuh erfolgreich vertreten. Bei Kaffee und Kuchen auf der Sonnenterrasse des Bichlhofes bei traumhaften Herbstwetter und wunderschönem Ausblick auf die Berchtesgadener Bergwelt ließen wir diesen interessanten und geselligen Ausflug ausklingen.
Wir bedanken uns recht herzlich für die so freundschaftliche Aufnahme auf den Betrieben und für die riesengroße Gastfreundschaft. Es ist schön zu sehen mit welcher Freude die Betriebe in Bayern an der Pinzgauer Rasse festhalten.
GF Thomas Edenhauser



