Ein Sommer in Kanada

Unwiederbringliche Praxiserfahrung im Ausland
Magdalena Probst übersiedelte für 14 Wochen vom Arlberg nach Kanada und erlebte einen Sommer, der sicher unvergessen und unwiederbringlich bleibt. Die Praktikantin, die demnächst in die letzte Klasse der HLFS Kematen einsteigt, lieferte einen exzellenten Bericht, den wir mit Freude veröffentlichen!
Wir bedanken uns bei der engagierten Jungzüchterin und wünschen einen guten Start ins Maturajahr!!!
Nun ist das Canada Praktikum schon wieder Geschichte und langsam gehts in den Endspurt. Jetzt wirds ernst, die Matura rückt näher. Ein Sommer lang nur Schwarzbunte, ich habe meine Pinzgauer sehr vermisst. Die Gastgeschenke vom Pinzgauerrind sind sehr gut angekommen. Alle haben sich sehr gefreut. =) Wie versprochen gibt es anbei ein paar Fotos und den Bericht.
Home sweet home...
Alles begann mit „einem picture im livingroom“ vom Schörgererbauern Stefan letzten Sommer und nun sind meine 14 Wochen Praktikum in Kanada schon vorbei.
Im Zuge meiner Ausbildung an der HLFS LEW Kematen habe ich mich entschlossen, das große Praktikum im Ausland zu machen und mich führte es zu einer Schweizer Familie in Kanada.
Familie Egger bewirtschaftet in Milton, ON (Nähe Toronto) gut 730 acres (ca. 300 ha) und melkt im Durchschnitt 52 pure-breed Holstein Kühe. Die Arbeit auf der Farm hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe auch wahnsinnig viel gelernt. Morgens und Abends stand natürlich die Stallarbeit im Vordergrund, jedoch unter Tags habe ich sehr viel mit den Maschinen auf dem Feld gearbeitet oder sonstige Tätigkeiten was auf einer Farm so anfallen erledigt. J Die Arbeit mit Tieren hat mir besonders gefallen, obwohl sie ja „leider“ schwarz waren und nicht so friedfertig wie ich es von meinen Pinzgauern gewöhnt war, doch durch den vielen Umgang mit den Tiere habe ich viel über die Geburt, die Trächtigkeit, verschiedene Krankheiten und das Melken gelernt.
Die Dimensionen in diesem Land sind ganz anders als im kleinen Bergdorf daheim. Kilometerweise konnte man an klaren Tagen sehen, denn der „Hügel“ auf dem die Farm liegt, ist für die Verhältnisse in Ontario schon ein Berg. Die Acker- oder Weideflächen sind flach und die Maschinen doppelt so groß. Am liebsten fuhr ich mit dem neuen John Deere Traktor. Da alle Arbeiten vom Betriebschef selbst erledigt werden, gibt es eine riesige Maschinenhalle mit jeglichen Saat- und Ernteequipment. Vom Kultivator über die Saatmaschine bis zum Harvester oder Combine. Herz was begehrst du. Und natürlich hatten die Maschinen die richtige Farbe. Fast alles in John Deere grün. Auch eine deutsche „Square“-Ballen Presse war zu finden.
Da ich 14 Wochen auf diesem Betrieb gelebt habe, habe ich von der Saat bis zur Ernte, von der Trockenstellung einer Kuh bis zur Geburt fast den ganzen Kreislauf immer gesehen. Das einzig negative war die Trockenheit. Wir hatten Spitzen von bis zu 40° C. Und das den ganzen Sommer mit einer geringen Menge Niederschlag. Das ist auch der Grund wieso der dritte Schnitt Luzerne sehr schlecht ausgefallen ist und auch der Maissilo musste einen Monat zu früh gefüllt werden, da alles am Austrocknen war. Die Weidefläche war schon fast braun und nicht mehr grün. Jedoch haben wir und wacker geschlagen und die Milchmenge konstant halten können, was vielleicht auch den Sojabohnen und Maiskörnern als Kraftfutter zu verdanken ist.
Vom Land habe ich sehr viel gesehen. Vom CN Tower in Toronto, Niagara Fälle, CNE (Jahrmarkt in Toronto), Boottour am Lake Ontario über den Farmers Market in St. Jacobs bis hin zu unzähligen Farm Touren. Unter anderem habe ich auch eines der größten Melkkarusselle gesehen. Könnt ihr euch vorstellen 66 Kühe auf einmal zu melken? 600 Milchkühe in wenigen Stunden. Das läuft wie in einer Fabrik.
Alles in Allem, denke ich mir, habe ich den Jackpot geknackt. Mir ist es sehr gut gegangen, ich habe im Hotel Mama gelebt und musste mich um eigentlich fast nichts kümmern. Die Familie war super nett und vom ersten Tag an, wurde ich so herzlich in die Familie aufgenommen, dass ich gar keinen Heimweh hatte. Der „canadian way of life“ gefällt mir sehr gut, denn die Leute sind einfach nicht so gestresst, die Vorschriften sind nicht so streng wie in Europa und der Kaffee und die Brownies vermisse ich sehr. Ich danke der Familie nochmals herzlichst für einen unvergesslichen Sommer und dies war sicherlich nicht mein letztes Mal in Canada. Und nochmals Danke an Stefan, denn ohne seine Fotos und Kontakte hätte ich gar nie so eine tolle Erfahrung machen können.
Magdalena Probst, St. Jakob am Arlberg




