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Eine künftige Tierärztin stellt sich vor - Magdalena Fuchs aus Brixen/Th.

Rotation an Wiederkäuerklinik der LMU München

Die besondere Beziehung zu Haustieren und im Speziellen zu Rindern ist der 23-jährigen Magdalena Fuchs aus Brixen im Thale wahrscheinlich angeboren. Ihre Vorliebe zur Arbeit mit Tieren, im Speziellen mit Wiederkäuern hielt die begeisterte Tiroler Blasmusikerin nicht nur von der jahrelangen intensiven Pendlerei zwischen dem Brixen- und Raurisertal ab (während ihr Vater eine Landwirtschaft in Rauris betreibt, kümmert sich ihre Mutter um die Gästepension in Brixen), sondern gab ihr auch die Gewissheit, nach der erfolgreichen Matura die Ausbildung zur Veterinärmedizinerin in München zu beginnen. Mittlerweile ist sie bereits im letzten Jahr ihres Studiums angelangt.
 

Im Rahmen meines Studiums an der tierärztlichen Fakultät der LMU München stand auch ein praktisches Jahr, die sogenannte Rotation, auf dem Programm. In diesem Jahr bin ich durch die verschiedenen Kliniken (Wiederkäuer, Pferd, Schwein, Innere und Chirurgie Kleintier, Vögel und Reptilien, Pathologie) rotiert.  

Anfang diesen Jahres war es dann endlich soweit: Die langersehnten 6 Wochen Wiederkäuerrotation standen auf dem Programm. 
Am ersten Tag ging es vor allem um die organisatorischen Dinge: Zuerst bekamen wir eine kurze Einführung zum Klinikablauf und wurden dann in 4 Gruppen eingeteilt, die sich aufteilten in Ambulanz, Reproduktion und kleine Wiederkäuer, Innere Medizin und Weichteilchirurgie, sowie Orthopädie. Ich habe mich für die Gruppe „Innere Medizin und Weichteilchirurgie“ entschieden. 
Nach einer Klinikführung wurde der erste Tag mit der Propädeutikvorlesung beendet, in der wir noch einmal eine Auffrischung zur Allgemeinuntersuchung beim Rind bekamen.  

Bereits am zweiten Tag wurden wir voll und ganz ins Klinikleben miteinbezogen:  
Start war täglich um 8 Uhr mit der Allgemeinuntersuchung der Patienten, deren Befunde/Ergebnisse anschließend in die Karteikarten eingetragen werden mussten. Waren alle Tiere unserer Gruppe untersucht, folgte die Visite, bei der die Patienten kurz vorgestellt, die wichtigsten Dinge der vorher durchgeführten Untersuchung  angesprochen und die weitere Behandlung festgelegt wurden. Für mich waren die Visiten sehr lehrreich, da auch wir Studenten die von uns untersuchten Tiere vorstellen und für sieTherapievorschläge machen mussten. Außerdem bekamen wir ausführlich Informationen zu den einzelnen Krankheiten, haben Ursachen und Differentialdiagnosen angesprochen und konnte auch Fragen stellen. 
 
In den ersten 3 Wochen war ich im Stallteam und habe somit nach der Visite bei der Behandlung der Patienten geholfen. Danach wurden die neu eingelieferten Patienten von „Kopf bis Fuß“ untersucht und gegebenenfalls behandelt bzw. operiert. Natürlich konnten wir bei den Operationen zuschauen und zweimal hatte ich sogar die Möglichkeit, mit zu operieren. Die erste OP war eine Labmagenverlagerung nach links (Omentopexie nach DIRKSEN), die zweite eine Nabelbruchoperation bei einem  Kalb. 
Am Nachmittag hatten wir immer von 13:15 Uhr bis 14:45 Uhr Vorlesungen, die abwechslungsreicher nicht hätten sein können. So wurden neben Themen wie Ultraschalluntersuchung beim Rind, Behandlung von Durchfallkälbern, Klauenerkrankungen, Parasiten beim Rind noch viele andere Dinge durchgesprochen. Auch diese waren nie langweilig, denn die Dozenten haben uns immer in die Vorlesung miteingebunden und uns Fragen gestellt, die wir so gut es ging mit unserem bisherigen Wissen versucht haben zu beantworten. 
Nach den Vorlesungen war es uns überlassen, ob wir heimgehen oder noch in der Klinik bleiben. Da mein Herz für die Wiederkäuer schlägt, bin ich fast jeden Tag nach den Vorlesungen noch in den Stall, hab bei Untersuchungen und Behandlungen geholfen oder bei Operationen zugeschaut.  

Nach 3 Wochen wechselten die Stallgruppen mit den Kursgruppen und so standen nach der morgentlichen Untersuchung und Visite von 10:00 bis 12:00 Uhr immer Kurse auf dem Plan. Angefangen mit einem Rektalisierungs- und Pansenfistelkurs ging es am Ende der ersten Woche mit einem Nähkurs und einem Klauenpflegekurs weiter. In der zweite Woche stand die Gynäkologie im Vordergrund: Nach Geburtshilfe- und Fetotomiekurs fanden am Mittwoch und Donnerstag die Kaiserschnittübungen auf dem Plan. Dabei hatten wir Studenten die Möglichkeit, an Schafen einen Kaiserschnitt zu üben, wobei jeder Student eine Aufgabe übernehmen durfte. Ich habe die Uterusnaht gemacht. In der letzten Woche war am Montag Klauenpflege und Trächtigkeitsuntersuchung beim Schaf an der Reihe. Am nächsten Tag stand der Klauenoperationskurs auf dem Plan, bei dem wir an Schlachtklauen verschiedene Operationstechniken üben konnten. Am Mittwoch war das männliche Geschlecht mit andrologischer Untersuchung und Spermatologie dran und zu guter Letzt folgte am Donnerstag noch der Zitzen- und Euterkurs, wobei wir an Schlachteutern eine Zitzenverletzung und eine Zitzenamputation simuliert haben.  

Am letzten Rotationstag hatte ich noch die Möglichkeit auf eine Bestandsfahrt mitzufahren. Dabei haben wir bei einer Rinderherde Blutproben genommen, die auf Antikörper gegen Fasciolahepatica, also den großen Leberegel untersucht wurden.  

Natürlich hatten wir während der 6 Wochen auch Nacht- und Wochenenddienste abzuleisten. Ein „Nachtdienstteam“  bestand aus 3 Tierärzten,  2 Studenten, und einem Tierpfleger. Der Nachtdienst hat immer  um 17 Uhr mit einer Temperatur- und Infusionsrunde begonnen. Danach wurden noch ausstehende Behandlungen ausgeführt, neu angekommene Patienten untersucht und gegebenenfalls behandelt bzw. operiert. Um 22 Uhr folgte ein Abschlusskontrollgang, bei dem erneut die Infusionen kontrolliert werden mussten. Die Nacht selbst gestaltete sich abhängig von den Patienten. Meistens musste man jedoch alle 2 bis 3 Stunden aufstehen um Geburtsüberwachung, Medikamentenapplikationen und andere Dinge durchzuführen. In einem meiner Nachtdienste waren wir sogar bis nach Mitternacht mit Operationen von Notfallpatienten beschäftigt. Begonnen mit  einer OP bei einem Kalb mit Darmverschluss, ging es danach mit einem Widder weiter, bei dem Harnsteine den Harnleiter verstopft haben und somit den Urinabsatz verhinderten. Und nach dieser OP, bei der ich für die Narkoseüberwachung verantwortlich war, haben wir zum Schluss noch ein Kalb mit Darmscheibendrehung operiert. 

Für mich waren die 6 Wochen an der Wiederkäuerklinik sehr lehrreich und haben mich noch einmal in meinem Vorhaben bestätigt, nach meinem Studium im Wiederkäuerbereich zu  arbeiten.  
Vielen Dank an alle in der Klinik, die mir die Rotation zu einer unvergesslichen Zeit gemacht haben und mich wieder einen Schritt näher zu meinem Ziel gebracht haben. 

Magdalena Fuchs 

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