Hacklstubenalm wurde gestürmt!
Rekordverdächtiger Pinzgauer Almwandertag!
Kaum zählbar waren die Massen an BesucherInnen, welche von Schwendt und Gasteig auf die Hacklstubenalm strömten, um gemeinsam mit Gleichgesinnten und Freunden einen schönen Tag in Tirols Almlandschaft zu genießen.
Das unstete Wetter der vergangenen Wochen war für Familie Reitstätter Anlass, den Stall ausnahmsweise den Zweibeinigen zu überlassen und dieses Vorhaben bestätigte sich als ein sehr gutes - setzte doch gleich nach dem Ankommen auf der Hacklstubenalm wieder Regen ein.
Es war allerdings der letzte Guss, denn pünktlich zu Beginn der Almmesse besann sich auch das Wetter und ließ sogar hin und wieder die Sonne hervorblitzen.
Geistlicher Rat Karl Mitterer sprach von der Bedeutung der benediktinischen Ordensregel ora et labora (bete und arbeite), die in einer Zeit der allgemeinen Hektik nahezu verdrängt wird. "Unser Leben besteht schließlich aus Geben und Empfangen und deshalb sollte auch nicht auf das Innehalten und die Dankbarkeit vergessen werden", so der Geistliche.
Nach dem stimmungsvollen Gottesdienst und der Weihe des neuen Almkreuzes, feierlich umrahmt von der Schwendter Tanzlmusi, stellte Stefan Reitstätter die Alm vor, die seit 1852 im Besitz des Hacklbauern ist.
Die 40 ha große Alm (davon knapp 30 ha Futterfläche) liegt auf 1.030 m Seehöhe und für Stefan ist es heuer bereits der
47. Sommer, den er auf der Hacklstubenalm verbringt.
Im heurigen Sommer weiden 38 Kühe und sämtliche weiblichen Kälber auf der Hacklstubenalm und werden von den Seniors Barbara und Stefan Reitstätter mit viel Liebe und Freude versorgt. Das Almkontingent von rund 80.000 kg wird für die Milchproduktion genützt und von den qualitätsvollen "Hackl-Kühen" auch mühelos erfüllt. Einen ziemlichen Aufwand bedarf die Wasserversorgung, welche nur durch starke Pumpen gesichert ist. Insgesamt fünf Pumpen fördern das kostbare Nass 400 m hoch, um den nötigen Wasservorrat für den Almsommer zu gewähren.
Während die Seniorbauersleute das Almvieh versorgen, kümmern sich die jungen Bauersleute Barbara und Ludwig auf dem Heimhof um die ideale Kalbinnenaufzucht und die Gästebetreuung, welche ein weiteres Standbein des Hacklhofes bildet.
Mit viel Demut und Dankbarkeit betonte Stefan Reitstätter den guten familiären Zusammenhalt, der Basis für die erfolgreiche Bewirtschaftung eines bäuerlichen Unternehmens bildet. Der Gedanke, irgendwann einmal ein Einweihungsfest abzuhalten, entstand eigentlich schon beim Bau des Almstalles 2007, ließ sich aber irgendwie nie realisieren. Umso größer war die Freude beim Almbauern, als GF Thomas Edenhauser mit der Bitte um Durchführung der heurigen Pinzgauer Almwanderung anklopfte...
Tirols Pinzgauer-Obmann Stefan Lindner begrüßte im Anschluss die riesige Wanderschar und nahm Bezug auf die Pinzgauerzüchter, die nicht immer den einfachsten, aber vielleicht den zufriedeneren Weg gehen.
"Trotz und vielleicht genau deshalb erheben wir den Anspruch, zu den Besseren zu gehören, zeichnet sich doch die große Leidenschaft der Züchter gerade in ihrer Wirtschaftlichkeit ab", so Lindner.
Sehr starke Worte kamen vom BBK-Obmann Josef Heim, der die bäuerliche Arbeit mit der Kirche verglich. "Kirche ist für mich dort, wo wir täglich arbeiten mit all unseren Höhen und Tiefen und wo es auch Zeit braucht, um manchmal innezuhalten und durchzuatmen". Klar verurteilte Heim die Politik, die mit der Diskussion um die Berechnung der Almflächen die "Kriminalisierung einer ganzen Berufsschicht" erreicht hat.
"Ich fordere eine eindeutige Definition der Almflächen, kann es doch nicht sein, dass Almwiesen mit dreischnittigen Wiesen verglichen werden", so der Obmann der Bezirksbauernkammer Kitzbühel.
Auch ARGE-Obmann Christian Dullnigg bestätigte die Tatsache, dass die Almbauern gehörig unter Druck seien und dankte angesichts dessen allen bäuerlichen Familien, die mit viel Liebe und Idealismus an der Bewirtschaftung der Alm- und Bergflächen festhalten. Dullnigg gratulierte besonders Familie Reitstätter zu ihrem Juwel und dankte für die Durchführung dieser Veranstaltung, die ein ungeheures Maß an Engagement und Bereitschaft voraussetze.
Bei bester Verpflegung und gemütlicher Unterhaltung verbrachten über 500 Menschen aus Südtirol, Bayern und vielen Teilen Österreichs stimmungsvolle Stunden in herzlicher Gemeinschaft.
Zu verdanken haben wir diesen erlebnisreichen Tag einzig Familie Reitstätter, die uns mit größter Mühe und riesigem Organisationstalent unvergessliche Stunden bereitet hat.
In einer Zeit, in der das Gemeinwohl durchaus nicht immer an erster Stelle steht, ist es umso bemerkenswerter, dass es Menschen gibt, die mit Freude und Begeisterung für ein gelingendes Miteinander einstehen - Vergelt's Gott dafür!!
Größter Dank gebührt an dieser Stelle allen, die am Gelingen dieses Tages beteiligt waren und schlussendlich auch jenen, die mit ihrem Besuch Teil der netten Gemeinschaft waren!
Christina Sendlhofer








