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Impressionen aus Südafrika

10.000 km von ihrer Heimat entfernt, am anderen Ende der Welt, werden in Südafrika Pinzgauer Rinder gehalten und man könnte glauben, sie waren immer schon dort. Dass es ihnen im Süden des Schwarzen Kontinents gut geht, davon konnte ich mich bei einer dreiwöchigen Südafrikareise im August 2009 selbst überzeugen. Ich folgte damit der Einladung des Vizepräsidenten der Internationalen Pinzgauer Züchtervereinigung Tommie van Zyl, um ihr Land, ihr Unternehmen und die Menschen dahinter kennenzulernen.

Im August ist es Winter in Südafrika, es hat seit rund fünf Monaten nicht mehr geregnet und dementsprechend trocken und dürr präsentiert sich der Norden Südafrikas. Hier in Mooketsi in der Limpopo Provinz liegt die Farm der Familie van Zyl. Auch wenn Farm hier ein wenig klein klingt. Zum Besitz der Familie van Zyl gehören rund 100.000 ha (etwa die Grüße des Lungau), davon werden jedes Jahr 1.500 ha Tomaten und 200 ha Zwiebeln angebaut, 400 ha Avocados und 400 ha Äpfeln und Birnen bilden die Obstgärten. Der Rest dient als Weideland für die rund 10.000 Rinder und 3.000 Ziegen und Schafen, einige tausend Hektar werden als Wildtierreservate genutzt und der Rest ist Ödland.

Der Tomatenanbau bildet den Haupterwerbszweig von ZZ2, so der Name des Unternehmens. Jedes Jahr werden 1.500 ha Acker neu gepflügt, bewässert und für den Tomatenanbau genutzt. Auf einem Hektar werden bis zu 100.000 kg Tomaten pro Saison geerntet, die 28 Wochen pro Feld dauert. Damit versorgt ZZ2 60 % der Nachfrage nach Tomaten in Südafrika. Hier braucht es natürlich viele Arbeitskräfte: ZZ2 beschäftigt 8.000 Menschen, die mit ihren Familien in den rund 10 Dörfern auf der Farm leben. Eine eigene Schule, zwei Krankenstationen und Unterkünfte für Familien und Junggesellen finden sich auf der Farm.

Die Rinderzucht ist ein weiterer Wirtschaftszweig von ZZ2. Auf den abgeernteten Tomaten- und Zwiebelfeldern, die Früchte werden nur alle 5 – 7 Jahre am gleichen Feld angebaut, sowie im Buschland weiden die großen Mutterkuhherden. Rund 6.000 Kühe produzieren etwa ebenso viele Kälber pro Jahr. Hauptabkalbezeit ist Mitte Oktober bis Weihnachten, hier werden rund 80 % der Kälber geboren. Zu dieser Zeit startet auch der Sommer und damit die Regensaison. Auf den nun üppigen, grünen Weiden finden die Kühe genug, um die Kälber zu ernähren. Die Kälber werden mit rund 250 kg abgesetzt und als Einsteller an Mastbetriebe verkauft, der Preis liegt bei € 1,50 pro kg Lebendgewicht.

Die Pinzgauer Zucht, die auf ZZ2 seit den 1960er Jahren betrieben wird, ist die wichtigste Rinderrasse, rund 800 Zuchtkühe werden gehalten. Weiters werden andere europäische Rassen und die afrikanische Lokalrasse NGuni gezüchtet. Kreuzungen von NGuni und Pinzgauer werden Pinz²yl genannt und vereinen die guten Eigenschaften der beiden Rassen: die Genügsamkeit, Hitzebeständigkeit und Fruchtbarkeit von der einheimischen Rasse, Fleischfülle, Wuchs und Frühreife der Pinzgauer. Den nach dem Absetzten der Kälber beginnt die härteste Zeit im Jahr, die Trockenstehzeit bis zur nächsten Geburt, die nur mit dem trockenen Gras auf den Feldern überstanden werden muss.

Auf meiner Reise konnte ich auch Pieter Rall besuchen. Der junge Landwirt aus der Nähe von Pretoria verliebte sich bei einem Schiurlaub in Österreich in die Pinzgauer Rasse. Und er hatte die verrückte Idee, diese in Südafrika zu melken. Pieter melkt im Moment 12 Pinzgauer und möchte auf 25 aufstocken. Im Moment liegt die Tagesleistung bei 13 Litern (Ziel: 20 Liter). Er verwendet Sperma aus Österreich und hat im Moment drei Maltus-Kälber in Aufzucht. Die Milch wird als gesäuerte Milch um 50 Cent direkt verkauft und findet einen guten Absatz.

Höhepunkt meiner Reise war die Pretoria Show, eine große Landwirtschaftsmesse mit der jährlichen landesweiten Pinzgauer Ausstellung. Hier wurde alles präsentiert, was die Südafrikanische Pinzgauer Zucht zu bieten hat. Der hier gewünschte Typ: vollfleischig, rahmig, dennoch frühreif und mit den besten Muttereigenschaften ausgestattet wurde präsentiert. Am dritten Ausstellungstag war am Abend die große Show über alle Rassen hinweg. Alle in Südafrika gehaltenen Fleischrinderrassen stellten sich dem Wettkampf und jeder wollte den Titel: die beste Kuh und den besten Stier Südafrikas 2009 erhalten. Bereits in den ersten Gruppen konnten sich die Pinzgauer behaupten, sie stellten die Sieger in den Kategorien beste Gruppe von 4 und 5 Tieren. Bei der letzten Entscheidung bester Stier des Jahres war die Luft zum Schneiden angespannt. Spitzentiere der Rassen Brahman, Simmental, Braunvieh, Charolais, Dexter und Pinzgauer waren im Rind. Die Entscheidung der Preisrichter fiel auf Mr. Silence, ein achtjähriger Pinzgauer Stier, gezüchtet von Paul Bester, dem Rinderverantwortlichen von ZZ2. Der Stier verkörpert alles was eine Fleischrasse braucht, extreme Muskelfülle, Rahmigkeit und Wuchs. Die Freude war riesig und so wurde noch bis spät in die Nacht gefeiert.


Mathias Kinberger

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