Jungzüchter-Almwanderung
Ein lohnenswerter Tag im Krimmler Achental!
Zeigte sich das Krimmler Achental Sonntagmorgen auch von einer eher unwirtlichen Seite, so war man insgesamt nicht wirklich unglücklich über den dringend nötigen Regen.
Die wetterfeste, 60köpfige Gruppe wurde schlussendlich mehr als belohnt - nicht nur vom stetig besser werdenden Wetter, sondern im Wesentlichen von Menschen, die es verstanden, diesen Tag zu einem besonderen werden zu lassen....
JAIDBACH
"So sehr wir uns für heute schönes Wetter gewünscht haben, so müssen wir uns über das Schlechtwetter eigentlich freuen, schließlich ist der Regen des Bauers Segen" - mit diesen Worten eröffnete Almbesitzer Rudi Steger, Jagabauer aus Uttendorf den Almtag und zeigte sich überrascht über die große Besucherschar, die voller Freude und Erwartung ins Krimmler Achental gekommen war.
In einer netten Vorstellung erzählte Rudi vom „Familienprojekt Jaidbachalm", das eben nur mithilfe einer ganzen Familie umsetzbar war bzw. ist. 1994 wurde die Alm, die über eine Fläche von mehr als 1.000 ha verfügt, von der Familie Steger gekauft und in einzigartiger Weise umgestaltet. Wurde anfangs noch die Milch abgeliefert, so wird das hochqualitative, biologische Rohprodukt von traditionellen, gehörnten und reinrassigen Pinzgauerkühen seit 2006 zu unvergleichbaren Milchprodukten verarbeitet. Das Sortiment umfasst neben Butter feinsten Frisch- und Schnittkäse vielerlei Geschmacksrichtungen sowie den weitum bekannten „Gletscherkäse" (Bergkäse) und wird ab kommenden Sommer um „Granit" – einen Bio-Parmesan bereichert.
Altbauer Toni Steger, vielen auch als Seniorchef der Baufirma „Steger bautauf" bekannt, meinte in sehr berührenden Worten, dass man das Almleben im Herzen haben muss und schließlich ein jeder weiß, dass die Arbeit immer nur dann gut wird, wenn sie mit Freude und Liebe gemacht wird! Was Familie Steger in diesen 23 Jahren verwirklicht hat, lässt sich in Worten nicht leicht beschreiben. Angefangen von der Revitalisierung der altehrwürdigen Hütten, dem Bau bzw. der Errichtung der Schaukäserei bis zur unbedingt sehenswerten Kapelle handelt es sich hier um einen Platz, der ein wahrlich gesegneter sein muss.
Verantwortlich dafür ist in großem Maße Marianne, Ehefrau von Toni und wohl die Seele der Jaidbachalm.
„Ihr gebührt die größte Bewunderung, schafft sie es, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen und alles zur Vollendung zur bringen", lautete die wunderschöne Liebeserklärung an seine Frau, mit der er immerhin fast 50 Jahre zusammen ist!
Gleichzeitig erwähnte Steger „eine Besondere" unter den vielen Jaidbach-Praktikantinnen – nämlich Christine Berger, die Erste und Einzige, die es geschafft hat, die Käserei völlig alleine zu „schupfen". Nicht nur aufgrund ihres Könnens hat sich Christine den größten Respekt der Familie erarbeitet, sondern im Besonderen dank ihrer Liebenswürdigkeit ist sie zu einem unverzichtbaren Teil der „Jaidbach-Familie" geworden!
Was Marianne mithilfe der Großfamilie unter einen Hut bringen kann, zeigte sich in der köstlichen Bewirtung in schönstem „almerischen Ambiente" – himmlisch schmeckende Bauernkrapfen, exzellente Käseplatten und frisches Brot sorgten für ein Wohlgefühl, dem selbst der stärkste Regen nichts anhaben konnte!
HINTEREGG (VEITENALM)
Pünktlich zu Mittag war der Regenguss vorbei und somit der Weg frei für das nächste Ziel – die Hintereggalm der Familie Lerch, Veitenbauer. Nicht lange dauerte die Wanderung, bis die ersten schönen Pinzgauer zu vernehmen waren, nämlich der „Veiten-Nachwuchs", der seinen ersten Sommer auf der gepachteten Archwandalm (in Südtiroler Besitz) verbringen darf.
Angrenzend befindet sich die Hintereggalm, wo 15 Kühe und der Zuchtstier von Martin Lerch, Veiten in Krimml ihre Sommerresidenz haben. Für ihren täglichen Steilflächeneinsatz auf harten, steinigen Untergrund kommen den Kühen, die mit enormen Rahmen und viel Typ ins Auge stechen, zweifellos die bekannten Pinzgauer-Attribute wie Widerstandsfähigkeit, Robustheit und harte, dunkle Klauen entgegen.
Nach Besichtigung der imposanten Herde lockten schönst gedeckte Tische mit einer Kuchenauswahl, wie man sie eigentlich nur in Kaffeehäusern vermutet.
In sehr netten und ehrlichen Worten stellte Jungbauer Martin die Almwirtschaft der Veitenfamilie vor und meinte ganz ungeschönt, dass es in der Landwirtschaft eine ordentliche Portion an Idealismus braucht, er die Arbeit mit den Rindern aber keinesfalls missen möchte!
Die erstaunliche Reife dieses jungen Bauers gründet höchstwahrscheinlich auf den schweren Einschnitt, den die Familie im August 2015 ertragen musste, als Vater Sepp an den Folgen einer Gehirnblutung auf der Alm im Alter von 57 Jahren viel zu früh verstarb.
„So viele Fragen auch auftauchen und so schmerzlich und hart das Schicksal auch zuschlägt, man muss es einfach annehmen", meinte Heidi Lerch im Gespräch und während es für die meisten kaum vorstellbar ist, weiß diese Frau, wovon sie spricht. Es war auch nicht die erste große Prüfung für die Familie, ist der älteste Sohn Stefan seit einem schrecklichen Schiunfall an den Rollstuhl gefesselt.
Während sich Sohn Martin seit dem Tod des Vaters um die Betreuung der Almkühe mit teilweiser Käserei bzw. Milchlieferung kümmert, betreut Heidi das zweite Standbein der Familie – den Almausschank auf der Veitenalm, welche am Taleingang liegt und von vielen Wanderern gerne zum Einkehren und Verweilen genutzt wird!
BLITZENBICHL
Die fortgeschrittene Zeit erlaubte nicht mehr viel Spielraum und so führte der Weg nur noch schnell zur eindrucksvollen, gemischtrassigen Kuhherde von Bernhard-Alois Emberger, direkt gegenüber dem Krimmler Tauernhaus. Bereits den dritten Sommer verbringt der Kleinscharnbauer aus Bramberg auf der Blitzenbichlalm, welche im Besitz von Ludwig Oberkofler, Gruber in St. Johann/Ahrntal ist.
War der erste Anblick der etwas in die Jahre gekommenen Hütte nicht der beste, so hat die fleißige Familie in kurzer Zeit ein kleines Schmuckkästchen geschaffen, in dem sich mittlerweile nicht nur „Almerer" Bernhard wohlfühlt, sondern auch gerne und oft von seinen Kindern und Enkerl Lukas besucht wird!
Wären die Taxibusse nicht schon so zeitig paratgestanden, hätten viele bestimmt noch die ein oder andere Einkehr genossen – denn je später die Stunde, desto schöner wurde auch das Wetter und umso prächtiger und farbenfroher zeigte sich das Achental.
Um die Gesamtheit des mehr als 20 km langen Tales zu erfahren, reicht ein Tag bei weitem nicht – es war uns aber möglich, einen kleinen Ausschnitt dieser unvergleichbaren Vielfalt an Gegebenheiten und Schätze eines unserer schönsten Alpentäler zu entdecken!
Möglich machten dies im Besonderen die Familien Steger und Lerch, die nicht nur ihre Almgatter öffneten und die vielen Menschen mit Hingabe und Gastfreundschaft verwöhnten, sondern in unglaublich bodenständiger und demütiger Haltung ihre Lebensart veranschaulichten!
Danke für diese Lehrstunden!
Danke auch an Herta und Bernhard-Alois Emberger für die herzliche Aufnahme!
Christina Sendlhofer








