Jungzüchter-Almwanderung
Das Tal der Almen zeigt sich paradiesisch – herrlicher Wandertag zur Hubalm in Hüttschlag
Eine traumhaft schöne Kulisse bot das Tal der Almen all jenen, die sich am letzten Junisonntag frühmorgens auf den Weg in Großarltal gemacht haben. Unter der fachkundigen Führung vom jüngeren der beiden Reit-Söhne, Sebastian und seinem Cousin Josef Gruber, startete die 18-köpfige Gruppe über die Reitalm zur Rosskarscharte, um weiter über die Hinterkaseralm (der Hubalm-Hochalm) zur Grundalm zu gelangen. Wunderschöne Kontraste von farbenprächtiger Flora und Fauna (die allesamt nach Regen lechzen!) boten sich der motivierten Wandertruppe und mit der Sicht auf die Hochalmhütte waren auch die ersten schönen Pinzgauer - das Jungvieh der Reiterbauernfamilie - auszumachen.
Insgesamt zweimal fiel die Hochalmhütte großen Lawinen zum Opfer, bevor im Jahr 2000 an versetzter Stelle ein neues Almgebäude errichtet wurde, das der Familie vorrangig als feines „Jagd-Refugium“ und zur regelmäßigen Einkehr beim „Jungviehsalzen“ dient.
Pünktlich um 11.00 Uhr trafen die beiden Wandergruppen am eigentlichen Ziel, der Hubalm auf 1.300 m aufeinander und Jungzüchterobmann Josef Berger freute sich in der Begrüßung über die bunt gemischte Teilnehmerschar.
Der ortsansässige Diakon Josef Gfrerer verstand es in berührenden Worten auf die Kraft des Schöpfers zu verweisen und sprach in Anlehnung an das Evangelium (wo Jesus die Frage stellt: „Für wen haltet ihr mich?“) über unser Gottesbild, das sich meist auf die jeweilige Lebenssituation bezieht.
Wenngleich uns der Glaube in guten Tagen als willkommer Begleiter dient, wandelt es sich in manch tiefem Tal des Lebens oftmals zum großen Hadern und Ringen mit Gott. Mit einem schönen Segensgebet und dem Wunsch, sich niemals gottverlassen zu fühlen, schaffte es der fähige Wortgottesdienstleiter dem Almtag einen feierlichen Einstieg zu verleihen.
ALMVORSTELLUNG
In „Teamarbeit“ bemühten sich Rupert senior und junior anschließend um eine informative Almvorstellung und zur Einleitung erzählte der Seniorchef vom ursprünglich herrschaftlichen Besitz der Hubalm - lag diese ehemals in den Händen von Fürst Auersperg.
1930 wurde die familieneigene Reitalm (heute in Besitz von Familie Hettegger, Unterharbach) verkauft und im Gegenzug die Hubalm erworben. Das flächenmäßig weit ausgedehnte, produktive Almgebiet umfasst insgesamt 285 ha (125 ha reduzierte Fläche) und bietet Raum für 125 GVE, hinzu kommt das Weiderecht auf 130 ha, welches direkt an die Hochalm grenzt.
Die Lebens- und Arbeitsphilosophie der Reitbauern-Familie spiegelt sich schon beim ersten Blick auf die Almhütte, die von 2013 auf 2014 sehr zweckmäßig und gefühlvoll erweitert wurde. Ganz klar wird spürbar, dass es sich hier in erster Linie um das Bewirtschaften im Einklang mit der Natur und im familiären Stil handelt und Massenabfertigung und Kommerz keinen Platz finden.
Juniorbauer Rupert, der heuer bereits den 11. Sommer die Almbewirtschaftung verantwortet, sorgt mit Schwester Monika und Praktikanten Tobias Schiefer für die Veredelung des kostbaren Rohstoffes der 16 Milchkühe, die gemeinsam mit den wohlgenährten Almschweinen die Grundlage für die vielfältige und qualitätsvolle Hubalm-Jause liefern!
Ungefähr 4,5 Monate genießen die Kühe die Sommerfrische in Koppelhaltung auf der Grundalm, während sämtliches Jung- und Zinsvieh (insgesamt 130 Stück) die Hochalmflächen beweidet.
5,5 ha der flachen Almwiesen werden für die einmalige Heuproduktion genutzt, für die Stromversorgung steht ein eigenes Kleinkraftwerk zur Verfügung.
Als Standbein und Leidenschaft zugleich könnte man die Jagd bezeichnen, von der sämtliche männliche Familienmitglieder gleichermaßen infiziert sind und die auf insgesamt 185 ha reichlich ausgelebt werden kann!
TIERBEURTEILUNGSWETTBEWERB
Nach dem Genuss der wohlbekömmlichen Almjause galt es die sehr ansprechende, edle Kuhherde zu inspizieren und nicht wenige testeten ihre fachlichen Grundlagen anhand des Tierbeurteilungswettbewerbes, der die Möglichkeit einer Bewertung nach dem (bei der Pinzgauerrasse noch jungen) 90-Punkte-Schema bot.
Zuchtberater Thomas Sendlhofer wählte im Vorfeld fünf Kühe aus, wovon drei einzelbeurteilt und abschließend alle fünf gereiht werden mussten. Als Richtwert galt die untenstehende Bewertung von Sendlhofer mit einer maximal erreichbaren Gesamtpunktezahl von 170.
Einzeltierbeurteilung:
1. Kuh WERMUT 81 – 78 – 84 – 83
2. Kuh RAUT 78 – 78 – 82 – 86
3. Kuh WOLK 84 – 81 – 84 – 84
Reihung:
Kuh Nr. 3 – 1 – 2 – 5 – 4
Aus zwei Gruppen (junior und senior) wurden schließlich folgende Gewinner ermittelt:
JUNIOR:
1. Magdalena Gruber (131 Pkt)
2. Tobias Schiefer (128 Pkt)
3. Nico Unterweger (125 Pkt)
SENIOR:
1. Sebastian Gruber (151 Pkt)
2. Hans Schmiderer (148 Pkt)
3. Urban Gruber (142 Pkt)
4. Daniel Dödlinger (136 Pkt)
5. Marc Wild (134 Pkt)
Anhand der Gewinnerliste nicht zu übersehen war die Tatsache, dass es sich bei Familie Gruber nicht nur um eine sehr leidenschaftliche Bauersfamilie handelt, sondern auch um eine fachlich sehr kompetente – Gratulation dazu!
Gratulation allen Preisträgern und danke fürs Mitmachen – neben der Möglichkeit einer gewissen „Standortbestimmung“ ist die Tierbeurteilung nämlich gewissermaßen immerauch „Ansichtssache“, weil Wahrnehmung und Geschmack erfahrungsgemäß sehr differenzierte Begriffe sind!
Nach einer herrlichen und erfrischenden Auszeit im Almbach und anschließender gemütlichen Kaffeepause löste sich die gemeinschaftliche Schar langsam in alle Richtungen (mit australischen, tschechischen, deutschen und Südtiroler Pinzgauer-Freunden war die Wanderschaft eine sehr internationale!!) auf den Weg heimwärts – beladen mit unvergesslich schönen Bildern eines Almtages, der sich in jeder Hinsicht mehr als lohnte und eine riesengroße DANKSAGUNG verdient –
im Besonderen der Großfamilie Gruber, die sich wahrlich um einen Feiertag auf einem ganz besonderen Flecken Erde bemüht hat.
Mit der Hubalm handelt es sich schließlich um einen Ort, der einen aufgrund seiner Gemütlichkeit und der bodenständigen Besitzerfamilie nur schwer loslässt und das Bewusstsein für die wahren Werte schärft!
Vergelt’s Gott für diese Form der Lebensschule!
Christina Sendlhofer





