Jungzüchter-Tag in Flachau
Landwirtschaft und Tourismus auf höchstem Niveau!
Wie zwei verschiedene Standbeine einander perfekt ergänzen, veranschaulichte der diesjährige Jungzüchtertag eindrucksvoll. Fünf Pinzgauer-Zuchtbetriebe in Flachau ernteten für die Präsentation ihrer Vorzeigehöfe höchste Bewunderung und Anerkennung.
Der Auftakt erfolgte auch heuer wieder in schönster Höhenlage, nämlich am Hof der Familie Weiß, Hundsalz am Aigenberg. Prächtiges Herbstwetter und lieblichstes Ambiente begrüßte die große Besucherschar in steilster Hanglage, wo sich Elisabeth und Johann Weiß 1996 eine schöne, aber nicht unbeschwerliche Heimat schufen.
Die ehemaligen „Zehenthof-Pächter“ siedelten 2002 zum Hundsalzhof, erbauten 2003 einen neuen Laufstall und sind bekannt für ihre qualitätsvolle, veredelte Milchkuhherde. (9 Kühe erbringen einen Stalldurchschnitt von 6.800 kg Milch). Als Zuerwerb widmet sich Hans Weiß verschiedensten Tätigkeiten über den Maschinenring und im Winter dem Einsatz bei den Bergbahnen in Flachau.
Dass hier mit unbeschreiblicher Liebe zur Natur gehandelt wird, spiegelt sich im guten Wachsen und Gedeihen von Tier und Pflanzen wider: beginnend von den glücklichen Zwei- und Vierbeinern bis zu den wunderbaren Trauben an der Stallmauer, denen kaum jemand widersagen konnte.
Der mühsamen Hofbearbeitung stehen hier Menschen gegenüber, welche mit großer Ehrfurcht vor der Schöpfung täglich um die Erhaltung dieser Kleinode bemüht sind.
Obmann Hannes Hofer brachte dies in seinem Dank zum Ausdruck, indem er von der Wichtigkeit der Vielfalt sprach. Eine Vielfalt von Betrieben und Menschen, die jeweils an ihren Orten unverzichtbar und unentbehrlich sind.
Vom Berg führte der Weg ins Tal zu einem komplett konträren, aber nicht minder interessanten Betrieb, nämlich zum Thurnhof im Ortsteil Feuersang. Franz Laubichler erklärte in seiner Vorstellung die Betriebsphilosophie, die sich in den letzten Jahren zu einer intensiven Kreuzungszucht entwickelte. 2004 erfolgte mit dem Stallneubau eine Weichenstellung – der ursprüngliche Kuhbestand wuchs von 35 auf 70 Stück und mit äußerst überlegtem und praktischem Handeln wurde nicht nur kostensparend, sondern auch arbeitstechnisch ein wesentlicher Fortschritt erzielt. (Die Quote von 500.000 erbringen 65 Kühe mit einem Stalldurchschnitt von 8.100 kg Milch)
Franz Laubichler betonte die unbedingte Erhaltung einer gewissen Lebensqualität, welche Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewirtschaftung ist.
Der Familienbetrieb steht auf einem weiteren Standbein, dem Tourismus, der in der Gemeinde Flachau einen wesentlichen Wirtschaftszweig bildet.
Das Fundament für den optimalen Betrieb bilden zweifelsohne Barbara und Franz Laubichler mit ihren fünf Kindern, welche mit enormen Ehrgeiz für die Weiterentwicklung von Haus und Hof zeichnen.
Der große Fleiß und Zusammenhalt zeigte sich auch in einer überdimensionalen Verpflegung – Barbara Laubichler verwöhnte mit einem ausgezeichnetem Mittagessen im Garten des Thurnhofs - Vergelt's Gott dafür!
Das Nachmittagsprogramm eröffnete ein weiterer Vorzeigebetrieb – Hannes und Rosi Lackner, Vorderaigen, welche mit dem gelungenen Um- und Erweiterungsbau ein wahres Schmuckstück geschaffen haben. Während der sömmerlichen Almzeit wurde der Anbindestall komplett umgebaut und präsentiert sich nunmehr als Eldorado für die schöne Pinzgauer Herde.
Zurzeit erfolgt die Aufstockung von 15 auf 20 Kühe, so wurden bei der letzten Versteigerung zwei Kühe erfolgreich ins Sortiment aufgenommen und haben sich zur Freude des Betriebsleiters bestens integriert. Wohl fühlen sich am Vorderaigenhof nicht nur Vier-, sondern auch Zweibeinige, so wird neben den Appartements vor allem der Aigenstadl liebend gerne für Familienfeiern und saisonal sicher auch zum Apre-Ski genützt.
Zwei weitere Spitzenbetriebe mitgleichen Schreibnamen standen noch am Programm – als erster Maria und Simon Schiefer, Vorderklinglhub, welche ein wunderschönes, altes Gehöft ihr eigen nennen dürfen. Simon Schiefer führte in den Stall, welcher noch in ursprünglicher Form aus dem Jahr 1595 besteht und ein sehr ansprechendes Inventar behütet. 13 typvolle Pinzgauer, teilweise veredelt mit sehr guten Eutern präsentierten sich im zweckmäßigen, altehrwürdigen Anbindestall und erbringen eine durchschnittliche Milchleistung von jährlich 5.800 kg Milch.
Die Milch vom Vorderklinglhub ist nicht nur in der Molkerei gefragt, sondern auch bei den Konsumenten, die sich rund um die Uhr an der „Milchtankstelle“ versorgen dürfen. Die rege Entnahme sorgt an manchen Tagen im Sommer für einen Lieferengpass, werden in Spitzenzeiten oftmals über 100 l pro Tag entnommen!
Wunderschön präsentierte sich auch das alte Bauernhaus der Familie Schiefer, das in den letzten Jahren dank Um- und Ausbau eine schöne Aufwertung erfahren durfte und den Gästen gemütliche Appartements bietet. Nach der netten Betriebsvorstellung wartete auch Fam. Schiefer mit allerlei Köstlichkeiten auf – bei selbstgepresstem Apfelsaft, Gebrautem und Gebranntem ließ es sich auf den gemütlichen Hausbänken gut und gern verweilen.
Schlussendlich hieß es aber Fahrt Richtung Nachbarschaft aufzunehmen, denn am Holzmannhof stand die Großfamilie Schiefer bereits Spalier, um die große Besucherschar willkommen zu heißen.
In netten Worten stellte Michael Schiefer seinen Hof vor, der seit der Heirat mit Petra vor 10 Jahren in seinem Besitz steht. „Man braucht eben nur die richtige Bäuerin nach Hause bringen, somit ist auch die Übergabe nur mehr Formsache“, meinte der gewitzte Hausherr und präsentierte sogleich sein vorrangiges Betätigungsfeld, einen beinahe „geleckten“ Anbindestall, welcher 1992 neu erbaut wurde.
Nicht weniger schön gestaltete sich das Innenleben, knapp 20 Kühe präsentierten sich in einem perfekten Pflege- und Futterzustand. Das Top-Management des Holzmannbauern spiegelt sich in der Hochleistungszucht der qualitätsvollen Kühe, die eine jährliche Durchschnittsleistung von 6.600 kg Milch erbringen. Sehr vorteilhaft erweist sich die Alm in Mühlbach, die von Fam. Schiefer senior erworben wurde und ein sehr frühes Auftreiben ab Anfang Mai ermöglicht.
Die Anblick des Holzmannhofes verrät auch hier zweifellos die Vorherrschaft des Tourismus. Das Appartementhaus bietet Platz für ca. 50 Personen und sorgt sowohl im Sommer als auch im Winter für eine wohlige Unterkunft für Jung und Alt.
Die großzügigen Räumlichkeiten standen Sonntag den Jungzüchter-Familien zur Verfügung, denn Hausherrin Petra öffnete ihren Aufenthaltsraum für eine gemütliche abschließende Kaffeepause mit herrlichen Mehlspeisen und köstlichen Kaffee.
Die perfekte Kombination von Tourismus und Landwirtschaft war das Resümee eines überaus gewinnenden Tages, das klar zum Ausdruck brachte, wie die zwei Komponenten Landwirtschaft und Tourismus einander zum Erfolg benötigen.
Ganz deutlich konnte man spüren, wie positiv sich der frühkindliche Umgang mit Tier und Mensch auswirkt – indem junge Menschen einerseits mit viel Freude und Stolz ihr Vieh züchten und andererseits mit viel Offenheit und Herzlichkeit auf fremde Menschen zugehen.
Den fünf Züchterfamilien sei dazu gratuliert, werden doch gerade in funktionierenden Familien Fundamente für ein gelingendes und erfolgreiches Leben gelegt! Wir bedanken uns herzlichst für einen einzigartig schönen Tag im Enns-Pongau und wünschen weiterhin viel Freude und Ambition für die tägliche Arbeit in Haus und Hof!
Christina Sendlhofer





