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Jungzüchterreise in die Schweiz

Viele schöne Eindrücke und die nette Gemeinschaft machten die Jungzüchterreise zu einem besonderen Erlebnis!
Viele schöne Eindrücke und die nette Gemeinschaft machten die Jungzüchterreise zu einem besonderen Erlebnis!

Interessante Betriebskonzepte, herrliche Almen und eine unvergessliche Zeit bei und mit Gleichgesinnten!

Unser erster Halt der viertägigen Reise war der Betrieb von Fritz Keller in Niederwenigen im Kanton Zürich. Vierzig reinrassige, behornte Simmentaler Kühe werden zur Milchproduktion in einem großzügig gebauten Laufstall mit Fütterungsroboter gehalten.
Auf 26 Hektar Eigenfläche werden Futter und Stroh für die Tiere geerntet.
Ein Teil der vierzigköpfigen Nachzucht verbringt den Sommer auf einer Alp im Kanton Graubünden.
Dass die Schweiz ein „Käseland" ist, lernten wir schon beim ersten Mittagessen kennen. Mit einem leckeren Raclette kräftigten wir uns für die Weitereise nach Biberstein im Aargau.

Sven Dermon hält 29 Stück reinrassige Mutterkühe und deren Kälber und bewirtschaftet 48 Hektar in biologischer Wirtschaftsweise als Acker, Mäh- und Weideflächen. Seit vier Jahren hat Sven den Betrieb von der Gemeinde Biberstein gepachtet. Im ersten Jahr hat ein Freund Pinzgauer auf dem Betrieb „gealpt". Sven verliebte sich sofort in die Pinzgauer und so kam es, dass er in den folgenden Jahren Pinzgauer Kühe und einen Stier importierte und so seine eigene Herde aufbaute.
Die Herde grast von Mai bis Oktober auf der Weide. Ein Teil der Nachzucht und einige Mutterkühe verbringen den Sommer auf der Alp.
Die zehn Monate alten Kälber werden mit 200kg Schlachtgewicht als „Natura-Beef" verkauft – das ist ein Gütesiegel des Vereins Mutterkuh Schweiz für Rindfleisch aus Ammen- und Mutterkuhhaltung.

Schweiz – das Land der Alpen

Anfangs zeigte sich die Schweiz noch eher hügeliger. Doch bei unserer Fahrt auf die Mörlialp in Giswil im Kanton Oberwalden eröffnete sich eine beeindruckende Berg- und Alpwelt, die uns auch in den darauffolgenden Tagen fesselte.
Die riesigen Almen (in der Schweiz Alp genannt), sind nur sehr selten im Besitz eines einzelnen Bauers. Vielmehr sind sie Genossenschaften oder gar im Besitz der Gemeinden oder Bürgerversammlungen. Die eher kleinstrukturierten Bergbauern zahlen für ihre aufgetriebenen Tiere. Aus diesem „Topf" werden dann die „Älpler" (Senner und Hirten), anfallende Umbauten und Materialkosten der Alp bezahlt. Die Älpler sind meist Betriebsfremde - oft suchen „Städter" auf der Alp eine Alltagspause. Für die produzierte Milch seiner Kühe erhält der Bauer entweder ein Milchgeld oder Käse. Dafür wird die Milch monatlich, wöchentlich, bei manchen Alpen sogar täglich gemessen.
Mit dem Sömmerungsbeitrag für die Alp und einem Alpungsbeitrag für den Bauern gibt es vom Bundesstaat Schweiz auch eine Art Förderung.

Auf der Schwendelialp auf dem Glaubenbühlpass auf 1.815 m Seehöhe verbringt Bruno Riebli bereits den 17. Sommer als Hirte von 28 Mutterkühen und 60 Kalbinnen.
Bruno selbst bewirtschaftet einen Betrieb mit 14 Milchkühen, darunter auch einige behornte Pinzgauer und fünf Mutterkühe. Seine Tiere verbringen den Sommer aufgeteilt auf den Nachbaralmen. Bruno ist ein sehr begeisteter Pinzgauer Züchter - vor vielen Jahren sah er eine Pinzgauer Kuh in einer Zeitschrift und war sofort in die Rasse verliebt.

Bei unserer Übernachtung auf der Alp im Heu lernten wir auch weitere Schweizer Spezialitäten kennen. Bruno kochte auf offenem Feuer Älplermagronen. Das sind Kartoffeln und Nudeln mit Käse gemischt und mit Apfelmus serviert. Natürlich musste auch „s´Kehli" gekostet werden. Das ist ein Schüsselchen mit dünnem Kaffee, viel Zucker und etwas Schnaps.

Am nächsten Morgen wurden zwei Nachbaralmen besucht. Beide werden mit je gut 50 Stück Milchkühen sehr intensiv mit Koppeln, welche nachgemäht und gedüngt werden, bestoßen. Außerdem wird auf der Alp Heu geerntet und in der Nacht in den Laufställen zugefüttert.

Über Pässe von einem Kanton zum Nächsten

Über den Grimselpass und den Furkapass, deren imposante Passtraßen auch uns „Bergstraßengewohnten" sehr beeindruckte, ging es auf den Gotthardpass im Kanton Tessin in der italienischen Schweiz.
Dort verbringen 88 Milchkühe unterschiedlichster Rassen von Matthias Zimmermann ihren Almsommer. Vielen ist dieser Name bekannt, importierte er doch vor einigen Jahren einige Pinzgauer in die Schweiz. "Eine gute Kuh fällt nicht auf", meint Matthias und bezieht diese Aussage vor allem auf seine Pinzgauer, die sich mit ihrer Robustheit, Berggängigkeit und Anpassungsfähigkeit beweisen. Diese Eigenschaften sind auf der Sorescia Alp sehr gefragt, denn diese erstreckt sich über ein sehr weitläufiges Gebiet - so weit, dass die Tiere mit einem fahrbaren 2x3er Fischgrätenmelkstand im gut erschlossenen Almgebiet gemolken werden. Die Milch wird in der Käserei der Alm zu Vollfettkäse verarbeitet.
Nach einem Käsefondue auf der Alp - sowas darf auf einer Schweizreise natürlich nicht fehlen- übernachteten wir in einem Gemeinschaftslager im Hospiz auf dem Gotthardpass.

Über den Oberalppass ging es am nächsten Tag nach Landquart zum Plantahof im Kanton Graubünden - ein Kompetenzzentrum für Landwirtschaftliche Berufe. Neben einer Landwirtschaftsschule bietet der Plantahof diverse landwirtschaftliche Lehrstellen, Ausbildungen und Kurse. Zum Gutsbetrieb Plantahof zählen vier Standorte: Auf dem Plantahof, der den Hauptstandort des Gutsbetriebes stellt, werden 75 Braunviehkühe in einer Grünland- bzw. einer Leistungsgruppe gehalten. Hier werden auch Maststiere, Bienen und Legehühner gehalten, sowie Obst-, Wein-, Futter- und Ackerbau betrieben. Hier findet auch die Milchverarbeitung statt – viele „Älperer" besuchen hier einen Käser-Crashkurs.
Auf zwei weiteren Standorten werden jeweils Milch- und Mutterschafe und Ziegen sowie Mutterkühe und Stiere gehalten. Auch eine eigene Alm zählt zum Gutsbetrieb, wo im Sommer die Grünlandgruppe weidet und im Winter die Jungtiere gehalten werden.

Nach diesem sehr eindrucksvollen Betrieb ging es zum Hof der Familie Engel nach St. Antönien, ein kleines Dorf mit 350 Einwohnern.
2005 kauften Erwin und Vroni den Hof, der nicht mehr bewirtschaftet und sämtliches Land verpachtet war.

Bäuerin Vroni verarbeitet die Milch ihrer sieben Kühe zu diversen Milchprodukten. Im Sommer werden vier Kühe gemeinsam mit gut 100 weiteren Kühen anderer Bauern auf der nahegelegen Alp Partnun, die wir ebenfalls besuchten, gemolken und ihre Milch verkäst.
Außerdem halten sie auf ihrem biologisch bewirtschafteten Hof zusätzlich 15 Schafe und 4 bis 5 Pfauenziegen. Von den 20 Hektar Mähflächen weisen mehr als die Hälfte über 50% Hangneigung auf und reichen von 1500 m bis 2000 m Seehöhe.

Nach unserer letzten Nacht in der Schweiz, im wohlduftenden Heulager, besuchten wir noch den Betrieb von Andrea und Christian Putzi etwas talauswärts in Pany. Sie bewirtschaften einen Hof mit 12 Pinzgauer- und Original Braunviehkühen , deren Nachzucht und 25 Mastkälbern. Die Milchkühe und Kalbinnen verbringen den Sommer in riesigen Herden auf der Alp Valpun.

Ein herzliches Dankeschön an alle unsere Schweizer Freunde für die Gastfreundschaft auf ihren Höfen und Alpen; Matthias, Marlene und Mathias für die tolle Organisation und Reiseleitung und natürlich allen Mitfahrern für die tolle Gemeinschaft und die netten gemeinsamen Tage.
Wir freuen uns schon auf die nächste Reise- im Bus wurde bereits über ein sehr spannendes Reiseziel gemunkelt! ;)

Anna Schmiderer

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