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Jungzüchterreise ins Allgäu

Vielfältige Betriebe mit unterschiedlichen Strukturen, Philosophien und Standbeinen zeigten uns einen Einblick in die Landwirtschaft Süddeutschlands! Eine E-Bike-Tour im Allgäu sorgte für Spaß und viele Eindrücke aus der Umgebung! Am Abend wurden die Jungzüchter mit kulinarischen Köstlichkeiten verwöhnt und das Feiern kam nicht zu kurz!

Berghof Babel in Wald
Die erste Station der Jungzüchterreise war der bekannte Berghof Babel. Der Berghof Babel ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, der durch Initiativen und vielen Standbeinen die Lebensgrundlage für Herbert und Monika Babel sowie ihren drei Söhnen mit Familien bietet. Der Betrieb liegt auf 840 m Seehöhe in der Gemeinde Wald in Bayern. Der Betrieb hat die Standbeine Milchwirtschaft, Gastwirtschaft, Käserei und Brauerei. Die drei Geschwister Tobias, Michael und Simon teilen sich ihre Aufgaben und Verantwortung getrennt voneinander auf. Am landwirtschaftlichen Betrieb werden 70 Milchkühe der Rasse Braunvieh mit einem Melkroboter gemolken. Der Stalldurchschnitt liegt bei 9.500 kg Milch. Die Zucht spielt eine wesentliche Rolle am Betrieb, so sind am Berghof Babel exterieurstarke Braunvieh-Kühe beheimatet. Familie Babel verkauft weibliche sowie männliche Zuchttiere und hat bereits viele Schauerfolge. In der Anpaarung werden größtenteils geprüfte Vererber eingesetzt, nur teilweise genomische Jungvererber. Abstammungsmäßig interessante männliche Stierkälber werden genotypisiert.  Die Braunviehherde wird silofrei gefüttert, damit sich die Milch danach gut für die Käseproduktion eignet. Aktuell investiert Familie Babel in eine neue Heuhalle. Als Futtergrundlage für die Kühe werden 80 Hektar gemäht, davon sind 9 ha Ackerflächen, wo Kleegras angebaut wird. In den Sommermonaten wird für die Milchkühe Grünfutter eingefüttert. Das ganze Jungvieh wird auf der Alp gesommert und im Herbst geweidet. Um die anfallende Molke der Käseherstellung gut zu verwerten, gibt es am Betrieb auch Mastschweine. Der Großteil der Milch wird in der Schaukäserei zu Käse und Eis verarbeitet, ein Teil der Milch von einer Molkerei abgeholt. Der Absatz der Käseprodukte findet in der eigenen Gastwirtschaft, in Gastbetrieben der Umgebung und online statt. Am Berghof Babel spielt auch die Gastwirtschaft mit dem Hotel sowie der Walder Käsküche eine sehr bedeutende Rolle. Um in der Gastwirtschaft auch ein regionales Bier anzubieten, wurde eine Brauerei in die Walder Käsküche integriert, wo zwei Mal wöchentlich von einem externen Braumeister gebraut wird. Der Berghof Babel ist offen für Exkursionen und Besucher- sie sehen sich hier einerseits als Kommunikator für die Landwirtschaft und ermöglichen einen Einblick in die Landwirtschaft und Tierhaltung und profitieren andererseits im Gastronomiebetrieb und Käseabsatz. Nach einer interessanten Führung durch den landwirtschaftlichen Betrieb erfolgte eine Käserei – und Brauereiführung mit anschließender Verkostung der sehr guten Produkte.

Weiter ging die Reise zur Unterkunft in Eglofs und ins Ellgass Allgäu Hotel, wo ein geselliger Abend verbracht wurde.

Milchviehbetrieb Familie Anwander in Isny
Am Sonntagvormittag wurde der professionell geführte Milchviehbetrieb von Familie Anwander in Isny besichtigt. Der Betrieb gehört zwei Brüdern, die jeweils mit ihren Familien am Hof wohnen. 140 Milchkühe, 600 Legehennen, eine Biogasanlage und eine Photovoltaikanlage sind die Standbeine am Betrieb. Am Betrieb werden etwa 150 ha größtenteils Grünland bewirtschaftet, ein kleiner Anteil ist Maissilage. Der Großteil des Grünlandes wird in Fahrsilos konserviert. 2017 investierte Familie Anwander in einen neuen Laufstall mit Liegeboxen und Melkroboter für die Milchkühe. Bei der Planung des neuen Stallgebäudes wurde viel auf Tierwohl geachtet. In diesem Zuge wurde auch ein optimaler Kälberstall neu gebaut, der mit Tiefstreuflächen, südseitiger Ausrichtung, viel Platz und guten Luftverhältnissen punktet. Das alte Stallgebäude wird für das Jungvieh genützt. Die Hauptrassen am Betrieb sind Braunvieh und Holstein, ein paar wenige Fleckvieh-Tiere mischen sich unter die Herde. Familie Anwander nimmt an dem Projekt „Braunvieh-Vision“ teil. Bei diesem Projekt wird jedes weibliche Tier genotypisiert, damit eine weibliche Lernstichprobe aufgebaut wird, um die genomische Selektion beim Braunvieh zu optimieren. Bei diesen Projekten stehen vor allem die Gesundheitsmerkmale im Fokus. Bei den männlichen Kälbern werden solche genotypisiert, die der Zuchtverband als interessant betrachtet. Aktuell wurde ein genomisch interessanter Jungstier vom Betrieb an die Besamungsstation verkauft. Zuchttiere wurden in den letzten Jahren keine verkauft, weil sie für den Aufbau der größeren Milchviehherde selber benötigt wurden. Dieser Betrieb bot uns einen netten Austausch mit deutschen Kollegen und einen interessanten Einblick in die für uns doch großen Milchviehstrukturen eines Familienbetriebes in Deutschland.

E-Bike-Tour im Allgäu
Am Nachmittag unternahmen wir mit Familie Ellgass eine E-Bike-Tour, bei der der Spaß nicht zu kurz kam. Bei dieser Tour konnten wir viel von der hügeligen Allgäuer Gegend, die viele Grünlandflächen hat, sehen! 

Am Abend wartete im Gasthaus Ox in Eglofs ein geselliges Zusammentreffen und Feiern auf uns.  

Braunviehzuchtbetrieb Familie Denz in Oberstaufen
Am Montag wurde der Bergbauernbetrieb und Braunviehzuchtbetrieb der Familie Denz im bekannten Tourismusort Oberstaufen besichtigt. Der Betrieb liegt auf einer Seehöhe von 800 m und ist ein reiner Grünlandbetrieb. Am Betrieb werden knapp 80 ha Wiesen und Weiden bewirtschaftet, davon sind 54 ha Pachtflächen. 28 Milchkühe und circa 60 Stück Jungvieh überzeugen mit ihrer Stärke im Exterieur und der Euterqualität. Die Zucht spielt eine sehr bedeutende Rolle am Betrieb- etliche Schauerfolge konnten erzielt werden und Stiere an eine Besamungsstation verkauft werden. Circa 15 bis 20 Braunvieh Kühe werden jährlich über die Auktion und ab Hof verkauft. Die Braunviehherde erreicht ein Leistungsniveau von knapp 10.000 kg Milch, 4,38 % Fett und 3,67 % Eiweiß. Die Kühe werden im Sommer halbtags geweidet und erhalten zusätzlich Heu, Gras- oder Maiscobs und Kraftfutter. Die Winterfütterung ist eine Mischung aus den vier Schnitten der Heuwerbung sowie Grascobs und Kraftfutter. Die Kühe sind in einem umgebauten Laufstall mit Tiefliegeboxen und Schrapperentmistung untergebracht. Die frische Heumilch wird direkt an die Bergkäserei Steibis geliefert. Das Jungvieh wird in einem Tretmiststall mit Schieberentmistung gehalten, im Kälberstall sorgen Tiefstreuflächen für Komfort. Um die anfallende Molke der Schweine gut veredeln zu können, werden etwa 60 Mastschweine jährlich gemästet und direkt vermarktet. Ein paar Stierkälber werden ebenfalls mit einer Vollmilch-Molke-Tränke gemästet. Ein weiteres Standbein bildet die Vermietung von vier Ferienwohnungen, was aufgrund der touristischen Lage sehr gut läuft. Jungbauer Michael Denz hat sich auch viele Jahre im Jungzüchterverein engagiert und ist Jungzüchterobmann im Oberallgäu. 

Danach wurde die genossenschaftlich geführte Bergkäserei Steibis besichtigt, die neun Milchbauern gehört. Die Milchbauern müssen zwei Mal täglich die Milch selber in der Käserei anliefern und die Molke wieder zurücknehmen. Zwei Käser sind für die Verarbeitung der Milch angestellt, etwa 3000 Liter Milch werden täglich verarbeitet. Der Online-Versandhandel von Käse hat sich neben dem Direktverkauf im Ladengeschäft für diese kleinstrukturierte Käserei bewährt. 

Pinzgauer Zuchtbetrieb und Mutterkuhbetrieb Familie Ellgass in Argenbühel
Am Nachmittag stand die Besichtigung des Betriebes von Astrid, Josef und Felix Ellgass in Argenbühl auf dem Programm. Nach einer gastfreundschaftlichen Verpflegung erfolgte die interessante Betriebsvorstellung und –besichtigung des Ellgass-Allgäu Hotel und des Stalles. Die Hofwirtschaft überzeugt mit einem sehr nachhaltigen Konzept, in der Küche kommen vorwiegend regionale Produkte zum Einsatz. Weiters wird das „nose-to-tail“-Konzept umgesetzt, bei dem sämtliche Fleischteile verarbeitet werden. Sämtliches Rindfleisch stammt vom eigenen Betrieb, es wird kein Rindfleisch zugekauft. Auf der Speisekarte gibt es noch Schweinefleisch aus dem Allgäu, auf Geflügelfleisch wird verzichtet. Am Pinzgauer Zuchtbetrieb werden 25 Pinzgauer Mutterkühe, 50 Jungrinder, Kalbinnen und Ochsen gehalten. 2006 hielten die Pinzgauer Kühe in Eglofs Einzug, nachdem der Betrieb vorher mit Braunvieh-Milchkühen geführt wurde. Die Schlachtung der schlachtreifen Tiere erfolgt in unmittelbarer Nähe in einem regionalen Schlachthof. 

Familie Ellgass betrachtet die Rasse Pinzgauer als Juwel, sie schätzen den guten Charakter und Mutterinstinkt, die Robustheit, Fitness und Fruchtbarkeit und das einfache Handling. Besonders begeistert sind sie von der hervorragenden Fleischqualität mit der sehr guten Marmorierung, Zartheit und Saftigkeit. In der Zucht wählt Familie Ellgass immer einen korrekten, fleischbetonten und genetisch hornlosen Zuchtstier aus, der im Natursprung zum Einsatz kommt. Um beste Fleischqualitäten zu garantieren, wird hinsichtlich Fütterung in den letzten Monaten vor der Schlachtung auf gute Grundfutterqualitäten und eine Zufuhr von Getreideschroten geachtet, damit die Marmorierung und Fetteinlagerung ideal sind.  Familie Ellgass ist einer der wenigen Mutterkuhhalter in der Region, im Allgäu sind vor allem die Milchviehbetriebe stark beheimatet. Mit der Kombination Landwirtschaft und Gastwirtschaft haben sie ein stimmiges Betriebskonzept gefunden, das für ihren Betrieb hervorragend geeignet ist. 

Am Abend konnten wir uns im Ellgass Allgäu Hotel bei mehreren Menügängen vom Pinzgauer Rind von der hervorragenden Fleischqualität selber überzeugen. Sepp Ellgass ist nicht nur ein begeisterter Landwirt, sondern auch ein begnadeter Koch. 

Besamungsstation Greifenberg
Am Dienstag wartete noch ein besonderes Highlight auf uns, bevor wir die Heimreise wieder antraten: Die Besichtigung der Besamungsstation Greifenberg. Geschäftsführer des Weilheimer Zuchtverbandes sowie der Besamungsstation Greifenberg Helmut Goßner stellte uns die Entwicklung und Ziele des Unternehmens vor. Beeindruckend war vor allem die Vorführung der Stiere. Stiere verschiedener Rassen wurden uns präsentiert, einige davon schon ein paar Jahre alt. Am Ende der Vorführung warteten die acht stationierten „Premium-Pinzgauer“ – wie sie in Greifenberg beworben werden – auf ihre Vorführung. Die Stiere Fabius, Graphit, Germanus, Gral, Rausch, Fendrich und Rekord und Mock lieferten ein beeindruckendes Bild ab und überzeugten im Typ!   

Ein herzlicher Dank gilt Familie Ellgass für ihre Gastfreundschaft, die Zeit, die sie sich für uns nahmen und bei der Unterstützung der Reiseplanung im Vorfeld! Ein großes Dankeschön natürlich allen Jungzüchtern für die tolle Gemeinschaft und die netten gemeinsamen Tage! 

Marlene Berger 

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