Jungzüchterreise nach Oberösterreich
Perfektes Wochenendprogramm!
Zwei der vier oberösterreichischen Viertel waren das Ziel der heurigen Jungzüchterreise, das Hausruck- und das Mühlviertel. Gestartet wurde am Freitagabend um die Anreise zu verkürzen. So wurde in Frankenmarkt Quartier bezogen und die Nacht mit mehr oder weniger Schlaf verbracht. Erstes Exkursionsziel am Samstag war die Hofmolkerei Staufer in Zipf. Einigen wird der Name bekannt sein, Herr Staufer ist fleißiger Käufer von sehr guten Milchkühen in Maishofen (Betriebsreportage im letzten Zuchtinfo). So wurden auch bei der letzten Versteigerung einige Spitzentiere zu guten Preisen angekauft. Die Familie Staufer bewirtschaftet mit insgesamt 22 Arbeitskräften eine Fläche von 150 ha, 320 Stück Vieh, davon 199 Milchkühe und verarbeitet die gesamte Milch in der eigenen Hofmolkerei. Dort werden jährlich 1,8 Millionen kg Milch zu Frischmilch, Joghurt und Topfen verarbeitet. Gemolken wird im neuen Stall mit drei Melkrobotern. Gefüttert wird ganzjährig mit Gras- und Maissilage, Heu wird extra vorgelegt. Die ganze Familie Staufer arbeitet mit ganzem Einsatz für den Betrieb. Die sehr schön gepflegte Anlage beweist es.
Nach dem Mittagessen in Lenzing ging es dann zum Mutterkuhbetrieb der Familie Haslinger, Sterer in Ampflwang. Alois bewirtschaftet mit seiner Familie einen fast energieautarken Hof im Herzen des Hausruckviertels. 12 Mutterkühe der Rassen Pinzgauer und Pustertaler Sprinzen liefern ebenso viele schlachtreife Jungrinder, deren Fleisch direktvermarktet wird. Die Jungrinder werden am Feld in der Herde mit einem gezielten Kopfschuss getötet und innerhalb einer Viertelstunde in den Schlachtraum gebracht. Die Teilstücke werden auf vier Bauernmärkten in der Woche veredelt. Zur Selbstversorgung werden Schweine, Schafe und Hühner gehalten. Die Photovoltaikanlage liefert den Strom und für den Treibstoff der Fahrzeuge werden Sonnenblumen zur Ölgewinnung angebaut. Erdäpfel und Obst, wir durften herrliche Nektarinen direkt vom Baum kosten, runden den Anbau ab. Ein Hof mit viel gefühlter Lebensqualität der immer schon biologisch bewirtschaftet wurde.
Über die Donau bei Aschbach fuhren wir ins Mühlviertel in den Bezirk Rohrbach. Ziel des Tages war die Marktgemeinde Sarleinsbach. Dort fand am Abend das jährliche Marktfest statt, das von uns natürlich besucht wurde.
Am Sonntagvormittag besuchten wir in der Nachbargemeinde Hörbich Markus Gahleitner. Im Februar vor zwei Jahren besuchten wir Markus zum Abschluss seiner Arbeit bei der Rinderzucht Austria, wo er den Jungzüchterprofi betreute, den viele Pinzgauer Jungzüchter absolviert haben. Damals nahmen wir als Geschenk ein Pinzgauer Zuchtkalb mit. Kati ist nun eine Kuh und hat mit ihrem Kuhkalb bereits für Verstärkung gesorgt. Markus ist mit seiner Pinzgauer Kuh sehr zufrieden. Sie hat mit 25 kg Milch eingesetzt, hat ein gut aufgehängtes Euter und ist bereits wieder trächtig. Gehalten wird sie mit ihren Fleckviehkolleginnen im neu angebauten Milchviehstall, in dem rund 80 Kühe Platz haben. Zurzeit werden die 45 Kühe im Tandemmelkstand gemolken, bald wird jedoch ein Melkroboter diese Arbeit übernehmen. Die Herde überzeugt mit sehr guten Leistungen, ein paar sehr rüstigen alten Kühe (zwei mit 11 Kälbern) und gutem Exterieur. Die Futtersituation ist vor allem heuer sehr gut. So wurde bereits die Hälfte des vierten Schnittes eingebracht und der Silomais ist über vier Meter hoch. In der Stube der Familie Gahleitner ließen wir dann bei belegten Broten, Kuchen und Selbstgebranntem die Betriebsbesichtigung ausklingen.
Am Nachmittag standen noch zwei Betriebe im Mondseeland am Programm. Der Betrieb Hingerer in Tiefgraben wird von Hans und Anni Fischhofer gemeinsam mit ihrem Sohn bewirtschaftet. Rund 25 ha Wiesen liefern das Futter in Form von Gras und Heu für 26 Milchkühe und einigen Stück Nachzucht. Unter den Milchkühen findet man im Moment 7 Pinzgauer Kühe, das Ziel von Hans ist die Haltung von 10 reinrassigen Pinzgauern in seinem Stall. Die Pinzgauer Rasse war auch die angestammte Rasse in diesem Gebiet, wurde aber in den 60er und 70er Jahren durch Fleckvieh verdrängt. Hans begann bereits in den 90er Jahren am Betrieb mit der Produktion von Käse, der schon damals reißenden Absatz fand. Darum entschied man sich auch in eine Hofkäserei zu investieren. Neben dem Stall wurde ein stattliches Gebäude mit Verarbeitungsräumen, Käsekeller, Verkaufsraum, Garagen und Aufenthaltsraum errichtet. Hier kann nun in einem 800 Liter umfassenden Kupferkessel professionell Berg- und Hofkäse erzeugt werden. Die Absatzlage ist sehr gut, sodass im Sommer fast die gesamte Milch verarbeitet wird. Im Winter wird die Heumilch an den Käsehof abgeliefert. Nach einer Verkostung und Einkauf des Käses ging es zur letzten Station.
In St. Lorenz am Mondsee am Exeihof erwarteten uns bereits Anneliese und Hans Gimpl. Auf dem wunderschön gepflegten Hof werden auf 3,8 ha Grund 6 reinrassige Pinzgauer Milchkühe mit Format und natürlich Horn gehalten. Die Kälber werden verkauft und bei Bedarf eine Milchkuh zugekauft. So stehen gerade zwei Fasan-Kälber im Stall, wobei das Kuhkalb von der Gruppensiegerin Alma (V: Rat) der Flachgauschau von einigen von uns gerne angekauft worden wäre. Hans ist sehr innovativ. Seine neueste Errungenschaft ist eine Rundballenbelüftung mit Luftentfeuchter, die für beste Heuqualität im Winter sorgt. Zum Abschluss holte Anneliese noch ihren Ziehharmonika hervor und spielte uns zum Abschied noch ein paar Stücke.
An dieser Stelle darf ich allen Betrieben ein herzliches Dankeschön sagen, die uns immer wieder mit Freude ihre Hof- und Stalltüren öffnen und echte Gastfreundschaft leben. Danke im Namen der Pinzgauer Jungzüchter, die auch, dieses Mal in Oberösterreich, ein wunderschönes und interessantes Wochenende verbringen durften. Danke!
Für die Pinzgauer Jungzüchter Mathias Kinberger