Jungzüchterreise nach Südtirol
Ein Wochenende bei und mit unseren Jungzüchterkollegen
Erster Stopp war in Nordtirol bei der Tirol Milch in Wörgl. Stefan Lindner führte uns durch die Schaugänge der Käserei, die Logistik und dem Heizwerk.
Die Tirol Milch ist die zweitgrößte Produktionsstätte der Berglandmilchgruppe und verarbeitet jährlich 220 Mio. kg Milch, das sind 90% der Milch von Tirols Landwirten.
Nach einer Verkostung des Käses und weiterer Produkte ging es weiter zu Helmut Hörtnagl, Thoma in Oberperfuß.
Helmuts Mutterkuherde besteht aus 12 PixRf Mutterkühen und deren Kälbern. Jede Kuh zieht pro Laktation 3 Kälber auf. Dazu wird zum eigenen Kalb ein weiteres dazugewöhnt. Nach 5 Monaten werden die Kälber an einen Kälbermäster verkauft oder geschlachtet. Die Kuhkälber werden als Nachzucht behalten. In den weiteren 5 Monaten läuft danach ein zugekauftes Kalb mit.
Den Sommer verbringen die Rinder auf der Alm, den Winter im Laufstall des 6ha großen Heimbetriebes.
In Lajen in Südtirol angekommen, ging es gleich zu Matthias Ploner. Der 2011 gebaute Stall bietet Platz für 16 Kühe und 15 Kälber.
Natürlich durften auch der Moarbauer und der Zehenthof nicht ausgelassen werden.
Am Abend ließen wir den Tag am Buchnerhof in Lajen mit einem gemütlichen Törggelenabend ausklingen.
Törggelen ist ein Südtiroler Brauch im Herbst, in einer geselligen Runde eine Mahlzeit einzunehmen. Typisch für’s Törggelen sind Junger Wein und Apfelsaft als Getränk. Dazu wurden verschiedene Südtiroler Spezialitäten wie Schlutzkrapfen, Gerstlsuppe, Kastanien und Surfleisch mit Sauerkraut serviert.
Am Samstag besuchten wir die Muthöfe in Dorf Tirol bei Meran. Auf 1400 m gelegen und erst seit letztem Jahr vollständig durch einen Forstweg erreichbar, bewirtschaften acht Landwirte ihre sehr steilen Höfe. Größtenteils erfolgt die Bewirtschaftung noch mit der Hand. Zwar wird mit Motormäher gemäht und hie und da können Erntemaschinen eingesetzt werden, doch bei vielen erfolgt die Heubringung noch mit Seilbahnen. Schafe und Ziegen grasen den ersten und vierten Aufwuchs. Die Rinder weiden zu lassen würde zu große Weideschäden anrichten.
Als erstes besichtigten wir den Hochmuthof von Fritz Pircher. Zum Grauviehbetrieb mit 10 Milchkühen zählen 4 ha steile Eigenfläche und 6 ha Pachtfläche im Tal. Die Kühe und das Jungvieh weiden im Sommer auf der Alm, die oberhalb der Höfe liegt. Da der Steig auf die Alm aber sehr gefährlich ist, werden die Kühe und Kalbinnen ins Tal und über ein Seitental auf die Alm getrieben.
Bei Fritz Bruder Max, der für die Gastwirtschaft zuständig ist, hielten wir unsere Mittagspause ab.
Danach wanderten wir zum Muthof von Florian Laimer. Neben zwei gepachteten Höfen im Passeiertal bewirtschaftet er diesen 10ha großen Hof mit 29 Kühen, vorwiegend der Rasse Pinzgauer. Die Aufzucht der Zuchtkälber hat er in den Vintschgau ausgelegt. Die frischlaktierenden Kühe bleiben im Sommer am Betrieb, der Rest verbringt den Sommer auf der Alm, wo die Milch zu Käse verarbeitet wird.
Am Sonntag besichtigen wir David’s Goashof in Lajen. David Perathoner erzählte uns seinen Lebenswandel vom Tischler zum Sportartikelverkäufer und später zum Testpilot in der Schweiz. Nach Kündigung seines Berufes kaufte er sich 15 Stück Ziegen als Hobby. Doch plötzlich schlug das Hobby in Begeisterung und Leidenschaft über. So wurde 2011 ein Grundstück gekauft und darauf ein Laufstall für 72 behornte Bunte Deutsche Edelziegen und deren Nachzucht gebaut. Jeden Tag verarbeitet er 120l Biomilch zu Frischmilch, Joghurt, Trinkjoghurt, Streichkäse. Das Belüftungsheu für die Ziegen erntet der Eigenbestandsbesamer auf seinen 20 ha Pachtflächen die weit verstreut liegen. Die weit entfernteste Fläche liegt auf 2300m im Grödnertal.
Auf dem Weg der Heimreise machten wir noch einen Abstecher zum Wieserhof in Pfunders, dem Zuhause vom Südtiroler Pinzgauerjungzüchterobmann Jörg Huber. Gemeinsam bewirtschaftet die Familie den Betrieb mit 18 Kühen der Rasse PixRf. Den Sommer über verbringen die Rinder und deren Nachzucht auf der Alm. Weitere Standbeine sind Urlaub am Bauernhof, die Käserei und Direktvermarktung sowie die Hofschänke.
Mit der Heimreise über den Felbertauern ging ein eindruckvolles Wochenende zu Ende.
Ein herzliches Dankeschön an alle unsere Südtiroler Züchterkollegen und Freunde für den Einblick und die Gastfreundschaft auf ihren Höfen und die Hilfe beim Organisieren sowie unserem Obmann Josef Berger für die Reiseleitung. Ein großes Danke auch an Martin Schenk, der sich das ganze Wochenende Zeit für uns genommen hat!!
Anna Schmiderer





