Jungzüchtertag im Großarltal
Großarl bietet mehr - das Tal der Almen, Bundessiegerinnen, Jungkuhchampions und liebenswürdigen Menschen...
Was das Wetter an Wärme und Sonne nicht hielt, machten vier Pinzgauer Zuchtbetriebe im Großarltal mehrmals wett - sie übermittelten neben vielen interessanten Informationen auch viel an Herzenswärme, Gastfreundschaft und ehrlich gelebter Werte.
Über 50 wissbegierige BesucherInnen folgten der Einladung zum Jungzüchtertag ins Großarltal, beginnend beim ersten Betrieb der Familie Huttegger, Steinmann in Hüttschlag.
Obmann Hannes Hofer freute sich, wieder einmal eine große "Pinzgauer-Familie" begrüßen zu dürfen und zollte den Familien größte Anerkennung für die Bereitschaft, ihre Betriebe zu präsentieren.
Für Steinmannbauer Willi Huttegger ohnehin nichts Neues, empfängt der zukunftsorientierte Landwirt ja regelmäßig Exkursionen aus Nah und Fern. Strotzend vor Optimismus und Datendrang plädierte Huttegger für die oberste Priorität eines Landwirtes - die Harmonie zwischen Mensch, Tier und Umwelt, eine Verantwortung, mit der es sorgsam umzugehen heißt.
1997 übernahm Willi Huttegger als 25-jähriger den Betrieb und setzte seine Visionen zielstrebig um - so errichtete er einen neuen Stall (Kombination von Anbindehaltung und Laufstall), einen praktischen Milchverarbeitungsraum und einen eigenen Hofladen. Seit 1992 wird der Betrieb biologisch geführt, als wahrscheinlich weitum einziger Landwirt darf sich Willi Huttegger Käsesommelier nennen.
Sein Betrieb steht auf mehreren Standbeinen:
-Pinzgauer Zucht
-Direktvermarktung mit Hofladen
-Almbetrieb
-Kutschenfahrten im Winter
Grundlage für die hofeigenen Erzeugnisse sind die 12 Pinzgauer Kühe (ca. zur Hälfte reinrassig), von denen drei die sommerliche Milchproduktion am Heimhof liefern, die restlichen dürfen ihren Dienst auf der Draugsteinalm erledigen! Der Hof verfügt über ein Kontingent von 20.000 kg, wovon in den Wintermonaten ca. die Hälfte geliefert wird, ab März/April wird sämtliche Milch verarbeitet.
Die exzellenten Milchprodukte (Jogurt, Frischkäse, Schnittkäse....), das köstliche Bauernbrot und viele weitere hausgemachte Erzeugnisse finden auf der bekannten Draugsteinalm, in der Hotellerie und bei den Kunden im Hofladen größten Anklang und sichern zudem das Einkommen der Familie.
Ergänzend werden vier Noriker Stuten für die begehrten winterlichen Kutschenfahrten zum Hüttschlager Talschluss gehalten.
Willi Huttegger rief zu eigenverantwortlichem Denken und Handeln auf: "Mein Weg mag für viele nicht vorstellbar sein, für mich ist er zweifellos der richtige...", so die Worte eines überzeugend klingenden Betriebsführers. Nach den ausführlichen Beschreibungen des Steinmannbauers folgten die Taten - der Käsesommelier lud zur Verkostung seiner Produkte und gar viele nutzten das Angebot des Hofladens, um die köstlichen Genüsse zu Hause fortsetzen zu können.
Talauswärts ging die Reise weiter zum Ortsteil Eben - die Heimat der bekannten Pinzgauer Zuchtbetriebe Unter- und Oberbichl.
Josef Andexer, Unterbichl machte den Anfang - und die Kuhherde nahm im Auslauf bereitwillig Aufstellung für die "Rundum-Begutachtung".
Als einer der Ersten im Tal wagte Josef Andexer 1997/98 den Neubau eines Laufstalles, der anfangs nicht unbedingt für allgemeine Zustimmung sorgte. "Bis heute hab' ichs nicht bereut", eine Erklärung von Sepp Andexer, der man sicher blind vertrauen kann und alle Zweifel ein für allemal beseitigt. Dass hier Zucht auf höchstem Niveau betrieben wird, beweisen nicht nur die großen Erfolge, sondern auch ein Blick auf die aktuelle Kuhherde - nicht zu übersehen die leistungsstarken Kühe aller Altersklassen und besonders auffallend eine Jungkuh, die sich scheinbar schon für einen großen Auftritt rüstet...
Nicht minder wichtig ist am Unterbichlhof neben bestem Zuchtvieh die Almwirtschaft - sie ist der Hauptarbeitsplatz vom Jungbauern Josef. Verantwortlich für die Käseerzeugung verarbeitet er ab dem frühen Sommer täglich 150 - 200 l Milch (130.000 kg Kontingent), um die vielen Gäste auf der Unterbichlalm mit hochqualitativen Produkten zu verwöhnen.
Wohl fühlen dürfen sich auf der Unterbichlalm aber auch die Kühe, sie verbringen immerhin bis Mitte Oktober dort ihre Sommerfrische, verwöhnt von besten Gräsern und einem bequemen (Laufstall-)Quartier, welches vor einigen Jahren neu errichtet wurde.
Das schöne Ambiente des Unterbichlhofs, wo Traditionelles und Modernes seinen Platz findet, wurde mit einem köstlichen Vorgeschmack auf Weihnachten komplettiert - Bäuerin Burgi wartete mit hausgemachtem Kletzenbrot und wärmenden Tee auf und erntete dafür größte Zustimmung von allen Seiten!!! Vergelt's Gott dafür!!!
Der Weg zum Oberbichlhof folgte entgegen der Logik abwärts (der Name bezieht sich auf den alten Stall des Unterbichlers, der sich auf niedrigerem Niveau befindet!) und schon der Eintritt in den Stall versetzte die Besucherschar in helles Staunen.
Allesamt geschoren und mit glänzendem Haarkleid präsentierte sich die 20-köpfigeKuhherde in einem Top-Zustand (110.000 kg Kontingent). Josef Ebners Philosophie richtet sich verstärkt auf die Einkreuzung mit Red Holstein, er möchte zukünftig den Markt mit leistungsstarken Kreuzungskühen beliefern. Versuchsweise kreuzte er einen Jahrgang teilweise mit HF, mit dem Ziel auch die (schwarzen) Nachkommen wieder mit Holstein zu belegen.
Wie die Bezeichnung als Tal der Almen verrät, spielt auch beim Oberbichler dieser Betriebszweig eine wesentliche Rolle - er ist im Besitz zweier Almen (eine davon verpachtet). So verbringt die Familie den Sommer auf der Kreealmin Hüttschlag, kümmert sich um die Almwirtschaft (insgesamt werden ca. 100 Stück aufgetrieben) und versorgt auf der neu erbauten Hütte die vorbei kommende Wanderschar mit selbstgemachten Spezialitäten.
Am Oberbichlhof sind auch außergewöhnliche Haus- bzw. Nutztiere anzutreffen - neben einem gutmütigen Esel, Hund, einigen Meerschweinchen, etc.. hat auch ein Murmeltier hier sein Zuhause und dürfte sich angesichts seiner Leibesfülle recht wohl fühlen ;-)!!
Nach drei hochinteressanten Hofführungen hieß es nun, die Mittagspause einzulegen (der Motor war die fortschreitende Zeit, nicht der Hunger!) und somit gab's im Tauernhof die Fortsetzung bester Großarler Kulinarik...
All jene, die dem geführten Verdauungsspaziergang mit "Großarl-Ableger" Mathias Kinberger folgten, kamen direkt zum letzten Programmpunkt, dem Reithof der Familie Gruber, der auf einer wunderschönen Anhöhe mit Blick auf die Kirche Großarls und das Ellmautal, liegt.
Herzlichst empfangen von den Reitbauersleuten Greti und Rupert stellte der Betriebsführer den stolzen Familienbesitz vor, der eine Fläche von 335 ha vorzuweisen hat. Auf 28 ha Grünland (plus 5 ha Almwiesen) hält der Reitbauer 16 Pinzgauer Kühe samt Nachzucht (92.000 kg Kontingent). Der Großteil seiner Herde ist reinrassig und das Augenmerk liegt nach wie vor in der Belegung mit reinrassigen Stieren.
Zuchtberater Thomas Sendlhofer nahm es zum Anlass, Rupert Gruber als Vorzeigebetrieb in Sachen Teststiereinsatz auszuzeichnen.
"Nur derartig konsequente Maßnahmen sichern einen nachhaltigen Zuchtfortschritt und solch verantwortungsvolles Handeln verdient einen großen Dank!", so Sendlhofer. Die züchterischen Leistungen des Reitbauern dürften ja niemanden verborgen geblieben sein und so war natürlich der Blick auf die schöne Pinzgauer Herde und ganz besonders auf die amtierende Bundessiegerin SONDL gerichtet.
Dass am Reithof eine besondere Athmosphäre herrscht, demonstrierte neben der Familie auch das Vieh - umgeben von einer inneren und äußeren Ruhe genoss die bildschöne Herde die Herbstweiden am Hof.
Auch hier ist die Almwirtschaft ein wichtiges Standbein und so liefern die Kühe des Reitbauern wertvolle Grundlage für besten Frisch-, Schnitt- und Sauerkäse auf der Hubalm in Hüttschlag.
Als leidenschaftlicher Jäger profitiert Rupert Gruber auch von seiner Eigenjagd und dürfte Sohn Rupert seine Liebe zur Hege und Pflege unübersehbar vererbt haben!
Dass hier nicht nur Bundessiegerinnen in Ruhe und Harmonie alt werden können, belegen die fünf Appartements, die sich fast von selbst füllen sowie die liebenswürdige Einladung zu einer Kaffeejause, die mit Worten ohnehin nicht zu beschreiben wäre....
Fest steht ohne Zweifel - hat man sich hier erst einmal niedergelassen, will man so schnell nicht wieder weg!
Nach einigen beeindruckenden und überaus schönen Stunden im Großarltal bleibt uns, ein herzliches Vergelt's Gott zu sagen - mit Aufrichtigkeit haben uns vier Züchterfamilien klar vermittelt, dass die Basis für eine gelingende Arbeit einzig die Familie ist.
Hier kann man sich dem Eindruck nicht erwehren, dass gerade in den Pinzgauer Züchterfamilien Werte wie Bodenständigkeit, ehrliche Bescheidenheit und Demut vorgelebt werden - ein großer Dienst an unsere Jugend, der höchste Anerkennung verdient - DANKE dafür!!
Vielen Dank auch für die Herzlichkeit und die Gastfreundschaft, die uns überall zuteil wurde!!!
Christina Sendlhofer








