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Kärntens Arbeitskreis auf Exkursionstour

"Die Messlatte seid ihr Züchter aus Kärnten", betonte Hans-Jürgen Eckert klar.
"Die Messlatte seid ihr Züchter aus Kärnten", betonte Hans-Jürgen Eckert klar.
Der "Legionär" aus Kärnten bildete den Grundstein für die Pinzgauer-Zucht am Betrieb Schmelzer.
Der "Legionär" aus Kärnten bildete den Grundstein für die Pinzgauer-Zucht am Betrieb Schmelzer.
Spitzengastronomie und Pinzgauer-Fleisch-Zucht - das Erfolgsrezept der Familie Ellgaß in Eglofs.
Spitzengastronomie und Pinzgauer-Fleisch-Zucht - das Erfolgsrezept der Familie Ellgaß in Eglofs.
Mit den Pinzgauern im Hintergrund wurden wir im Restaurant Maiensäss bei Freuler Michael in Oberschan begrüßt.
Mit den Pinzgauern im Hintergrund wurden wir im Restaurant Maiensäss bei Freuler Michael in Oberschan begrüßt.
Pinzgauerzüchter mit Begeisterung, das zeigt auch die Hoftafel bei Mathias Vetsch.
Pinzgauerzüchter mit Begeisterung, das zeigt auch die Hoftafel bei Mathias Vetsch.
Mathias Vetsch ist einer der wenigen Schweizer Pinzgauerzüchter, die Milchkühe halten.
Mathias Vetsch ist einer der wenigen Schweizer Pinzgauerzüchter, die Milchkühe halten.

Pinzgauer-Fleisch-Genetik hat einen Namen!

Bei der diesjährigen Arbeitskreis - Fachexkursion machten Betriebe in der Schweiz und in Bayern ihre Stalltüren für Züchterkollegen aus Kärnten auf. „Die ‚Pinzis‘ aus Kärnten sind die Messlatte", so ein deutscher Züchter.

„Auf wen warten denn die?" Diese Frage eines Betriebsführers wusste niemand im Bus zu beantworten, so unerwartet war für die Exkursionsgruppe der Empfang auf einem Betrieb in der Schweiz. Bürgermeister, Viehhändler und Betriebsführerfamilie warteten schon schwer auf die Züchterkollegen aus Kärnten.

Blitzlichtgewitter, Hände schütteln und viele fröhliche Gesichter. Sichtbar stolz empfängt der Bürgermeister die Exkursionsgruppe aus Kärnten in seiner Gemeinde Sevelen. Bevor er zu seinem nächsten Termin eilt, überprüft er noch die Fotos auf seiner Kamera und sagt: „Die Bilder kommen in die Zeitung!". Stolz, mit einigen handschriftlichen Zetteln in seinen großen Händen, meldet sich der Betriebsführer Mathias Vetsch zu Wort.

Der Charme der Rinder

Sichtbar bemüht um eine Artikulation, die auch Nichtschweizer verstehen, gibt der Landwirt seine Begeisterung für die Pinzgauerzucht zum Besten. Durch Zufall kam vor einigen Jahren das erste Pinzgauer Kalb auf den Betrieb, weil ein Viehhändler keinen Abnehmer dafür fand. Diesen Zufall bezeichnet der Bauer als glückliche Fügung. Der ruhige Charakter seines ersten Pinzgauer Kalbes war der ausschlaggebende Punkt für den Kauf weiterer Tiere.

4000 Euro für eine Kuh

Ungewohnte Relationen waren für heimische Betriebe die Kosten und Erlöse in der Schweizer Landwirtschaft. Der Viehimport in der Schweiz ist streng geregelt. Für den Import von Tieren müssen staatliche Kontingente gekauft werden. Strikte Quarantänefristen sind außerdem eine Grundvoraussetzung dafür, dass ein Tier auf einem Betrieb in der Schweiz eingestallt werden darf.

Solche Richtlinien machen das Importieren von Tieren denkbar teuer. Ein Kaufpreis von rund 4000 Euro für eine hochträchtige Kalbin ist keine Seltenheit. Die Erlöse für Einsteller und Jungrinder sind jedoch auf ähnlich hohem Niveau.

Der Legionär aus Kärnten

Dichter Nebel erschwert die Sicht, kalte Luft schlägt den Kärntnern ins Gesicht, als die Bustür am Betrieb in Schwaben geöffnet wird. Das sanfte, kühle Berggebiet in der Schweiz war bald wieder vergessen.

„Siehst Du den Stier?", fragt ein Züchter aus dem Lavanttal seinen Nachbarn. In dem Moment unterbricht eine raue Stimme mit ungewohntem Dialekt das Gespräch der beiden. „Den hab ich aus Kärnten! Ein gewaltiger Stier, oder?". Somit war das Eis gebrochen und es war klar, dass auch auf diesem Betrieb die Genetik aus Kärnten eine wesentliche Rolle spielt.

Schon nach wenigen Sätzen war klar, mit wieviel Herzblut auf diesem Betrieb Pinzgauer–Fleisch-Zucht betrieben wird. Mit dem Kauf des Zuchtstieres aus Kärnten legte Familie Schmelzer vor rund 10 Jahren den Grundstein für ihren Erfolg.

Sympathie der Tiere gekauft

In der Region rund um den Betrieb werden viele Grünlandflächen wieder beweidet, da sich die intensive landwirtschaftliche Nutzung immer mehr in Gunstflächen verschiebt. „Das angenehme Temperament der Pinzgauer-Tiere vereinfacht das Herdenmanagement erheblich und fördert das Kaufinteresse an meinem ruhigen Zuchtvieh", so Schmelzer. Die männlichen Nachkommen verlassen meist als Ochsen den Hof. Die Nutzung der hofnahen Weideflächen ist dem Betriebsführer sehr wichtig. Die extensive Mast der Ochsen lässt sich damit gut vereinbaren und die leichteren Schlachtkörper passen mit seinem regionalen Absatzmarkt gut zusammen.

Kärntner Züchter als Messlatte

„Neben meiner Firma mit 600 Mitarbeitern bin ich eigentlich am liebsten Bauer." Mit diesem Satz weckte Hans-Jürgen Eckert, der einen Zuchtbetrieb in Heiligenberg führt, die Aufmerksamkeit der Besucher. In Jeans und Pullover erklärte der Vorstandsvorsitzende seinen Werdegang vom Einzelunternehmer zum Großindustriellen. Die Suche nach dem eigentlichen Sinn des Lebens hat Eckert zur Landwirtschaft geführt. Das Interesse an der Pinzgauer-Zucht haben Betriebsbesuche bei Arbeitskreisbetrieben im Mutterkuhland Kärnten geweckt. „Die Messlatte seid ihr Züchter aus Kärnten", aufgrund dieser Worte von Hans-Jürgen Eckert kann man wohl auf baldigen Besuch deutscher Züchter in Kärnten hoffen.

Mit den ‚Pinzis‘ läuft es rund

Ein Gastronomiebetrieb, in dem sich alles um das Fleisch vom Pinzgauer-Rind dreht, ist jener von Familie Ellgaß in Baden-Württemberg. Dieser Familienbetrieb hat sich mit einem Pinzgauer-Fleisch-Stier aus Kärnten viel geschaffen. Mit der Produktion von qualitativ hochwertigem Rindfleisch konnte nicht nur der Traum einer naturnahen Mutterkuhhaltung verwirklicht werden. Eine einzigartige Speisekarte mit selbstproduzierten Rindfleischspezialitäten im eigenen Gasthof brachte auch noch den gastronomischen Erfolg. „Die Eigenschaften der Mutterkuhhaltung werden im Gasthaus den Gästen mitverkauft", so der Spitzengastronom. Wörter wie „naturnah", „umweltgerecht" oder „regional" sind für den Wirt Schlagwörter, die der Konsument hören und vor allem auch schmecken muss. Stammgäste im Gasthaus der Familie Ellgaß sind vor allem Konsumenten, die nach dem Gefühl suchen, mit einem kulinarischen Erlebnis auch Regionalität und Tierwohl zu fördern.

Lucas Pichler, LK-Kärnten

Kommentar:

Der Pinzgauer-Fleisch-Arbeitskreis steht nicht nur für züchterischen Erfolg. Das Erkennen der eigenen Stärken und Schwächen am Betrieb ist ein Grund für die Erfolge dieses Netzwerkes. Der AK Pinzgauer-Fleisch ist in Österreich einzigartig und für seine Erfolge weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Kärnten als Hotspot der Pinzgauer-Fleisch-Zucht, eine Erfolgsgeschichte, die noch lange nicht zu Ende ist.

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