Lehrbeispiel Berglandwirtschaft
Vom Mostviertel in den Pinzgau - LFS Gießhübl zu Besuch am Entfeldhof in Thumersbach!
Die Gegensätze der österreichischen Landwirtschaft kennenzulernen - mit all ihren Herausforderungen der individuellen Bewirtschaftung und dem Strukturwandel - Themen, die in der Wissensvermittlung landwirtschaftlicher Schulen höchste Priorität erfahren und in der Praxis nicht zu kurz kommen sollen.
Die LFS Gießhübl in Amstetten nutzte ihre zweitägige Exkursion in den Pinzgau, mit dem Wunsch, Einblick in einen bergbäuerlichen, traditionellen Milchviehbetrieb zu erhalten, wo im besten Fall auch heimische Rinder gezüchtet werden.
Mit dem Entfeldhof in Thumersbach/Zell am See wurden gleich "mehrere Fliegen auf einen Streich geschlagen" - indem es sich nicht nur um einen eingefleischten Pinzgauer-Zuchtbetrieb handelt, sondern um einen klassischen Bergbauernhof, der im Nebenerwerb und in Zusammenarbeit der Generationen erfolgreich geführt wird.
Hannes Hofer, Vorstandsvorsitzender der Rinderzucht Salzburg und als Bergbauer und Pinzgauer-Züchter "identer Berufskollege", begrüßte die knapp 70-köpfige, interessierte und sehr aufmerksame Exkursionsgruppe (drei erste Klassen samt Lehrpersonal) und gab einen kurzen Einblick in die Berglandwirtschaft, die allermeist mit enormen Herzblut, Eigeninitiative und Idealismus geführt wird.
"Das Problem der zugesperrten Hoftore kennen wir kaum, da wir aufgrund der härteren Gegebenheiten wie im Tal viel mehr an unseren Höfen und unserer Heimat hängen. Durch die viele Handarbeit sind wir mit unserem Boden, der die Grundlage unserer Existenz bildet, eng verbunden und somit viel geerdeter, was uns im Gesamten stabiler und gesünder hält!", sagte ein berufener Bauer, der nicht nur als leidenschaftlicher Züchter von großen und kleinen Wiederkäuern, sondern auch als erstklassiger Pflanzenkundler anerkannt und gefragt ist!
Hofer ging auch auf das Pinzgauer-Rind ein, das sich nicht von ungefähr im Berggebiet etabliert hat, leitet sich der Name schließlich vom Pinzgau, der Stammheimat rund um den Großglockner her.
"Pinzgauer wurden von unseren Vorfahren schon gezüchtet und bewähren sich aufgrund der harten Klauen und ihrer Widerstandsfähigkeit in der Bewirtschaftung der kargen Berggebiete seit Jahrhunderten. Dem Erbe unserer Eltern und Großeltern wissen wir uns verpflichtet und bemühen uns, dieses erfolgreich in die Zukunft zu tragen", so das Plädoyer eines Menschen, der seit frühester Jugend als Funktionär für den Fortbestand der Pinzgauer-Rasse einsteht, beginnend als Obmann der Pinzgauer-Jungzüchter, folgend als Fachausschuss-Obmann und seit kurzem als Vorsitzender des Rinderzuchtverbandes.
Ins selbe Horn stieß im Anschluss auch Johann Höller bei der Betriebsvorstellung des Entfeldhofes, der 1993 von seinen Eltern Hans und Mathilde gekauft wurde, um sich aufgrund der besseren Lage eine zukunftsträchtigere Existenz aufbauen zu können, lag der ehemalige, heimatliche "Hochschlaipfhof" nicht nur höher, sondern war aufgrund der extremen Steilheit noch viel schwerer zu bewirtschaften. Rund 12 (+/- 2) Original Pinzgauer- Milchkühe samt Nachzucht hält der Entfeldbauer, der ca. 15 ha Grünland in steilem Gelände bewirtschaftet.
Wie wichtig eine zeitgemäße Technisierung ist, welche aufgrund der Steilheit der Flächen dennoch in allem sehr begrenzt ist, vermittelte der 35-jährige Nebenerwerbsbauer, der hauptberuflich bei der Schmittenhöhebahn beschäftigt ist, anhand der Vorstellung seiner Wiesen, die mehrheitlich nur mit Mäher und Metrac zu bearbeiten sind.
"Würden uns Mathilde und Hans nicht so tatkräftig unterstützen, wäre es unmöglich, dass mein Mann seinem Beruf als Seilbahntechniker nachgehen könnte", gab Betriebsführerin Stephanie Höller klar zum Ausdruck. Im intakten Familienverband kann die tägliche Arbeit am Hof mit den Schwiegereltern geteilt werden, sodass sich Steffi neben den beiden Kindern Johann und Paul auch noch in der Bäuerinnenvertretung engagieren kann.
"Wir dürfen uns schon als fanatische Pinzgauer-Züchter bezeichnen und deshalb legen wir auch Wert auf einen schönen Kopfschmuck. So wie einige von euch vielleicht eine Zahnspange tragen, so wird unseren Jungtieren, wenn nötig, eine "Hörnerlehre" verpasst, um etwas "gleichzuschauen", weil ich einfach Freude haben will, wenn ich in der Früh die Stalltür aufmach' und meine Pinzgauer seh'....", schmunzelte Johann Höller.
Dass der züchterische Anspruch am Entfeldhof nie ein kleiner war, belegt die Stierauswahl - setzt Familie Höller seit vielen Jahren auf den Kauf eines Teststierkandidaten, der für zwei Jahre am Hof bleibt und bei Bedarf im Anschluss weiterverkauft wird.
Bei einer großzügigen Einladung zu hausgemachten Säften und Mehlspeisen klang für die Schülerinnen und Schüler ein informationsreicher erster Exkursionstag aus und die abschließende Frage, ob man hier vielleicht auch sein Pflichtpraktikum absolvieren könne, war wohl die Bestätigung, dass Familie Höller mit ihrer authentischen und nahbaren Art nicht nur überzeugend gewirkt hat, sondern im Besonderen vermittelt hat, dass auch manch beschwerliche Arbeit im Zusammenhalt einer Familie Freude und Sinn macht, weil sie die Heimat auf eine ganz besondere Art und Weise erstrahlen lässt!
Ein herzliches Danke an Familie Höller, besonders an Mathilde, die aufgrund ihrer Tätigkeit als ehemalige Lehrerin an der LFS/BHM Bruck keine Sekunde zögerte, den jungen Menschen Tür und Tor zu öffnen!
Danke auch an unseren Vorstandsvorsitzenden Hannes Hofer, der sich trotz seiner Vielbeschäftigung Zeit nimmt, persönlich vor Ort zu sein und einen ausgezeichneten Einblick in die tägliche Arbeit unserer Züchterfamilien vermittelt!
Christina Sendlhofer















