Pinzgauer Almwandertag im Tal der Almen
Einmal mehr bewiesen ZüchterInnen, Funktionäre und LiebhaberInnen der Pinzgauer Rasse ihre Widerstandskraft und Ausdauer - sie trotzten mit Beharrlichkeit den Wetteraussichten und wurden schlussendlich mit einem äußerst gemütlichen und eindrucksvollen Almtag im Großarltal belohnt.
Nur wenige Gipfelstürmer begannen die Wanderung von der Bergstation Kreuzkogel - trotz der anfänglich eher widrigen Bedingungen gestaltete sich die Wanderung entlang des Höhenweges als sehr lohnend und erlebnisreich. War auch die Sicht bedingt durch den Nebel relativ eingeschränkt, konnte man aber gut erahnen, welch traumhafte Bergwelt sich hier bei Schönwetter den Wanderern bietet. Allen begeisterten Bergfexen kann dieses Erlebnis nur wärmstens empfohlen werden, sämtliche Gipfel (Kreuzkogel, Fulseck, Bernkogel, Schuhflicker, Austuhl) stehen zum Abholen bereit...
Die etwas sanftere Aufstiegsvariante war per Almtaxi bzw. Fußweg von der Aualm-Heimalm. Nach einer gemütlichen Wanderung erreichte man auch hier das Ziel und war begeistert vom Anblick der neuen Almhütte der Fam. Lainer, Aubauer auf 1.795 m Seehöhe. Das geduldige Warten hatte schließlich auch Erfolg - schön langsam gab der Himmel die prächtige Bergkulisse rund um die Hochalm frei und die Wanderschar durfte eine überaus stimmungsvolle Almmesse feiern. Großarls Pfarrer Thomas Schwarzenberger, der ob seiner besonderen Ausstrahlung weit über die Grenzen des Pongaus bekannt ist, zelebrierte einen sehr würdigen und berührenden Gottesdienst. In einer kurzen, aber prägnanten Predigt machte Pfarrer Schwarzenberger deutlich, wie schnell wir Menschen unzufrieden und undankbar sind, wie hier z.B. mit der nicht ganz optimalen Wettersituation. Gerade angesichts der momentanen Hochwassersituation im Osten Österreichs sollte Dankbarkeit und Demut im Vordergrund stehen. Der Geistliche wünschte alle Mitfeiernden, sich etwas mitzunehmen von der besonderen Stimmung am Berg, die dem Alltag Sinn und Ziel zu geben vermag.
Nach der "Einkehr- und Feierstunde" für die Seele folgte die des Leibes - die gute Almjause der Fam. Lainer sowie Gulasch und köstliche Krapfen der Bäuerinnen Großarls sorgten für Wohlgefühl und beste Stimmung.
In seiner neuen Funktion als ARGE-Obmann verlieh Christian Dullnigg in seiner Begrüßung große Freude über die so enorme Teilnehmerschar, die weder Wege noch Mühen scheuten um auf die Aualm zu gelangen. Neben der üblichen nationalen und internationalen Besetzung (die aus allen Teilen Österreichs sowie aus Bayern und Südtirol kamen) war auch Frankreich zugegen.
Anlässlich der FERBA-Tagung (FERBA nennt sich die Vereinigung der Bergrinderrassen aus Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien und Frankreich), die Donnerstag und Freitag in Großarl und Hüttschlag stattfand, gesellten sich die Vogesen- bzw. Tarentaisezüchter aus Frankreich zu den Pinzgauer-Züchterkollegen und genossen sichtlich den schönen Almtag.
Almbesitzer Richard Lainer, Aubauer stellte schließlich seine Alm vor, die eine Einzelalm ist und eine Fläche von 132 ha umfasst. Die Futterfläche beträgt ca. 80 ha und beginnt bei 1.450 m mit der Heimalm, wo "Leih-Mutterkühe" den Sommer verbringen. Die Hochalm (von 1.600 bis 2.100 m) wird von den 12 Pinzgauer Milchkühen des Aubauern sowie einigen Noriker Pferden geweidet. Durch angrenzende Pachtflächen erfährt das Weidegebiet eine Ausdehnung um 20 ha, diese ursprünglichen Alpmähder werden von den Kalbinnen (eigene bzw. Zinsvieh) beweidet. Insgesamt sömmern ca. 80 Rinder und Pferde auf der Aualm, ca. 0,8 GVE/ha.
Zum Almbetrieb gehört eine D-Quote von 19.000 kg, sämtliche Milch wird zu qualitätsvollen Süß- bzw. Sauerkäse sowie zu Sauerrahmbutter, Topfen, Frischkäse, etc... verarbeitet.
Nach reiflicher Überlegung und langer Planungsphase entschied sich Richard Lainer 2007 zum Neubau des Almgebäudes, welches neben einer zeitgemäßen landwirtschaftlichen Nutzung (Laufstall mit 3er-Fischgrätmelkstand, Sanitätsbox, Schweinestal und Milchverarbeitungsraum, etc..) auch die touristische Komponente (2 Almstuben) berücksichtigen sollte.
So entstand ein komplettes, funktionelles und auch optisch sehr ansprechendes Gebäude, das sowohl für die Tiere als auch für die Gäste zu einer äußerst komfortablen und sehr liebenswürdigen Bleibe geworden ist - man würde es durchaus länger als einen Tag aushalten!
Einen großen Beitrag zum genussvollen Erleben auf der Aualm bringen zweifelsfrei die beiden Sennerinnen Steffi und Kathi - zwei bayrische Mädels, die bereits den zweiten Sommer mit großem Fleiß und Freude die Almarbeit verrichten.
Mit seinem Almpersonal scheint der Aubauer schon öfters einen Glücksgriff gemacht zu haben - verbrachte doch auch die künftige Jungbäuerin Barbara vor ein paar Jahren als junge Studentin ihre Ferien als Sennerin auf der Aualm...
Das stetig besser werdende Wetter ließ noch nette Runden zu Kühen, Pferden und Jungvieh zu und bevor man zum Abmarsch blies, waren viele Hände, Hüte und Rucksäcke mit schönsten Almblumen geschmückt. Vor dem endgültigen Abschiednehmen galt es aber noch vor bzw. in der Hütte oder im Zelt bei Almkaffee, Schnapserl o.a. zu verweilen um dem schönen Almtag einen würdigen Abschluss zu verleihen.
Zum Gelingen eines derart schönen Tages braucht es mehr als großen Einsatz - vor allem Idealismus und große Bereitschaft - hier muss an erster Stelle Barbara Stabentheiner und Richard Lainer gedankt werden. Sie haben mit einer perfekten Organisation bewiesen, dass ein gelingender Tag nicht allein vom Wetter abhängig ist. Die positive Einstellung zu dem, was nicht zu ändern ist und vor allem die zufriedene Ausstrahlung, die sich wie von selbst auf die Besucher übertrug, waren beispielgebend und besonders lobenswert!
Danke für diesen einmaligen und bereichernden Tag, den wir auf der Aualm erleben durften!
Ein ganz herzliches Danke sei allen ausgesprochen, die mit ihrem Beitrag für diesen schönen Tag gesorgt haben - Vergelt's Gott!
Christina Sendlhofer