Pinzgauer-Almwanderung auf die Stangl- und Steinbergalm



Mehr als nur gelungen - Pinzgauer-Züchterschaft trotzte dem Wetter und wurde mit einem gemeinschaftlichen Almtag belohnt!
Dass sich der Zusammenhalt einer Gemeinschaft von äußeren Umständen nicht gefährden lässt, kam beim heurigen Almwandertag der Pinzgauer einmal mehr zum Ausdruck - mit der nahezu unglaublichen Teilnehmerschar von
250 Personen wurden nicht nur sämtliche Erwartungen übertroffen, sondern auch allem Unbill der Zeit ein klares Signal gesetzt, indem ein gutes Miteinander nicht zu erschüttern ist!
Der Strom der interessierten Wanderschar schien bereits beim Sammeln vor der Talstation der Harschbichlbahn in
St. Johann/Tirol nicht abzureißen und bewies, dass es kein schlechtes Wetter gibt, sondern allenfalls unzureichende Kleidung.
Wenn auch der erste Eindruck beim Erreichen der Bergstation ein etwas kühler und nebelverhangener war, so verlieh Hannes Hofer seiner Freude Ausdruck, bei seiner ersten Wanderung in der Funktion des ARGE-Obmannes eine derart große Teilnehmerschar begrüßen zu dürfen. "Unsere Veranstaltungen sind nicht nur ein steter Publikumsmagnet, sie vereinen die Pinzgauerzüchter, die heute von Vorarlberg bis in den Osten der Steiermark, aus Kärnten, Bayern und sogar aus Südtirol angereist kommen, um Teil dieser besonderen Gemeinschaft zu sein!", meinte Hofer.
Roland Dödlinger, Obmann der Tiroler Züchterschaft freute sich ebenfalls über das große Interesse an der Almwanderung und begrüßte im Besonderen die beiden "Hausherrn" - Andreas Lindner, Angerer und
Paul Landmann, Steinberg, die mithilfe ihrer Familien für ein besonderes Willkommensein auf der Stangl- und Steinbergalm sorgten!
Auf Initiative der Jungzüchter wurde heuer wieder ein Tierbeurteilungswettbewerb organisiert, zu welchem Obmann Josef Berger gleich anfangs aufrief - nicht ahnend, dass sich die Kuhherde beim Anblick des großen "Inspektionstrupps" leider allzu schnell von dannen begibt...;)
Stanglalm - Familie Lindner, Angerer
Nach einer wärmenden Mittagspause im Berggasthaus Stanglalm führte der Weg ein paar Meter talwärts zum ersten Almziel - der Stanglalm, die sich unverkennbar als liebliche Sommerresidenz einer begeisterten Bauersfamilie präsentierte.
Andreas Lindner, Angererbauer und Pinzgauerzüchter seit eh und je, erzählte von der Geschichte der Stanglalm, die 1901 vom Urgroßvater gekauft wurde und den Namen vom Vorbesitzer, dem Stanglwirt in Going trägt.
Das 98 ha große Almgebiet (davon 60 ha Weide, 7 ha Wald) erstreckt sich auf einer Höhe zwischen 1200 und 2000 m und bietet im heurigen Sommer 84 Rindern, davon 38 Milchkühen (26 eigene, 12 Zinskühe) ein anspruchsvolles Fitnessprogramm. Lindner, der den 18. Sommer mit seiner Familie auf der Alm verbringt, berichtete von seinen Vorfahren, die schon früh auf eine effizienzvolle Almwirtschaft setzten, indem vor 70 Jahren bereits Güllepläne erstellt wurden, um die kurze Weidezeit bestmöglich zu nutzen.
Dem Beispiel der letzten Generationen folgend errichtete Andreas Lindner 1995 einen neuen Almstall samt 70 m³-Gülleraum, elf Jahre später folgte die Adaptierung zum Laufstall und mittels Koppelhaltung und entsprechendem Weidedruck versucht der Angerer der Almwirtschaft auch in Zukunft den gebührenden Stellenwert zu geben, ist diese von seiner Betriebsphilosophie nicht wegzudenken.
Steinbergalm - Familie Landmann, Steinberg
"Paul hoch Drei" könnte man die Steinberg-Mannschaft am besten beschreiben, wenn so wie an diesen Tag alle Generationen an einem Standort versammelt sind. Der mittlere von ihnen und derzeitige Betriebsführer steht seinem Vater, Ökonomierat Paul Landmann, rhetorisch um nichts nach und stellte die 43 ha große Steinbergalm, die auf einer Seehöhe von 1.000 - 1.300 m zu den sehr nieder gelegenen Almen gehört, in launigen Worten vor.
"30 Jahre habe ich schon meinen gleichen Almerer, der heuer bereits 90 Jahre wird. Anschaffen tut er, aber schließlich ist er hier oben ja auch der Chef", so beschrieb Paul seinen Vater, der seit der Pensionierung für die Geschicke der Alm zuständig ist, in den letzten Jahren aber von Paul und Anneliese tatkräftig unterstützt wird.
28 ha Weideflächen werden von 26 Kühen (20 eigene, 6 in Form von Zinskühen), 14 Stück Jungvieh sowie 7 Kälbern mittels Koppelhaltung perfekt genutzt, sodass die Kühe von Mitte Mai bis Anfang September ihre Almsaison genießen können, das Jungvieh je nach Witterung entsprechend länger. Gezielte Weidewirtschaft spielt auch für den Steinbergbauern eine große Rolle, um dem vermehrten Farnaufkommen entsprechend Widerstand zu leisten.
Dank des familiären Zusammenhalts und mancher Arbeitserleichterung durch zeitgemäße Technisierung - 1999 erfolgte der Umbau zum Laufstall - kann sich Paul Landmann einer weiteren Leidenschaft, der Forstwirtschaft im Ausmaß eines 35-Stunden-Jobs widmen. Ein weiteres Standbein (eigentlich jenes von Ehefrau Anneliese;) ist mit dem 2009 erbauten Almgebäude gegeben, wird das komfortable und urgemütliche "sommerliche Heim" der Seniorbauersleute Anni und Paul im Winter verständlicherweise gerne als Urlaubsquartier gebucht.
Wie wohl sich Gäste auf der Steinbergalm fühlen dürfen, bekam die kaum zählbare Wanderschaft mehr als nur zu spüren - sie wurde von Anneliese und ihrer fleißigen Helferschar mit köstlichsten süßen und sauren Happen sowie allerlei begehrten Getränken verwöhnt, sodass bei immer angenehmeren Wetterverhältnissen niemand so richtig in Aufbruchsstimmung kam. Zu guter Letzt hieß es irgendwann aber doch Abschied nehmen, war die letzte Gondelfahrt mit 17.00 Uhr festgelegt und auch die Kühe des Steinbergers drängten schon in den Melkstand, um von Paul, dem Jüngsten und dem Älteren gemolken zu werden. Es verdeutlichte das Bild des Tages - nämlich jenes, dass das Kapital einer großen Familie aus den Generationen besteht, wo nicht nur gemeinsam gelebt und gearbeitet wird, sondern man in gegenseitiger Wertschätzung und Achtung voneinander lernen und von vielen Synergien profitieren kann!
Das positive Miteinander von Jung und Alt kam auch in der schönen und bunten Gemeinschaft dieser Almwanderung zu tragen und so kann der Pinzgauer-Almwandertag, der erstmal in Kooperation der Jungzüchter mit der ARGE Pinzgauer organisiert wurde, durchaus als Erfolgsprojekt gewertet werden!
Tierbeurteilungswettbewerb
Alles andere als leicht gestaltete sich die Bewertung der fünf von Zuchtberater Thomas Sendlhofer ausgewählten Kühe von Familie Lindner, Angerer, die nicht nur ob ihrer ziemlichen Gleichmäßigkeit, sondern aufgrund ihrer "kurzen Sichtbarkeit" für manche Herausforderung sorgten.
Nicht verwunderlich waren schlussendlich die Ergebnisse der Auswertungen, setzten sich bekannte Züchternamen an die Spitze und durften sich über tolle Preise, nämlich Versteigerungsgutscheine für Pinzgauer-Genetik, freuen!
Kategorie PINZGAUER junior:
1. Johannes Hofer jun.
2. Anna-Lena Bamberger
3. Stefan Reitstätter
Kategorie PINZGAUER senior:
1. ex aequo Marlene Berger und Mathias Kinberger
3. Alois Bamberger
Gratulation den erfolgreichen GewinnerInnen - wir freuen uns auf ein baldiges Einlösen bei den kommenden Versteigerungen in Maishofen!
Abschließend gebührt unser größter Dank den beiden Züchterfamilien Lindner, Angerer und Landmann, Steinberg, die uns einen wunderbaren Almtag bereitet haben. Wenngleich uns die Sonne nicht unbedingt mit Wärme verwöhnte, wurde einmal bewusst, dass ein gelungener Tag nicht nur vom Wetterglück abhängt, sondern einzig von der Stimmung, für die ein jeder einzelne Verantwortung trägt.
Ein großes Danke an alle, die sich von Wind und Wetter und von manch langer Anfahrt nicht beeindrucken ließen und mit einem unvergesslichen Tag belohnt wurden!
Christina Sendlhofer





