Pinzgauer Fachausschuss on Tour!
Betriebsbesuche im Tennen- und Flachgau!
Am ersten Novembermontag machte sich der Pinzgauer Fachausschuss Richtung Flachgau auf, um den neuen Sortierstall der Erzeugergemeinschaft Salzburger Rind GmbH zu besichtigen.
Vorher standen drei interessante Pinzgauer-Zuchtbetriebe am Programm.
Familie Brüggler, Unterhellweng, St. Koloman
Bianca und Sepp Brüggler bewirtschaften einen Bio-Milchviehbetrieb mit eigener Nachzucht. Im 2014 neu dazu gebauten Stall finden etwa 24 großteils reinrassige Pinzgauer Milchkühe Platz, im alten Stall befinden sich ein 5er-Tandem-Melkstand sowie die Kälber, das Jungvieh und drei Anbindestände. Gefüttert wird mit einem elektrisch betriebenen Mischwagen eine Mischung aus Silage, Heu und Biertrebern. Kraftfutter wird über einen Automaten verabreicht. Dass Sepp ein Tüftler ist, sieht man an vielen Ecken im Stall. So wird das Futter mit einer selbst entworfenen Konstruktion am Futtertisch nachgeschoben, dadurch entfällt während des Tages diese Arbeit. Das Stroh wird mit einem alten Miststreuer direkt von der Tenne Richtung Liegeboxen abgeworfen. Geburten und das Treiben im Stall werden mit einer Kamera beobachtet. Die Arbeit muss flott erledigt werden, denn Sepp geht neben der Landwirtschaft noch einem Vollzeitberuf nach.
Sepp ist seit Jahren Eigenbestandsbesamer, die sehr leistungsbereite Herde (Durchschnitt über 7.000 kg Milch) wird mit 80 % Teststieren belegt. Einzig die Anzahl der weiblichen Kälber ist nicht immer zufriedenstellend. Im Sommer werden das Jungvieh und einige trockenstehende Kühe auf die eigene Alm aufgetrieben, die Arbeit auf der Alm übernimmt vor allem der Altbauer. So kann die Familie auch einmal auf Urlaub fahren, nicht immer selbstverständlich.
Familie Oberholzner, Oberholz, Elixhausen
Sabine und Rupert Oberholzner haben sich vor einigen Jahren Gedanken über einen neuen Stall gemacht. Die Nähe zur Bundesstraße und einem Löschteich haben sie dann dazu bewogen, nicht den alten Stall umzubauen, sondern eine neue Halle zu errichten.
Damit die Pinzgauer Kühe ihre Hörner behalten können, fiel die Wahl auf einen Kompoststall mit einer freien und sehr großzügigen Liegefläche. 38 Stück haben hier Platz, neben den Milchkühen, etwa 30 Tiere, werden hier auch gemeinsam die belegfähigen Kalbinnen und ein Zuchtstier gehalten. Gemolken wird in einem 6er- Tandem-Melkstand mit automatischer Milchmengenmessung, die gefragte Bio-Heumilch wird täglich von der Käserei Elixhausen abgeholt.
Gefüttert wird Belüftungsheu aus vier Schnitten, dass mit dem Ladewagen einmal in der Woche vom Altgebäude auf den Futtertisch verfrachtet wird. Über 6 Monate im Jahr sind die Tiere auf der Kurzrasenweide und holen sich ihr Futter selbst.
Seit einem Jahr wird komplett auf Kraftfutter verzichtet, der Bauer berichtet uns trotzdem von 5.000 kg Milch pro Kuh. Auf der Kompostliegefläche werden Sägespäne und Dinkelspelzen eingestreut und mit einem alten Traktor zweimal am Tag gegrubbert. Die gesamte Fläche wird zweimal im Jahr ausgemistet.
In der nahezu reinrassigen Herde fanden wir sehr ansprechende Jungkühe. Wir würden uns wünschen, dass sich die Familie Oberholzer zu einem Beitritt beim Zuchtverband entschließen kann und die Pinzgauer Rasse weiter so hoch hält.
Familie Maislinger, Gastagwirt, Eugendorf
Das bekannte Wirtshaus am Ortsende von Eugendorf ist vielen Pinzgauer Züchtern bekannt. Seit über 500 Jahren wird hier Landwirtschaft und Gastwirtschaft betrieben, berichtete uns der Seniorchef.
Aus mehreren Gründen wurde die Milchwirtschaft aufgegeben, man dachte jedoch nicht daran, die Landwirtschaft stillzulegen.
So wurde in einiger Entfernung zum Haus ein neues Stallgebäude in Offenfrontbauweise für Ochsen und Schweine errichtet. 48 Bio-Ochsen werden hier gemästet. Die Kälber werden als Fresser zugekauft und mit etwa 30 Monaten geschlachtet. Alle drei Wochen wird ein Ochse am Betrieb benötigt.
Traditionell werden Pinzgauer gehalten, einige Fleckvieh-Ochsen sind dabei, da das Angebot an Ochsen-Fressern vor allem im Sommer sehr gering ist. Fritz will aber wieder komplett auf Pinzgauer umstellen. Die Ochsen werden mit Heu, Silage und Grünmehl vom eigenen Betrieb gefüttert, auf den Einsatz von Kraftfutter wird verzichtet.
Ebenso werden am Betrieb Mastschweine gehalten, über den Sommer einige Schafe und die Eier kommen aus dem fahrbaren Hühnerstall. Als nächsten Schritt möchte Fritz im Sommer selbst Mastgeflügel erzeugen. Ein insgesamt sehr interessantes und stimmiges Konzept, dass die Gast- mit der Landwirtschaft verbindet.
Sortierstall der EZG Salzburg Rind
Am Standort Bergheim neben dem Schlachthof wurde in den letzten zwei Jahren der neue Sortierstall erbaut. Hier werden jeden Montag Hunderte Einstellkälber angeliefert, gewogen, klassifiziert und sortiert, ebenso Milchmastkälber, Jungrinder, Einsteller aus der Mutterkuhhaltung und Futterkühe. In dem hellen Stall laufen die Arbeitsschritte ruhig und durchdacht ab. Die sortierten Kälber werden in einheitlichen Gruppen aufgestallt und den Käufern angeboten. Ein ausgeklügeltes System, das dem Tierschutz gerecht wird.
Ein herzliches Dankeschön an die besuchten Betriebe für die Bereitschaft ihre Stalltüren zu öffnen, für die freundliche Aufnahme und die gute Betwirtung.
Mathias Kinberger




