Pinzgauer-Informationstag 2026
Bereits zum zwölften Mal versammelten sich Pinzgauer-Züchterfamilien aus der Bodenseeregion und somit aus den umliegenden Ländern Österreich, Deutschland und der Schweiz zum jährlichen Treffen, das heuer in den Kanton Zürich nach Weisslingen führte, wo am Hof von Familie Spörri seit 2017 Pinzgauer-Rinder gezüchtet werden.
Das traditionelle Treffen, das in all den Jahren nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt hat, lebt einerseits von der gewachsenen Gemeinschaft innerhalb Gleichgesinnter und Züchterkollegen und erfreut sich darüber hinaus immer wieder neuer „Gesichter“, wie der Besuch von zwei noch „Jungen in der Pinzgauer-Szene“ deutlich machte.
Thomas Sendlhofer, Pinzgauer-Zuchtberater der Rinderzucht Salzburg freute sich in seiner Begrüßung über die große Besucherschar, die der Einladung gefolgt war und berichtete in gewohnter Weise über das Zuchtgeschehen im Stammzuchtgebiet der Pinzgauer.
Mit der Vorstellung der verfügbaren Besamungsstiere gab Sendlhofer Einblick in die bewährte Genetik der Milch- aber auch Mutterkuhhaltung mit den möglichen Komponenten der Schwarzfärbung bzw. des Hornlosgens.
Einige Impressionen aus dem Züchterjahr, die einen Rückblick auf die Aktivitäten des vergangenen Jahres gaben, wurden mit wunderbaren Eindrücken, die im letzten Urlaub, u. a. auch in der Schweiz entstanden, ergänzt und zeigten klar, dass prächtige Pinzgauer überall ins Auge stechen - nicht nur in der Stammheimat, sondern ebenso in entlegenen Tälern und zunehmend auch in der Schweiz!
Leichtkalbigkeit – ein wesentlicher Erfolgsfaktor in der Rinderhaltung!
Für einen interessanten Programmpunkt sorgte Dr.med.vet. Cornelia Spörri-Vontobel mit ihrem Referat „Zucht auf Leichtkalbigkeit, ein wesentlicher Erfolgsfaktor“, in dem die studierte Tierärztin in erster Linie die Erfahrung am eigenen Betrieb ausgewertet hat.
„Dem Überleben von Kuh und Kalb gilt die höchste Priorität und neben der Anspannung und dem psychischen Stress einer Schwergeburt spielen direkte und indirekte Kosten von Komplikationen bei der Geburt eine erhebliche Rolle für den betrieblichen Erfolg“, gab Spörri zu bedenken.
„Jede Totgeburt sitzt sehr tief und jedes tote Kalb ist eines zu viel“, meinte die begeisterte Jungbäuerin, die aufgrund einiger Schwergeburten in den Einstiegsjahren mit Pinzgauern eine klare Verbesserungsstrategie gefunden hat, indem sämtliche Kalbinnen mit Angusstieren belegt werden und für die zweite Kalbung nach Möglichkeit weiblich gesextes Pinzgauer-Sperma zum Einsatz kommt.
Zu den wichtigsten Komponenten für ein gutes Geburtsverhalten zählen laut Spörri ein optimales Geburtsumfeld, eine gute Beobachtung sowie die nötige Zeit für den Geburtsvorgang, da dieser bei Erstkalbenden klarerweise um Stunden länger dauern kann. Eine Einleitung wird in der Regel vermieden, hingegen homöopathisches „Anstupsen“ als positive Unterstützung gerne praktiziert.
Nach den praxisnahen Ausführungen der Tierärztin standen Spörris Pinzgauer in veredelter Form im Fokus – bei einem herzhaften Mittagstisch, bevor Steuer auf den Ortsteil Sägel genommen wurde, um die Pinzgauer-Herde von Familie Spörri in natura zu besichtigen.
Pinzgauerzucht Spörri, Sägel / Weisslingen
Die Umstellung des ehemaligen Holstein-Milchviehbetriebes brauchte einiges an Umdenken bei der Bewirtschaftung des Grünlandes, das von ehemals sieben Schnitten auf maximal vier bis fünf minimiert wurde, um eine der Mutterkuhhaltung angepasste Futtergrundlage zu erreichen.
Als ideale Ergänzung zu Silage und Heu hat sich Sorghum (Hirse) bewährt, welche aufgrund des niedrigen Wasserbedarfs auch in trockenen Sommern gute Erträge liefert.
Beim ersten Blick in den Offenstall, den Altbauer Erhard Spörri bereits in den 80er-Jahren errichtete (und sich das Baurecht angesichts der luftigen Bauweise hart erkämpfen musste!), zeigte sich die optimale Futterversorgung, die sich in einer qualitätsvollen, sehr rahmigen und bestbemuskelten 20-köpfigen Kuhherde mit enorm entwickelten Kälbern spiegelt.
Selbsterklärend das frühe Belegalter von ca. 13-16 Monaten, auf das Cornelia Spörri in ihrem Referat einging, um die früh entwickelten Jungtiere vor Verfettung und damit einhergehender Unfruchtbarkeit zu schützen und sich die Vorteile der schnellen Generationenfolge zu sichern.
Richard Spörri, der als erfolgreicher Unternehmer in der Elektrobranche die Landwirtschaft als sein Hobby sieht, bezeichnete sich dennoch als Vollblutbauer, weil die Arbeit am Hof mit großer Freude verbunden ist, allerdings nur im Kollektiv der Großfamilie funktionieren kann.
Dass es sich dabei nicht um eine leere Aussage, sondern um einen großen und unverzichtbaren gesellschaftlichen Wert handelt, wurde anhand der Gemeinschaft, die sich am Hof von Familie Spörri versammelte, klar sichtbar.
Angetrieben von derselben Leidenschaft, nämlich Pinzgauer zu züchten, entwickelte sich ein anregender Meinungs- und Gedankenaustausch, der bei einer köstlichen Kaffeejause einen schönen Abschluss finden durfte.
Am Ende bedarf es einer großen Gratulation und Danksagung - allererst an Familie Spörri für ihren großartigen Beitrag zum Gelingen dieses lohnenden Zusammentreffens sowie allen, die mit ihrem Dabeisein einen unverzichtbaren Teil dieser schönen Gemeinschaft gebildet haben!
Wir sehen uns hoffentlich wieder – spätestens, wenn wir uns 2027 zum 13. Mal in Vorarlberg versammeln – und freuen uns darauf!
Christina Sendlhofer

























