Pinzgauer Jungzüchter-Almwanderung
Den Mutigen und Fleißigen gehört die Welt! Beeindruckender Almtag im Fuschertal!
Dass sich ein gesundes Maß an Risiko und Einsatz lohnt, bewies die diesjährige Almwanderung der Pinzgauer-Jungzüchter unbedingt. Trotz der eher ungünstigen Wetterprognose machten sich 50 frohgelaunte Wanderer auf den Weg zur Schmalzgrube und wurden mit tollen Eindrücken belohnt.
Nach 1 1/2-stündiger Wanderung unter wolkenverhangenem Himmel kam Almhirte Martin Innerhofer der internationale Gruppe entgegen und mit ihm waren auch schon die ersten Kastanienbraunen zu vernehmen - die wunderschöne reinrassige 32-köpfige Kuhherde der Familie Innerhofer, Roaner, welche heuer bereits den 19. Sommer auf der Schmalzgrube verbringt.
Nach einer intensiven Besichtigung der qualitativen Kühe lockte vor der Hütte eine herrliche Stärkung von Jungbäuerin Sabine - im riesigen Topf schmorte eine köstliche Gulaschsuppe, serviert mit herrlichem Bauernbrot. Kurzfristig ließ sich sogar die Sonne blicken und Obmann Josef Berger nutzte das Zeitfenster um die gemütliche Runde unter freiem Himmel zu begrüßen. Jungbauer Josef Innerhofer stellte im Anschluss die Almwirtschaft vor, die an Arbeitsintensität wohl kaum zu übertreffen ist. Seit 1998 ist Familie Innerhofer, Roaner in Saalfelden Pächter der Schmalzgrube und startet jährlich Ende Mai mit der Bewirtschaftung des Wimmhofes auf 800 m. Um den 20. Juni wechseln die Kühe auf die Hochalm, beginnend ab 1.700 m, eine Woche später folgen die Kalbinnen, die das riesige Almgebiet bis auf Höhen von 2.500 m erklimmen.
Der plötzlich eintreffende Regen ließ die Wandertruppe in den "Almscherm" flüchten, wo Martin Innerhofer interessante Details der Schmalzgrube verriet. Unter dem damaligen Präsident der Landwirtschaftskammer Salzburg, Isidor Grießner, Gaisstättbauer aus Fusch wurde 1948 der Wimmhof mit der dazugehörenden Schmalzgrubenalm als Eigentum der Landwirtschaftskammer erworben und eine Melkschule eröffnet. Später war das Gebäude eine Expositur der Hauswirtschaftsschule Bruck bzw. für einige Jahre Eigenleistungsprüfstation für Pinzgauer-Zuchtstiere.
Mit dem Bau von Seilbahn und Almhütte wurden bereits 1950 die Voraussetzungen für die Almmilchproduktion geschaffen. Die Mobilisierung war somit der Grund, dass der Bau eines Käsekellers vernachlässigt wurde. Mittlerweile ist die Seilbahn nicht mehr in Betrieb und zwingt Familie Innerhofer zur zweitägigen Milchlieferung ins Tal.
Das weitläufige Gebiet des LWK-Besitzes mit einer Größe von insgesamt 750 ha (davon 140 ha ausgewiesene Weidefläche) mit dem bekannt guten Gras und den großen Höhenunterschieden machen die Almwirtschaft einerseits interessant, stellen aber aufgrund der immensen Zaunarbeiten und möglichen Wetterkapriolen eine ordentliche Herausforderung dar.
"Auf dieser Höhe brauchen wir eine Rasse, die bergtauglich, d.h. mit harten, dunklen Klauen und Robustheit ausgestattet ist und deshalb kommen für uns nur reinrassige Pinzgauer in Frage", betonte Martin Innerhofer ganz klar in seinen Worten.
Josef Berger nutzte abschließend die Gelegenheit, Dank und Anerkennung in Form einer schönen Weideglocke zu überbringen - "Diese Kühe zeigen klar, welchen Erfolg konsequente Zuchtarbeit bringt und dazu dürfen wir Familie Innerhofer nur gratulieren", meinte ein beeindruckter Obmann.
Punktgenau lichtete sich auch der Himmel wieder und aufkommende Sonne ließ das wunderschöne Panorama der Hochalm erahnen. Perfekt gestaltete sich somit der Abstieg, galt es ja, das nächste Ziel, das Wölflerngut der Familie Zehentner baldigst zu erreichen.
Ein paar Meter abseits der Embachkapelle an der Großglocknerstraße liegt mit dem Wölflerngut die Alm von Karin und Isidor Zehentner (Karin ist die Schwester des jungen Roanerbauern), welches 2012 von der fleißigen Bauersfamilie aus Saalfelden erworben wurde.
Das komplett aus Stein gemauerte Haus, 1350 erstmalig erwähnt, wäre nicht bewohnbar, hätte Familie Zehentner hier nicht monatelang in mühsamster Handarbeit gewerkt. Was im funktionierenden Familienverband zu schaffen ist, ist mit dem Auge eindrucksvoll zu erkennen und ringt dem Besucher größten Respekt ab. "Wochenlang haben wir nur Schutt und Dreck mittels Schubkarren hinausbefördert, bevor an die Sanierung der desolaten Bausubstanz zu denken war", erzählte Hausherrin Karin und führte in den Keller. Mit Stirnlampe und Werkzeug "bewaffnet" befreite Karin in tagelanger Arbeit den Raum von Mist und Unrat, bevor sie auf einen gut erhaltenen Steinboden stieß.
Selbiges galt für den Stall - dieser wurde mit einer neuen Tramdecke und Dachstuhl wieder nutzbar gemacht und erstrahlt in einer wunderbaren Kombination aus altem Mauerwerk und neuen Holzkonstruktionen.
Ordentliche Pflege erfuhr aber auch das 38 ha große Areal, das dank Rekultivierung die Nutzung von 20 ha Almfläche ermöglicht.
Nach einer fürstlichen Kaffeejause führte der Weg zur ebenso sehenswerten Kuhherde des Piebingbauern, die mit der Sonne um die Wette strahlte.
Während sich die Männer um reinrassige Pinzgauer-Genetik kümmerten, folgten einige Frauen der Hausherrin, die durch das Reich von Haus und Garten führte. Der Anblick der vielen liebevollen Bepflanzungen und der riesengroße Bauerngarten sorgte für Staunen und Bewunderung für eine Frau, für die Arbeit nicht eine lästige Verpflichtung darstellt, sondern Sinn eines erfüllten Lebens ist!
Beeindruckend erzählte Karin von der besonderen Nachbarschaftspflege. Da sich Familie Zehntner bewusst dem Fernseher verweigert, kommen die Nachbarn oftmals abends auf einen gemütlichen Ratscher vorbei und genießen den Mehrwert der gemeinsam verbrachten Zeit! Karins herzliche und gewinnende Art zieht viele Menschen förmlich an und so nutzen viele bekannte Radler bei der Rückfahrt vom Glockner das Wölflerngut für einen gemütlichen Zwischenstopp!
Zu dieser besonderen Form von Leben und Arbeiten darf man Familie Zehentner aufrichtig gratulieren und danken - hier kommt jedenfalls ein Gefühl auf, dem man sich nur schwer entziehen kann!
(Geheimtipp - Karin freut sich jederzeit über Besuch auf ihrer Sommerresidenz!)
Einmal mehr war diese Veranstaltung eine besondere - weil sie die einzigartige Gemeinschaft der Pinzgauer Jungzüchter spiegelte und mit schier grenzenloser Gastfreundlichkeit und Offenheit gespickt war!
Dafür sagen wir DANKE - der Großfamilie Innerhofer/Zehentner und all jenen, die mit ihrem Dabeisein für das schöne Miteinander gesorgt haben!
Christina Sendlhofer











