Pinzgauer Jungzüchtertag
"Wir brauchen nur einen Termin festlegen, und schon sind die Leute sind da", so freute sich Obmann Hannes Hofer in seiner Begrüßung über den extremen Besucheransturm (bei 100 Personen wurde mit dem Zählen aufgehört!) - dass diesem allerdings solche Massen folgten, hätte wohl keiner zu denken gewagt!
Überrascht und sehr erfreut zeigte man sich bereits am ersten Ziel, beim Wimmerbauer im Hintergföll in Unken. Der besonders herzliche Empfang der Fam. Flatscher und die Freude über die Weitgereisten, die aus sämtlichen Gauen sowie aus Bayern und natürlich Südtirol kamen, verlieh dem beginnenden Tag einen fast feierlichen Charakter.
Allein der Anblick der extremen Steilflächen, die mit grenzenlosem Engagement bewirtschaftet werden, sorgte für größten Respekt und Bewunderung. Betriebsführer Hubert Flatscher stellte in netten Worten seinen Betrieb vor, der eine Fläche von 45 ha (33 ha Grünland) umfasst und auf einer Seehöhe von 1.000 m liegt. Durch den starken Zusammenhalt der Familie und dem unermüdlichen Einsatz der "Altbauersleute" Maria und Hans war es möglich, dass Jungbauer Hubert sich voll auf seinen Beruf konzentrieren konnte. Gemeinsam mit seiner Frau Monika betreibt er mit viel persönlichem Einsatz die Schischule im Unkener Heutal. (Die ganze Familie ist dem Schisport sehr verbunden, so ist Sohn Hans Trainer der Schweizer Schi-Nationalmannschaft und mit der ehemaligen Spitzenläuferin Sonja Nef liiert; Tochter Elisabeth verdient ihren Unterhalt als Physiotherapeutin beim ÖSV)
Der Viehbestand des BIO-Betriebes liegt bei ca. 25 reinrassigen Pinzgauern. Den Sommer verbringen die Tiere zuerst auf der angrenzenden Servitutsalm bzw. anschließend auf der Wildalm, von wo die Milch zweitägig zur Sammelstelle nach Unken gebracht werden muss. Nachteilig ist einzig die große Entfernung, misst eine Strecke doch 20 km und erlaubt somit keine Kosten-Nutzung-Rechnung!! (Milchkontingent: 34.000 kg - Verarbeitung durch die Pinzgau Milch). Dass beim Wimmerbauern Idealismus groß geschrieben wird, wurde spätestens beim Stallbesuch klar - der Anblick der blitz-blank gewaschen und gepflegten Tiere sowie deren Unterkunft sorgte für Begeisterung pur - einmal mehr wurde deutlich, mit welcher Liebe und Hingabe hier gelebt und gearbeitet wird.
Verwöhnt werden am Wimmerhof allerdings nicht nur die Pinzgauer Rinder, sondern auch deren Anhänger - Jungbäurin Monika und ihre Schwiegermutter Maria zauberten ein erstklassiges Buffet auf die Terrasse und bei selbst gemachten Brötchen und Keksen ließ es sich gemütlich reden (solche Tage dienen allen Lebensbereichen, so tauscht man neben züchterischen Tipps noch Keks- und Brotrezepte...) , hätte nicht schon der nächste Einladende zum "Anpfiff" gerufen...
So folgte man dem Tross Richtung Unken-Dorf, wo der Eggerbauer seine Heimat hat. Es folgte die nächste herzliche Begrüßung von Jungbauer Robert Wimmer, bevor der Seniorchef Sebastian das Wort ergriff. Gemeinsam führten sie zur schönen Pinzgauer Herde, die im Schnitt 10 - 12 Kühe sowie das Jungvieh umfasst. Zugleich ist beim Eggerbauern stets ein Zuchtstier einquartiert, handelt es sich hier um die Stierhaltegemeinschaft Unken-Boden. Zurzeit ist diese allerdings verwaist, da sich LURIN (Lutz-Sohn aus der Gesamtsiegerin der Tiroler Landesausstellung STRAUSS (V:Mandarin) zur Spermagewinnung in Birkenberg befindet.
Auch die Kühe des Eggerbauern verbringen ihre Sommerfrische auf der Alm, genauer gesagt auf den Unkener Hochalmen (Insider erinnern sich noch an die Pinzgauer Almwanderung 2006, die Sebastian Wimmer organisiert hat!)
Der Eggerbauer, in schöner Lage unmittelbar hinter der Kirche befindend, (hoffentlich sieht er diese nicht nur von außen!) umfasst eine Fläche von 19 ha, 15 ha Pachtfläche und eine Quote von 33.000 kg (plus 5.000 Alm- und 1.800 D-Quote). Hoch interessant erzählte der Altbauer aus früheren Zeiten, wo die Rinder nur ca. 2,5 Monate am Heimhof standen. Den Rest der Zeit verbrachten sie wechselweise im Heutal (hier liegen schöne, ebene Flächen vieler Unkner Bauern, der Eggerbauer besitzt dort 14 ha), auf den Mahdern bzw. Almen und von dort wieder retour!
Einen besonderen Betriebszweig stellt neben der Rinderzucht auch die Pferdehaltung dar, die einen sehr großen Stellenwert einnimmt. Benötigte der Eggerbauer seine Noriker lange Zeit als Zugtiere für die Holzerbringung, so dienen sie heute dem Hobby bzw. zum Einspannen bei diversen Feierlichkeiten.
Jungbauer Robert verdient sein Zubrot bei der Gemeinde in Unken, "Holzwurm Wast" ist als verlässlicher Holzarbeiter eine viel gefragte Person.
Die Gastfreundschaft erhielt hier eine Fortsetzung, richteten die beiden Bäuerinnen Claudia und Berta eine köstliche Labestelle im Garten. Die Flexibilität der Gastgeberfamilien war bewunderswert, sie hatten angesichts des "Besucherstromes" keinerlei Probleme, einzig der Wirt am Obermayrberg war mit 100 Personen ein wenig überfordert. JZ-Obmann Hannes Hofer löste dieses Problem ganz einfach, er splittete die Gruppen nach den jeweiligen Anfangsbuchstaben (erinnerte irgendwie an Schule, aber dank des anwesenden Fachlehrers Mathias Kinberger lösten sich auch solche Problemchen raschest...) und so kam noch das Cafe Wimmer in den Genuss einer netten Mittagsgage!
Bestens gestärkt (eigentlich dreifach...) gings zum nächsten Ziel - dem Mayrberg, einem landschaftlichen Geheimtipp! Die beiden Pinzgauer Herden der Familien Hochleitner, Waltl und Rohrmoser, Pehold erwarteten die interessierte Besucherschar bereits auf der Herbstweide und auch die Freude von Theresia und Richard Hochleitner sowie Veronika und Johann Rohrmoser war nicht zu übersehen. Waltlbauer Richard Hochleitner erzählte von seinem Zuchtbetrieb, der momentan 23 reinrassige Pinzgauer (davon 8 Kühe) beheimatet. Da der Nebenerwerbsbetrieb über kein Kontingent verfügt, widmet er sich der Kälbermast bzw. Aufzucht, d.h. die Kühe werden beim 1. bzw. spätestens beim 2. Kalb vermarktet. Verbleibende Milch wird von Jungbäuerin Theresia zu Käse verarbeitet, einiges an Milch verschlingt auch die Muttersau mit ihren 18 (!) Ferkeln. Betriebsführer Richard ist zudem beim Sägewerk in Unken beschäftigt.
Auch der Peholdbhof der Fam. Rohrmoser wird im Nebenerwerb geführt. 2 Fremdenzimmer sowie die halbjährliche Beschäftigung bei den Loferer Bergbahnen sichern das Einkommen. Stolz stellte Johann Rohrmoser seine Kühe vor, eine besondere Ehre hatte die Teilnehmerin des Jungkuhchampionats 2008 - die zum 3. Kalb trächtige, schöne Maltetochter BRIX präsentierte sich mit einer schönen Glocke. Die Kühe des Peholdbauern kommen im Sommer in den Genuss der Alpweide am Obermayrberg, unweit von der Hofstelle entfernt und somit ideal für die Milchlieferung. (Quote: 32.000 kg) Das Jungvieh hat zum Erreichen seiner Alm einen zweistündigen, steinigen Fußmarsch zu erledigen - was sich allerdings bezahlt macht - das Hochplateau der Reither Alm (Grenzgebiet zu Bayern) ist mit 450 ha ein nahezu paradiesischer Weideplatz.
Kurz erzählte Hans Rohrmoser vom Bau des Güterweges Mayrberges, der sich für ihn als mehrfach lohnend erwies - lernte er so 1973 seine Frau Veronika kennen und landete schlussendlich als gebürtiger Pongauer im schönen Saalachtal!
Die Gastfreundschaft der Saalachtaler Pinzgauer Züchter schien kein Ende zu nehmen, schafften die beiden Nachbarinnen Veronika und Theresia in Teamwork ein Verwöhnservice höchster Klasse. Die bereitgestellten Tische, angereichert mit köstlichsten Spezialitäten warteten nur mehr aufs Niederlassen und Genießen!!
Zuguter Letzt hieß es dann doch aufzubrechen, mussten doch einige TeilnehmerInnen wieder zurück an ihre Arbeitsstätten bzw. wartete noch eine Pinzgauer Herde auf ihren Besuch - am Ausgang von Weißbach öffnete der Nusserhof seine Tore!
Josef Volgger jun. schilderte seine Betriebssituation, die mit dem Kauf des Nusserhofes im Jahr 1929 durch den Großvater begann. 1978 erfolgte der Kauf einiger Anteile der Kammerlingalm, 1985 wurde diese mit einem schönen Almgebäude komplettiert.
Durch den Zukauf von 5 ha Grünland konnte 1997 die Fläche auf 35 ha aufgestockt werden. Nach langen Überlegungen wurde 2005 ein neuer Laufstall erbaut und das bestehende Stallgebäude für Melkstand, Kälberboxen, bzw. für die Jungrinder artgerecht (BIO) adaptiert. Besonderen Wert legt Josef Volgger auf die "zweimalige Anhängung" aller Rinder, d.h. der gesamte Bestand wird im Alter von einem halben bzw. 2 Jahren kurzzeitig angebunden, was einen erheblichen "Lerneffekt" in der Umgänglichkeit (Verladen, Vorführen, etc..) zur Folge hat.
20 - 30 Stück werden jährlich erfolgreich als Zuchtvieh vermarktet, sein Herz schlägt für die "reinrassige Pinzgauerin, die bei unkomplizierter Haltung 6.000 kg Milch erbringt", so der Betriebsführer. Die Quote von 150.000 kg erfüllen ca. 33 Pinzgauer Kühe (teilweise mit RF eingekreuzt), außerdem wird täglich Frischmilch an den nahe gelegenen Brandlhof geliefert. Die Fütterung erfolgt ganzjährig mit Silage bzw. Heu, neuerdings wird als Versuch Maissilage dazugefüttert, was sich als äußerst positiv bestätigt. Ein zweites wichtiges Standbein ist für Josef Volgger die Pferdezucht - mit Leidenschaft züchtet er braune Noriker, mit welchen er erfolgreich auf Schauen glänzt und zudem gute Verkaufserlöse erzielt!
Nach den interessanten Ausführungen gab es auch hier Festes und Flüssiges - bei selbst gepressten Apfelsaft bzw. Süßem und Saurem klang ein gewohnt netter und geselliger Jungzüchtertag aus, der im Herbst 2010 sicherlich wieder eine Fortsetzung findet!
Man darf gespannt sein, an welchem Ort sich die "Pinzgauer Familie" im kommenden Jahr wieder trifft - die Vorfreude hat somit bereits begonnen!
Allen fünf Familien sei an dieser Stelle für ihre enorme Gastfreundschaft und ihre Herzlichkeit aufrichtigst gedankt, ist es durchaus nicht selbstverständlich, so aufgenommen zu werden - Vergelt's Gott!
Danke auch allen Familien, die keine Wege gescheut haben und zum einmaligen Gelingen dieses Tages beigetragen haben - danke für euer Dabei sein!
Christina Sendlhofer