Pinzgauer-Jungzüchtertag 2022
Altbewährtes neu im Trend!? Vier traditionelle Pinzgauer-Züchterfamilien glänzen mit beeindruckenden Betriebsphilosophien, viel Offenheit und bekannter Gastfreundlichkeit!
Der Pinzgauer-Jungzüchtertag, der diesmal mit einem eher einheitlichen Programm von vier Zuchtbetrieben reinrassiger, gehörnter Pinzgauer warb, konnte am Ende als ein besonderer gewertet werden.
Besonders deshalb, weil es vielleicht jene Züchter sind, die mit ihren "altgeglaubten" Betriebskonzepten eine mögliche Strategie für eine gesunde und zukunftsträchtige Form von Landwirtschaft haben!
Sabine und Martin Grünwald, Loitz, Untertauern
"Ich bin ganz schön baff angesichts der coolen und vor allem großen Bande, die den Weg zu uns genommen hat", meinte der erste der vier Betriebsführer, Martin Grünwald bei der Begrüßung am Loitzgut in Untertauern und brachte die Freude über das große Interesse an der bereits traditionellen Besichtigungstour der Jungzüchter unübersehbar zum Ausdruck.
Ganz schön baff waren mit Sicherheit auch alle, die das einzigartige Ensemble des Loitzgutes zum ersten Mal aus der Nähe sahen, spätestens aber beim genauen Hinhören über die Worte von Martin Grünwald, die in ihrer Art nicht alle Tage gehört werden und den ein oder anderen Denkanstoß lieferten.
"Ausschlaggebend für unsere Low Input-Wirtschaftsweise war im Grunde unsere beste und älteste Kuh Gräfin, die jegliches Kraftfutter verweigerte und sich somit die Frage aufdrängte, warum noch einer Kuh Kraftfutter zu geben, wenn die leistungsstärkste ja auch ohne jegliches Zufüttern auskommt?", meinte Grünwald in der Erklärung seines aktuellen Stalldurchschnittes von 3.691 kg Milch, welcher die meisten wohl nicht mehr zeitgemäß erscheint.
"Jede einzelne Henne auf unserem Hof pickt mehr Körner wie unsere gesamte Pinzgauerherde, die uns aufgrund ihres Potenzials, nämlich das Beste aus dem gewachsenen Grundfutter herauszuholen, unglaublich begeistert", meinte der überzeugte Bauer, für dessen 20 Kühe mit Nachzucht 22 ha Grünland zur Verfügung stehen.
Begeistert zeigte sich der Loitzbauer auch von der Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde, hat er als Teilnehmer an verschiedensten ÖPUL-Maßnahmen viele behördliche Wege und Hürden zu meisten.
"Fix ist, dass sich die Zeit im Büro vervielfacht hat, aber indem mit den Zuständigen so gut wie immer brauchbare Lösungen erarbeitet werden können, ist diese Arbeit auch eine, die leicht zu meistern ist", so die Worte des Loitzbauers, der sich seit einem Jahr auch ARCHE-Hof nennen darf. Diese Auszeichnung verdient der Hof aufgrund seiner Vie(h)lfalt, dessen Wohlgefühl sich nicht nur in den Wiederkäuern spiegelt, sondern angefangen von der frischfröhlichen Katzenfamilie bis zur farbenprächtigen Auswahl des Federviehs sichtbar wird.
Eine beträchtliche Rolle spielt am Loitzgut die Forstwirtschaft, die mit 90 ha Wald nicht nur eine ordentliche Ausdehnung umfasst, sondern auch einen entsprechenden Arbeitseinsatz einfordert. Der enge Bezug zum natürlichen Baustoff Holz zeigt sich unverkennbar an der Optik der Gebäude - angefangen vom wunderschönen Garagengebäude bis zum Kaltstall, der 2017 in einfacher, aber sehr effektiver Weise erbaut wurde. "Es ist schon beeindruckend, wenn die Kühe frühmorgens mit gefrorenen Bärten im Melkstand erscheinen, aber bekanntlich behagt ihnen die Kälte ja mehr wie die Hitze und somit ist auch die Tiergesundheit eines unserer großen Qualitätsmerkmale. Schauen müssen wir dabei einzig auf uns, aber dank guter Kleidung ist der Winter für uns Menschen ja auch zu bewältigen", gab Martin Grünwald zu bedenken.
Der gute zwischenmenschliche Umgang, der Familie Grünwald sicher auch in der Vermietung ihrer drei Ferienwohnungen zugutekommt, zeigt sich am Loitzgut zudem in einer perfekten landwirtschaftlichen Kooperation. "Ich möchte mich hier auch gleich beim Pailnbauer, Sepp Fritzenwallner bedanken, der stets für die beste Auswahl des gemeinsamen Zuchtstieres sorgt und damit nicht nur immer um die perfekte Pinzgauer-Genetik bemüht ist, sondern auch einen wesentlichen Teil zum guten Miteinander beiträgt", mit diesen Worten lobte Martin seinen Züchterkollegen und nützte den letzten Satz, um zu einem anschließenden Beisammensein bei allerlei Hausgemachtem und Köstlichem einzuladen.
Gabriele und Johann Huber, Brandstätt, Radstadt
Aufmerksamen Autofahrern entgeht am Weg nach Radstadt die schöne Hofanlage des Brandstätthofes, zu der natürlich auch die typvolle, reinrassige PInzgauerherde zählt, mit Sicherheit nicht und beim Anblick aus nächster Nähe wird so richtig bewusst, wie groß der Fleiß und Zusammenhalt der Familie Huber geschrieben steht!
Brandstättbauer Hans Huber stellte in netten Worten den Familienbetrieb vor, der auf vielen Standbeinen fußt, der ganze Stolz aber sicher der Rinderzucht gehört, die 16 blitzeblank geschorene Kühe in verblüffender Art zum Ausdruck brachten!
Der Name Huber ist vielen sicher als Züchter des Besamungsstieres FESCH bekannt und punktet mit seiner qualitätsvollen Kuhherde, aus der in drei Wochen wieder ein Nachkomme beim Herbststiermarkt in Maishofen vertreten sein wird!
Holzwirtschaft spielt auch am Brandstätthof eine gewichtige Rolle, erzählte Hans in der Vorstellung von seinem Zuerwerb als Einkäufer für Rundholz und setzte seiner Leidenschaft fürs Holz mit dem gelungenen Stallumbau 2008 einen sehenswerten Stempel drauf!
Für eine qualitätsvolle Produktion bester Lebensmittel zeichnen am Hof der Familie Huber nicht nur die Milchkühe verantwortlich, ergänzend liefern auch zwei Schweine und 25 Hühner wertvolle Zutaten für die gesunde Versorgung der Großfamilie. Das Wohlbefinden aller Lebewesen am Brandstätthof und im Besonderen jenes der Familie ist das größte Anliegen von Gabi, ihre Fürsorge und Herzlichkeit bestätigt sich darüber hinaus in der Gästeschar, die in zwei Ferienwohnungen und drei zusätzlichen Zimmern Platz findet.
Wie kostbar die "Grundzutaten" am Brandstätthof veredelt werden, wurde im "Verwöhnprogramm" der Familie Huber sicht- und schmeckbar - verführte ein herrlich süß-saures Buffet mit einer allerbesten Jause und köstlichen "Heimfahrerkrapfen" zu mehrmaligem Hingreifen und einem Nicht-mehr-aufhören-können...;)
Irmgard und Josef Fritzenwallner, Pailn, Altenmarkt
Mit der Anfahrt zum Pailngut zeichnete sich der nächste schöne Blickfang ab, wo einmal mehr sichtbar wurde, was im Verbund einer großen und fleißigen Familie alles zu schaffen möglich ist.
Pailbauer Sepp Fritzenwallner brachte in seiner Begrüßung zum Ausdruck, wie sehr er sich über den zahlreichen Besuch freue, weil es das Zusammenkommen unter Kollegen und Gleichgesinnten braucht, um sich auszutauschen und zu verständigen.
"Mir hätte vor dem Stallbau jeder alles erzählen können und ich hätte es wahrscheinlich auch noch geglaubt. Umso wichtiger waren uns die ehrlichen Meinungen und Erfahrungen, um unser Projekt praxistauglich realisieren zu können", gab Fritzenwallner in ungeschönten Worten wider.
Mithilfe der intensiven Einbindung des angehenden Jungbauern wurde 2019 schlussendlich ein großzügiger Laufstall für die zehnköpfige, gehörnte Milchkuhherde umgesetzt - mit dem Ergebnis, dass sich die Rinder sichtlich wohlfühlen und sich die Arbeitserleichterung insofern ausdrückt, dass Sepp und Andreas ihren zusätzlichen Erwerben nachgehen können, während Irmgard ihren Job als Bilanzbuchhalterin schon dreißig Jahre im Homeoffice erledigen kann.
Ein weiteres Standbein sichert aber nicht nur die Vermietung zweier Ferienwohnungen, sondern auch die Direktvermarktung von eigenem Kalbfleisch, das dank der gesunden, artgerechten Produktion eine viel höhere Nachfrage wie Verfügbarkeit beschert. Die Grundlage liefert das roséfarbene Fleisch der Kälber, die erst mit einem Gewicht von ca. 200 kg geschlachtet werden und somit eine unvergleichbare Qualität sichert.
Von hoher Qualität gestaltete sich am Pailnhof auch die Gastfreundschaft - kam die ganze Gemeinschaft in den Genuss einer herrlichen mittäglichen Verpflegung, die inmitten des schönen Hofgeländes und dank der warmen Herbstsonne eine wunderbare Draufgabe erfuhr!
Matthias Schober, Graben, Flachau
Ein beeindruckendes "Bewirtschaftungsmodell" war der Abschluss eines interessanten und vielfältigen Tages - der Hof des Grabenbauers, der vom angehenden, sehr sympathischen Jungbauern Gerald Stiegler vorgestellt wurde.
Stiegler, der selber auf keinem Bauernhof aufgewachsen ist, aber von klein auf an der Landwirtschaft interessiert war, kam durch die Hochzeit mit Nadine, der Adoptivtochter von Matthias Schober zu seiner großen Berufung und durfte gemeinsam mit Matthias 2018 das Projekt des Stallbaus verwirklichen. Um den 20 Milchkühen größtmöglichen Komfort zu bieten, entschied man sich für einen Kompoststall, welcher sich in der besten Haltebedingung für die Rinder, der Gewinnung von Festmist und eines überschaubaren Arbeitseinsatzes rechtfertigt und für Stiegler als Vollzeitbeschäftigter bei Liebherr entscheidend war.
Das unverkennbare Wohlgefühl der Kühe in Kombination mit bester Futterration, die aus 2/3 Silo und 1/3 Mais besteht, zeigt sich in der Kondition der Doppelnutzungsrasse, die sich nicht nur im guten Fleischansatz spiegelt, sondern auch in einer durchschnittlichen Milchleistung von 7.600 kg Milch.
Wert auf Qualität wird auch bei der Auswahl des in der Herde mitlaufenden Vatertiers (Reingold x Fasan) gelegt, verlässt sich der Betriebsführer mit dem Stierkauf seit ein paar Jahren auf die gute Genetik des Holzmannbauern Michael Schiefer.
Wenn die gehörnten Kühe dank des großzügigen Raumes auch keinerlei Probleme bereiten, so entschieden sich die jungen Bauersleute für die künftige Enthornung, um allfällige Verletzungen von vorne weg auszuschließen. Die größte Umstellung wahrscheinlich für Matthias' Mama, die mit 80 Jahren noch wichtige Stütze bei der täglichen Stallarbeit ist und sich nur schweren Herzens mit dem Auslaufen der gehörnten Kühe anfreunden kann.
Die touristisch perfekte Lage Flachaus nützt man auch am Grabenhof, wo fünf Appartements eine schöne und beliebte Herberge für die zahlreiche Gästeschar bieten. Welch hohen Stellenwert die Gastlichkeit dieser Familie hat, bestätigte sich anhand der großzügigen Einladung zur Kaffeejause, die mit unzähligen selbstgemachten Mehlspeisen für den krönenden Abschluss eines sonntäglichen Verwöhnprogrammes sorgte - an dieser Stelle ein ganz herzliches Vergelt's Gott allen vier Züchterfamilien für die herzlichen Einladungen zu Speis und Trank!
Größter Dank gebührt den Familien aber für die Ehrlichkeit, ihre Philosophien des Lebens und Arbeitens mit der Natur und auf den Höfen darzustellen und mit ihren Sichtweisen vielleicht den ein oder anderen Denkanstoß mitgegeben zu haben - weil es vorrangig nicht immer um hohe Zahlen und Umsätze geht, sondern weil der Auftrag im Eigentlichen darin besteht, sich den Lebensgrundlagen mit Verantwortung zu stellen, damit auch unseren nächsten Generationen noch ein Leben und Arbeiten mit der Schöpfung sicherscheint!
Gratulation den vier Pinzgauer-Züchterfamilien - verbunden mit viel Glück und Gottes Segen in Haus und Hof!
Christina Sendlhofer











