Pinzgauer-Jungzüchtertag 2023
Wie kann man Tourismus und Pinzgauer Zucht kombinieren? In Saalbach weiß man, wie es geht!
Der diesjährige Jungzüchtertag zog uns am 8. Oktober in die Heimat von Obmann Gabriel Riedlsperger. Dort trafen sich viele begeisterte Züchterfamilien aus nah und fern, die sich mit vielen neuen Eindrücken von anderen Betrieben berieseln lassen durften!
Gestartet wurde bei Familie Schneider, Palfen die mit viel Freude allesamt willkommen hießen.
Nach einer kurzen Vorstellung des Hofes zog es uns wegen des kalten Glemmtaler Windes gleich in den Anbindestall, wo zurzeit 12 Milchkühe und die Nachzucht beheimatet sind. Bei der Besichtigung der behornten Original Pinzgauer Herde stach sofort die hohe Qualität der Tiere ins Auge, denn mit einer durchschnittlichen Milchleistung von 7 000 Litern kann man sichtlich stolz auf seine Herde sein.
Von der Zuchtstieraufzucht ist Familie Schneider vor ein paar Jahren weggekommen, mit der Begründung von Altbäuerin Hildegard: „Mir sind die Kühe lieber als die Stiere !“
Familie Schneider bewirtschaftet ca. 15 ha Grünfläche, wovon der größte Anteil ein sehr steiles Gefälle aufweist. Die Pinzgauer-Rinder am Palfenhof sind das ganz Jahr zuhause und weiden rund um den Betrieb. Mit viel Liebe und Gastfreundschaft bewirtschaftet die Familie einen kleinen Beherbergungsbetrieb mit 10 Gästebetten.
Nach einer kurzen Autofahrt standen wir schon auf dem Jaglhof der Familie Fresacher, wo uns die Pinzgauerherde, bestehend aus 19 qualitativ hochwertigen Kühen, unterhalb des Hauses begrüßte. Der Laufstall mit Tandem-Melkstand und Festmist-Entmistung wurde 2021 neu erbaut und 2015 von konventioneller Wirtschaftsweise auf BIO umgestellt.
„Nach der Entscheidung, dass wir einen neuen Stall bauen, stellte sich die Frage, ob wir auf Laufstall umstellen oder bei einem Anbindestall bleiben. Aber im Nachhinein sind wir über die Entscheidung zum Laufstall mehr als froh!“, meinte Georg Fresacher.
Die Rinder dürfen den Sommer auf der nahegelegenen Alm verbringen, wo sich die Altbauern darum kümmern und selbst die Sommerfrische genießen dürfen, währenddessen die Jungbauern im Tal bleiben und die dort anstehende Arbeit erledigen, zu der auch die Bewirtung der hauseigenen Gäste zählt. Auch die Bewirtschaftung der 17 ha Grünfläche, wovon 1 - 2 ha einmähdig und 16 ha zweimähdig sind, gehört zu dem Aufgabenbereich der jungen Familie.
Die anstehende Mittagspause machten wir bei unserem Obmann Gabriel Riedlsperger und seiner Familie am Vorderronachhof, wo wir zu einer Stärkung ins familieneigene Hotel eingeladen wurden. Im Hotelbetrieb hilft die ganze Familie zusammen, um die bis zu 90 Gäste zu verwöhnen. Das benötigte Fleisch stammt überwiegend aus der eigenen Landwirtschaft. Nach der guten Verpflegung von Gabriels Mutter und Schwestern, machten wir uns auf in den Anbindestall, wobei die Kalbinnen und Kälber in einem Laufstall gehalten werden. Die Kälber hat Gabriel auf Trockenmilch umgestellt, um den Zeitaufwand zu reduzieren. Die Kälber entwickeln sich seiner Meinung nach dadurch besser. Kälber, die nicht zur Zucht geeignet sind, werden für den Gastbetrieb gemästet.
Neben der Milchwirtschaft werden auch junge Zuchtstiere aufgezogen, die dann in Maishofen versteigert werden. Bei dem diesjährigen Herbststiermarkt wird ein Fürst x Lenz-Sohn versteigert. Gabriel hat 2022 den Hof von seinem Vater gepachtet und besitzt 12 charaktervolle Pinzgauer-Milchkühe.
Die bewirtschaftete Eigenfläche beträgt 22 ha, wovon ein Großteil des Futters in den Hochsilos eingebracht wird.
Den Abschluss des Tages bildetet der Besuch des Betriebes von Familie Rohrmoser,Reithgut. Sie betreiben in unserer Region etwas Außergewöhnliches, eine Schafzucht mit 420 Milchschafen und 20 Zuchtwiddern der französischen Rasse Lacaune. Die ganze Nachzucht wird am Hof gemästet und dann verkauft. Der Grund wie Niklas meinte: „Man könnte zwar die Lämmer mit einer Woche an einen Mäster verkaufen, aber der Preis pro Lamm beträgt 20 € und wenn man sie selbst mästet, ist es viel rentabler!“ Im Jahr bekommt Familie Rohrmoser ca. 620 Lämmer, die alle innerhalb von ein paar Wochen geboren werden. Da man in dieser Zeit die Schafe rund um die Uhr in Beobachtung haben muss, werden Schichten eingeteilt. Dabei wird Familie Rohrmoser von zwei Praktikanten der VET Uni Wien unterstützt. Aber auch in den Sommermonaten werden sie von zwei Praktikanten unterstützt.
In dem vor ein paar Jahren neu erbauten Stall wurden anfangs 200 Schafen gehalten. Durch die steigende Anzahl wurde ein Zubau nötig und außerdem ein Zelt mit 20 x 8 m für die Lämmer aufgebaut, das gleich im Anschluss des Stalles steht.
Anfangs wurde die Milch wegen der geringen Menge nicht am Hof abgeholt und Niklas musste zweimal die Woche bis nach Mittersill fahren, wo der von Osttirol kommende Milchwagen der Erlebnissennerei Zillertal die Milch einsammelte. Seitdem die Milchmenge gestiegen ist, wird die Milch am Hof abgeholt. Gemolken wird in einem hochmodernen 24er Side by Side-Melkstand.
Da Schafe sehr anfällig für Euterentzündungen sind, wird am Anfang der Laktation dreimal täglich gemolken, um 4 Uhr morgens, mittags und um 8 Uhr abends. Dieses Management hat sich Niklas von einem befreundeten Ziegenbetrieb aus Holland abgeschaut, da auch dieser Betrieb in den ersten Jahren eine sehr viele Ausfälle durch Euterentzündungen hatte. Erfahrungsgemäß schafft es nur eines von zehn Schafen bei einer Euterentzündung zu überleben, da Schafe extrem leidensfähig sind und das Problem dadurch oft zu spät erkannt wird und zudem die Behandlungsmöglichkeiten sehr begrenzt sind.
Die 65 ha Grünflächen des Reithgutes werden jeweils zu einem Drittel einschnittig, zweischnittig und dreischnittig gemäht. Das Heu wird dank einer neuen, automatischen Heu-Belüftungsanlage gut getrocknet und dann teilweise zu Ballen gepresst und gelagert.
Nach einer Hofführung, die uns der stolze Jungbauer gab, wurden wir noch auf Kuchen und Kaffee eingeladen und durften uns nach einem sehr interessanten und informativen Tag auf die Heimreise begeben.
Danke an die Betriebe für den Einblick in ihren Alltag und der guten Verpflegung über den Tag hinweg! Viel Erfolg und Glück für die Zukunft und weiterhin viel Freude mit euren großartigen Betrieben!
Theresa Lindner









