Pinzgauer Jungzüchtertag
Das Gute liegt im Miteinander!
Dass sich Erfolgsgeschichten nur im Kollektiv schreiben, kam bei heurigen Jungzüchtertag einmal mehr zum Ausdruck. Drei Nordtiroler Züchterfamilien öffneten in gewohnt gastfreundlicher Manier und mit viel Freude Tür und Tor.
FAM. LANDMANN, STEINBERG, OBERNDORF
Der erste Treffpunkt am frühen Vormittag war am Steinberghof der Familie Landmann in Oberndorf. Formatvolle, leistungsbereite Pinzgauer x RF-Kühe erwarteten die Angekommenen und Paul Landmann zollte den vielen Besuchern Freude und Anerkennung, die sich trotz miserablen Wetters auf die Beine gemacht haben. Neben der großen Pachtfläche (7 ha Eigenfläche, 13 ha Pacht) profitiert der Steinbergbauer von der Bewirtschaftung der Alm bzw. eines angrenzenden Hofes, wo 15- 20 Kühe von Mitte Mai bis Mitte September einen langen Almsommer verbringen können.
Während im Winter großteils auf Silage gesetzt wird, erbringen die Kühe den Sommer über Alm- bzw.Heumilch für die Hofer-Marke ZZU (zurück zum Ursprung). Die tatkräftige Unterstützung der Senior-Bauersleute bzw. seiner Frau Anneliese ermöglicht Paul Landmann, seinem Teilzeitjob als Waldaufseher der Gemeinde Oberndorf nachzugehen.
Der besondere Bezug zum Rohstoff Holz zeigt sich auch am Hof der Familie Landmann, indem die Stallerweiterung 2004 gänzlich in ansprechender Holzriegelbauweise erfolgte.
Nach der informativen Vorstellung von Paul folgte Anneliese mit einer herzhaften Bewirtung - bei leckeren Cabanossis, gutem Bauernbrot und einem wärmenden Selbstgebrannten ließ es sich gemütlich ratschen und verweilen!
FAM. STEINER, MITTERACKER, KITZBÜHEL
Die Tücken eines hoch gelegenen Bauernhofes kamen bei der Anfahrt zum Mitterackerhof in Kitzbühel zum Vorschein, als sich plötzlich der Winter in seiner ganzen Form bemerkbar machte. Dicke Schneeflocken begleiteten die Besucher auf 1.165 m Seehöhe zum höchst gelegenen, bewirtschafteten Hof der Stadt Kitzbühel. Betriebsführer Gerhard Steiner erzählte von der Geschichte des Mitterackerhofes, den er 1985 komplett abgewirtschaftet und ohne Zufahrt von seinem Großonkel erbte.
1988 endlich erschlossen folgte 1992 der Stallbau bzw. die Erweiterung des Wohntraktes sowie Kultivierung und Drainagierung der Steilflächen. Dem Fleiß einer ganzen Familie ist es geschuldet, dass 2006 eine Alm in Jochberg erworben werden konnte, welche seither der Sömmerung von sämtlichem Jungvieh dient.
Das Almleben scheint der Familie besonders im Blut zu liegen, werden insgesamt drei Almen bewirtschaftet (zwei davom im Pachtverhältnis), mit dem Beigeschmack, dass die arbeitstechnische Belastung zeitweise jenseits der Verträglichkeit liegt! (Zitat von Gerhard Steiner)
Das Leben am Berg spiegelt sich am Mitterackerhof auch deutlich in der Kuhherde, welche sich im mittelrahmigen, leistungsstarken und somit wirtschaftlichen Typ präsentiert. Sämtliche Stierkälber werden zu Milchmastkälber veredelt und über den bäuerlichen Schlachtraum in Kitzbühel vermarktet.
Seit ein paar Jahren sorgt Gerhard Steiner für die Räumung und Salzstreuung des Genossenschaftsweges und sichert sich den Winter über ein kleines Zubrot.
Im Anschluss an die Betriebsvorstellung lud Familie Steiner zu einer köstlichen Gulaschsuppe, die angesichts der kalten Temperaturen dankend entgegengenommen wurde!
FAM. HOCHFILZER, GINSBERG, GOING
Die nahezu paradiesische Lage des Ginsberghofes konnte im Schneegestöber zwar nur erahnt werden, umso mehr strahlte das Inventar des 2008 erweiterten Laufstalles, das bei der interessierten Besuchermenge für größten Respekt und neidlose Anerkennung sorgte.
Nicht umsonst steht der Name Hochfilzer vielfach führend in den Siegerlisten zahlreicher nationaler und internationaler Schauen bzw. Präsentationen in der Pinzgauerzucht und trotzdem oder gerade deswegen bemüht sich die Familie um ein bescheidenes und bodenständiges Auftreten.
"Gerade wenn man älter wird, denkt man öfter an seine Vorfahren und ihnen gebührt im Wesentlichen die größte Anerkennung", sagte Matthäus Hochfilzer voller Demut in seiner Begrüßung.
"Die Tatsache, dass mein Großvater Anfang des
20. Jahrhunderts den Hof ohne Zufahrt und in einfachsten Verhältnissen gekauft hat und mein Vater sein ganzes Leben nur mit Aufbauen beschäftigt war, erscheint uns oftmals kaum vorstellbar", meinte Hois und betonte, dass das tägliche Leben und Arbeiten nur im Miteinander gelingen kann.
"Die eigenen Bedürfnisse manchmal hintanzustellen und Kompromisse einzugehen eröffnet oftmals einen Weg, der allen dient und gemeinsam kommt man einfach schneller voran", schilderte der leidenschaftliche Bauer, den das Leben keinesfalls nur geschont hat. Wie unvorbereitet schnell und brutal sich der Alltag ändern kann, wissen Lisi und Hois Hochfilzer wie kaum andere, schließlich mussten sie 1989 die Eltern bzw. Schwiegereltern nach einem schweren Verkehrsunfall gemeinsam zu Grabe tragen.
Insgesamt 30 ha Mähfläche (davon 8 ha in Pacht) bewirtschaftet die Ginsbergfamilie, die intensive Haltung der knapp 35 Pinzgauerkühe (großteils mit RF-Anteil) belegt ein Stalldurchschnitt von 8.115 kg Milch bei besten Inhaltsstoffen (4,08% Fett, 3,49% Eiweiß). Für das Züchten und Vermarkten von qualitätsvollen Rindern ist der Ginsberghof seit jeher bekannt, jährlich werden ca. 10 - 15 Kühe über die Versteigerung in Maishofen vermarktet.
Das nette Ambiente und die Herzlichkeit der Familie Hochfilzer sorgte schon im Stall für viele anregende Gespräche, die in der wohligen Atmosphäre der schön adaptierten Garage bei köstlichem Kaffee und schier endloser Kuchen-/Tortenauswahl fortgesetzt werden durften.
Und während draußen die Schneedecke Zentimeter um Zentimeter wuchs, steigerte sich im wärmenden Inneren die Gemütlichkeit und das Gefühl des Mit- und Beisammenseins!
Wir sagen einmal mehr DANKE für diese besondere Art des Willkommenseins und die liebevolle und herzliche Bewirtung, die uns gut und lange verweilen ließ - Vergelt's Gott dafür!
Danke auch an Matthäus Hochfilzer jun. für die Organisation des interessanten und geselligen Tages!
Christina Sendlhofer










