Pinzgauer-Jungzüchtertag

Ein Plädoyer für die Pinzgauerzucht und den Wert der Großfamilien! Ansturm auf drei Pinzgauer-Zuchtbetriebe im Tennengau!
Prächtiger hätte sich der letzte Oktobersonntag im Tennengau nicht zeigen können - die schönsten Farben des
Herbstes strahlten mit drei Pinzgauer-Züchterfamilien um die Wette, denen die Freude über den großen Ansturm
auf ihre Höfe wahrlich ins Gesicht geschrieben stand.
Familie Schröcker, Aubauer, Golling
Das Erfolgskonzept von Sonja und Martin Schröcker beruht auf der perfekten Zusammenarbeit aller verfügbaren Kräfte – arbeiten beide nebenberuflich und wissen als junge Eltern die tatkräftige Unterstützung der Eltern Anni und Hans mehr als nur zu schätzen.
Mit der Realisierung des Stallumbaues 2018 haben sich die Aubauersleute in Richtung Milchwirtschaft orientiert und sich mangels Alm- und Futterflächen von der Aufzucht verabschiedet. 8 ha Eigen- und 6 ha Pachtfläche dienen vorwiegend der Silageerzeugung (4-5 Schnitte), ergänzend wird Heu in minimaler Dosierung sowie im Winter auch etwas Silomais dazugefüttert. Mit den verfügbaren Kapazitäten für 35 Fressplätze und 28 Liegeboxen hat der aktuelle Kuhbestand zwar noch etwas Luft nach oben ;) – dieser repräsentiert sich allerdings schon in „21-facher Pinzgauer x RF-Bestückung“ als überaus qualitätsvoll und leistungsbereit!
Sehr positiv erzählte Martin von der Abwicklung seines Stallumbaues, welcher mit den Firmen Egger Bau und Hörmann in knapp 4-monatiger Bauzeit zur vollsten Zufriedenheit umgesetzt wurde.
„Weil ich meine Kühe beim Melken im Ganzen sehen möchte, hab‘ ich mich für einen 5er Tandem-Melkstand entschieden, den ich zudem gebraucht erwerben konnte. Überschaubar gestaltete sich auch die Finanzierung des Projektes, wurden mir von den 450.000 Euro Investitionskosten 28 % an Förderung gutgeschrieben“, stand Martin Schröcker in ehrlicher und offener Art Rede und Antwort.
Etwas hin- und hergerissen fühlt sich Schröcker in puncto Belegungen seiner Kühe – so wird mittlerweile cirka zur Hälfte mit Weißblauem Belgier besamt, die zweite Hälfte mit Pinzgauer bzw. Pinzgauer x RF, um die Genetik seiner Spitzenkühe nicht gänzlich zu verlieren.
Mit der Einladung zu einem gemütlichen „Hucka“ im Stall der Familie Schröcker begann ein Rundum-Service, der uns den ganzen Tag im Tennengau begleiten und verwöhnen sollte...
Familie Brüggler, Unterhellweng
Wurden am Augut in Golling schon 80 Personen gezählt, so wuchs die Menge am Unterhellwenghof noch um einige Gesichter an. Sehr zur Freude von Bianca und Sepp Brüggler, die in Erwartung einer großen Besucherschar mit unzähligen Biertischgarnituren und einem köstlichen Mittagsmenü perfekt gerüstet waren.
Dank seiner rhetorischen Begabung und mit sichtlichem Stolz stellte Sepp Brüggler seine Heimat – den Unterhellwenghof in St. Koloman vor, der sich auf die Pfeiler „Grünland – Alm – Forst“ stützt, trotzdem aber im Nebenerwerb geführt wird.
Bei der Hochzeit mit seiner Frau Bianca erfolgte 2002 die Hofübernahme und bald darauf startete eine intensive Bauphase, beginnend beim Haus, folgend mit dem Jungviehstall 2008, Laufstall für die Kühe 2014 und endend mit dem vorläufig letztem Projekt - einer Remise, welche den Hof seit letztem Jahr komplettiert.
Seit 1992 wird der Unterhellwenghof biologisch bewirtschaftet – zur Verfügung stehen 22 ha Grünland und 4,6 ha Pachtfläche sowie eine hofeigene Alm, die im Gesamten bestes Grundfutter für die großteils reinrassige, sehr formatstarke Kuhherde liefern.
„Ich möchte hier und jetzt ein Plädoyer für die Reinzucht abgeben, mit der wir extrem zufrieden und erfolgreich sind. Wenngleich sich auch die wenigen Pinzgauer x RF-Kühe in unserer Herde gut bewähren, so sind es im Wesentlichen die Reinrassigen, die sich für unsere Wirtschaftsweise besonders empfehlen",meinte der temperamentvolle Betriebsführer in überzeugenden Worten.
Brüggler betonte auch die breite Auswahl an verfügbaren Teststieren, mit denen er gerne experimentiert und gute Erfolge verbuchen kann.
Hochinteressant gestaltete sich am Unterhellwenghof die Besichtigung des Stalles, wo Sepp besonders großen Wert auf Arbeitsentlastung legt – als Vollbeschäftigter beim Magistrat Salzburg wollte er die körperliche Belastung seiner Frau möglichst ausschalten und hat sich mit der Entwicklung eines mobilen Futtertisches, der automatisierten Strohverteilung und manch anderen Raffinessen wesentliche Zeit- und Arbeitsersparnisse geschaffen.
Das wunderschöne Hofensemble, umrahmt von der grasenden Kuh- und Kalbinnenherde sorgte für viel Aufsehen und Bewunderung und ließ die interessierte Gruppe in alle Richtungen ausströmen, um 24 Kühe genauer unter die Lupe zu nehmen. Es dauerte nicht lange, bis Familie Brüggler zum Mittagstisch rief und den letzten schönen Oktobertag dank eines Verwöhnprogrammes zum Festtag erklärte!
Mit dem Aufruf an die Berufskollegen – das bäuerliche Selbstbewusstsein wieder verstärkt nach außen zu tragen,
„weil wir Bauern schließlich jemand sind“, bedankte sich Sepp Brüggler für die nette Gemeinschaft, wo er bisher sehr gerne Teilnehmer war und sich deshalb heuer besonders auf die Rolle des Gastgebers freute!
Familie Wallinger, Hasenpoint
Etwas abgeschieden, aber in schönster Lage im Scheffauer Wallingwinkl präsentierte sich der Hasenpointhof von Elisabeth und Johannes Wallinger aufgrund der umgestellten Winterzeit schon im Schatten. Auf 800 m Seehöhe unverkennbar als Bergbauernhof (ehemals Zone 3) gelegen, wird der 12 ha umfassende Hof (+ 3 ha Pachtflächen) ebenso im Nebenerwerb geführt. Während Johannes wöchentlich drei Tage als Schlosser arbeitet, folgt Elisabeth an zwei Tagen ihrer Beschäftigung in der Raiffeisenbank Abtenau.
2016 erfolgte auch am Hasenpointhof mithilfe eines praktikablen, großteils in Eigenregie geschaffenen Zubaus die Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung, welche neben Platz und Komfort für Kühe und Nachzucht auch die angestrebte Arbeitserleichterung brachte.
Johannes Wallinger legt in seiner Pinzgauer x RF-Herde Wert auf eine unkomplizierte Kuh, die qualitatives Bio-Grundfutter (je zur Hälfte Heu und Silage) bestmöglich verwertet und am Betrieb alt werden darf bzw. alternativ als Zuchtvieh verkauft wird.
Das familiäre Miteinander beschränkt sich am Hasenpointhof leider nur mehr auf Elisabeth und Hannes mit ihren beiden Kindern und Oma Kathi, da Altbauer Hans heuer im März nach langer Krankheit zu Grabe getragen werden musste. (In der gelungenen Reportage des Salzburger Bauern war 2018 noch die komplette Familie vertreten.)
Die überbordende Gastfreundschaft fand am Hasenpointhof bei einer gemütlichen, reich bestückten Kaffeejause ihren krönenden Abschluss und geschlossen war man der Meinung, dass der Sonntag nicht nur der Besichtigung von hochinteressanten Zuchtbetrieben galt, sondern im Wesentlichen auch der Pflege des Zwischenmenschlichen –
ein großes Vergelt’s Gott den drei Familien, die dies ermöglichten!!
Den Familien Brüggler, Schröcker und Wallinger gilt es aber nicht nur für diese Form der Gastfreundschaft und des Miteinanders zu danken - sie haben zudem verdeutlicht, was Familien im funktionierenden Verband der Generationen zu leisten vermögen. Gratulation zu diesen Lebenskonzepten, die dank der vielen Synergien zum Erfolg führen dürfen!
Christina Sendlhofer







