Pinzgauer Züchterlehrfahrt
Beeindruckendes Wochenende im Tölzer Land!
Am Rupertitag starteten 80 Pinzgauer Züchter Richtung Bayern. Ziel war das Gebiet um Bad Tölz und Garmisch-Partenkirchen, berühmt aus dem Bullen von Tölz und für den höchsten Berg Deutschlands, der Zugspitze.
Sepp Maier, langjähriger Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Miesbach, und heute begeisterter Verfolger des Zuchtgeschehens in Bayern, Tirol und Salzburg führte uns drei Tage lang durch seine Heimat.
Erste Station war der Pinzgauer Milchviehbetrieb der Familie Burger in Peretshofen.Leonhard und Maria Burger führen den Familienbetrieb seit 1990. 1994 wurde die Fleckviehherde durch Einkreuzung mit Pinzgauer Stieren umgestellt. Zur gleichen Zeit wurde auch mit der biologischen Wirtschaftsweise begonnen, der Betrieb ist seit 1999 als biologisch anerkannt.
30 Pinzgauer Milchkühe und 40 Stück Nachzucht umfasst der Tierbestand, die Kühe leisten im Durchschnitt 5.000 kg bei 3,80 % Fett und 3,30 % Eiweiß aus dem Grundfutter ohne Kraftfuttergaben. Auf dem reinen Grünlandbetrieb wird Kurzrasenweide betrieben, die Tiere sind Tag und Nacht auf der Weide. 115.000 kg Biomilch wird zu einem Preis von 40 Cent an die Biomolkerei Andechs geliefert. Die restliche Milch wird zur Aufzucht der weiblichen und männlichen Kälber verwendet. Gemolken werden die Tiere in einem Tandemmelkstand mit 4 Melkplätzen. Gefüttert wird mit einem Futterband, eingestreut mit der Streu von den eigenen Streuwiesen. Leonhard Burger ist mit seinen Pinzgauer Kühen sehr zufrieden und freute sich über den Besuch dieser großen Schar von Besuchern aus Österreich. Ein Danke für die Hofführung und die liebevolle Verpflegung mit Getränken und bayrischen Köstlichkeiten!
Nach einem ausgezeichneten Mittagessen beim Holzwirt in Ascholding mit Spezialitäten vom Pinzgauer Ochsen besichtigten wir die Bio-Metzgerei Packlhof in Eurasburg. Familie Urban betreibt mit 28 Mitarbeitern einen Zerlegungs-, Verarbeitungs- und Verpackungsbetrieb für biologische Fleischwaren.
25 Rinder, 55 Schweine und 5 Milchmastkälber werden pro Woche verarbeitet und die Waren in Läden in ganz Deutschland geliefert.
Nach einer Führung durch die hochmoderne und peinlichst saubere Anlage konnten noch biologische Spezialitäten im eigenen Laden eingekauft werden.
Nur einige Kilometer weiter liegt der Landwirtschaftsbetrieb der Familie Urban, der vom Sohn mit seiner Frau und den zwei Kindern geführt wird. Rund 75 Stück Pinzgauer Rinder zählt der Viehbestand. In zwei Gruppen werden die Tiere gehalten, 30 Mutterkühe mit dem Altstier und den kleinen Kälbern in der einen Gruppe, die Aufzuchtkalbinnen und Ochsen in der anderen. Es werden alle Tiere bis zur Schlachtung mit rund 2 ½ Jahren aufgezogen, nur zwei bis drei Kalbinnen werden für die Remontierung benötigt.
Das zweite Standbein des Betriebes bildet die Biogasanlage, die mit einem Drittel Mist und zwei Drittel Grassilage betrieben wird. 480.000 KWh Strom werden im Jahr produziert, 360.000 KWh davon zu einem Preis von 22 Cent in das Stromnetz eingespeist.
Johann Urban erzählte uns auch von der schwarzen Pinzgauer Kuh, die bei ihm das Gnadenbrot bekommt, weil sie ein halbes Jahr mit einem Gips herumgelaufen ist oder dass die Pinzgauer so schön sind, „dass es die Radlfahrer grad ned dane schmeißt.“
Unterkunft für die nächsten zwei Nächte bot uns das Hotel Hammersbach, etwas außerhalb von Garmisch-Partenkirchen direkt an der Zahnradbahn zur Zugspitze. Nach einem wunderbaren Abendessen spielten für uns zwei bayrische Musikanten bis spät in die Nacht auf.
Am Samstag war uns leider der Wettergott nicht gnädig, aufgrund des starken Regens mussten wir die Tour auf die Zugspitze streichen. Als Alternative bot sich das Freilichtmuseum Glentleiten in der Nähe an. Hier wird das Leben und Arbeiten der Bauern von früher eindrucksvoll dargestellt, im Almhüttendorf konnte auch die lokale Rinderrasse Murnau-Werdenfelser besichtigt werden.
Der Nachmittag stand zur freien Verfügung, einige bummelten durch die Altstadt von Garmisch, andere genossen das Hallenbad und den Wellnessbereich im Hotel.
Am Sonntag ging es nach Bad Tölz zum Gut Oberhof.
Franz Schmid bewirtschaftet das 60 ha große (22 ha verpachtet) Gut seit 1982. Früher wurde Kalbinnenaufzucht mit Fleckvieh betrieben, vor fünf Jahre entschied man sich für Mutterkuhhaltung mit 30 Pinzgauer Kühen. Die Kalbinnen werden aufgezogen, die männlichen Einsteller mit 9 Monaten verkauft. Die Kühe wurden alle in Österreich gekauft und so mancher Bauer konnte die Tiere aus dem eigenen Stall bewundern. Ein zweites Standbein bildet die Eierproduktion mit 1.500 Legehennen. Es wird gentechnikfrei produziert und 10.000 Eier pro Woche direkt vermarktet. Nach einer interessanten Führung durch die alten und neuen Stallungen lud uns Familie Schmid zu einer Stärkung mit ausgezeichneten Würsteln und Getränken.
In Sichtweite des Guts Oberhof befand sich unser nächster Besichtigungspunkt, die zweistöckige Basilika auf dem Tölzer Kalvarienberg. Von dort hat man einen wunderschönen Überblick über den Kurort Bad Tölz. Weiter ging es zu unserer nächsten Stärkung, beim Jägerwirt in Kirchbichl wurde noch einmal deftig gespeist, vor das Steuer wieder Richtung Heimat angesetzt wurde.
Der Züchterausflug 2010 war eine sehr informative und durchaus gemütliche Reise und ich möchte mich vor allem bei Maier Sepp für die Organisation vor Ort sehr herzlich bedanken.
Mathias Kinberger
