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Pinzgauer Züchterlehrfahrt

Wo Toni Wagner am liebsten ist - im Stall unter den Berufskollegen!
Friedrich Sobotka freute sich über das Ankommen seiner Kundschaften - neben ihm Ehefrau Brigitte (etwas versteckt), Schwiegersohn Philipp und Sohn Boris
Hier entstehen die guten Brote, Striezel und mehr...
Die ehemalige HWS-Lehrerin vom Edelhof, Hannelore Zinner erklärte die Betriebsphilosophie der WALDLAND Naturstoffe
Der frisch geerntete Schnittlauch wartet auf die Trockenkammer
Aus Überzeugung Bauer! Rührig erzählte Helga Bernold die interessante Hofgeschichte, im Hintergrund Tochter Isabella und Gatte Herbert mit Lorenz
Wohlgefühl hoch drei! Diese Pinzgauer haben ihr Paradies schon auf Erden gefunden!
Liebliche Hof- und Gartenanlagen erwarten die Besucher im Museumsdorf Niedersulz
Rosa und Anton Wagner freuten sich über den Besuch aus dem Westen!
Bock Leopold genießt das Dasein unter den braunen Artgenossen am Groß-Wim-Hof!
Jungbauer Markus widmet sich der Braunvieh-Stiermast
Ganz oben am Sonntagberg trohnt die Wallfahrtsbasilika
Herrliche Aussicht auf die sanfte Landschaft Niederösterreichs
Natürlich muss die Lehrfahrt im Pinzgauer-Stall enden! Kurzbesuch beim Exeihof von Anneliese und Hans Gimpl in Mondsee

Im "Vier-Viertel-Takt" durch den Osten Österreichs!

Vom oberösterreichischen Traunviertel ins niederösterreichische Waldviertel, weiter ins Weinviertel und schlussendlich noch das Mostviertel - so lautete der Fahrplan einer überaus interessanten und landschaftlich reizvollen Lehrfahrt der Pinzgauer Rinderzüchter.

Die erste Station war der "Lehnerhof" in Seewalchen/Attergau, der vielen Menschen aus dem Bezirk Zell am See bekannt ist. Schließlich lebt und arbeitet hier Fam. Sobotka, die seit vielen Jahren viele treue Kundschaften mit Eiern, Brot und Nudeln beliefert. Der Lehnerhof, einst ein abbruchreifer Bauernhof mit 16 Joch Grund wurde 1967 von Brigitte und Friedrich gekauft und entwickelte sich in 36 Jahren zu einem kleinem "Familien-Imperium". Was die Senior-Chefleute mit enormen Fleiß und Weitblick begannen, setzen die Kinder in beeindruckender Art und Weise vor. Friedrich Sobotka betonte die Wichtigkeit der verschiedenen Verantwortungsbereiche, so ist Sohn Boris für die gesamte Technik zuständig, während sich Tochter Natascha um die Backstube kümmert und Schwiegersohn Philipp für die Landwirtschaft seine Verantwortung trägt. Mittlerweile ist der Betrieb auf 60 ha Eigen- bzw. 50 ha Pachtgrund gewachsen und darüber hinaus werden noch ca. 100 ha auf Maschinenring-Basis bewirtschaftet.
Ziel ist es, das Futter für 9.900 Hühner sowie 20 Pferde selber zu erzeugen bzw. überschüssige Futtermittel zu verkaufen.
Das stete Wachsen des Unternehmens sichert zur Zeit das Einkommen von 10 Familienmitglieder und einiger Fremdarbeitskräfte. Besonderer Wert wird auf ein gutes Betriebsklima gelegt, das zweifellos die Basis für den Firmenerfolg bildet.

Nach einer guten Kaffeejause mit selbstgebackenem Broten und Strudel und köstlichen Aufstrichen ging die Fahrt weiter Richtung Freistadt ins Waldviertel, genauer gesagt nach Friedersbach, wo die WALDLAND Naturstoffe GmbH beheimatet ist.
1989 wurde mit viel Weitblick eine Genossenschaft gegründet, wo heute 800 Landwirte hochwertigste pflanzliche Rohstoffe zur Weiterverarbeitung- bzw. -veredelung liefern. Unter anderem wird auf den Waldland-Flächen 50 ha Schnittlauch angebaut, welcher 5-7 mal geerntet, geschnitten, getrocknet und anschließend nach Qualität sortiert wird, um anschließend in die Lebensmittelindustrie verkauft zu werden. Das höchst professionelle Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, fast verschwundene Sorten wie alle Arten von Mohn, die Mariendistel und v.a. wieder in ihrem Ursprungsgebiet anzusiedeln und sämtliche Ressourcen auszuschöpfen. Das jüngste Projekt nennt sich "Aquakultur" - eine Versuchsanlage, wo mit einer Wels-Zucht die heimische Fischproduktion gesteigert werden sollte.

Nach einer informativen Führung und dem Besuch in den ansprechenden Verkaufsräumen, hieß es Steuer auf Stockerau zu nehmen, wo unser Quartier für zwei Nächte aufgeschlagen wurde.

Ganz im Zeichen des Weinviertels stand der nächste Tag - beginnend mit dem Besuch von Helga und Herbert Bernold in Stronsdorf, welche sich mit ihrem Pinzgauer-Zuchtbetrieb einen Traum erfüllten.
Die ehemaligen EDV- bzw. Energietechniker stellten 2005 die Weichen für die Selbstständigkeit in der Landwirtschaft, indem sie den Plan für ihren Stall entwarfen und sich bei der Wahl der Rinderrasse für die Pinzgauer entschieden.
2006 durften die ersten neun Pinzgauer-Kühe einen Stall beziehen, der ungewöhnlich viel an Luft, Licht und Platz bietet und dadurch enorme Lebensqualität garantiert. Mit dem Beginn der Rinderzucht wurden die landwirtschaftlichen Nutzflächen auf 93 ha (75 ha eigen, Rest auf Pacht) erweitert und zeitgleich die erlernten Berufe an den Nagel gehängt. Mittlerweile ist die Herde auf 36 Pinzgauer Mutterkühe samt Zuchtstier und vielen Jungtieren angewachsen und Helga wagt sich neuerdings auch an verschiedenste Versuchskreuzungen, um markttechnisch optimal gerüstet zu sein.
"Damit keiner dem anderen zu viel dreinredet", verwies auch hier das Paar auf die Wichtigkeit der verschiedenen Aufgaben- und Verantwortungsbereiche. So ist Helga für die Viehzucht zuständig und Herbert kümmert sich um den umfassenden Ackerbau.
"Alle Futtermittel müssen hofeigen sein", erklärte Herbert seine Philosophie rund um die Demeter-Wirtschaftsweise, wo die Böden pfluglos bearbeitet werden. Die Grubberscharre gewährt eine minimale Bodenbearbeitung und aufgrund einer Fruchtfolge von 5-6 Jahren gedeihen Kleegrasmischungen, Luzerne, Weizen, Mais, Soja, Grünschüttroggen, Ackerbohne... hervorragend. Was die Rinder nicht verwerten können, wird fast ausschließlich an Demeter-Betriebe in Deutschland exportiert. 
Welche Fähigkeiten sich Menschen aus ursprünglich völlig fremden Berufen aneignen können, wird am Hof von Helga und Herbert Bernold deutlich - so erhielt ihr Stallneu- bzw. umbau 2012 den ÖKL-Baupreis für Landtechnik und -entwicklung. 
Dass dieser Preis völlig verdient und begründet ist, zeigt sich in der Vitalität und Qualität ihrer Tiere - leben von den neun erstgekauften Kühe immerhin noch sechs in bester Gesundheit am Hof

Bei einem netten Plausch unter Gleichgesinnten wurde mit den Betriebsführern noch fleißig diskutiert, ehe es hieß, aufzubrechen in das unweit entfernte Niedersulz. Hier war das Ziel ein ländliches Museumsdorf, wo 1979 mit dem Spatenstich die Rettung für viele dem Verfall preisgegebenen Gebäuden erfolgte.
Mehr als 80 verschiedenste Hofanlagen, Weinkeller, Kapellen, etc.. wurden liebevollst in die schöne Hügellandschaft integriert und dienen schönen Ausstellungen und beliebten Handwerksvorführungen.
Nach einer angenehmen Mittagsstunde und einer Führung durchs Museumsgelände führte der Weg wieder retour nach Stockerau, wo am Ende eines interessanten Tages ein gemütlicher Heurigen am Programm stand. Neben einer guten kulinarischen Verpflegung in einem ehemaligen, urigen Weinkeller war vor allem die Unterhaltung eine unvergessliche - wohl viele spürten am nächsten Tag noch ihre Bauchmuskeln, welche der begnadete Unterhaltungskünstler "Hermann" zu fordern wusste....

Mit einem sehr beeindruckenden Besuch endete das landwirtschaftliche Programm unserer diesjährigen Reise - nämlich einem Abstecher am Groß-Wimhof in Sonntagberg, die Heimat von ZAR-Obmann Anton Wagner. Obwohl es seine Termine eigentlich nicht zugelassen hätten, nahm sich Anton Wagner persönlich Zeit, um mit seinen Berufskollegen und Freunden (wie er sie nennt) Meinungen und Gedanken auszutauschen. Sichtliche Freude stand Toni Wagner im Gesicht, als er die Gruppe begrüßte und die Geschichte seines Hofes erzählte. Immer wieder betonte er, dass die enorme Entwicklung nur möglich war, weil die Familie stets zusammengeholfen und gemeinsam am Gedeihen des Betriebes gearbeitet hat. 1971 heiratete Wagner auf den Betrieb seiner Frau Rosa ein und wandelte den anfangs aus
7 Braunviehkühen bestehenden extensiven "Mischbetrieb" in einen Milch- und Zuchtbetrieb um. Mittlerweile bewirtschaftet die Großfamilie 60 ha (inkl 42 ha Pachtgrund) mit ca. 90 Kühen (600.000 kg Quote, Stalldurchschnitt 9.553 kg-4,07%-F-3,65%Ew). 2012 erfolgte der Neubau eines Maststalles durch Schwiegersohn Markus, der sich auf die Braunviehstiermast spezialisiert und damit ein eigenes Betätigungsfeld geschaffen hat.
Völlig ungeschönt und bestimmt sprach Anton Wagner von einem Betriebskonzept, das absolut nicht überall anwendbar bzw. sinnvoll ist.
"Das ständige Wachsen ist eine tägliche Herausforderung, die einer enormen Kontrolle und Wachsamkeit bedarf", so der ZAR-Obmann. Die Zukunft der Österreichischen Landwirtschaft sieht Wagner einzig in funktionierenden bäuerlichen Familien, die mit gesundem Verstand und Leidenschaft für ihren Beruf einstehen.
Die Leidenschaft des Bauer-Seins kam am Groß-Wimhof sehr eindeutig zum Ausdruck - beim Gang durch die Stallanlagen imponierte eine exzellente Braunvieh-Herde und ein Bauer, der trotz seiner extrem fordernden Tätigkeiten im In- und Ausland (Wagner kam in der Nacht aus Rumänien) noch mit beiden Beinen ein Landwirt geblieben ist.

Dafür gilt unsere ganze Bewunderung und Wertschätzung - das Ausmaß und den Wert des täglichen Einsatzes, welchen Toni Wagner für Österreichs Züchterschaft leistet ist schier unglaublich und wird vermutlich erst nach dem Abtreten dieses einzigartigen Standesvertreters zu erahnen sein!

Mit dem abschließenden Mittagessen am Sonntagberg und dem Besuch in der wunderschönen Wallfahrtsbasilika endete ein herrlicher Ausflug nach Niederösterreich, das mit höchst interessanten Betriebskonzepten, reizvollen Landschaften und sympathischen Menschen gespickt war.

Bei einer gemütlichen Kaffeepause in Mondsee hieß es wieder Abschiednehmen von einer Truppe, die drei Tage in netter Gemeinschaft verweilte und die schönen und interessanten Stunden im Osten Österreichs genoss!

Abschließend gilt es von Herzen zu danken - all jenen, die uns mit viel Herzlichkeit aufgenommen haben uns uns ein Stück ihrer Heimat vermittelt haben - eine Heimat, die aufgrund des Mit- und Füreinanders zu einem ganz besonderen Fleckchen Erde geworden ist! Wir wünschen all den Menschen, die wir besuchen und kennenlernen durften, von Herzen alles Gute, viel Gesundheit und den nötigen Segen, um den täglichen Herausforderungen gewachsen zu sein!

Ein ganz herzliches Danke gebührt an dieser Stelle Richard Pichler, der mit seinen organisatorischen Fähigkeiten dafür gesorgt hat, dass wir eine herrliche Unterkunft hatten und derart interessante Plätze wie Waldland usw. kennenlernen durften - Vergelt's Gott dafür!

Christina Sendlhofer

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