Pinzgauer Züchterlehrfahrt


Die Freude am Tun - der Schlüssel zum Erfolg! Pinzgauer Züchterreise beeindruckte in allen Facetten!
Knapp 60 interessierte TeilnehmerInnen folgten der diesjährigen Pinzgauer Züchterlehrfahrt nach Oberösterreich bzw. in die angrenzende Steiermark und erlebten schier unbeschreibliche Tage dank einer landschaftlich schönen Gegend und unglaublich spannenden Betriebsphilosophien von vier Pinzgauer Zuchtbetrieben.
Abgerundet wurden die fachlichen Inputs durch ein beschauliches Kulturprogramm im Stift Schlierbach und dem Besuch in Pürgg - einer unbedingt sehenswerten Gemeinde im steirischen Ennstal.
STIFT SCHLIERBACH
Das Zisterzienserkloster, das eine 1000jährige Geschichte vorzuweisen hat, beherbergt neben einer prunkvollen Stiftskirche und der sehenswerten Bibliothek auch Österreichs erste Bio-Schaukäserei, welche für ihre geschmackvollen Weichkäse-Sorten international bekannt ist. Beeindruckende Handwerkskunst ist in der Glaswerkstätte zu sehen, wo hochwertigstes Glas zu schönstem Kunstwerk verarbeitet wird.
PRENTNERGUT - Johannes und Michaela Pernkopf, Hinterstoder
Den Reigen der vier Pinzgauer-Zuchtbetriebe eröffneten Michaela und Johannes Pernkopf, Prentner in Hinterstoder, das allein aufgrund der schönen Lage im Stodertal einen Ausflug wert ist. Geborgen von einer wundervollen Bergkulisse liegt der Bauernhof, der sich als Gastbetrieb für Urlaub am Bauernhof zu einem Vorzeigebetrieb entwickelt alt und dank der guten Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt sehr erfolgreich geführt werden kann.
Michaelas und Johannes Philosophie liegt im Stehen auf mehreren Standbeinen, so gehen beide neben den täglichen Herausforderungen am Hof noch einer stundenweisen Arbeit als Techniker bei der Nahwärme im Dorf bzw. als Lehrerin in der LFS Altmünster nach. Wobei hier nicht unbedingt das Geldverdienen an erster Stelle steht, sondern die Erweiterung des Horizonts und das Wechseln der Perspektiven entscheidend sind.
Am Prentnergut dominierte einst Braunvieh, das aufgrund der extensiveren und biologischen Haltung später durch Fleckvieh ersetzt wurde und nach dem Einzug von Michaela, einer gebürtigen Tirolerin, ab 2007 mit Pinzgauer Kühen ergänzt wurde. Am 40 ha umfassenden, schönst gepflegten Betrieb (davon 17 ha Grünland) werden momentan 12 Milchkühe (7 Pinzgauer, 5 Fleckvieh) gehalten, die sich in Kombination mit dem Tourismus bestens bewähren und unter anderem qualitätsvolle Grundlage für die hofeigenen Produkte bieten.
Die funktionierende Zusammenarbeit unter den Berufskollegen steht bei Hannes Pernkopf an oberster Stelle, so wird nicht nur das Einzäunen der Gemeinschaftsweide, sondern oftmals auch das Futtereinbringen gemeinsam erledigt, weil bekanntlich viele Hände einfach mehr schaffen und die Lebensqualität unbestritten eine bessere ist!
HERMANN SCHÖRKHUBER, Jagerbauer in Laussa
Am Plattenberg von Laussa präsentiert sich mit dem Hof von Hermann Schörkhuber ein unbedingt sehenswerter Pinzgauer-Zuchtbetrieb, der seit 2010 mit großer Überzeugung knapp 30 Pinzgauer-Milchkühe hält. Der BIO-Betrieb setzt auf die Versorgung seiner Rinder mit bestem Grundfutter aus Kurzrasenweide und Silage, entsprechend präsentieren sich die Kühe in sehr guter Kondition und erbringen eine durchschnittliche Milchleistung von ca. 5.000 kg Milch, welche an die Käserei nach Schlierbach abgeliefert wird.
Die begünstigte Lage des Sonnenhanges auf 750 m Seehöhe nutzt Hermann Schörkhuber nicht nur für die Land- sondern auch für die Obst- und Gartenwirtschaft, die er mehr oder weniger hobbymäßig und mit größter Liebe und Leidenschaft betreibt. Der ausgeklügelte Landwirt installierte für die optimale Aufzucht im Glashaus eine eigene Solarheizung, die bei Kälte und Schlechtwetter zudem mit einem Holzofen geheizt werden kann. Hermanns Fürsorge spiegelt sich neben dem Rinderstall vor allem im Garten, so finden sich im Paradies des Jagabauern mehr als 1.000 Tomatenpflänzchen aller Art, vielerlei Gemüse und allmögliche Obstbäumen, unzählige Vögel-Nistkästen, Weinranken und vieles andere mehr, was das Auge auf die Schnelle gar nicht ausmachen kann. Die ausgefallenen Tomaten-, Trauben- und Zwetschkensorten in höchster biologischer Qualität sind allerdings auch bei den Konsumenten begehrt und finden beim Nahversorger in Laussa zunehmend begeisterte Abnehmer.
Die Bearbeitung seiner Flächen (20 ha Grünland, 10 ha Wald) überlässt Schörkhuber dem Maschinenring, entsprechend gering ist der maschinelle Aufwand am Hof.
Die einzige „maschinelle Leidenschaft" gehört seinem Motorrad, das vor kurzem wieder mit dem Nummernschild versehen wurde, bereit für die erste Ausfahrt nach dem Winter.
„Nach dem Melken auf die Maschine und dann hunderte Kilometer quer durch Österreich und bis zum Abend wieder nach Hause sind mein Urlaub", meinte ein strahlender und zufriedener Mensch, der klar vermittelte, dass es nicht darauf ankommt, was man macht, sondern einzig die Freude zum Tun bestimmend und erfüllend ist!
Sehr berührend schilderte der 55-jährige Landwirt seine Sicht auf die Zukunft seines Hofes, auf dem er kinderlos lebt – „Ich habe noch große Freude und mache jetzt so weiter, bis vielleicht eines Tages eine Familie kommt, die Freude an meinem Hof hat. Ich mache mir diesbezüglich keine Sorgen, weil ich das Gefühl habe, dass es gut wird." – Hermann Schörkhuber scheint etwas besitzen zu dürfen, was wohl nur die wenigsten Menschen zu spüren vermögen – nämlich ein unendliches Maß an URVERTRAUEN, das man nicht nur in seinen Worten erfährt, sondern vor allem in seinem Tun!
LOSBICHLHOF - Johannes und Kathrin Schörkhuber, Laussa
Für Auge und Geist kaum zu erfassen waren die Eindrücke am Bio-Losbichlhof. Was Kathrin und Johannes seit ihrer Hofübernahme 2008 geschaffen haben, ist mit Worten nicht wirklich zu beschreiben. Der ursprüngliche Mutterkuhbetrieb (Blonde d’Aquitaine) wurde innerhalb des letzten halben Jahres zu einer 30köpfigen Pinzgauer-Milchviehherde umgewandelt, nebenbei werden Schafe, Schweine, Hühner, Wild-Masthendln, Forellen, Saiblinge, Puten, Gänse… gehalten und vermarktet. Grundlage für den Turbo-Unternehmer, der seine erfolgreiche Alu-Schalungs-Firma nach 20 Jahren aufgegeben hat, bietet seine 50 ha große Landwirtschaft, wo er inmitten der Umsetzung von großen Visionen und Ideen ist. Die Motivation für die enormen Veränderungen am Betrieb liegt einerseits vielleicht am fast unheimlich wirkenden Temperament des Ehepaares, im Wesentlichen aber wahrscheinlich in der Überzeugung und Verantwortung an der biologischen Bearbeitung seines Bauernhofes.
„Unser tägliches Leben und Arbeiten bestand nur mehr aus Zahlen und das zu ändern war unser Auftrag. Wir arbeiten deshalb nicht weniger und kürzer, aber wir tun es mit Freude und das gibt uns Recht", meinte der vierfacher Familienvater Johannes Schörkhuber in seiner Vorstellung. Die Führung durch den Betrieb forderte den Besuchern zugegebenermaßen eine geistige Höchstleistung ab – beginnend bei der Adaptierung von Mutterkuh- auf Milchviehstall, dem kaum überschaubaren Fuhr- und Maschinenpark und sonstiger Technik, allen Behausungen für zwei- und vierbeinigen Lebewesen sowie Fischen, dem in Kürze eröffnenden Hofladen, den ehemaligen Lagerhallen, die zu Schlacht- und Kühl- und Verarbeitungsräume adaptiert wurden, etc….
Entlastung bzw. Stärkung für die geistigen Herausforderungen bot die kulinarische Meisterleistung von Familie und Freunden – so wurde mittags ein erstklassiges Spanferkel mit feinsten Knödelvariationen aufgetischt und nach einer gemütlichen Kaffeejause mit selbstgemachten Mehlspeisen luden Kathrin und Johannes noch in ihren urigen Weinkeller zum Abschluss eines unvergesslichen und mit Eindrücken vollgestopften Tages!
PÜRGG
Nicht zu Unrecht bezeichnete der bekannte Heimatdichter Peter Rosegger die Gemeinde Pürgg als das „Kripperl der Steiermark", das hoch über Trautenfels liegt und in seiner Ursprünglichkeit bewahrt und beschützt wird. Das Feingefühl der Menschen in einstigen Zeiten wird einem beim Besuch der Johanneskapelle vermittelt, ist der Boden auf dem die Kirche steht, als Kraftplatz förmlich zu spüren. Die Johanneskapelle mit ihren wertvollen Fresken aus dem 12. Jahrhundert erfährt derzeit eine Restauration und steht ab 2017 wieder als begehrte Hochzeits- und Taufkapelle zur Verfügung. Neben der Kapelle ist auch die Pfarrkirche ein wahres Schmuckstück, stammt es im Eigentlichen ebenso aus der Romanik und wurde in der Gotik um den Altarraum erweitert. Neben den kirchlichen Gebäuden locken auch die weltlichen, die sich liebevollst erhalten und gepflegt zeigen und einen Besuch im versteckten 900-Seelen-Örtchen unbedingt empfehlen!
WINDBACHERHOF - Herwig und Gisela Hutegger, Obertal/Schladming
Ein krönender Abschluss bot sich am Windbacherhof der Familie Hutegger in Obertal, welcher 1928 vom Großvater erworben wurde. Auch hier kam eindeutig zum Vorschein, was fleißige, intelligente Menschen zu schaffen imstande sind. 1995 übernahmen Herwig und Gisela den Hof, der 15 ha Grünland und 30 ha Wald umfasst und begannen kurzerhand mit der Sanierung des Hauses, das im Winter als Jausenstation ein gutes Standbein bildet. Im Zuge der Umstellung auf Mutterkuhhaltung wurde 2005 der Stall neu gebaut, 2006 bot sich die Möglichkeit, eine Alm zu kaufen, welche mittels Wegerschließung auf schnellem Wege revitalisiert wurde und seitdem eine ideale Sömmerung für die Pinzgauer Mutterkuhherde bietet. Nach dem Brand der Heizanlage im Jahr 2011 verwirklichte der geniale Holzwurm Herwig ein wunderschönes Gebäude mit Schlacht- und Wirtschaftsräumen, einer tollen Werkstatt und einer Hackschnitzel-Heizanlage. Um energietechnisch möglichst unabhängig zu sein, schuf sich Fam. Hutegger ein eigenes E-Werk und speist damit große Pufferspeicher.
Gemeinsam mit zwei Züchter- bzw. Zunftkollegen erledigt Herwig verschiedenste Holzbauaufträge – von der Aufstellung bis zur Einrichtung und Ausfertigung kleiner Holzhäuser bietet das Trio schönste Meisterkunst. Das Schmuckkästchen, welches sich Fam. Hutegger geschaffen hat, bietet auch den Gästen Wohlgefühl, welche einerseits die Appartements und Gästezimmer bewohnen und anderseits in den Wintermonaten die Jausenstation als begehrte Einkehr nutzen.
Nach einer abschließenden, überaus gemütlichen Kaffeepause am Windbacherhof wurden die Teilnehmer, mit unzähligen Eindrücken gespeist, wieder nach Hause entlassen – was bleibt sind unvergessliche Momente eines Wochenendes, das nicht nur mit beeindruckenden Erlebnissen, sondern auch mit dem schönen Gefühl einer wunderbaren Gemeinschaft innerhalb der „Pinzgauer-Familie" gefüllt war!
Dafür gilt es, von ganzem Herzen zu danken – allen vier Züchterfamilien, die mit ungeahnter Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit ihre Türen und Tore geöffnet haben und mit sehr viel Offenheit und Freude ihre Art von Leben und Arbeit geschildert haben – ein riesiges DANKE euch allen!
Danke aber auch der netten Reisegesellschaft, die einmal mehr vermittelt hat, dass gemeinsam verbrachte Zeit einen Mehrwert hat – weil wir einander benötigen und das Leben neben dem täglichen Arbeiten und Sorgen auch gefeiert werden darf!
Christina Sendlhofer











