Pinzgauer-Züchterlehrfahrt Ost- und Südtirol!

Innovation in Kombination mit Tradition und Fleiß zeigt sich als Garant für erfolgreiche Betriebskonzepte. Viele positive Eindrücke, nette Gespräche, ein geselliger Abend und die ein oder andere neue Idee konnte von dieser Reise mitgenommen werden!
Anlässlich der Jubiläumsschau „70 Jahre Pinzgauer Zucht in Südtirol“ führte uns die diesjährige Pinzgauer-Züchterlehrfahrt über Osttirol nach Südtirol!
Den ersten Programmpunkt bildete die Naturbrennerei Kuenz in Dölsach,Osttirol. In routinierter Weise stellte uns Jungbäuerin und Marketingchefin Johanna Kuenz den vielseitigen Betrieb vor, der nur mithilfe der ganzen Familie dieses Pensum an Arbeit und Ideen bewältigen kann. Mit den beiden Brüdern Johannes und Florian und deren Familien führt bereits die 12. Generation den 400 Jahre alten Erbhof. Am Kuenzhof werden auf 12 Hektar vorwiegend Äpfel, Birnen und Zwetschken angebaut. Ein Teil der Flächen dient als Ackerfläche, wo Gerste für die Whiskyerzeugung produziert wird. Etwa 85 Prozent der benötigten Rohstoffe für die Verarbeitung stammt aus dem eigenen Anbau. Vermarktet wird das Obst als Tafelobst oder als verarbeitetes Produkt, die Absatzwege erfolgen Ab-Hof, in Supermärkten, Gastronomie oder in Schulen.
Der überwiegende Teil des Obstes wird zu Edelbränden, Likören und Säften verarbeitet. Für die Herstellung der unvergleichlichen Edelbrände ist seit 30 Jahren Altbäuerin Martina zuständig. Mittlerweile brennt auch die junge Generation die Edelbrände, bei Unsicherheiten sind aber die Erfahrung und Tipps von Martina unerlässlich. Über 40 verschiedene Edelbrand- und Likörspezialitäten, darunter auch der für die Region typische Osttiroler „Pregler“, werden von der Naturbrennerei Kuenz mit hoher Präzision erzeugt. Die Sortimentspalette wird laufend um neue Kreationen und Rezepturen der „Jungen“ erweitert. Seit 2014 wird von Familie Kuenz auch Whisky und Gin erfolgreich hergestellt. Whisky muss mindestens drei Jahre in Eichenfässern reifen, daher wurde der alte Rinderstall stilvoll als Whiskylager umgebaut. Das Gebäude mit den dicken Steinmauern eignet sich aufgrund der konstanten Temperaturen bestens für diesen Zweck. Zahlreiche Auszeichnungen und Prämierungen für die hochwerten Edelbrände, Whisky- und Ginprodukte zeugen von der hohen Qualität, die hier im Lienzer Talboden produziert wird. Die Grundvoraussetzung für die ausgezeichnete Qualität der Destillate beginnt schon mit der Qualität der Rohstoffe.
Nach einem informativen Rundgang, der vom Obstgarten über die Brennerei in das Whiskylager führte, konnte der Betriebsbesuch bei einer regionalen Osttiroler Jause und einer Verkostung der hochwertigen Edelbrände in sehr angenehmer Atmosphäre abgerundet werden!
Die Züchterreise führte uns weiter ins untere Pustertal in Südtirol, besichtigt wurde der Gatscherhof von Josef Innerhofer in Kiens.
In einer sehr sympathischen und ehrlichen Betriebsvorstellung gewährte uns Josef Innerhofer Einblick in die Entwicklung seines Betriebes, die getätigten Investitionen, seine Weidestrategie und die Milchverarbeitung.
Die Lage des Gatscherhofes beschreibt der Betriebsführer als sehr klimabegünstigte Gunstlage.
15 Hektar Mähfläche stehen dem Nebenerwerbsbetrieb zur Verfügung, davon ist ein Teil der Fläche gepachtet. Josef Innerhofer hat sich vor 15 Jahren seinen Wunsch einer gänzlichen Direktvermarktung der Milch realisiert. Das Wissen über die Milchverarbeitung hat sich Josef über Kurse angeeignet, experimentiert wurde zu Beginn in der Küche. Die Vermarktung und der Absatz der Milchprodukte haben von Beginn an gut funktioniert. Die ersten Jahre der Milchverarbeitung beschreibt Josef als Lehrjahre, in denen man im Ablauf, der Herstellung und der Einteilung täglich dazulernte. 2010 bis 2013 erfolgte dann ein gut durchdachter Stallneu- bzw. –umbau und die Errichtung eines Milchverarbeitungsraumes, eines Käsekellers und eines Hofladens. Investiert wurde 2010 bei der Neuerrichtung auch in eine Photovoltaik-Anlage und in eine Heubelüftung mit Dachabsaugung.
Am konventionellen Heubetrieb wird gänzliches Futter der dreimähdigen Flächen belüftet.
18 Milchkühe der Rassen Braunvieh und Fleckvieh plus Nachzucht werden beim Gatscherhof in einem sehr hellen und luftigen Liegeboxenlaufstall gehalten. Aufgrund der Zeit- und Kostenersparnis setzt Josef Innerhofer seit fünf Jahren auf Kurzrasenweide. In einer detaillierten Erklärung berichtet Josef über seine Erfahrungen mit der intensiven Kurzrasenweide und deren Bewirtschaftungsaufwand. Etwa vier Hektar arrondierte Fläche stehen den Milchkühen als Weide zur Verfügung. Mittlerweile hat sich der Pflanzenbestand an die hohe Nutzungsintensität angepasst, eine regelmäßige Übersaat mit einer speziellen Weidemischung fördert die Anpassung des Pflanzenbestandes. Eine Heuzufütterung im Stall erfolgt den ganzen Sommer über, die Kühe können jederzeit in das Stallgebäude und nutzen diese Option vor allem über die Mittagszeit. Ergänzungskraftfutter erhalten die Kühe mittels Transponder in der Kraftfutterstation. Im Durchschnitt liegt die Jahresmilchleistung bei 7000 kg. Die Abkalbungen erfolgen das ganze Jahr verteilt, da aufgrund der Direktvermarktung eine relativ stabile Milchmenge nötig ist. Gemolken werden die Kühe im einseitigen 5er Fischgräten-Melkstand mit Milchabnahmeautomatik. Die Milch kommt direkt vom Melkstand in den Milchverarbeitungsraum. Rohmilch bester Qualität wird dort zu neun verschiedenen Schnitt- und Bergkäsesorten, Weichkäse, Frischkäse, Graukäse und Butter verarbeitet. Für die Milchverarbeitung ist eine Fremdarbeitskraft angestellt, die einen Teil der Produktion übernimmt.
Nach einer Stärkung mit den köstlichen Käsespezialitäten und netten Gesprächen führte uns die Reise weiter nach Bruneck ins Quartier. In Bruneck wurde die Zeit für einen Stadtspaziergang und eine Kaffeepause genutzt. Am Abend erwartete die Gruppe neben einem gemütlichen Beisammensein auch beste Unterhaltung mit den „Pfannenflickern“ aus dem Sarntal.
Am zweiten Tag wurde die Latschenölbrennerei „Bergila“ in Issing/ Pfalzen besichtigt. In vierter Generation stellt das Familienunternehmen von Familie Niederkofler ätherische Öle und verschiedenste Kräuterprodukte in Bio-Qualität her. Neben einer sehr lehrreichen Führung durch die Anlagen und einen Blick in den Kräutergarten wurden die besonderen Eigenschaften und das Einsatzgebiet einzelner Kräuter erläutert. In einem schönen Verkaufsladen bestand die Möglichkeit die erzeugten Produkte direkt zu erwerben.
Der Nachmittag stand im Zeichen der Pinzgauer Zucht – die Jubiläumsschau "70 Jahre Pinzgauer Zucht in Südtirol“ wurde genauestens verfolgt!
Ein herzliches Dankeschön an die besuchten Familien, die uns einen Einblick in ihre Betriebe erlaubt haben und vor allem für deren Gastfreundschaft! Danke auch an alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen für die netten Gespräche! Gratulation auch an die Pinzgauer Züchterkollegen in Südtirol zu einer gelungenen Schau!
Marlene Berger





