Pinzgauer-Züchterreise nach Bayern
Wo ein Wille, da ein Weg! Beeindruckende Betriebskonzepte, die begeistern und mit Qualität überzeugen!!
Dass ein erfolgreiches Unternehmertum meist auf große Visionen und überdurchschnittlichem Ehrgeiz und Einsatz aufgebaut ist, wissen all jene, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, nur allzu gut.
Welch' außergewöhnliche Mühen und Hindernisse Menschen zu tragen und überwinden bereit sind, um ihren Lebenstraum zu realisieren, wurde bei der diesjährigen Züchterreise nach Bayern eindrucksvoll unter Beweis gestellt!
Besamungsstation Greifenberg
Als ersten Visionär des Tages könnte man Helmut Goßner, GF des Weilheimer Zuchtverbandes sowie der Besamungsstation Greifenberg, zweifellos bezeichnen. Er war es schließlich, der 2017 mit dem Ankauf von zwei Pinzgauer-Stieren anlässlich des Herbststiermarktes für große Schlagzeilen sorgte, als in Deutschlands dienstältester Besamungsstation (seit 1948) plötzlich auch Pinzgauer-Genetik einzog.
Mit sichtlichem Stolz und entsprechender Freude stellte Goßner der interessierten Pinzgauer-Züchterschaft sein hochkarätiges „Bulleninventar“ vor und beeindruckte mit den Zahlen des weltweiten Spermavertriebes aus Greifenberg.
Mit einer imposanten Stierparade der acht stationierten Pinzgauerstiere REKORD, MOCK, FENDRICH, RAUSCH, GRAL, FABIUS, GRAPHIT und GERMANUS brachte Geschäftsleiter Goßner ohne jeden Zweifel zum Ausdruck, warum er nicht von Pinzgauern, sondern stets von „Premium-Pinzgauern“ spricht – weil es der Anspruch seiner Station ist, die nicht von ungefähr zu den innovativsten ihrer Art zählt!
Pinzgauerbetrieb Martin Stangl, Eching/Ammersee
„Den Entschluss, Fleisch für den Eigenbedarf fortan nur mehr selber zu erzeugen, hat meine damalige Tätigkeit als Tiertransporteur ausgelöst, als ich beschloss, unter jenen Umständen, wie Fleisch "auf normalem Weg" erzeugt wird, es künftig nicht mehr zu essen. Schnell beantwortet war dabei die Frage nach der Rasse, die die Basis für meine künftige Rindfleischproduktion bilden sollte – faszinierte mich die Umgänglichkeit und Ruhe der Pinzgauer beim Verladen und Transportieren jedes Mal aufs Neue und somit war die Sache schon eine beschlossene“, mit diesen Worten eröffnete Martin Stangl die Vorstellung seines Betriebes, der mit viel Leidenschaft und Herzblut geführt wird.
Was vor zehn Jahren mit dem Kauf von zwei Pinzgauer-Kälbern in Maishofen begann, hat sich zu einer schönen, mittlerweile recht bunten Herde entwickelt. Bunt deshalb, weil Stangls qualitätsvolle Pinzgauerkühe sich auch im Dienst als Ammenkuh für zugekaufte Kreuzungskälbern nützlich erweisen und neben schwarzen und roten Pinzgauern auch Pustertaler Sprinzen sowie neuerdings sogar eine "Schweizer Blüem" ihren verdienten Platz einnehmen!
Während das Jungvieh und die Trächtigen bereits ihre feste Unterkunft haben, dient den Mutterkühen samt Zuchtstier eine einfache, zweckmäßige Zelt-Behausung, die voraussichtlich im nächsten Jahr wieder abgebaut wird – weil bei der letzten, kürzlich stattgefundenen Gerichtsverhandlung nach vier Jahren Streit mit Gemeinde und Landratsamt endlich die Genehmigung für einen Baubescheid erteilt wurde!
Was an überschüssigen Tieren nicht in den Zuchtviehverkauf geht, wird ausschließlich per Direktvermarktung als Qualitätsfleisch vermarktet und erfreut sich größter Beliebtheit bei der zahlreichen Kundschaft! Definitiv von der Schlachtung ausgenommen bleibt Ochse Bini, der sich als Reittier von Tochter Anna einen Sonderstatus erarbeitet hat und sich somit vielleicht selbst den größten Gefallen getan hat ;) !!
Pinzgauerbetrieb Martin Augustin, Friedberg
Der Name Martin Augustin ist in der Pinzgauer-Fleischrinderzucht lange schon kein unbekannter mehr, hat sich dieser in wenigen Jahren nicht nur als Spitzenzüchter etabliert, sondern ist für viele seiner Kollegen zu einem besonderen Freund geworden.
Höchst erstaunlich ist nicht nur die Entwicklung dieses Betriebes, der praktisch von Null an, allen erdenklichen Widrigkeiten erfolgreich trotzte und nach einem sieben Jahre dauernden Rechtsstreit mit der Stadt Friedberg sein Stallbau-Vorhaben im Jahre 2013 endlich realisieren konnte.
Was 2006 mit dem Ankauf von neun Kühen aus dem Pinzgau (vom Betrieb Bruno Berger, Mittersill) in gepachteten Unterkünften seinen Anfang nahm, hat in den Jahren ordentlich an Zahl und Form zugenommen. Cirka 55 Mutterkühe erlesenster Qualität in Gruppen sortiert, zahlreiche verheißungsvolle Jungstiere sowie Nachzucht aller Alterskategorien sorgen beim Anblick für Verblüffung und der Feststellung, dass es sich nicht nur um eine Ausnahmeherde handelt, sondern auch um einen Besitzer, der seine Berufung im Bauersein wahrlich gefunden hat!
Diese außergewöhnliche Begabung spiegelt sich im Besonderen bei Martins Rinder – vermitteln diese allesamt dieselbe Ruhe wie ihr Besitzer und haben vollstes Vertrauen in ihm!
Ein wesentlicher Pfeiler des "Pinzgauer-Qualitätssortiments" von Martin Augustin dürfte die breit aufgestellte genetische Auswahl seiner Nachzucht sein - zählt Augustin aktuell auf den Einsatz von vier verschiedenen Vererbern - nämlich Haller-Max (stolze 12 Jahre, Z.Rupert Hohenwarter), Germanicus (Z.Johannes Schmidt), Momo (Z.Michael Gleißner) und Daniel (Z.Martin Güllich) und sichert sich hiermit nicht nur die nötige Linienvielfalt, sondern sorgt auch für einen automatischen Vergleich, welcher für den Fortschritt einer züchterischen Population unerlässlich ist!!
Das Erfolgsprojekt Augustin fußt auf einer besonderen Dreierkonstellation – bestehend aus Friedrich Hintermayer, sozusagen dem „Fundament“, das Augustin und seinem Freund aus Kindertagen, Stephan Körner den Traum, einmal Landwirt zu sein, ein Stück weit ermöglichte!
Schweinemast Stephan Körner, Friedberg
Zeitgleich mit Augustin verwirklichte Stephan Körner sein Stallprojekt, in dem er mit seinen knapp 500 „Strohschweinen“ die Basis für seinen bereits 2004 eröffneten Hofladen im Zentrum von Friedberg schuf. In der eigenen Metzgerei schlachtet Körner, der sich im Zuge der betrieblichen Entwicklung auch zum Metzgermeister ausbilden ließ, wöchentlich 15 – 16 Schweine sowie 2 – 3 Rinder von Martin Augustin und einem weiteren Rindfleischproduzenten, wobei sämtliches Fleisch für den Verkauf in Körners Hofladenveredelt wird.
(ca. 85 Fleisch- und Wurstsorten!)
Komplettiert wird das Areal (die jeweiligen Stall- bzw. Wirtschaftsgebäude sind im Besitz von Augustin und Körner, sämtliches Grünland wird auf Pachtbasis betrieben, die Ackerflächen sind im Besitz von Hintermayer, zusätzliche sind gepachtet) von einer 75 kw-Biogasanlage, welche zu 92% von anfallendem Schweine- und Rindermist genährt wird, den Rest ergänzen Ernterückstände der Grünland- und Ackerwirtschaft. Neben der Energiegewinnung und Wärmeerzeugung für Heizung und Trocknung liegt der Vorteil der Anlage im Besonderen in der Vermeidung von unliebsamer Geruchsentwicklung und Fliegen.
Überzeugen durfte sich die Reisegruppe aber nicht nur vom Erfolgskonzept einzigartiger Visionäre, sondern im Besonderen von einer Freundschaft, die trotz jeweiliger wirtschaftlicher Interessen gewahrt bleibt und somit neidlose Anerkennung verdient!!
Den Abschluss des eindrucksvollen Betriebsbesuches bildete eine Einkaufstour in Körners Hofladen und einem krönendem Gulasch aus eigener Produktion und eifrigst serviert von Stephans Kindern Anna, Simon und Antonia!
Benediktinerkloster St. Ottilien
Mit der Nähe zum Quartier am Hofgut Algertshausen in Eresing/Ammersee bot sich auch ein lohnender Besuch im Benediktinerstift St. Ottilien. Zu den riesigen Besitzungen des 1884 gegründeten Ordens gehört ein erheblicher Landwirtschaftsbetrieb mit eigener Klostergärtnerei, eine Milchviehzucht mit 195 Fleckviehkühen sowie ein großer Lege- und Masthühnerbetrieb samt Hofladen, welcher auf Initiative von Bruder Daniel, einem gebürtigen Salzburger, vor 20 Jahren initiiert und aufgebaut wurde und sich zu einem Erfolgsprojekt entwickeln konnte.
Bruder Daniel, der sich geehrt fühlte, seine „Landsleute“ durch einen kleinen Teil des Klosterdorfes zu führen, umriss in kurzen Worten die Bereiche des Stiftes, das nicht nur der Kontemplation und Einkehr dient, sondern auch dem Auftrag eines funktionierenden Wirtschaftsbetriebes nachkommen muss.
Herrmannsdorfer Landwerkstätten
Das erste Ziel der sonntägigen Rückfahrt führte zu den Herrmannsdorfer Landwerkstätten, wo ein weiterer Visionär unverwechselbare Fußabdrücke hinterlassen hat. Karl Ludwig Schweisfurth, ehemaliger Industrieller aus Nordrhein Westfalen hat in den 1980er-Jahren seine Philosophie – vom Acker bis zum Teller alles zusammenzuführen – mit dem Aufbau der Herrmannsdorfer Landwerkstätten weitblickend entwickelt und umgesetzt.
War Schweisfurth seiner Zeit mit Sicherheit meilenweit voraus, so schaffte er es dennoch in kurzer Zeit, viele umliegende, kleinstrukturierte landwirtschaftliche Familienbetriebe als Lieferanten hochwertigster Lebens- und Nahrungsmittel zu gewinnen und verwirklichte in wenigen Jahren ein Vorzeigeunternehmen, das heute mehr als 200 Menschen sinnerfüllte Arbeit gibt und jungen Menschen in den „Werkstätten“ begehrte Ausbildungsplätze bietet. (Im vergangenen Jahr schlossen 17 Lehrlinge ihre Berufsausbildung in den Hermannsdorfer Landwerkstätten erfolgreich ab!)
Der spannenden Führung durch das Gelände von Herrmannsdorf folgte ein kurzer Abstecher bei einem der Lieferanten – Ochsenmäster Josef Abinger, welcher dank eines weiteren Pionieres in der Vermarktung von regionalen Erzeugnissen, Hubert Wörgötter (verstorbener Moosburgbauer aus Uttendorf) seit mehr als 20 Jahren Pinzgauer-Jungochsen aus Salzburg bezieht und jährlich rund 50 schlachtfähige Ochsen an Herrmannsdorf liefert.
Hofkäserei Stroblberg
Landschaftlich wunderschön gelegen befindet sich der Milchviehbetrieb der Familie Neuner am Stroblberg in Baiern, gehörend zum oberbayerischen Landkreis Ebersberg. Seit 2000 wird in der im Keller befindlichen Hofkäserei Rohmilch zu feinsten Käsesorten veredelt. Das Sortiment umfasst 25 Sorten von Bergkäse bis Camembert und wird im Umkreis von München bis zum Chiemsee in Feinkostläden sowie Bauernmärkten erfolgreich vertrieben. Neuner ist zugleich Partner der Herrmannsdorfer, indem er überschüssige Milch an die dortige Käserei abliefert.
Als Basis für die Käseerzeugung dient die 26-köpfige Milchkuhherde, die in der dritten Generation mittels Verdrängungskreuzung von Fleckvieh auf Pinzgauer umgestellt wird.
„Grund dafür ist die genomische Zucht der Rasse Fleckvieh, die nur auf Höchstleistungen ausgerichtet ist und für unsere reine Grünlandwirtschaft nur Probleme bringt und somit untauglich ist“, meinte Leonhard Neuner in seiner Erklärung und hofft auf die Durchsetzung der bekannten Attribute, die das Pinzgauerrind in der grünlandbasierten Haltung auszeichnet.
Die Pinzgauerzüchter waren es, die das neueste Gebäude der Familie Neuner – das Salettl am Stroblberg bei einer angenehmen Kaffeejause und einer Käseverkostung einweihen durften und sich nach drei intensiven Tagen mit unzähligen Eindrücken und schönen Begegnungen von einer unbedingt sehenswerten Gegend Bayerns verabschieden mussten.
Allen, die zum Gelingen dieser lehrreichen Exkursionstage ihren Beitrag geleistet haben – indem sie Tür und Tor geöffnet und mit Gastfreundschaft geglänzt haben, ihre Arbeit und Philosophie vorgestellt haben und bereitwillig Frage und Antwort standen, sei von Herzen gedankt – weil eine Gemeinschaft davon lebt, dass jeder in seiner Individualität akzeptiert und angenommen ist und wir uns mit dieser gegenseitig inspirieren und bereichern dürfen!
Ein großes Danke gebührt an dieser Stelle Martin Stangl, der uns nicht nur die erholsame Unterbringung im Hofgut Algertshausen ermöglichte, sondern kurzerhand für die wertvollen Taxidienste zur Verfügung stand – Vergelt’s Gott für die super Unterstützung!
Danke auch allen, die mit ihren Bildern die interessanten Tage "optisch eingefangen" und die schönen Begegnungen somit festgehalten haben!
Christina Sendlhofer












