Pinzgauer Züchtertag in Kärnten
Steigende Kuhzahlen/ Erste 100.000er/ Arbeitskreis Pinzgauer Fleisch
Am 09. Februar 2010 fand in der Landwirtschaftlichen Fachschule Litzlhof bei Lendorf der alljährliche Pinzgauer Züchtertag mit knapp 50 Teilnehmern statt.
Der Obmann der Kärntner Pinzgauer Züchter, Hans Liesinger freute sich, so viele Besucher begrüßen zu können. Besonders erfreut war er auch, dass er wieder Gäste aus dem benachbarten Salzburg willkommen heißen konnte.
Im Jahresrückblick konnte der Obmann auf ein eher ruhigeres Jahr 2009 zurückblicken, dafür wird es 2010 umso spannender. Mit dem Dairy Grand Prix am 20.-21. März, dem 2. Kärntner Milchkuhkirchtag am 11. April und der Bundespinzgauerschau am 9. Mai 2010 finden gleich drei Groß-Events mit Pinzgauer Beteiligung in drei Monaten statt.
Besonders freute es Liesinger Hans, dass der Arbeitskreis Pinzgauer Fleischrinderzucht im Jahr 2009 gegründet wurde und auf Anhieb gleich 13 Mitglieder verzeichnen konnte. Die Pinzgauer Fleischrinderzucht sollte dadurch vermehrt an Bedeutung gewinnen und die Betriebsergebnisse der Arbeitskreismitglieder um einiges verbessert werden.
Auch bei der 6. Kärntner Fleischrindermesse am 13. März 2010 werden erstmals Pinzgauer-Fleisch Tiere ausgestellt.
Der Tag der offenen Tür auf einem Pinzgauer Zuchtbetrieb war das Highlight im abgelaufenen Jahr der Pinzgauerzüchter. Die perfekte Pingauer Milch-und Fleischherde am Betrieb von Schnitzer Horst in Himmelberg konnte zahlreiche Besucher aus Nah und Fern begeistern.
Von steigenden Betriebs- und Kuhzahlen konnte GF Ing. Ernst Lagger in seinem Geschäftsbericht positiv berichten. Aber auch das Thema Vermarktung im Bereich der Pinzgauer läuft mit der Ab-Hof Vermittlung über den Kärntner Rinderzuchtverband aber auch über die Versteigerung in Maishofen sehr gut. Hier gilt aber weiterhin der Appell, Tiere an den Kärntner Rinderzuchtverband zum Kauf bzw. Verkauf zu melden aber auch die Homepage www.krzv.at als Vermittlungsplattform zu nutzen.
Auch im Bereich des Spermaangebotes hat sich im letzten Jahr einiges getan. Es wurden auch für die Mutterkuhhaltung Stiere in das Angebot genommen. Mit Moltus, einem Kürntner Stier, der sehr frohwüchsige Nachzucht mit guten Tageszuhnahmen macht, und Horio, einem genetisch hornlosen Stier, werden gleich zwei Stiere für die Mutterkuhhaltung ausgegeben. Weiters wurde der australische Stier Ravensbrook Caesar in der gezielten Paarung ausgegeben.
Auch in der Milchschiene wurde das Spermaangebot mit Stieren mit RH-Anteil aus Südtirol erweitert. Mato, ein bereits geprüfter Stier wird über die Besamungsstation Perkohof ausgegeben und die Teststiere Bismark, Glido und Monky über Gutschein System vom Kärntner Rinderzuchtverband.
Der Leistungsbericht 2009 ist durch das kritische Milchwirtschaftsjahr 2009 eher mäßig ausgefallen und die Leistungen konnten nicht mehr gehalten werden. Bei einer Leistung von 5.067 Milch-kg bei 3,96 Fett und 3,36 % Eiweiß war die Leistung etwas geringer als im Jahr 2008, man muss aber bedenken, dass diese Rasse in den extensiven Produktionsgebieten in Kärnten gehalten und vielfach über den Sommer gealpt werden. Auch bei den Erstlingsleistungen war die Durchschnittsleistung etwas geringer (4.230 kg Milch) die Inhaltsstoffe konnten gehalten werden (3,96% Fett und 3,43 % Eiweiß).
Der Betrieb Schnitzer Horst konnte auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken. Der perfekt besuchte Pinzgauer Züchtertag, zahlreiche Zuchtviehverkäufe und bester Betrieb in Kärnten mit 15,2 Kühen bei einer Leistung von 7.351 Milch kg bei 4,08% Fett und 3,53% Eiweiß. Er verweist damit die LFS Litzlhof mit 43,8 Kühen und einer Leistung von 6.711 kg Milch 4,18% Fett und 3,49 % Eiweiß auf die zweite Stelle der besten Betriebe. Den dritten Platz erreichte Brunner Hans-Thomas aus Radenthein mit 490 FEkg.
Unter den besten reinrassigen Dauerleistungskühen ist die LFS Litzlhof mit "Atlanta", die über 70.000 kg Milch ermolk, an erster Stelle.
"Mira", die erste 100.000er Kuh bei den Pinzgauern in Kärnten und zusätzlich die erste 100.000er an einer landwirtschaftlichen Fachschule in Kärnten, ist natürlich an der Spitze der besten Dauerleistungskühe mit RH-Anteil.
Unter den besten Einzelleistungen konnte der Betrieb Steiner Margaretha aus Feistritz/Drau die "beste reinrassige Kuh" stellen. "Dona" eine Mandarin-Tochter ermolk 7.793 kg Milch bei 5,03% Fett und 3,57% Eiweiß.
Erneut gewaltig ist die Leistung von "Rolla", einer 50%igen Oregon-Tochter der LFS Litzlhof, zu bezeichnen. Bei 10.923 kg Milch mit 6,03% Fett und 3,83% Eiweiß bei 1.077 FEkg war sie deutlich an der Spitze der nicht reinrassigen Pinzgauerkühe und wie schon 2008 erneut über 1.000 FEkg.
Auch bei den Erstlingskühen konnten sehr gute Leistungen erzielt werden. "Reseda", eine reinrassige Mantus-Tochter mit 509 FEkg und "Risamba", eine 60,9%ige Biston-Tochter mit 576 FEkg, beide von der LFS Litzlhof, waren bei den Erstlingskühen an der Spitze.
In der Fleischleistung ist weiterhin ein erfreulicher Zuwachs an Betrieben und Kühen zu verzeichnen. Mittlerweile befassen sich 63 Betriebe, die 335 Herdebuchkühe halten, mit der Rasse Pinzgauer in der Fleischrinderzucht. Der Fleischleistungsbericht zeigte, dass gerade in der Aufzucht die Pinzgauer aufgrund der guten Milchleistungen der Muttertiere, gute 200-Tage-Zunahmen erzielen können (♂ 1.173 g, ♀ 1.066 g). Durch die durchwegs eher extensive Haltung der Tiere liegen die Tageszunahmen beim 365 Tage-Gewicht etwas unter dem Schnitt, 365 Tage Zunahmen ♂ 1.047 g, ♀ 900 g. Aber auch in besseren Produktionsbedingungen können die Pinzgauer gute Wiegeergebnisse und Tageszunahmen bis zu 1.700g erzielen.
Im heurigen Referat wurde das neue Zuchtprogramm Pinzgauer vom Geschäftsführer des Rinderzuchtverbandes Salzburg, Ing. Bruno Deutinger vorgestellt. Stiere, die in die Besamung gehen, werden nur mehr über die Versteigerung in Maishofen angekauft. Diese Stiere sollten aus fünf bis acht geprüften Stiervätern und aus ca. 50 Stiermüttern mit einem Zuchtwert GZW >106 und MW >112 stammen. Die bereits ausgewiesenen Stiere für die Besamung werden nur von privaten Käufern angekauft, diese müssen den Stier für die Absamung zur Verfügung stellen und erhalten dafür eine Unterstützung des Kaufpreises in Höhe von 25%, bis max. 1.000€. Jährlich sollten 14 Stiere geprüft werden, daraus erhofft man sich 3-4 geprüfte Vererber für den breiten Besamungseinsatz zu erhalten. Dieses neue Zuchtprogramm wird sicher zu einer Belebung des Stiermarktes auf der Versteigerung in Maishofen führen.
Im Anschluss daran wurde dem ehemaligen Obmann der ARGE Pinzgauer, DI Günther Heim für seine jahrelange Tätigkeit gedankt.
Durch die steigenden Betriebs-und Kuhzahlen der Rasse Pinzgauer wurde am Züchtertag Pinzgauer einmal mehr bewusst, dass die Qualitäten dieser Rasse immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Eigenschaften dieser robusten, gesunden, widerstandsfähigen Rinderrasse mit einem sehr gut ausgeprägtem Mutterinstinkt, gutem Leistungsvermögen, einem guten Abkalbeverhalten und guter Klauengesundheit sind in der Mutterkuhhaltung aber auch in der Milchviehhaltung für den wirtschaftlichen Erfolg ausschlaggebend. Durch die harten Klauen und dem guten Fundament eignen sie sich auch bestens für die Alpung und Weidehaltung.
Durch die gute Zusammenarbeit mit dem Salzburger Rinderzuchtverband ist man in der Pinzgauerzucht gut aufgestellt. Mit dem Arbeitskreis Pinzgauer Fleisch erhofft man sich weitere Aufschlüsse über die Wirtschaftlichkeit der Pinzgauer zu bekommnen und neue züchterische Wege gerade im Fleischbereich zu gehen.
Der Kärntner Rinderzuchtverband würde sich freuen, auch nächstes Jahr wieder so viele Besucher begrüßen zu können.
Ing. Georg Moser, Kärntner Rinderzuchtverband