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Praktikum bei der Bayern-Genetik

Überall live dabei - Magdalena Fuchs bei der Arbeit mit dem geliebten Rindvieh;)
Überall live dabei - Magdalena Fuchs bei der Arbeit mit dem geliebten Rindvieh;)

Die künftige Tierärztin Magdalena Fuchs sammelt Erfahrungen - in Bayern sowie der Schweiz!

Leider haben mir meine Abschlussprüfungen einen Strich durch die Rechnung gemacht, weshalb der Bericht meiner letzten beiden Praktika mit einiges an Verspätung.

Nach meinem Praktikum in Belgien ging es für mich vom 6. Juni bis zum 3. Juli nach Bayern, genauer gesagt zur „Bayern-Genetik".

Die Bayern-Genetik GmbH wurde am 01.01.2010 gegründet und ist aus dem Zusammenschluss der Niederbayerischen Besamungsgenossenschaft Landshut mit der Prüf- und Besamungsstation München-Grub, sowie der Besamungsstation Roiner entstanden.

Bayern-Genetik ist ein globaler Anbieter von Rindergenetik (Samen, Embryonen, Zuchttiere) mit Schwerpunkt auf die Universalrasse Fleckvieh. Samen und Embryonen werden alle in Deutschland produziert und von dort aus in die ganze Welt verschickt. Züchterisch steht das leistungsfähige Doppelnutzungsrind im Mittelpunkt.

Ich war während meines Praktikums hauptsächlich am Standort Grub, wo ich eine Wohnung zur Verfügung gestellt bekommen habe.
Am Montag und Donnerstag stand immer die Samenproduktion auf dem Plan. In Grub stehen ca. 100 Fleckviehbullen, die je nach Bedarf/Nachfrage abgesamt werden. Pro Woche werden ca. 25.000 Portionen Samen gewonnen. An diesen beiden Tagen war ich meistens im Samenlabor und habe dort mitgeholfen, aber dazu später mehr. Einmal hatte ich auch die Möglichkeit „live" beim Absamen der Bullen dabei zu sein und durfte auch selber zwei Bullen absamen. Anschließend habe ich noch eine Stallführung durch den mit Testosteron-gefüllten Stall bekommen. Während die jüngeren Bullen in Anbindehaltung gehalten werden, steht den Topbullen eine Box zur Verfügung. Ein weiterer Stall mit ca. 100 Zuchtbullen steht in Landshut.

Meine anderen Wochentage konnte ich mir selber einteilen und hatte dadurch ein sehr abwechslungsreiches Praktikum.
Einige Male bin ich mit auf Zuchtviehmärkte gefahren, wo genetisch interessante Jungvererber angekauft wurden.
Sehr interessant für mich waren die Tage mit Dr. Jakob Scherzer. Herr Scherzer entstammt dem bekannten Kärntner Fleckviehzuchtbetrieb und ist seit April 2010 der leitende Tierarzt bei Bayern-Genetik. Dr. Scherzer ist auch für den Bereich Embryotransfer verantwortlich und so hatte ich einige Male die Möglichkeit, ihn zu Embryonenspülungen zu begleiten.
Beim Embryotransfer wird eine Kalbin/Kuh, das sogenannte Spendertier, mit Hilfe von Hormonen zu einer Superovulation gebracht. Es gibt verschiedene Schemata um eine Superovulation auszulösen. Ist das Rind in Brunst, wird es zwei- bis dreimal zu verschiedenen Zeitpunkten besamt, damit möglichst viele Eizellen befruchtet werden. Sieben Tage nach den Besamungen werden die Embryonen aus dem Spendertier gewonnen. Zu diesem Zeitpunkt bewegen sich die Embryonen noch frei in der Gebärmutter umher und haben sich noch nicht eingenistet. Zuerst wird beim Spendertier eine Epiduralanästhesie durchgeführt, um das Empfinden rund um After und Scheide auszuschalten. Dann wird ein Spülkatheter in den Uterus bzw. das Uterushorn eingeführt und ein kleiner „Ballon" aufgeblasen, damit beim nachfolgenden Spülen keine Embryonen verloren gehen. Anschließend wird mehrere Male Spülflüssigkeit in das Uterushorn eingebracht und wieder abgezogen. Ist das erste Uterushorn gespült, kommt das zweite an die Reihe. Die gewonnene Spülflüssigkeit wird anschließend durch einen speziellen Filter gelassen, der die Embryonen auffängt. Und dann beginnt das Suchen nach den Embryonen unter dem Mikroskop. Je nach Ansprechen des Spendertieres auf die hormonelle Superovulation können so bei guten Spülungen bis zu 25 Embryonen (manchmal sogar noch mehr) gewonnen werden. Leider gibt es auch Spülungen, bei denen kein einziger Embryo gewonnen werden kann. Die Embryonen werden anschließend je nach Entwicklungsstatus und Qualität in verschiedene Gruppen eingeteilt. Danach kann man die Embryonen entweder tiefgefrieren oder direkt auf Empfängertiere übertragen, deren Zyklus mit dem des Spendertieres synchronisiert wurde, sodass sich diese 7 Tage nach der Brunst befinden. Mittlerweile ist die Wissenschaft so weit fortgeschritten, dass man von den Embryonen bereits Biopsien nehmen kann und diese auf Erbkrankheiten und auf das Geschlecht untersuchen kann.

Das Highlight während meines Praktikums bei der Bayern-Genetik war die Präsentation von zwei Nachzuchtgruppen (Bullen: Rijeka, Wolgasand) bei einer Rinderschau in Osterhofen, wo eine neue Vermarktungshalle eingeweiht wurde. Insgesamt wurden von der Bayern-Genetik 14 Rinder präsentiert, die wir während der Woche „schaufertig" gemacht haben. Das heißt Waschen, Scheren, Führen, … . Außerdem stand noch der Aufbau des Ausstellungsstalles (siehe Bilder) auf dem Plan. Als I-Tüpfelchen hatte ich die Möglichkeit Samstag und Sonntag je zwei Kühe im Ring zu präsentieren.
Eine Woche, bei der ich viele neue Bekanntschaften und Freundschaften schließen konnte, aber auch sehr viel dazugelernt habe.

Auch Blutprobenentnahme stand während meines Praktikums auf dem Programm, denn einmal im Monat müssen die Zuchtstiere, von denen aktuell Samen gewonnen wird, auf vorgeschriebene Deckseuchen untersucht werden.

Nun noch kurz zum Ablauf im Samenlabor: Nachdem das Sperma gewonnen wurde, gelangt es über ein kleines Fenster ins Labor. Dort werden zuerst das Volumen und die Dichte des Spermas bestimmt und das Ejakulat unter dem Mikroskop betrachtet wo die Qualität beurteilt wird. Das Bullensperma darf nur tiefgefroren werden, wenn es mindestens 70% lebende Spermien und eine Massenbewegung von einem + (Maximum: 3+, Massenbewegung schaut unter dem Mikroskop wie ein Fischschwarm aus) aufweist. Ist dies nicht der Fall, muss das Ejakulat verworfen werden. Danach wird das Ejakulat mit dem Verdünner bei 30°C verdünnt, wobei die notwendige Menge an Verdünner durch ein Computersystem anhand der vorher gewonnen Daten errechnet wird. Bevor es ans Abfüllen geht, wird noch einmal eine Probe des verdünnten Ejakulats unter dem Mikroskop betrachtet, da es natürlich sein kann, dass sich die Qualität durch die Zugabe des Verdünners verschlechtert und das Sperma dadurch nicht mehr gefriertauglich ist.
Dann folgt das Abfüllen: Je nach Name des Bullens und sonstiger Besonderheiten (genetisch hornlos, Rasse) werden die Ejakulate in unterschiedlich farbige Pailletten abgefüllt. Eine Paillette enthält 0,23ml und zwischen 15-25 Millionen Spermien. Je nach Bulle werden zwischen 300-1000 Pailletten pro Bulle abgefüllt. Diese werden dann innerhalb von 4 Stunden auf 4°C abgekühlt. Danach werden sie mit einem speziellen Einfrierapparat innerhalb von 15 Minuten auf -140°C gefroren und anschließend in flüssigen Stickstoff bei -196°C gelagert. In den ersten 30 Tagen befinden sich die Pailletten in Quarantäne. Einige Tage nach der Gewinnung und am Ende der Quarantäne werden zuvor genommene Rückstellproben unter dem Mikroskop betrachtet und die Qualität beurteilt. Ist alles in Ordnung, wird das Sperma in die großen Stickstoffcontainer geschichtet und steht für den Verkauf bereit.

Zu guter Letzt ging es für mich im Juli in die Schweiz, wo ich den letzten Teil meines Praktikums an der Nutztierklinik der Vetsuisse-Fakultät absolvierte.

Die ersten beiden Wochen habe ich auf der „Abteilung" Reproduktion verbracht. In der dritten Woche war ich im Nachtdienst eingeteilt und in der letzten Woche folgte die Chirurgie.
Am Morgen wurden zuerst immer die Patienten untersucht, anschließend besprochen und ein Plan für die weitere Therapie aufgestellt. Danach ging es ans Behandeln der Tiere. Während auf der Reproduktion vor allem Euterspülungen, Ultraschallkontrollen und rektale bzw. vaginale Untersuchungen auf dem Plan standen, waren in der Chirurgie vor allem Verbandswechsel durchzuführen. Am Nachmittag wurden häufig Operationen durchgeführt oder man hatte Zeit für Selbststudium.

Einige Male hatte ich auch die Gelegenheit mit zu Operieren: Angefangen mit einem Kaiserschnitt und einer Zitzenoperation, ging es im Nachtdienst weiter mit einem Kalb mit Darmverschluss und einem weiteren Kalb mit Nabelentzündung. Am letzten Tag meines Praktikums stand noch eine Labmagenoperation an.

Während meinem Praktikum in der Schweiz habe ich in Ehrendingen bei Familie Zimmermann gewohnt. Dafür möchte ich mich noch einmal bei Familie Berger für den Tipp bedanken, aber vor allem bei Monika und Matthias Zimmermann, denn es ist nicht selbstverständlich, dass man eine „fremde" Person, einfach so für ein Monat bei sich aufnimmt. Außerdem hatte ich dadurch auch die Möglichkeit mit ins Tessin zu fahren, wo die Zimmermanns ihre Kühe im Sommer auf 10 Almen untergebracht haben.

Auch meine letzten beiden Praktika waren für mich ein unvergessliches und lehrreiches Erlebnis, bei denen ich eine Menge dazulernen konnte und viele neue Menschen kennenlernen durfte. Leider ist die Zeit viel zu schnell vergangen, aber so ist das ja meistens, wenn man Spaß an etwas hat.
Ein großes Dankeschön gilt auch meiner Familie, die mir mein Studium und meine Praktika ermöglicht hat.

Magdalena Fuchs

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