Südtirols Jungzüchter auf Tour!
Ein Besuch bei Gleichgesinnten und Freunden
Ein Besuch bei Freunden und Gleichgesinnten war das Motto des diesjährigen Ausfluges, der uns am Samstag, 16. November nach Nordtirol führte.
Begleitet von Thomas Edenhauser besuchten wir als erstes den Ginsberghof der Familie Hochfilzer in Going.
Dieser Betrieb liegt sehr schön vorm Wilden Kaiser, nur schade, dass wir ihn wegen dichten Nebels nicht sehen konnten. Familie Hochfilzer bearbeitet 30 ha Gründland, davon sind 24 ha mehrmahdig und der Rest wird nach dem ersten Schnitt beweidet. 2008 wurde der neue Laufstall gebaut, insgesamt ca. 80 Stück Rinder leben am Hof, 2 Stiere und 15 Jungrinder stehen auf einem Partnerbetrieb, welcher die Kälber nach dem Entwöhnen bis kurz vorm Abkalben betreut. Das Kontingent umfasst 200.000 kg sowie 15.000 kg vom Aufzuchtbetrieb.
Ca. 15 Rinder werden über die Versteigerung in Maishofen verkauft, ein sehr wichtiger Markt, wie Matthäus Hochfilzer betont. Matthäus jun. arbeitet noch als Zimmerer, soll aber zukünftig am Betrieb bleiben. Den Sommer verbringen die Kühe auf einer gepachteten Alm unterhalb des Kitzbühler Horns. Der vorbildlich geführte Betrieb überzeugt mit seinen starken und leistungsbereiten Tieren, die sowohl in reinrassiger als auch veredelter Form sehr positiv auffallen. Der Ginsbergbauer betont die Bedeutung seiner Kreuzungskühe, die ihm gerade für die Vermarktung in Maishofen äußerst wichtig sind. Kein unerhebliches Standbein bildet die Vermietung, verständlicherweise lässt es sich in der idyllischen Umgebung gerne aushalten…
Nächste Station war der Betrieb Edenhauser, Innergrub in Fieberbrunn, welcher ebenso 30 ha Grünland (2/3 eigen, 1/3 Pacht) bearbeitet und über ein Kontingent von 210.000 kg Milch verfügt. Zurzeit stehen am Hof 36 Kühe und 35 Jungrinder, welche sich in einem sehr gelungenem Laufstall (2007 neu- bzw. umgebaut) wohl fühlen. Der Betrieb wird biologisch geführt und besitzt eine Alm auf 1.150 m, wo sämtliche Tiere von Mitte Mai bis Mitte September gesömmert werden. Betriebsleiter Josef Edenhauser ist schon seit 18 Jahren als Eigenbestandsbesamer tätig und mittlerweile ist auch Jungbauer Michael für diesen Kurs gemeldet. Einige Kühe waren uns nicht fremd, insgesamt präsentierte sich die Herde von sehr guter Qualität.
Ein weiteres Ziel war der Aufzuchtbetrieb von Roland Dödlinger, Kandler in Fieberbrunn, der mit einem 1,7 ha großen Feld, einer Fleckviehkuh und einem Fleckvieh-Maststier als Bauer angefangen hat. Bei einem Fest im Ort kam Dödlinger mit einem Zimmerer ins Gespräch über die Pinzgauer, später gesellte sich noch Thomas Edenhauser dazu und somit war der Startschuss für die Rasse Pinzgauer schon gegeben…Vor zwei Jahren hat der begeisterte Bauer für seine Jungtiere einen sehr ansprechenden Anbindestall gebaut, welcher momentan 11 schönen, hoffnungsvollen Kalbinnen Platz und Wohlgefühl bietet. Vor dem Kalben kommen die trächtigen Kalbinnen zum Partnerbetrieb und je nach Geschlecht wechseln die Kälber (weiblich) zum Kandlerhof oder verbleiben beim Betrieb (männlich). Der Gedanke, die Rinder am Hof kalben zu lassen und anschließend über die Versteigerung in Maishofen zu vermarkten, ist bei Roland Dödlinger in letzter Zeit sehr präsent und lässt die Tirol Milch auf einen neuen Lieferanten hoffen….;)
Zu dem sehr schönen und gelungenen Stallbau kann man Fam. Dödlinger jedenfalls nur gratulieren!
Die letzte Station war der Schörgererhof der Brüder Stefan und Andreas Lindner in Oberndorf. Empfangen wurden wir von Andreas, welcher uns einiges über die Käserei erzählte. Er verarbeitet bzw. veredelt jährlich ca. 100.000 kg Kuh- und 27.000 kg Ziegenmilch zu besten Produkten, die sich unter anderem über einen Partner in München für die gehobene Gastronomie bestens vertreiben lassen. Die Milch dafür liefert ein Freund, der seinen Betrieb von Pinzgauer-Mutterkühen auf 80 Ziegen umgestellt hat.
Die Auszeichnungen, die Andreas für seinen Käse erhält, bedeuten ihm nicht unbedingt Werbung, viel mehr sind sie Gradmesser um zu schauen, wo man steht. Aus diesem Grund wird BIO auch nicht extra deklariert, denn es wird aus Überzeugung biologisch ge- und verarbeitet! Andreas‘ wichtigste Kriterien sind Qualität, Spaß an der Arbeit und die Zusammenarbeit mit dem Bruder Stefan zu pflegen.
Die anschließende Käseverkostung überzeugte und nicht wenige nahmen Käse vom Schörgerer nach Hause. Im Stall wechselten sich die Persönlichkeiten, so bekamen wir hier die Informationen von Stefan, welcher die Aufgabenteilung klar unterstrich. Der Betrieb bearbeitet ca. 40 ha Grünland und 10 ha Weide, zur Zeit stehen ca. 40 Kühe mit dazugehöriger Nachzucht am Hof. Heuer kalben 21 Kalbinnen, welche teilweise über die Versteigerung in Maishofen vermarktet wereden. Die ideale Pinzgauerkuh sieht Stefan in einer milchtypischen Kuh mit schöner Farbe. Überzeugen kann man sich von vielen schönen, leistungsbereiten Kühen, welche reinrassig wie auch veredelt anzufinden sind.
Nach etwas Fachsimpeln und einem Schnaps mussten wir endlich nach Hause fahren und der Bauer in den Melkstand, schließlich warteten diese bereits auf ihren Chef…
Wir haben einen sehr schönen Tag bei Freunden in Tirol verbracht und möchten uns ganz herzlich für die enorme Gastfreundschaft und das Gefühl, willkommen zu sein, bedanken!!
Matthias Ploner