Tirol-Ausflug
Traditioneller Vorweihnachtstrip - heuer im Pinzgau!
Schon zur Tradition ist in der Vorweihnachtszeit der Ausflug des Tiroler Ausschusses geworden.
Ziel der Reise war in diesem Jahr der Pinzgau. Da die Tiroler auch gerne über ihren „Tellerrand“ hinausschauen, war die erste Station die Rinderzuchtgemeinschaft Leogang. Es handelt sich dabei um eine Betriebsgemeinschaft zweier Bauern, die vor über 10 Jahren gegründet wurde. Jungbauer Bernhard Perwein erwartete uns bereits am Hof und erzählte ganz offen über den Betrieb. Auf dem Bio-Betrieb werden ca. 30 Holstein Kühe samt Nachzucht gehalten. Die Arbeit wird genau auf beide Bewirtschafter wöchentlich aufgeteilt, so zum Beispiel erledigt einer die Stallarbeit am Morgen und der eine am Abend und in der nächsten Woche wird gewechselt. Auf diese Weise gewinnen beide ein Mehr an Lebensqualität und an Freizeit. Die Vorteile dieser Zusammenarbeit konnte man schon sehr früh spüren, meinte Bernhard, denn im Jahr der Gründung der Betriebsgemeinschaft wurde der neue Stall gebaut und Bernhards Vater verletzte sich bei den Arbeiten schwer. Dank der Zusammenarbeit mit seinem Betriebspartner Leonhard Mayrhofer gingen die Stallbauarbeiten dennoch zügig weiter.
Bernhard hat schon viel Erfahrung auf anderen Betrieben im Ausland gesammelt, die er im eigenen Betrieb umzusetzen versucht. Neben dem Betrieb hat sich Bernhard mit der vor zwei Jahren gegründeten Marke „Mei Muich“ ein weiteres Standbein gesichert. Dabei vermarktet er 60.000 kg Milch und Joghurt direkt und macht Hauszustellungen. Mittlerweilen hat er sich einen großen Kundenstock aufgebaut und beliefert mit Hilfe zweier Angestellte auch einige Hotels und Gasthäuser in der Region.
Unser nächstes Ziel war der Oberpiebing-Hof der Familie Zehentner in Saalfelden, wo wir herzlich empfangen wurden und Betriebsführer Isidor stellte uns seinen Hof und seine Herde vor. Besonders beeindruckend waren die neun in der zweiten Laktation stehenden Reif-Töchter. Der Stier „Reif“ wurde von Isidors Schwiegervater Martin Innerhofer, Roaner gezüchtet und stand, bevor er verkauft wurde und auf die Besamung kam, am Oberpiebinghof. Dort hinterließ er sehr positive Spuren. Die leistungsbereiten Reif-Töchter zeigten sich im mittleren Rahmen mit korrekten Körperformen und sehr schönen, gut aufgehängten Euter. Weiters waren drei vielversprechende Jungkühe vom Teststier Lenz zu sehen. 1966 wurde der Betrieb von seinen Eltern gekauft und durch viel Fleiß und Zusammenhalt in der Familie konnte ein sehr ansehnlicher Hof aufgebaut werden.
Vor drei Jahren konnte noch eine Alm in Fusch zugekauft werden, wo rund 30 Kühe den Sommer verbringen. Das Jungvieh wird auf die Schmalzgrubenalm in Fusch ausgestiftet. Die Zeit verging wie im Flug und schon mussten wir wieder Abschied nehmen von Familie Zehentner.
Weiter ging es nach Maishofen, dort wurden wir bereits beim Oberhaushof der Familie Gensbichler erwartet. Jungbauer Hannes stellte uns den stattlichen Hof vor. Insgesamt gehören zum Hof 143 ha, davon sind ca. 80 ha Wald, der Rest teilt sich in Wiesen und Alm auf. Im Stall konnten etliche Töchter des Besamungsstieres „Fasan“ besichtigt werden. Diese sind durchwegs großrahmig, eher flach bemuskelt und haben festsitzende Euter. Neben den Teststier „Moosburg“ konnten wir noch die Elitekuh „Seidn“ bewundern, die Hannes beim Herdenabverkauf des Duxerbauers in Krimml im Frühjahr gekauft hat. Da die Gastfreundschaft bei der Familie Gensbichler sehr groß geschrieben wird, ließen sie es sich nicht nehmen, den Besuchern noch ein Schnapserl, Tee und Kuchen zu kredenzen.
Nach dem Mittagessen folgte der Betrieb der Landwirtschaftsschule Bruck, wo wir schon schon von Mathias Kinberger und der Melkerin Martina erwartet wurden. Vor zwei Jahren wurde ein neues, sehr sehenswertes Stallgebäude gebaut, wo ca. 35 Pinzgauer Kühe samt Nachzucht untergebracht sind. Wie so oft, ist auch hier der neue Stall schon zu klein und einige Kälber wurden bereits in den alten Stall ausquartiert. Der Stall orientiert sich sehr an den Bedürfnissen des Schulunterrichts und bietet Grundlage für eine fundierte Ausbildung unserer Jugend. Auch die Herde des Piffguts kann sich sehen lassen und die konsequente Zuchtarbeit der letzten Jahre ist sehr gut sichtbar. Auch konnten wir den Stier „Fürst“ besichtigen, der beim heurigen Herbststiermarkt von Ja! Natürlich angekauft wurde und der Landwirtschaftsschule zur Verfügung gestellt wurde. Dieser vielversprechende, sehr korrekte Fasansohn (MV: Rat) wird nun über den Winter für Nachwuchs am Piffgut sorgen, ehe er im Frühjahr auf die Besamungsstation wechseln wird.
Es hätte noch vieles zu sehen gegeben, doch wir mussten weiter zu unserem letzten Betrieb und zwar dem Schüttgut in Zell am See. Der Betrieb von Wolfgang Porsche ist immer einen Besuch wert und hat in der Züchterszene längst einen „Namen“. Hermann Egger führte uns durch den Stall und zeigte uns seine Herde. Für besondere Aufmerksamkeit sorgten seine zwei „Melker“ – die beiden Melkroboter. Interessiert wurde der Melkvorgang beobachtet – Zitzenreinigung, Ansetzen der Zitzenbecher und Melken – alles wird vollautomatisch erledigt. Dass dies aber nicht immer von alleine geht, konnten wir auch gleich erfahren, denn bei frisch abgekalbten Jungkühe braucht es öfter ein wenig länger bis alles reibungslos funktioniert. Hermann stellte uns seine Spitzenherde vor und ließ uns ans seinem enormen Wissen an Abstammungen teilhaben. Nach zwei Stunden „Kia schaugn“ beim Porsche haben wir wahrscheinlich trotzdem erst die Hälfte gesehen, doch war es schon spät und wir mussten nach Hause aufbrechen. Am Schluss möchten wir uns bei allen besuchten Betrieben recht herzlich für die nette Aufnahme und Gastfreundschaft bedanken und möchten ihnen zu ihren hervorragenden Betrieben gratulieren.
Thomas Edenhauser








