Tour durch Ober- und Niederösterreich
Das Pinzgauer Rind – eine Doppelnutzungsrasse.
Das Pinzgauer Rind ist eine Rasse für den extensiven bis mittelintensiven Milch- und Mutterkuhbetrieb, gleich verhält es sich bei der Mast der Pinzgauer Stierkälber. Reinrassige Pinzgauer Stierkälber haben eine sehr gute Jugendentwicklung. Sie benötigen aber in der Endmast besondere Aufmerksamkeit, um den idealen Schlachtzeitpunkt zu ermitteln. Hier sind vor allem Mastbetriebe, die größere Anteile an Grassilage und Heu in der Ration haben, geeignet.
Auf Initiative von Oberzuchtwart Peter Trauner im Unruhestand führte uns eine zweitägige Tour nach Ober- und Niederösterreich. Mit von der Partie waren auch der Pinzgauer Fachausschussobmann Hannes Hofer und ARGE-Geschäftsführer Mathias Kinberger. Wir lernten auf unsere Reise viele interessante Bauern kennen, Neues und bereits Bekanntes über das Pinzgauer Rind, vor allem in der Mast und konnten so manchen Mäster für einen Versuch mit dem Pinzgauer Rind gewinnen.
Unser Besuch führte uns auch zu drei Mutterkuhbetrieben. Hubert Schneeweiss führt am Attersee mit seiner Familie ein Hotel und betreibt eine Landwirtschaft mit 20 Pinzgauer Mutterkühen. Die Jungrinder werden alle ab Hof und im Hotel vermarktet. Barbara Stockinger hält eine kleine Herde in Lenzing und zieht die Mutterkuhkälber zu prächtigen Weideochsen auf. Im Stiermaststall sollen zukünftig auch ein Teil Pinzgauer Kälber gemästet werden. Bei Familie Stadler in Weyer steht auch eine Mutterkuhherde mit 20 Kühen, die fast alle 2011 aus einer Betriebsauflösung gekauft wurden. Die männlichen Einsteller werden an einen Mastbetrieb in Haidershofen verkauft, den wir auch besucht haben. Sie entwickeln sich im Vergleich mit den anderen Rassen gleichwertig und werden an einen örtlichen Metzger verkauft.
Sicherlich ein Freund der Pinzgauer ist ZAR-Obmann Anton Wagner, der mit seiner Familie in Sonntagberg einen Braunviehmilch- und mastbetrieb führt. Beim ARGE-Ausflug im Herbst 2013 besuchten die Pinzgauer Züchter seinen Hof. Dabei wurde sein Schwiegersohn von Peter Trauner von der Qualität von reinrassigen Pinzgauer Stierkälbern überzeugt. Eine Woche später machten sich er und Helmut Meusburger mit fünf Stierkälbern auf den Weg nach Niederösterreich. Die Pinzgauer wuchsen mit den anderen gut mit und ein Stier wurde für den Eigengebrauch geschlachtet. Toni Wagner schwärmt von der Fleischqualität und möchte mit dem örtlichen Fleischhacker weitere Pinzgauer Stiere vermarkten. Weitere 20 Stiere wurden aus der Betriebsauflösung Oberhollenzer gekauft und fertig gemästet. Auch in der Milchviehherde wird zukünftig mit Pinzgauer Beteiligung gemolken. Zwei Monky-Kalbinnen vom Betrieb Porsche, Schüttgut befinden sich in Aufzucht und sollen sich in der sehr starken Herde beweisen können.
Bewiesen hat sich bereits das Geschenk der Salzburger Jungzüchter an Jungzüchterprofi-Projektleiter Markus Gahleitner. Seine Pinzgauer Kuh (V: Luchs) steht aktuell in der zweiten Laktation mit 120 Melktagen mit 33 kg Tagesmilch und ist bereits wieder trächtig. Weiters stehen zwei Jungrinder von ihr am Betrieb. Gemolken wird seit Jänner mit einem Roboter, mit dem Markus sehr zufrieden ist. Gleichzeitig mit unserem Besuch stellte sich auch der langersehnte Regen ein, was die Stimmung zusätzlich hob.
Ebenso im Mühlviertel zuhause ist Christian Fuchs, der mit seiner Familie einen vielseitigen Biohof mit Direktvermarktung in Altenfelden bewirtschaftet. Aus der ehemaligen Fleckviehzucht entsteht durch den Einsatz von Pinzgauer Stieren eine Pinzgauer Herde. Die Milch sowie das Fleisch von Ochsen und Schweinen werden am Hof direkt vermarktet. Ein ansprechender Hofladen lädt zum Einkaufen der hervorragenden Produkte ein.
Diese Tour hat uns bewiesen, dass das Pinzgauer Rind in vielen verschiedenen Produktionssystemen wirtschaftlich ist. Jede Rasse hat ihre Stärken und Bereiche mit Entwicklungspotential. Dank der gemeinsamen Zuchtarbeit und vieler privater Initiativen ist es möglich die Rasse weiterzuentwickeln und am Markt zu etablieren. Danke an alle die dazu einen Beitrag leisten.
Mathias Kinberger



