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Unterwegs im Tiroler Unterland

Ein unschätzbares Juwel - das 400-jährige Bauernhaus der Familie Aufschnaiter, Petern in Kirchberg
Schwarz und braun durchmischt - die Herde des Petererbauern
Ob eine die andere ausstechen will? Überzeugende Kühe von Familie Manzl, Ginzern - v.l. Zweitkalbskuh Schwalbe (V.Ritzl) und Jungkuh Salzach (V.Germanus)
Nicht unschwer zu erkennen, dass es sich hier um Siegerinnen handeln muss - die beiden Kalbinnen am Unterstegenhof können ihre Schaukondition nicht verbergen!
Roland Salvenmosers Strategie im Laufstall bewährt sich, sodass die Behornung seiner Kühe kein Problem darstellt.

Mehrwert für die Gemeinschaft - der jährliche Ausflug der Tiroler Pinzgauerzüchter!

Schon zur lieb gewonnenen Tradition ist der Ausflug der Tiroler Pinzgauer Züchter im Herbst geworden. Im heurigen Jahr blieben wir im Tiroler Unterland und besuchten einige Mitgliedsbetriebe, die mit viel Fleiß und Leidenschaft ihre Höfe bewirtschaften und mit Begeisterung Pinzgauer-Rinder züchten. Dem Vorstand der Tiroler Pinzgauer Züchter ist es wichtig die Gemeinschaft der Züchter zu stärken und so steht bei solchen Ausflügen immer der gegenseitige Austausch und das Gesellige im Mittelpunkt.

Familie Aufschnaiter, Petern, Kirchberg

Als erste Station wurde der Peternhof der Familie Aufschnaiter in Kirchberg im Ortsteil Klausen besucht. Angekommen am Hof fällt als erstes gleich das 400 Jahre alte Bauernhaus ins Auge, das fast gänzlich aus Holz besteht und mit viel Liebe und Aufwand gepflegt und gehegt wird. Im Stall werden 10 Original Pinzgaue- Kühe plus Nachzucht gehalten, welche ausschließlich mit Heu und etwas Kraftfutter gefüttert werden. Große Freude bereiten einige typvolle, schwarze Pinzgauer Tiere, für welche er schon gute Verkaufserlöse erzielt hat. Hans jun. sind vor allem gesunde und unkomplizierte Tiere wichtig. Als Haupterwerb betreibt Hans jun. im Winter eine Skischule. Zusätzlich werden einige Zimmer vermietet und die Gäste werden durch die direkt in der Nähe liegende Fleckalmbahn mitten ins Skigebiet Kitzbühel gebracht. Wenn auch zur Zeit keine Norikerpferde am Betrieb stehen, so hat die Pferdezucht eine wichtige Bedeutung in der Familie, gehört es nämlich zur Tradition, dass die Männer am Hof beim bekannten Brixentaler Anlassritt zu Fronleichnam mitreiten.

Familie Manzl, Ginzer, Kelchsau

Familie Manzl bewirtschaftet den extremen Bergbauernhof „Ginzer“ auf 1000 m Seehöhe in der Kelchsau, einem Seitental des Brixentals. Die 20 Original Pinzgauer-Kühe liefern hochwertige Bio-Heumilch, welche an die Tirol Milch geliefert wird. Im Sommer verbringt ca. die Hälfte der Kühe auf der nahe am Hof gelegenen, gepachteten Alm. Die trockengestellten Kühe und das Jungvieh werden über die Landesgrenze ins benachbarte Salzburg getrieben und verbringen den Sommer am Salzachurspung im Oberpinzgau, welche vom Talschluss der Kelchsau erreichbar ist.
Michael jun. ist auch immer wieder bei Schauen mit seinen Tieren vertreten. Sein bisher größter Erfolg war der Gesamtreservesieg beim 10. Pinzgauer Jungkuhchampionat im März dieses Jahres mit seiner Germanus-Tochter „Salzach“. Das Zuchtziel des Ginzerbauern ist eine mittelrahmige, edle und euterstarke Kuh. Neben den Pinzgauer-Rindern hat auch die Haflingerzucht einen großen Stellenwert am Hof. Nur durch den Zusammenhalt der gesamten Familie ist es möglich einen Hof in dieser Lage zu bewirtschaften.

Familie Fuchs, Rehaber, Kelchsau

Armin Fuchs bewirtschaftet im Nebenerwerb mit seiner Familie den Rehaberhof in der Kelchsau. In seinem Hauptberuf ist Armin Landmaschinenmechaniker. Im Stall stehen acht typvolle Original Pinzgauer Kühe samt Nachzucht. Den Sommer verbringen die Kühe auf einer gepachteten Hutweide taleinwärts, welche fast auf gleicher Seehöhe wie der Hof liegt. Der Höhepunkt der Sommerfrische ist immer der Almabtrieb, wo für Familie und Freunde die Kühe festlich geschmückt werden. Eine große Bedeutung am Hof hat auch die Forstwirtschaft, werdem mehr als 30 ha Wald bewirtschaftet.

Familie Klausner, Unterstegen, Söll

Durch eine glückliche Fügung konnten Stefanie und Martin Klausner vor gut sechs Jahren den Hof „Unterstegen“ kaufen. Dem Vorbesitzer war es wichtig, dass der Hof gut weitergeführt wird und so war man sich über den Kauf sehr schnell einig. Am Betrieb fühlen sich ca. 13 Kühe plus Nachzucht in feinstem Strohbett sichtlich wohl. Neben dem kastanienbraunen Rindern stehen auch ein paar Brown Swiss bzw. Fleckvieh Tiere im Stall. Die Leidenschaft für die Rinderzucht und für die Landwirtschaft ist in der Familie klar spürbar. Die beiden Söhne Matthias und Michael sind begeisterte und erfolgreiche Jungzüchter. So holte das Brüderpaar beim heurigen Salzburger Jungzüchtercup den Gesamt- und Gesamtreservetypsieg der Original Pinzgauer Kalbinnen. Beim Zuchtziel ist Martin neben einem schönen Exterieur auch eine gute Milchleistung wichtig. Wurden die Kühe bis vor ein paar Jahren im Sommer noch gealpt, so bleiben nun die Milchkühe im Sommer zuhause.

Familie Salvenmoser, Oberbiedring, Ellmau

Roland Salvenmoser wurde durch tragische Umstände zum Bauern am Oberbiedringhof in schönster Lage am Fuße des Wilden Kaisers. Sein Vater starb früh und sein Bruder übernahm den Hof. Dieser hatte dann einen schweren Forstunfall, ist seitdem körperlich etwas beeinträchtigt und übergab den Hof seinem jüngeren Bruder Roland. Dieser bewirtschaftet nun seit einigen Jahren den Hof mit viel Fleiß und Leidenschaft. Wurden am Betrieb vor Jahren ausschließlich Fleckvieh Kühe gehalten, so stellte Roland den Bestand sukzessive auf Pinzgauer um. In den letzten Jahren wurde viel investiert. Der Stall wurde zu einem Laufstall umgebaut, eine Remise wurde errichtet und der Dachboden des Bauernhauses wurde zu zwei Ferienwohnungen ausgebaut. Eine Besonderheit ist sicherlich die Tatsache, dass die Kühe am Oberbiedringhof im neuen Laufstall noch Hörner haben.
Roland erklärt, dass er während der Stallperiode keine neuen Tiere zur Herde gibt. Auch die trockenstehenden Kühe werden nicht separiert, damit wird Stress beim Wiedereingliedern vermieden. Durch die geografische Lage auf der Sonnseite von Ellmau dauert die Weideperiode sehr lange. Den Sommer verbringen die Kühe auf der hofeigenen Alm, die direkt vom Hof durch eine 3 km lange Forststraße erreichbar ist. Im Frühjahr und im Herbst weiden die Rinder auf den umliegenden Feldern. Im heurigen Jahr war  die 16-köpfige Kuhherde samt Zuchtstier und Nachzucht insgesamt acht Monate auf der Weide.

Wir möchten uns bei allen Familien für die immense Gastfreundschaft bedanken und gratulieren zu ihren hervorragenden Betrieben. Es ist schön zu sehen, mit welcher Freude und Begeisterung die Betriebe die Pinzgauer Rasse züchten. Solche Familienbetriebe sind das Fundament einer flächendeckenden Landwirtschaft im Berggebiet.
Die  gute Stimmung innerhalb der Tiroler-Züchterfamilien und die Freude über den Besuch belegen den Wert dieser jährlicher Unternehmung, die aus dem Kalender nicht mehr wegzudenken ist!

Thomas Edenhauser

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