Vollversammlung der Tiroler Züchter
Topreferat von Bruno Deutinger!
Am 20. März fand traditionell in der LLA Weitau in St. Johann in Tirol die alljährliche Versammlung der Tiroler Pinzgauer Züchter statt. Obmann Stefan Lindner konnte neben einigen Ehrengästen eine gewohnt große Anzahl an Züchterinnen und Züchtern begrüßen.
Obmann Stefan Lindner berichtete über eine sehr positive Stimmung unter den Züchtern und über eine gute Entwicklung der Pinzgauer Zucht in Tirol. Man muss aber auch objektiv bleiben, denn verschiedene Vergleichswerte zeigen, dass gewisse wirtschaftliche Kennzahlen der Pinzgauer Rasse nur durchschnittlich sind. Deshalb haben wir in der Zukunft noch sehr viel zu tun, denn im Wort „Landwirtschaft" steckt auch das Wort „wirtschaften" und die wirtschaftlichen Merkmale müssen weiter verbessert werden. Positiv sieht Obmann Lindner, dass das Zuchtprogramm greift und positive Stiere hervorbringt. Ein wichtiges Anliegen ist ihm der Einsatz von Teststieren, denn dies ist der beste Garant auch in Zukunft positive Stiere zu bekommen. Die Preisbildung auf den Versteigerungen hat sich unterschiedlich entwickelt, positiv zu vermerken ist die verbesserte Qualität bei den Jungkühen. Auch die produktive Zusammenarbeit im Rinderzuchtband in Maishofen wird besonders gelobt. Einen großen Dank spricht Obmann Lindner auch an Tierzuchtdirektor Rudi Hußl für die Unterstützung bei der Ankaufshilfe aus. Ganz Besonders möchte er die Arbeit der Jungzüchter hervorheben, die sehr aktiv arbeiten. Für die Zukunft wünscht sich Obmann Stefan Lindner einen gesunden Optimismus und dass die Pinzgauer Zucht weiter mit sehr viel Herzblut vorangetrieben wird.
Im Anschluss an den Bericht des Obmannes folgten die Ausführungen des Geschäftsführers Thomas Edenhauser. Die Entwicklung der Pinzgauer Zucht in Tirol ist durchaus positiv. Die Anzahl der Betriebe und der Herdebuchkühe war auch 2014 leicht steigend. Mit Ende 2014 waren es 189 Betriebe mit 1.007 Kühen. Die Milchleistung konnte deutlich auf eine Durchschnittsleistung von 5.947 kg Milch, 3,86 % Fett, 3,29 % Eiweiß und 425 kg Fett u. Eiweiß gesteigert werden. Auch in der Mutterkuhhaltung gewinnt die Pinzgauer Rasse in Tirol mehr an Bedeutung, so sind derzeit 33 Betriebe bei der Fleischleistungsprüfung angeschlossen. Auch bei den verschiedenen Ausstellungen waren die Tiroler Mitglieder wieder sehr erfolgreich. So gingen zum Beispiel die Gesamtsiege bei der Rasse Pinzgauer beim Bundesjungzüchterchampionat in Imst und beim Dairy Grand Prix in Maishofen an Tiroler Züchter.
Als Höhepunkt der Versammlung hielt der Geschäftsführer des Rinderzuchtverband Salzburg Ing. Bruno Deutinger ein Referat zum Thema „Status Quo und Perspektiven in der Pinzgauer Zucht".
Er analysiert in seinen Ausführungen die Entwicklung des Zuchtprogrammes und die Perspektiven der Pinzgauer Zucht. Zu Beginn zeigt er anhand einer Fragebogenauswertung, welche Merkmale für die Züchter bei einer Pinzgauer Kuh wichtig sind. Es sind dies Fruchtbarkeit, Euter, Melkbarkeit, Fitness und Milchleistung. Anhand einiger Bilder von Kühen stellt Bruno Deutinger die Frage, welchen Typ an Pinzgauer Kuh wollen wir? Zuchtziel ist eine mittel- bis großrahmige, körperhafte Kuh mit starker Vorhand und großem Verdauungsraum für die Raufutteraufnahme, mit feinen, trockenen Fundamenten und harten Klauen und einem festsitzenden, gut melkbaren Euter. In seinen weiteren Ausführungen geht der Rinderzuchtexperte auf das Zuchtprogramm und auf dessen praktische Umsetzung näher ein. Dabei zeigt sich ganz klar, dass in diesem Bereich sehr gut gearbeitet worden ist. Durch das neue Zuchtprogramm konnte die Anzahl der eingesetzten Teststiere pro Jahr deutlich gesteigert werden und dadurch hat man auch mehr positiv geprüfte Besamungsstiere erhalten. Das neue Zuchtprogramm wird konsequent umgesetzt, die Anpaarungsempfehlungen für Stiermütter werden von den Züchtern gerne angenommen, die zuchtrelevanten Tiere werden kontinuierlich erfasst und das neue Tierzuchtrecht wird umgesetzt. Der Anteil an Teststierbesamungen muss weiter gesteigert werden. Weiters wurde auch die Milchleistung der reinrassigen Kühe mit den der Kreuzungskühe verglichen. Der Unterschied in der Leistung ist in den letzten Jahren größer geworden, wobei die zunehmende Spezialisierung bzw. Intensivierung sicherlich auch eine Rolle spielt. Welche sind die beeinflussenden Faktoren und Chancen für die Zukunft? Durch die Größe der Population wird eine Umsetzung der Genomselektion bei der Rasse Pinzgauer realistisch gesehen nur sehr schwer umsetzbar sein, aber es wird weiter daran gearbeitet. Als einen der wichtigsten Punkte nennt Bruno Deutinger das Interesse der Züchter und die weitere züchterische Bearbeitung der Rasse. Denn nur wenn die Züchter intensiv mitarbeiten, kann ein Zuchtfortschritt erzielt werden. Dies gilt nicht nur bei den Pinzgauern, sondern auch bei allen anderen Rassen. Die Chancen der Rasse für die Zukunft sieht der Geschäftsführer vor allem in extensive bis mittelintensive Betriebsformen und bei den Jungzüchtern, denn diese Gruppe ist sehr aktiv, setzen sich intensiv mit der Zucht auseinander und sind die Züchter von Morgen. Mit diesen positiven Worten über die Jungzüchterarbeit beschließt Bruno Deutinger sein Referat und bittet auch für die Zukunft um eine aktive und konsequente Mitarbeit in der Zucht.
Als weiteren Höhepunkt gab es die Verleihung der Herdenmanagement – Preise 2014. Die Kriterien wurden heuer neu festgelegt und liegen nun bei mindestens 425 kg F+E kg, unter 390 Tage durchschnittlicher Zwischenkalbezeit und unter 170.000 durchschnittlicher Zellzahl im Herdendurchschnitt. 13 ZüchterInnen durften sich über die Auszeichnung „Pinzgauer Vital 2014" freuen:
- Bamberger Alois, Lehen, Kössen
- Bosetti Alois, Hauser, Brixen
- Heim Margarethe u. Johann, Schneider, Waidring
- Hochfilzer Matthäus, Ginsberg, Going
- Kerer Josef, Bruggbach, St. Johann i. T.
- Kronbichler Peter jun., Kramer, Erl
- Landeslehranstalt Weitau, St. Johann i. T.
- Niedermoser Michael, Sahater, St. Jakob i. H.
- Reiter Hansjörg, Marterer, Schwaz
- Reiter Johann, Eichenhof, St. Johann i. T.
- Reitstätter Barbara, Hackl, Kössen
- Seiwald Elfriede, Oberhausstatt, Erpfendorf
- Steiner Gerhard, Mitteracker, Kitzbühel
Als ganz besonderen Höhepunkt konnte auch heuer wieder eine 100.000 Liter Kuh geehrt werden. Und zwar ist dies die Kuh „Mondschein" (V: Spalwin Red) vom Betrieb der Familie Reitstätter, Hackl in Kössen. Mondschein schaffte dies bei 10 Abkalbungen und stammt aus einer sehr langlebigen Kuhfamilie, denn bereits ihre Mutter schaffte ebenfalls eine Lebensleistung von knapp 100.000 kg Milch. Mondschein brachte 6 Kuhkälber zur Welt, von denen noch 3 am Betrieb stehen. An dieser Stelle noch recht herzliche Gratulation der Familie Reitstätter für diese außergewöhnliche Leistung.
Zuchtwart Hannes Schreder informierte über das Serviceangebot vom Landeskontrollverband Tirol. Beim Qualitätsprogramm QS-Kuh wäre noch größere Beteiligung wünschenswert. Die Trächtigkeitsuntersuchung über die Milchproben wird von den Züchtern sehr gut angenommen und ist ein sehr hilfreiches Service zur Trächtigkeitsbestimmung.
Tierzuchtdirektor Rudi Hußl brachte anschließend noch ausführlich wichtige Informationen zum Thema IBR/IPV.
Nach einigen Grußworten der Ehrengäste wurde die diesjährige Versammlung traditionell abgeschlossen – bei einem guten Paar St. Johanner Würstln blieb noch Zeit zum Fachsimpeln unter Gleichgesinnten und Freunden.
Allen PreisträgerInnen sei zu ihren Leistungen herzlichst gratuliert und gedankt, bedarf es doch einer konsequenten und zielstrebigen Arbeit, um derartige Erfolge zu erzielen! Ein besonderer Dank gebührt auch Elisabeth und Michael Schipflinger, die in bewährter Weise für die gute Verpflegung sorgten und der LLA Weitau für die Zurverfügungstellung des Speisesaals – herzlichen Dank!
GF Thomas Edenhauser


