Vollversammlung der Tiroler-Züchter
Stabile Entwicklung der Pinzgauer-Zucht in Tirol
Anfang März zogen die Pinzgauer Züchter Tirols in ihrer Vollversammlung an der LLA Weitau Bilanz über das abgelaufene Jahr 2015. Obmann Stefan Lindner konnte eine große Anzahl an Züchtern und Ehrengästen begrüßen.
Die Mitgliederzahlen entwickelten sich in den letzten Jahren leicht positiv und der aktuelle Mitgliederstand liegt bei 191 Betrieben. 1.020 Herdebuchkühe erzielten eine durchschnittliche Milchleistung von 5.895 kg Milch, 3,87 % Fett, 3,27 % Eiweiß und 421 Fett u. Eiweiß kg. Bei leicht rückläufiger Milchleistung ist die Entwicklung bei den Fitnesswerten besonders erfreulich. Die durchschnittliche Nutzungsdauer und Lebensleistung konnte deutlich gesteigert werden und liegt nun bei 3,80 Jahren bzw. 23.888 kg Milch. Die durchschnittliche Zellzahl konnte um ca. 20.000 Zellen reduziert werden und liegt bei 172.139. Unter Fleischleistungskontrolle waren im vergangenen Jahr 43 Zuchtherden mit 281 Herdebuchkühen, was ebenfalls eine leichte Steigerung bedeutet.
Stefan Lindner verwies in seinen Ausführungen auf die stabile Lage der Pinzgauer Zucht in Tirol. Bei den Fitnesswerten sieht der Obmann noch Potenzial nach oben, ein leidiges Thema ist der Teststiereinsatz, der in den letzten Jahren einen enormen Rückgang verzeichnete. Die „genomische Selektion" lässt sich bei der Rasse Pinzgauer nicht umsetzen und dadurch wird der Teststiereinsatz auch in Zukunft oberste Priorität einnehmen müssen, um den Einsatz wieder deutlich zu erhöhen.
Weiters berichtete Lindner über die Vermarktung, die auf Grund der schlechten Milchpreise unter Druck geraten ist. Der Marktverlauf auf den Versteigerungen in Maishofen ist im Vergleich noch einigermaßen zufriedenstellend. Der Grund ist sicherlich das gute Bio Angebot und die vielen bäuerlichen Käufer. Großes Lob zollte Lindner der guten Zusammenarbeit im Vorstand des Rinderzuchtverbandes und berichtete kurz über die künftigen Baumaßnahmen in Maishofen und in Bergheim.
Abschließend sprach Stefan Lindner einen großen Dank an Familie Reitstätter, Hackl in Kössen aus, die im Herbst ein wunderbares Hoffest ausgerichtet haben.
Geschäftsführer Thomas Edenhauser brachte in seinen Ausführungen die allgemeinen Zahlen der Pinzgauer Zucht in Tirol und den Leistungsbericht mit den besten Herden und Kühen. Er unterstrich nochmals die Wichtigkeit des Teststiereinsatzes und dass dieser unbedingt wieder erhöht werden müsse. Auch im vergangenen Jahr gab es zahlreiche Veranstaltungen und Schauen, bei denen die Tiroler Pinzgauer Züchter einmal mehr sehr erfolgreich waren. Familie Steiner, Mitteracker aus Kitzbühel war mit ihrer Jungkuh „Fanni" (V: Kanu) beim 5. Pinzgauer Jungkuhchampionat erfolgreich und konnten den Gesamteutersieg bei den Pi x RF Jungkühen feiern. Bei der Bundespinzgauerschau waren die Tiroler Züchter ebenfalls in den Siegerreihen. So konnte die Familie Reitstätter, Hackl aus Kössen mit ihrer Kuh „Gams" (V: Joyboy) den Gesamtsieg bei den Pi x RF Kühen verbuchen und der Betrieb Edenhauser, Innergrub aus Fieberbrunn konnte mit der Kuh „Weindl" (V: Rat) den Bundesreservesieg erreichen. Hervorragend präsentiert haben sich die Pinzgauer auf der Bezirksrinderschau in Osttirol. Die Siege gingen an die Betriebe Steiner Martha, Gartner aus Prägraten mit der Kuh „Gretl" (V: Sax) und an Mattersberger Monika, Jösen aus Matrei mit der Kalbin „Flora" (V: Fidelio). Die Pinzgauer Zucht in Osttirol hat sich in den letzten Jahren sehr, sehr positiv entwickelt. Mittlerweile gibt es im Bezirk Lienz wieder ca. 40 Mitglieder. Größter Dank gilt hier besonders Ausschussmitglied Sepp Mattersberger, der sehr um die Pinzgauer Zucht in Osttirol bemüht ist. Weiters fand Ende Juni eine sehr gut besuchte Jungzüchter Almwanderung auf der Steinplatte in Waidring statt. Dank und Anerkennung gilt hierbei den Almbauern, die sich bereit erklärt haben, dies gemeinsam mit den Jungzüchtern zu veranstalten.
Nach dem Kassabericht fand das Hauptreferat von Dr. Raphael Höller zum Thema „Management im Milchviehbetrieb – aus Sicht des Rinderpraktikers" statt. Dr. Raphael Höller ist praktischer Tierarzt und hat gemeinsam mit seiner Frau eine Praxis in Niederösterreich. In seinem Referat brachte Dr. Höller sehr anschaulich die wichtigen Phasen im Jahresablauf einer Kuh. Besonders ging er auf das Trockenstellen und auf die Verwendung von Antibiotika ein. Bei eutergesunden Kühe mit einer Zellzahl unter 100.000 und negativem Schalmtest ist kein antibiotischer Trockensteller notwendig, hier genügt ein Zitzenversiegelung. Eine wichtige Phase ist die Trockenstehzeit. In dieser Zeit sollen die Kühe auf keinen Fall verfetten, denn bei zu fetten Kühen sind Probleme beim Start in die Laktation schon vorprogrammiert.
Dem sehr interessanten Referat folgte die Verleihung der Managementpreise „Pinzgauer Vital 2015". Die Betriebe müssen für den Preis mind. 425 kg Fett und Eiweiß im Herdendurchschnitt vorweisen, unter 170.000 durchschnittlicher Zellzahl liegen und weniger als 390 Tage durchschnittliche Zwischenkalbezeit erreichen. Diese Kriterien haben im vergangenen Jahr 13 Betriebe erreicht.
Es wurden folgende Betriebe ausgezeichnet:
Aigner Rosa, Steffler, Fieberbrunn
Edenhauser Josef, Innergrub, Fieberbrunn
Hochfilzer Marianne u. Georg, Unterstein, Reith b. K.
Krepper Hermann, Bachmann, Waidring
Kronbichler Peter Jun., Kramer, Erl
Landeslehranstalt Weitau, St. Johann i. T.
Mühlbacher Christian, Berger, Waidring
Niedermoser Michael, Sahater, St. Jakob i. H.
Reiter Johann, Eichenhof, St. Johann i. T.
Reitstätter Barbara, Hackl, Kössen
Seiwald Elfriede, Oberhausstatt, Erpfendorf
Steiner Gerhard, Mitteracker, Kitzbühel
Wechselberger Romana, Pinzgern, St. Jakob i. H.
Im Anschluss verlieh Tierzuchtdirektor Rudi Hussl im Namen des Lebensministeriums einen Staatspreis an Josef Edenhauser, Innergrub aus Fieberbrunn für die Kuh „Weindl" (V: Rat), mit der er bei der Bundesschau 2015 den Bundesreservesiegertitel erreichte.
Als weiteren Tagesordnungspunkt gab es von Amtstierärztin Helga Dengg, Tierzuchtdirektor Rudi Hussl und Zuchtwart Hannes Schreder einige wichtige Informationen über die veterinäre Situation und über aktuelle Dinge im Landeskontrollverband. Besonders ausführlich wurde über die Blauzungenkrankheit informiert.
Nach den Grußworten der Ehrengäste wurden noch ein paar wichtige Termine bekanntgegeben. Ein Großereignis ist für das kommende Jahr geplant und zwar findet am 22. April 2017 wieder eine Landesausstellung „Pinzgauer Rind" statt.
Zum Abschluss bedankte sich Obmann Stefan Lindner für den zahlreichen Besuch und für die rege Diskussion und schloss die Versammlung mit den besten Glückwünschen für Haus und Hof.
Traditionell wurde die Veranstaltung im gemütlichen Kreis bei St. Johanner Würsteln und geselligem Gedankenaustausch abgeschlossen.
GF Thomas Edenhauser





