Züchterlehrfahrt in die Schweiz
Viel Schönes im Westen!!
Drei Tage ging es in den Westen Österreichs und der Schweiz. Am Programm standen drei interessante Betriebe mit Pinzgauer Rinder und ein nettes Rahmenprogramm.
Nun aber der Reihe nach: Gestartet wurde am Samstag zeitig in der Früh Richtung Feldkirch, nach einem guten Mittagessen im Schützenhaus nahe der Schattenburg ging es bei strömenden Regen über die Grenze nach Liechtenstein und weiter in die Schweiz. Erstes Ziel war der Betrieb der Familie Jenni am Hirzel über dem Zürichsee. Martin und Barbara Jenni bewirtschaften dort einen typischen Schweizer Milchviehbetrieb im Hügelland. Gemolken werden 26 Kühe, die meisten sind rote Holstein, einige Swiss Fleckvieh und seit drei Jahren eine Pinzgauerin, die bei der 100 Jahr-Feier der Viehhandelsfirma Hinder angekauft wurde. Die Kalbin stammt von unserem Fachausschussobmann Hans Hirscher, der sich vor Ort von der guten Betreuung der Kuh überzeugen konnte. Neben den Wiesen und Weiden, die Kühe gehen von April bis November auf die Weide, liefern noch 0,8 ha Silomais weiteres Grundfutter. Ein Teil der weiblichen Kälber wird aufgezogen und in der Westschweiz gealpt. Dort bleiben die Tiere sehr lange auf der Alp und können bereits mit 26 bis 28 Monaten zum ersten Mal abkalben. Besamt soll in Zukunft wieder mehr mit Swiss Fleckvieh werden, damit die Nachzucht bessere Fundamente und mehr Substanz hat. Eingestreut wird mit Streu von den mehreren Hektaren Streuwiesen, die im September mit sehr viel Handarbeit geheut werden. Am Hirzel besteht ein nationales Naturschutzgebiet, wo die Mahd der Streuwiesen ein wichtiger Bestandteil der Erhaltung ist. Ein weiteres Standbein am Betrieb bildet der Christbaumverkauf. Fichten werden selbst gezogen, die Nordmanntannen werden zugekauft und in der Vorweihnachtszeit an die Zürcher Bevölkerung verkauft. Barbara bindet mit einer Freundin unzählige Kränze und Gestecke, die ebenfalls reißenden Absatz finden. Nach einer sehr netten Bewirtung mit Apfelsaft und Schinkenbrötchen, herzlichen Dank für die Gastfreundschaft, mussten wir bei noch immer strömenden Regen den Hof Richtung Zürichsee verlassen. Dort wartete bereits ein Ausflugsschiff auf uns. Leider konnten wir nur die schöne Aussicht erahnen, Nebel und Wolken versperrten uns die Aussicht. Nichtsdestotrotz genossen wir die Fahrt mit einem Nudelbuffet und einem Glas Wein nach Rapperswil, wo uns unser Bus wieder an den Ausgangspunkt zurück brachte.
Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Westen an Zug und Luzern vorbei nach Grosswangen auf den Betrieb der Familie Wyss. Alois und Annelies bewirtschaften 16 ha Grünland mit 20 Pinzgauer Mutterkühen von sehr guter Qualität. Ihr Ziel ist es einen Pinzgauer Vorzeigebetrieb zu betreiben und damit Werbung für das Pinzgauer Rind in der Schweiz zu machen. Vorerst fehlt ihnen noch ein Stier von sehr guter Qualität, der aber im Herbst importiert werden soll. Die Absetzer machen sehr gutes Geld aus und auch nach weiblichen Tieren besteht eine große Nachfrage. Familie Wyss sieht in der Pinzgauer Rasse eine perfekte Rasse für die Mutterkuhhaltung unter Schweizer Verhältnissen, vor allem der ruhige Charakter gefällt ihnen sehr. Der Hauptberuf von Alois ist Auktionator von Rindern und ganzen Landwirtschaftsbetrieben. Diesen Beruf übt er bereits in vierter Generation aus und ist weitum bekannt und geschätzt. Das Hobby von Annelies ist Oldtimertraktor fahren, und so lud sie ihre Traktorfreunde ein, uns ihre Schmuckstücke zu zeigen. So fuhren nach der Stallführung zehn Oldtimer auf und wurden von uns freudig begrüßt. Bei beginnendem schönen Wetter kredenzte uns die Familie ein wunderbares Käsebuffet auf, das mit einem Glas Wein von allen genossen wurde. Ein herzliches Dankeschön für die nette Aufnahme, Pläne für Schiurlaube und Betriebsbesichtigungen wurden auch gleich geschmiedet.
Doch wir mussten weiter in Richtung Ehrendingen, auf den Sonnenberghof der Familie Zimmermann. Matthias und Monika Zimmermann sind ja den meisten keine Unbekannten mehr, wir haben mehrfach berichtet. Sie bewirtschaften im Aargau einen 60 ha großen Milchviehbetrieb mit rund 240 Kühen. Im Sommer werden die Tiere am Gotthardpass gealpt, dadurch kann die Futterfläche am Heimbetrieb gänzlich ausgenützt werden. Die Jungtiere sind auf einem Aufzuchtbetrieb, die Stierkälber werden teilweise selber gemästet oder verkauft. Unzählige Rassen sind am Betrieb zu finden, bewährt haben sich auf den steilen und hohen Alpen des Tessin die Pinzgauer am besten und so sind auch die meisten Kühe wieder von einem Pinzgauer Stier trächtig. Die ersten Kreuzungskühe mit einem Pinzgauer Stier als Vater melken bereits und können überzeugen. So sind die ersten Töchter von Rat, Roll, Malden und Adonis in Laktation und geben ein buntes Farbenbild ab. Matthias ist von der Pinzgauer Rasse überzeugt und setzt weiter auf die schönste Rasse der Welt. Während der Stallbesichtigung bereiteten uns die fleißigen Helfer ein wunderbares Käseraclette zu. Geschmolzener Käse mit Erdäpfel und Essiggemüse schmeckte allen Teilnehmern vorzüglich und so ging es frisch gestärkt auf die Weide zu den Kühen. Ausgerüstet mit einer Namensliste und den Abstammungen und Leistungsdaten wurden die Pinzgauer Kühe inspiziert. Angelockt vom Kaffeeduft und den hervorragenden Mehlspeisen und Kuchen ging es zurück zum Stall und wir genossen den Sonnenschein vor dem Stall. Es ist nicht selbstverständlich, dass man auf den Betrieben so herzlich willkommen geheißen wird. Wir danken der Familie Zimmermann, die mit ihrer Großfamilie uns so tatkräftig bewirtet hat, für ihren Einsatz und wünschen weiterhin viel Erfolg in Haus und Hof.
Der Aufbruch viel schwer, aber wir mussten noch unser Etappenziel, das Wellnesshotel Quellengarten in Lingenau im Bregenzerwald, erreichen. Durch unsere Verspätung konnten wir jedoch leider die Annehmlichkeiten des Wellnessbereiches nicht nützen, und so gingen wir gleich auf die kulinarische Wellness über. Nach einem exzellenten Viergangmenü unterhielt uns Ewald, ein Musikant aus der Steiermark bis lang in die Nacht hinein. Auch der Austausch mit zwei Vorarlberger Pinzgauer Züchtern, Wüstner Karl und Heidegger Norbert wurde gepflegt und weitere Geschäfte angebahnt.
Am nächsten Morgen nach einem ausgiebigen Frühstück, der ein oder andere war auch noch schwimmen, fuhren wir nach Egg zum Betrieb der Familie Metzler. Die Juniorchefin ist Magdalena Kalchschmied aus Bruck, die uns herzlich empfing. Hier werden 50 Ziegen und 13 Milchkühe gehalten und die gesamte Milch zu Käse verarbeitet. Das Abfallprodukt der Käseproduktion, die Molke wird von insgesamt 14 MitarbeiterInnen zu Pflegeprodukten veredelt. Herzstück ist die neue Käserei mit Verkaufsladen und der neue Stall. Hier kann der gesamte Ablauf von der Fütterung und Haltung der Tiere, dem Melken bis zur Verarbeitung alles besichtigt werden. Die moderne Architektur verbunden mit dem Holz wirkt sehr freundlich und einladend. Speziell Gruppen mit Menschen, denen die Landwirtschaft fremd ist, haben hier die Möglichkeit hautnah Kontakt zu den Tieren und den Produkten zu bekommen. Vom Stall bis in den Heuboden ist alles beschildert und anschaulich erklärt. In Zukunft werden auch zwei Pinzgauer Kühe den Top-Braunviehbestand bereichern. Wir wünschen Magadalena und ihrer Familie alles Gute für die Geburt ihres Kindes Ende November und weiterhin so viel Schaffenskraft.
Bepackt mit vielen Köstlichkeiten und Molkepflegeprodukten ging es Richtung Heimat. Letzte Station war die HTL in Imst, wo von der Familie Grissemann, Pinzgauer Mutterkuhhalter aus Überzeugung, uns ein Mittagessen kredenzt wurde. Gestärkt mit Suppe, Salat, Rinderbraten und Schnitzel besichtigten wir noch die neue Vermarktungsanlage in Imst und machten uns dann auf den Weg zurück. Der Familie Grissemann sei herzlich für die Gastfreundschaft gedankt und auch ihnen wünschen wir alles Gute in Haus und Hof.
Dass die Schweiz eine Reise wert ist, haben wir ja gewusst. Aber von der Schönheit des Landes trotz des teilweisen schlechten Wetters und der Gastfreundschaft der Leute konnten wir uns selbst überzeugen und freuen uns die Schweizer Pinzgauer Züchter in unserer Gemeinschaft zu haben.
Mathias Kinberger
