Züchterlehrfahrt nach Kärnten
Ab in den Süden!
Unser südliches Nachbarbundesland war das Ziel unserer herbstlichen Züchterlehrfahrt. Genau das südöstlichste Tal Kärntens, das Lavanttal. Hans Köstinger, Obmann der Mostbarkeiten und selbst Pinzgauer Züchter organisierte den Züchterkollegen ein interessantes Programm.
Erster Besichtigungspunkt war das Stift St. Paul. Das Benediktinerkloster beherbergt die größte historische Bibliothek und Kunstsammlung Österreichs. Bücher vom 5. Jahrhundert bis heute sind hier in einer öffentlichen Bibliothek zugänglich. Auch die Ausstellung der Kunstschätze aus vielen Epochen lässt einen erstaunen.
ZOGGLHOF
Am Nachmittag stand der Zogglhof, das Zentrum der Mostbarkeiten am Programm. Vor über 20 Jahren haben sich Obstbauern aus dem Lavanttal zusammengeschlossen, um ihre Produkte gemeinsam zu vermarkten. Da damals der Most keinen guten Ruf mehr hatte und das meiste Obst der Streuobstwiesen verfaulte, bedurfte es einiger Initiativen und Persönlichkeiten wie Hans Köstinger um den Apfelwein wieder zu einem gefragten Produkt zu machen. Neben dem traditionellen Most wird heute auch eine große Bandbreite an Likören, Edelbränden und Essigen angeboten. Eine Führung durch das Obstbaumuseum und die gemeinschaftlichen Anlagen wie eine moderne Brenn- und Abfüllanlange wurden mit einer netten Verkostung der qualitativ hochwertigen Produkte abgeschlossen.
TAG DER OFFENEN TÜR
Am nächsten Tag stand der Tag der offenen Tür auf einem Pinzgauer Zuchtbetrieb auf dem Programm. Heuer erklärte sich Familie Zellnig, vulgo Grusch aus Ettendorf bereit, diesen durchzuführen. Hoch am Lamprechtsberg, auf rund 900 Meter Seehöhe liegt der Hof von Ernst und Bernadette Zellnig, der gemeinsam mit ihren vier Kindern und der Großfamilie bewirtschaftet wird. Leider konnten wir die schöne Aussicht nicht genießen, da uns der Wettergott nicht gnädig war. Der Bergbauern–Vollerwerbsbetrieb steht auf drei Standbeinen - die Pinzgauer Zucht, Forstwirtschaft und die Fischzucht.
Ernst übernahm den Betrieb 2006 und investierte gemeinsam mit seiner Familie viel harte Arbeit in den Betrieb. Es wurde auf biologische Wirtschaftsweise und Pinzgauer Zucht umgestellt, ein neues Stallgebäude errichtet und mit der Fischzucht begonnen. Obwohl die Pinzgauer Zucht sehr jung ist, die meisten Tiere wurden aus Salzburg, Niederösterreich und Kärnten zugekauft, konnten bereits sehr schöne Zucht- und Schauerfolge erreicht werden. Am Betrieb werden zwölf Mutterkühe mit der Nachzucht, zwei Zuchtstiere sowie etwa zwölf Bio-Maststiere gehalten. Neben der Eigenfläche von sieben Hektar werden 26 Hektar Pachtfläche bewirtschaftet, die sich je zur Hälfte in intensives und extensives Grünland aufteilt. Zuchtvieh wird ab Hof verkauft, Kalbinnen werden als Biojungrind vermarket, die Stiere selbst ausgemästet und von einem lokalen Schlachthof zu einem guten Preis angekauft.
Neben der intensiven Forstwirtschaft mit einer Waldausstattung von 45 ha spielt mittlerweile die Fischzucht eine große Rolle am Betrieb. In 14 Teichanlagen werden Brut- und Speisefische erzeugt. Der Fischbestand von 40.000 Stück setzt sich aus Regenbogenforellen, Saiblingen und Bachforellen zusammen und wird als Speisefisch und Setzlinge verkauft.
Dass Ernst ein begnadeter Tischler ist, sieht man in der gesamten Hofanlage, vor allem am Bauernhaus, das in liebevoller Kleinarbeit renoviert wurde. Es ist schön, wenn man eine so motivierte Bergbauernfamilie sieht, die mit viel Freude und Leidenschaft ihren Hof bewirtschaftet. Zum Schluss ein Zitat von Ernst: „ Wir freuen uns jeden Tag, dass wir hier am Berg leben und arbeiten dürfen, und vor allem sind wir stolz auf unsere Pinzgauer!".
Mathias Kinberger

