Betriebsreportage: Familie Hörfarter, Riedl, Kössen
Pinzgauer-Tradition seit eh und je am Riedlhof in Kössen!
Am BIO-Heumilch Betrieb von Familie Hörfarter wird seit Generationen die Zucht der Rasse Original Pinzgauer und Pinzgauer großgeschrieben – und das mit beachtlichem Erfolg!
Lage und Geschichte
Kössen im Kaiserwinkl liegt in einem breiten Talkessel, flankiert von den aufragenden Felsriegeln des Wilden und Zahmen Kaisers und den etwas sanfteren Bergrücken der Kitzbüheler und Chiemgauer Alpen. Der Riedlhof, der biologisch bewirtschaftet wird, liegt im sonnigen Ortsteil Gundharting, zentrumsnah und doch ruhig, mit herrlichem Blick zum Unterberg. „Unser Hof ist seit dem Jahre 1700 im Familienbesitz und wir durften 2007 den „Erbhoftitel“ für mehr als 200 Jahre Familiengeschichte stolz entgegennehmen“, so Stefan, der den Betrieb mit sehr viel Weitblick und Hingabe 25 Jahre lang geführt hat. Nicht nur als Landwirt sondern auch als Vertreter der Rasse Pinzgauer in Tirol hat sich Stefan einen Namen gemacht. So ist er seit 2007 im Vorstand der Tiroler Pinzgauer-Züchter und war von 2009 bis 2023 Obmann-Stv. der Rassenorganisation sowie im Fachausschuss der Rinderzucht Salzburg. Eines der größten Highlights war für ihn und die ganze Familie sicherlich das Hoffest am eigenen Hof 2007, wo die Pinzgauer-Zucht in Tirol ihr 100-jähriges Jubiläum feiern konnte. „Die schönste Rinderrasse der Welt feiert Geburtstag“, mit diesem Slogan eröffnete damals Obmann Stefan Lindner das Züchterfest am Riedlhof und es konnten mehr als 1.500 Besucher begrüßt werden. Im Frühjahr 2025 übergab Stefan den Betrieb an seinen Sohn Johannes, der mit viel Freude und Motivation den Riedlhof in eine gute Zukunft führen soll. „Die Pinzgauer-Rasse hat seit Beginn an einen hohen Stellenwert auf unserem Betrieb und es freut mich sehr, dass die junge Generation diese Tradition weiterführen will!“, so Stefan.
Betrieb, Haltung und Fütterung
Am Riedlhof werden knapp 26ha Grünland (davon 6,5ha Pacht,3-mähdig) in Eigenmechanisierung bewirtschaftet. 3ha dienen als Hutweide und außerdem werden noch knapp 20ha Wald selbst durchforstet. Das Stallgebäude wurde im Jahr 2009 durch den Zubau eines Anbindestalles erweitert – hier finden die Milchkühe der Rassen Original Pinzgauer und Pinzgauer ihren Platz. Diese Haltung bietet Vorteile in Hinblick auf die Übersicht und Kontrolle wie auch die Pflege und Behandlung (Tierarzt) der angebunden Tiere für den Betriebsführer. Die Milchkühe verbringen das ganze Jahre am Heimbetrieb, jedoch genießen sie einen ständigen Zugang zu Auslauf und im Zeitraum von Anfang April bis Ende Oktober zu Weideland. Das Jungvieh ist im „alten“ Stallgebäude untergebracht und verbringt den Sommer auf der Alm in Reit im Winkel sowie die trächtigen Kalbinnen auf der Glasalm in Kössen.
Die Fütterung erfolgt ohne mechanische Unterstützung und umfasst die direkte Gabe von bestem Heu aus dem ersten bis dritten Schnitt. Die Zufütterung von Milchleistungsfutter wird bedarfsgerecht je nach Milchleistung, Laktationsstadium und Kondition händisch vorgelegt. Um in Zukunft die Art der Konservierung, also die Haltbarmachung des Futters, noch besser gewährleisten zu können möchte der junge Betriebsführer Johannes im nächsten Jahr zusätzlich noch eine Heutrocknungsanlage am Betrieb integrieren.
Zucht, Vermarktung und Schauteilnahmen
Im Vordergrund steht die Züchtung der für die Region typischen Pinzgauer-Genetik, die robust, eine Vitalität für hohe Lebensleistung anstrebt und dem Doppelnutzungstyp entsprechend ist. Die Familie sieht es als Auftrag und Anreiz zugleich, die Rasse Pinzgauer züchterisch positiv weiterzuentwickeln - ist es doch gerade die heimische Rasse, deren Zucht in der Hand unserer bäuerlichen Betriebe liegt. Die Umgänglichkeit und ein guter Charakter sind für den Nebenerwerbsbetrieb, wo viele verschiedene Personen die Stallarbeit erledigen, auch sehr bedeutend. Etwa die Hälfte der Pinzgauer am Betrieb sind der Rasse Original Pinzgauer zuzuordnen, die zweite Hälfte sind Pinzgauer – also mit Red Holstein gekreuzt. Die Herausforderung für die Zukunft ist sicherlich die Zucht einer vitalen und modernen Kuh mit hoher Wirtschaftlichkeit. Als Fundament dient hier natürlich die Reinzucht, aber auch die Veredelungszucht muss gerade in Hinblick auf die Milchproduktion ihren Platz haben. Die Milchleistung der Kühe liegt bei knapp 7.300 kg Milch bei 3,87% Fett und 3,44% Eiweiß. Die silofreie Milch wird an die Kaiserwinkl-Sennerei in Kössen geliefert. Eine gezielt Anpaarung sowie ein vermehrter Einsatz von gesexten Samen ist für die Familie ausschlaggebend um die gewünschten züchterischen Erfolge zu erreichen. Der Betriebsführer ist Eigenbestandsbesamer und die Tiere werden großteils nach den Anpaarungsvorschlägen der Rinderzucht Salzburg besamt, wobei ein hoher Anteil mit Teststieren belegt wird.
Das überzählige Zuchtvieh wird über die Absatzveranstaltungen der Rinderzucht Salzburg vermarktet. Besonders bei den weiblichen Zuchtkälbern konnte man in den letzten Jahren überdurchschnittliche Preise erzielen. So wurde z.B. das Original Pinzgauer-Zuchtkalb NELLI (V.LEGRO) um einen Zuschlagspreis von € 1.000,- nach Kärnten und das Zuchtkalb BIRKE (V.REGENT) um einen Zuschlagspreis von € 1.400,- in die Steiermark über die Versteigerung in Maishofen verkauft. „Auch wenn wir einmal keine Tiere zum Verkauf anbieten bin ich bei jeder Versteigerung in Maishofen vor Ort um mit vielen Züchterinnen und Züchtern ins Gespräch zu kommen und um die Marktlage so gut wie möglich zu verfolgen!“, so der langjährige Funktionär Stefan.
Der größte Stolz von Familie Hörfarter waren mit Sicherheit die beiden 100.000l-Kühe NUSS (V. RASPUTIN RED) und KELLI (V.GOBI). Besonders KELLI konnte man das Alter von knapp 16 Jahren keinesfalls ansehen, präsentierte sich bis zum Schluss in bester Kondition und konnte noch eine erstaunliche Euterqualität vorweisen. Reichlich Erfahrung durfte KELLI auch als „Schaukuh“ sammeln – als „frische Tirolerin“ vertrat sie die Pinzgauer-Rasse bei der Landesausstellung 2009 in Oberndorf und sicherte sich 2010 als Dritte beim Dairy Grand Prix in Rotholz und Vierte bei der Verbandsrinderschau in Maishofen gleich zwei Top-Platzierungen. Eine sehr blickige LENZ-Tochter von KELLI steht aktuell noch am Betrieb und konnte Ende September ihr 4. Kalb zur Welt bringen.
Die Freude und Bereitschaft, an Tierschauen teilzunehmen, ist bei Familie Hörfarter sehr groß! Auch wenn die ganz großen Erfolge in den vergangenen Jahr noch ausgeblieben sind, hat man immer mit Freude und Begeisterung daran teilgenommen und es konnte wertvolle Erfahrungen daraus mitgenommen werden.
Für die Zukunft wünschen wir der ganzen Familie, besonderes dem neuen Betriebsführer Johannes mit seiner Jungfamilie, viel Glück in Haus und Hof sowie eine Menge Freude an der Zucht der Rassen Original Pinzgauer und Pinzgauer!
Florian Neumayr
Hörfarter Johannes, Riedl, Kössen / LFBIS: 3842657
Betriebsdaten:
- Lage: Kössen im Kaiserwinkl
- Seehöhe: 700m
- Familie: Betriebsführer Johannes mit Katharina und Kinder Theresa u. Simon, Stefan und Margit (übergaben am 01.April 2025 den Betrieb), Stefan und Hilde (Großeltern)
- Betriebsgröße: 26ha mehrmähdiges Grünland (davon 6,5ha Pacht), 20ha Wald, 3ha Hutweide
- Betriebsschwerpunkte: Milchwirtschaft, Zuchtkälbervermarktung, Forstwirtschaft, Vermietung (Ferienwohnung)
- Tierbestand: 23 Milchkühe der Rassen Original Pinzgauer und Pinzgauer, 8-10 Stk. weibliche Nachzucht
- Fütterung: BIO Heumilch-Betrieb, Kraftfutter, Ad-libitum
- Melksystem: Rohrmelkanlage im Anbindestall
- Leistungsentwicklung:
Jahr | Kuhzahl | M-kg | F % | E % | F+E kg |
2015 | 20,3 | 6.811 | 3,70 | 3,25 | 473,2 |
2022 | 20,3 | 7.244 | 3,94 | 3,40 | 531,5 |
2023 | 20,5 | 6.820 | 3,96 | 3,43 | 504,2 |
2024 | 21,6 | 6.929 | 3,95 | 3,51 | 516,5 |
Glt. Stalld. | 21,6 | 7.267 | 3,87 | 3,44 | 531,0 |







